Bekannt und unbekannt

Dichter und Schriftsteller in der Region Ober St. Veit

Immer wieder wird darauf hingewiesen, dass auch das historische Ober St. Veit reich an Schriftstellern war. Ohne die Diskussion fortzuführen, wer denn überhaupt als Schriftsteller zu sehen ist und als Ober St. Veiter vereinnahmt werden darf, gönnen wir uns eine weite Auslegung: Es sollen alle Berücksichtigt werden, die in Ober St. Veit geboren oder zumindest zeitweise in Ober St. Veit gewohnt haben und deren Werke wahrnehmbar verlegt wurden. So hat es jedenfalls Dr. Theodor Stöhr (einst Leiter der Parlamentsbibliothek und bis zu deren Ende Leiter der Ober St. Veiter Volks- und Jugendbibliothek) in seinen Aufzeichnungen getan. Als letzte Recherche seines Lebens versuchte er, alle ihm erinnerlichen Schriftsteller unserer Region aufzuzählen. Wir haben versucht, diese Liste zu komplettieren. Die biografischen Daten werden hier kurz gehalten, mehr zu den einzelnen Personen ist – falls vorhanden – auf den verlinkten persönlichen Seiten zu erfahren. Sollten Sie, sehr verehrter Leser, Schriftsteller sein und trotzdem in dieser Liste nicht vorkommen, so ist das ein Grund zur Freude: Sie leben noch.

Appel, Wilhelm Freiherr (* 1875 in Wien, † 1911 in Wien). Er war Sekretär in der Staatsbahndirektion, Schriftsteller, Lyriker, Journalist und geistiger Vaters der satirischen Zeitschrift „DIE MUSKETE“. Am Haus Schweizertalstraße 16 erinnert eine 1962 enthüllte Gedenktafel an seinen dortigen Aufenthalt. Er ist in einem Ehrengrab auf dem Ober St. Veiter Friedhof begraben.

Bahr, Hermann (* 1863 in Linz, † 1934 in München) bewohnte das Haus Winzerstraße 22/Ecke Veitlissengasse. Er war Schriftsteller, Dramatiker sowie Theater- und Literaturkritiker. Heute wird er als zentraler Vermittler der Wiener Moderne und anderer Kulturströmungen seiner Zeit gesehen.

Bartsch, Rudolf Hans (* 1873 in Graz, † 1952 bei Graz) bewohnte das Haus Hietzinger Hauptstraße 100. Er war österreichischer Offizier und Schriftsteller. Er zählte zu den erfolgreichsten Populärschriftstellern der österreichischen Vor- und Zwischenkriegszeit. Die "Dauerekstase seines Lebens" (Biograf Hans Dolf) blieb aber der Stadt Graz vorbehalten. Heute ist Bartsch fast gänzlich unbekannt. Werke: "Zwölf aus der Steiermark", "Die Haindlkinder", "Sterbender Rokoko", Meisternovellen etc.

Bieber, Friedrich Julius (* 1873 in Wien, † 1924 in Wien) wohnte in der Auhofstraße 144, an diesem Haus wurde eine Gedenktafel angebracht. Nach dem frühen Tod seines Vaters wurde er Schuhmacherlehrling und Buchhändler. Schon in jungen Jahren ging er alleine auf Wanderschaft. Er bildete sich als Autodidakt weiter und wurde zum anerkannten Kenner Äthiopiens. Gute Kontakte und seine Tätigkeit im Handelsministerium ermöglichten ihm vier, teilweise in offizieller Mission erfolgte Reisen nach Ostafrika. Im Rahmen der dritten Reise erforschte er das untergehende Kaffa, dessen Kultur durch seine Bücher vor dem Vergessen bewahrt wurde. Seine umfangreiche ethnologische Sammlung befindet sich im Wiener Völkerkundemuseum und im Bezirksmuseum Hietzing. Seine Urne ist in einem Ehrengrab auf dem Ober St. Veiter Friedhof beigesetzt.

Bowitsch, Ludwig (* 1818, † 1881 in Ober St. Veit) war Kaiserlicher Rat, ein volkstümlicher Dichter der Spätromantik und Mitherausgeber des "Österreichischen Balladenbuchs". Im Ruhestand zog er sich nach Ober St. Veit zurück.

Canetti, Elias (* 1905 in Rustschuk, Bulgarien, † 1994 in Zürich). Der Erzähler, Dramatiker, Essayist wohnte von 1927 bis 1934 in der Hagenberggasse. Insbesondere die Arbeit an seinem Erstwerk "Die Blendung" fällt in diesen Zeitraum. In seinem autobiografischen Roman "Die Fackel im Ohr" beschreibt er einige Personen und Begebenheiten Ober St. Veits.

Christl, ?, Vater des langjährigen Direktor des Badener Gymnasiums, Hietzinger Hauptstraße 126?

Demmer, Robert (* 1926 in Hacking, † 2011 in Wien) wohnte in der Josef-Gangl-Gasse. Der Architekt, Musiker, Komponist, Autor und Handwerker verfasste und hielt auch heimatkundliche Vorträge. Kritisch beobachtete und kommentierte er die entfremdenden Ortsbildveränderungen. Dieses Thema behandelte er auch in seinen zahlreichen heiter-kritischen Gedichten. Werke: "Kleine Erklärungen", "Ned Normal ..." und zahlreiche unveröffentlichte Gedichte.

Dermota, Anton (* 1910 in Kropa, Slowenien, † 1989 in Wien) wohnte in der Hagenberggasse. Er wurde 1946 zum Österreichischen Kammersänger ernannt und war einer der prominentesten Tenöre an der Wiener Staatsoper. Literarisch hervorgetreten ist er mit seiner 1978 erschienenen Autobiografie "Tausendunein Abend", die auch einen tiefen Einblick in die Operngeschichte seiner Zeit gibt.

Fleischer, Erich, wohnte an einer Ecke der Hietzinger Hauptstraße, war schwer gehbehindert. Mehr konnte bisher nicht in Erfahrung gebracht werden. In Deutschland gibt es einen Erich Fleischer Verlag.

Fraungruber, Hans (* 1863 in der Steiermark, † 1933 in Ober St. Veit) wohnte Ecke Preidlgasse/ Hietzinger Hauptstraße. Er war Lehrer, zuletzt Direktor in der Volksschule Gumpendorfer Straße 4, und Schriftsteller. 1899 war er Mitbegründer und seit 1917 Redakteur der Zeitschrift "Das deutsche Volkslied", er war Mitarbeiter der Monatsschrift "Für die Jugend des Volkes" und gab "Gerlachs Jugendbücherei" heraus. Nach dem Vorbild des mit ihm befreundeten Peter Rosegger verfasste er zum Teil in steirischer Mundart Gedichte, Erzählungen und Schauspiele (u. a. "Meine Bergbauern"). Er gab zahlreiche Werke der Jugendliteratur sowie Anthologien und Lesebücher heraus.

Jäger, Prof. Karl (* 1871 in Marburg, † 1960 in Wien) wohnte in der Hietzinger Hauptstraße 162. Er war Dichter, Musiker, Schauspieler und Pionier des Volksbildungswesens in der "Wiener Urania", der er auch als Direktor vorstand. Den älteren Ober St. Veitern unvergesslich geworden ist er vor allem durch die ab 30. Oktober 1930 stattfindenden "Jäger-Vinzenz-Abende" des Ober St. Veiter Männergesangvereines. Werke: "Wia's mar einfallt", "Steirische Gsangeln", "Die knoarade Tür", Gedichte in steirischer Mundart etc.

Jerabek, Vinzenz (* 1875 in Ober St. Veit, † 1963 in Ober St. Veit) wohnte an vielen Adressen Ober St. Veits, die letzten Jahre verbrachte er im Altersheim im Schloss Ober St. Veit. 1903 wurde seine erste Geschichte in der "Volkszeitung" veröffentlicht. Nach und nach wurden es über 1200 Abhandlungen in der "Volkszeitung" und im "Das kleine Blatt". Mit hintergründigem Humor wurde alles Leben in der Vorstadt mal authentisch, mal mit viel Fantasie beschrieben. Einen Großteil der Geschichten schrieb er mit der Schreibmaschine, die auch die Nobelpreisträgerin Berta von Suttner für ihr Werk "Die Waffen nieder" verwendet hatte. Heute kann sie im Hietzinger Bezirksmuseum besichtigt werden. 1956 wurde vom Ober Sankt Veiter Männergesangverein im Eigenverlag das Buch "Erlebtes und Erlauschtes aus Wiens Vorstadt" mit zahlreichen Geschichten von Vinzenz Jerabek herausgegeben.

Kainrath, Karl (* 1906 in Wien) war Ministerialrat im Finanzministerium und wohnte im Haus Hietzinger Hauptstraße 93. Werke: "Aufbruch und Einkehr", "Übern Zaun geblinzelt", "Kuriositäten in Reimen", "Wenn Euterpe Flöte bläst", sämtliche Gedichte etc.

Kallab, Wolfgang (* 1875 in Proßnitz, † 1906 in Wien) war Kunsthistoriker. Sein Hauptinteresse galt der kunsthistorischen Quellenforschung, sein früher Tod verhinderte aber die von ihm geplanten Quelleneditionen. Seine Dissertation über die Entwicklung der toskanischen und umbrischen Landschaftsmalerei im 14. und 15. Jahrhundert wurde im Jahrbuch der kunsthistorischen Sammlung des Allerhöchsten Kaiserhauses abgedruckt. Lebte in Ober St. Veit.

Kraft, Josef (* 1879 in Unterstinkenbrunn, Bezirk Mistelbach, † 1945 in Bad Hall in Oberösterreich) wohnte in der Auhofstraße 142a. Nach langjähriger Tätigkeit in Innsbruck wurde er 1921 nach Wien an das Archiv für Niederösterreich berufen und übernahm zwei Jahre später dessen Leitung. Sein Bestreben war es stets, die Schätze seiner Archive einem größeren Kreis zugänglich zu machen. Ab dem Jahre 1908 erschien eine Fülle von Arbeiten zur Tiroler, Niederösterreichischen und Wiener Landes-, Stadt- und Ortskunde, sowohl kunstgeschichtlicher als auch heimatkundlicher Natur. Seine Bibliographie umfasst 136 Beiträge und das posthum erschienene Heimatbuch „Aus der Vergangenheit von Ober St. Veit“. Sein Interesse gehörte vor allem dem kleinen, unscheinbaren Geschehen, und er wurde vielleicht der beste Kenner der Geschichte des niederösterreichischen Bauerntums. 1947 wurde er auf den Friedhof seines Geburtsortes Unterstinkenbrunn umgebettet. Mitte der 1980er-Jahre wurde eine Gasse beim Ober St. Veiter Friedhof „Josef Kraft-Weg“ benannt.

Lifka, Erich (* 1924 in Wien, † 2007 in Wien). Er wuchs in Ober St. Veit auf und wohnte bis an sein Lebensende in der Erzbischofgasse. Er war Schriftsteller, Journalist und Übersetzer. Zwischen 1956 und 1959 veröffentlichte er drei Gedichtbände, die bei der zeitgenössischen Kritik viel Beachtung erfuhren. Für seinen zweiten Gedichtband "Die Flut rückt vor" wurde Lifka 1958 mit dem Literaturpreis der Stadt Wien ausgezeichnet. Darüber hinaus war er eine der aktivsten Persönlichkeiten der europäischen homosexuellen Publizistik nach dem Zweiten Weltkrieg. Mit dem Detektiv Larry Dawe schuf er einen der ersten schwulen Krimihelden der Geschichte. Auf eigenen Wunsch wurde er am Wiener Zentralfriedhof eingeäschert und im kleinen Kreis am Ober St. Veiter Friedhof beigesetzt.

Knapp, Horst (* 1925 in Wien; † 1996 in Wien) wohnte in der Trazerberggasse. Von 1946 bis 1950 war er Redakteur für die United Press International, später freier Journalist. Ab 1960 war er Herausgeber der wöchentlichen "Finanznachrichten". Neben dieser Haupttätigkeit war er für verschiedene österreichische Tageszeitungen und den ORF tätig. Er wurde als Altmeister der Wirtschaftsjournalistik und Bannerträger ökonomischer Vernunft bezeichnet. Er verstand es, die Kenntnisse des Wissenschaftlers in erstklassiger Sprache an Leser und Ratsuchende weiterzugeben.

Mell, Max (* 1882 in Marburg, † 1971 in Wien) lebte in Hacking. Der in Marburg geborene Sohn des weltberühmten Blindenpädagogen Alexander Mell (der in Ober St. Veit in einem Ehrengrab beigesetzt ist) kam bereits als Kind nach Wien und erlebte hier als Schüler und Student noch den letzten Glanz, freilich auch alle Untergangsfährnisse der Reichshauptstadt einer Vielvölkermonarchie. Sein dichterischen Werk entstand nach allen Zusammenbrüchen von 1918 an in den Spannungen und Auseinandersetzungen der Ersten Republik und inmitten des Zweiten Weltkrieges als ein Bollwerk der Lauterkeit: „Soll ein Maß sein in unserem Tun. Was übers Maß ist verfällt dem Gericht." Die Stadt Wien widmete ihm ein Ehrengrab am Zentralfriedhof.

Mitterer, Erika (* 1906 in Wien, † 2001 in Wien), wohnte zuletzt im Altersheim Veitingergasse. Sie war Lyrikerin, Erzählerin und Dramatikerin. Sie wurde im Ehrenhain Gruppe 40 am Wiener Zentralfriedhof beigesetzt. Im Jahr 2002 wurde in Ober St. Veit der Erika-Mitterer-Weg nach ihr benannt. Werke: "Briefwechsel in Gedichten" (mit R.M. Rilke) etc.

Neidl, Margarete (1892–1974), wohnte in der Einsiedeleigasse. Sie war Hauptschuldirektorin, Erzählerin und Lyrikerin. Werke: "Pepi Kramer-Glöckner erzählt ihre Theater-Erinnerungen", "Österreich Almanach", "Nach dem Aveläuten", "Komm ins Märchenland" etc.

Popper, Karl Raimund (* 1902 in Ober St. Veit; † 1994 in London). Die Veröffentlichung der Logik der Forschung im Jahre 1934 war der Anfang seiner Karriere als Philosoph. Im Januar 1937 verließ das Ehepaar Popper Österreich Richtung Neuseeland und nach dem Zweiten Weltkrieg wurde England zur zweiten Heimat. Als Professor für Logik und wissenschaftliche Methoden machte er auf ganze Generationen von Studenten einen unvergesslichen Eindruck. Seine Emeritierung 1969 war der Beginn für weitere 25 Jahre intensiver philosophischer Aktivität. Er erhielt zahlreiche Auszeichnungen und Ehrungen inklusive Erhebung in den Adelsstand. Popper lieferte fundamentale Beiträge zur Logik, zur Erkenntnistheorie, zur Philosophie der Geschichte, zur Philosophie der Naturwissenschaften, zur Metaphysik, zur Sozialphilosophie und zur Geschichte der Philosophie. Seine Ideen gingen weit über das eigentlich Philosophische hinaus, mit dem zentralen Gedanken, dass Wachstum und Fortschritt unseres Wissens vor allem durch Fehler, aus denen wir lernen, ermöglicht werden. Seine Urne wurde im Lainzer Friedhof im Grab seiner Frau beigesetzt.

Reitmeyer, Josef (* 1892 in Heilbrunn, Salzburg, † 1975 in Wien), er wohnte in der Auhofstraße 188. Werke: "Dünana", "Wuliwanzle und Jacöble und andere lustige Geschichten" mit Bildern von Ernst Kutzer," Jugendland-Wunderland", weitere teils unveröffentlichte Erzählungen, Stücke für das Theaterspiel der Ober St. Veiter Jugend wie z.B. "Die Vestalinnen". Die Geschichte „Wuliwanzle und Jaköble“ kann wegen der Bilder von Ernst Kutzer und der Zwergengeschichte als Vorläufer von „Puckerl und Muckerl“ gesehen werden.

Slatin, Rudolf Carl (* 1857 in Ober St. Veit, † 1932 in Wien), wuchs in der Schweizertalstraße 16 auf. In seinem 75-jährigen Leben wurde er zu Sir Rudolf Freiherr von Slatin Pascha, General der ägyptischen und Generalmajor der britischen Armee und österreichischer Geheimrat. Die 12-jährige Gefangenschaft bei den Mahdisten und seine abenteuerliche Flucht, die er in seinem Buch "Feuer und Schwert im Sudan" beschrieb, und seine triumphale Heimkehr nach Europa machten ihn zum hochdekorierten und geadelten Helden. Dank seiner Position und seiner guten Kontakte konnte er während und nach dem Ersten Weltkrieg auf hoher Ebene politisch vermitteln und menschlich helfen. Seine Beisetzung am Ober St. Veiter Friedhof glich einem Staatsbegräbnis.

Stieger, Anton (* 1920 in Unterberg bei Grieskirchen, † 1960 in Baden). Durch den Kriegseinsatz bei den Pionieren war er gesundheitlich schwer geschädigt und lebte von einer Invalidenrente. Von 1945 bis 1952 veröffentlichte seine Werke im Steffel-Verlag, Mantlergasse 27. Ab 1951 wohnte er in Siegenfeld, Rosenthal 55 bzw. 38. Er ist in Heiligenkreuz begraben. Werke: "Zeileis", "Martin Mux und sein Versprechen", "Das Ahnschwert", "Karli und seine Katzen. Allerlei über Rebernigg", "Wien unter der Lupe", "Lächle, lieber Leser! Soundsoviele heitere Kurzgeschichten", "Shpresa und der König", "Lachendes Kinderland. Lustige Geschichten von kleinen Leuten", "Die vier Seiten der Welt - Tagebuch einer Liebe" etc.

Stoessl, Otto (* 1875 in Wien, † 1936 in Wien), er wohnte in der Matrasgasse 20, an diesem Haus wurde eine Gedenktafel angebracht. Er war bis zur Pensionierung 1923 Beamter bei der Kaiser-Ferdinands-Nordbahn und dann freier Schriftsteller. Sein Werk umfasst Romane, Erzählungen, Essays, Gedichte und Theaterstücke. Als sein Hauptwerk gilt der Roman "Das Haus Erath", der den Niedergang einer österreichischen Familie über mehrere Generationen zum Thema hat. 1924 erhielt er gemeinsam mit Robert Musil den Literaturpreis der Stadt Wien. 1955 wurde die Stoesslgasse beim Hügelpark nach ihm benannt. Auf dem Ober St. Veiter Friedhof wurde ihm ein Ehrengrab gewidmet.

Strnadt, Georg (* 1909, † 1980 in Wien), wohnte seit ca. 1932 in der Prehausergasse. Er war Antiquitätenhändler und Mundartdichter. Er selbst bezeichnete sein Hinwenden zur Lyrik als eine Alterserscheinung, da er sich in seinem Leben eher der Musik zugetan fühlte. Sein Anliegen war die Schönheit und das Musikantische der Wiener Mundart im Sinne Josef Weinheber's. Seine Gedichte wurden durch die Interpretationen von Heinz Conrads, Richard Eybner, Fritz Lehmann und anderen weithin bekannt. 1975 erhielt er Ehrungen aus Wien und Niederösterreich und den Berufstitel Professor. Werke: "Aus da mitlan lod", "Gschimpft gredt und graunzt", "Wossa und Wein", "Waunzn, flee und läus", "De Faschiamaschin". Von der Witwe Inge Strnadt wurde 1992 eine Gesamtausgabe der Gedichte herausgebracht. Die Gedichte sind auch auf Schallplatten (z.B. "Wossa und Wein") erschienen.

Wachstein, Sonia (1907–2001). In ihrem Buch "Hagenberggasse 49" schilderte sie ihre Jugend in Wien sowie die Jahre ihrer Emigration in England. Vieles aus den Jugendtagen beschrieb sie vor dem Hintergrund der allmählich in ihr Bewusstsein tretenden jüdischen Identität. Dramatisch sind die Passagen, die die Bedrohung der jüdischen Bevölkerung durch Hitler und das Schicksal ihrer Familie in dieser Zeit beschreiben. Mit der Flucht nach England verlagert sich die Erzählperspektive dorthin, mit der Überfahrt nach Amerika endet das Buch. Unter dem Namen "Herbert" beschrieb sie einen gelähmten, etwa 10 Jahre älteren Ober St. Veiter, der nicht nur für sie, sondern auch für Elias Canetti und andere prominente Menschen eine gewisse Bedeutung erlangen sollte. Elias Canetti nannte ihn Thomas Marek.

Unger, William (* 1837 in Hannover, † 1932 in Innsbruck), er lebte von 1893 bis 1919 in der Schweizertalstraße 26. Von Beruf war er Radierer, Kupferstecher und Aquarellmaler (Landschaften), als Schriftsteller trat er nur mit seiner Autobiografie "Aus meinem Leben" hervor. 1881 erhielt er die Professur an der Kunstgewerbeschule des k.k. Österreichischen Museums für Kunst und Industrie und 1894 wurde er als Professor an die Akademie der bildenden Künste berufen.

Dr. Stöhr und hojos
Eingestellt im November 2011, bearbeitet 2015