Professor Karl Jäger zum 50. Todestag

geboren 1871 in Marburg, gestorben am 25. November 1960 in Wien
25.11.2010

Karl Jäger war seit seiner Jugendzeit eng mit Ober St. Veit verbunden. Der Beginn seines künstlerischen Wirkens fällt in das Jahr 1890. In diesem Jahr trat er dem Ober St. Veiter Männergesangverein bei, dem er zeitlebens als Sänger treu blieb. Im gleichen Jahr soll er auch den Theaterverein "Edelweiß", mit vollem Namen "Humanitäre Tischgesellschaft Edelweiß", gegründet haben. Mit den Theateraufführungen im Saal des Ober St. Veiter Casinos, deren künstlerischer Leiter er auch gewesen sein soll, begann sein schauspielerisches Wirken. Beide Institutionen bereicherte er zusätzlich mit romantischen Solovorträgen auf der Trompete.

Der damalige Direktor des Deutschen Volkstheaters, Emmerich von Bukovics, bewohnte eine Villa in der Veitlissengasse und soll eine der Vorstellungen des Theatervereines besucht haben. Karl Jäger beeindruckte ihn dermaßen, dass er ihn an sein Theater engagierte. Nach dieser Entdeckung wirkte er im Volkstheater und in weiterer Folge auch als Pionier des Volksbildungswesens in der "Wiener Urania", der er auch als Direktor vorstand.

Den älteren Ober St. Veitern unvergesslich geworden ist Karl Jäger vor allem durch die ab 30. Oktober 1930 stattfindenden "Jäger-Vinzenz-Abende" des Ober St. Veiter Männergesangvereines, bei denen er anhand der Geschichten des Vinzenz Jerabek und eigener Dichtungen seine meisterhafte Vortragskunst entfaltete. Viele der Abende fanden im Auhofkino statt. Mit den Werken von Vinzenz Jerabek hielt Karl Jäger auch Lesungen für die Ober St. Veiter Volks- und Jugendbibliothek.

In einem Lichtbildvortrag des Ober St. Veiter Männergesangvereines wurde festgehalten, dass Karl Jäger im "Hause am rechten Eck, in dem heute die Farbenhandlung Pfeiffer ist" (Hietzinger Hauptstraße 162), wohnte und hier das Gedicht "Die knoarade Tür" (veröffentlicht im gleichnamigen Mundartgedichtband) schrieb. Erfreuen Sie sich an diesem trefflichen, stimmungsvollen und von der "volksbildnerischen" Fähigkeit Karl Jägers durchdrungenen Mundart-Gedicht:

„Bua" – ruaft’s Muaderl, "Hörst nit? He!
Was is’n heunt mit dein Kaffee?!"
Und weil i nit glei antwort drauf,
So macht s’ das Kuchentürl auf
Und – wia sie’s halt so umidraht,
Da hat dö Tür af oamol kraht,
Oan Knaufer gmacht, wia nia nuh oan,
Der duri geht durch Mark und Boan.
"Dös alte Glump!" So schimpf i laut.
Da hat mi’s Muaderl groß angschaut,
Kimmt aus der Kuchl af mi zua
Und fragt mi: "Han, was schimpfst’n Bua?
I kenn dö Tür scha fufzgi Jahr
Und woaß, dass s’ alleweil orndtli war!
’s war af der Welt alls guat und recht,
Wann iader so sei Pflicht toan möcht,
Als wia dös Glump! – Ja, schau s’ nar an
Und nimm dr nur a Beispiel dran.
Woas hoaß, wars kalt, spat oder fruah –
Sie war zan Gehn gricht, af und zua –.
Hast du um sie di oamal gschert,
Ob ihr nix faihlt, gschaut, wia si’s ghört?
Na!
– Drum wunert’s mi, dass di dös irrt,
Wann’s Glumpert oamal grantö wird.
Und döstwegen, Liaba, moan i schier,
D’ Schuld anan Krahn liegt nur an dir.
Es kost dr grad a Tröpferl Öl –
Und stad is’s Glumpert af dr Stell.
Gab mar an iadn, was si ghört –
Aft war der Fried’n af der Erd!"
So sagt mei Muaderl, lacht und geht….
Zerscht han i gschaut a wengl blöd –
Aft heb i halt das Türl auf
Und tropf an Öl af d’Kegl drauf,
Drah s’ her und hin und hin und her –
Und siderdem schreit’s neamamehr.
–––
Schaust a weng um, so siachst, in Lebm
Gab’s häufti so a tür zan hebm,
Es kostat grad a Tröpferl Öl – Und gholfm war manch oarmer Seel.

Ein weiteres Gedicht Karl Jäger aus dem Mundartgedicht-Band "Die Knoarade Tür" ist das "Drei-Kini-Liad":

Die Heiligen Drei Kini van Morignland,
Bringen Weihrauch und Myrrhen und allerhand,
Dukodn wuhl a, dö hats sicher scha gebm,
Und d‘ heili Familie soll guat davon lebm.
 
San gridn aum Kamel und a Stern, der hat s‘ gweist!
Und alles is war, weils d‘ Bibl beweist –.
Vorn Kind knian s’ aft nieder und so wars ganz gwiß,
Weils ön heilign Büachern so afgschriebm is!
 
Doh häd i iaz extra halt doh a Begehrn:
I tat halt gern fragn die fürschtlichn Herrn,
Was d’ heili Famülie – ‘s is doh a weng tull –
Mit Weihrauch und Myrrhan dann anfanga sull?
 
Und d’ Myrrhan, o mein, hat der Lehrer dazöhlt,
Dö warn so gallhanti wia nix af der Welt.
War Kalmus ja gscheider gwen, dös is wuhl gwiß,
Weil Kalmus fürn Magn recht zuatragli is.
 
Da haben ‘s insre Bauern weit pfiffiger gmacht,
Dö habnd ön kloan Kinderl a Lamperl gebracht
Und Buda und Mülli und Heni und Met,
Den schleckt das kloan Kinderl – und das is a Red!
 
Doh is ‘s wia dr will iaz, mir habm ‘s ja doh gern;
Mit samt eahnern Schwarzn, dö fürchterlichn Herrn!
Dass s’ überhaups kemma san, is gar so viel rar,
Weil sist ön Kalender koa Feiertag war. 

Werke: "Wia's mar einfallt", Steirische Gsangeln 1907, 1910, 1924, "Die knoarade Tür", Gedichte in steirischer Mundart 1951

Quellen:
Dr. Theodor Stöhr
Chroniken des Ober St. Veiter Männergesangvereines

hojos
im Oktober 2010