Gedenktafel für Vinzenz Jerabek

Angebracht im Dezember 2014 am Haus Hietzinger Hauptstraße 141
03.01.2015

Menschen in Erinnerung zu halten, die nach aktuellem Geschichtsverständnis nicht so "trendig" sind, ist gar nicht so einfach. Der Ober St. Veiter Volksschriftsteller Vinzenz Jerabek ist so ein Fall. Wollte man seine Bedeutung in Erinnerung rufen, so scheinen die Worte, mit denen Dr. Gebhard Klötzl sein kommendes Buch "Von Bürgermeistern und Affären – die Gemeinden Ober und Unter St. Veit 1848–1891" einleitet, sehr geeignet:

"Unter allen 40 Vorortegemeinden, die 1890/91 der Großstadt Wien eingemeindet wurden, besitzt Ober St. Veit den seltenen Vorzug, einen Lokalpoeten hervorgebracht zu haben: Vinzenz Jerabek alias J. Vinzenz, wie er sich mit seinem Künstlernamen nannte. Er setzte seiner Heimatgemeinde ein hochstehendes literarisches Denkmal in Form von (leicht romantisierenden) Feuilletons, die seit Jahrzehnten die hiesigen Heimatfreunde erfreuen, aber auch für den Historiker von großem Interesse als Quelle der sozialen und landschaftlichen Verhältnisse St. Veits sind."

In der Region gibt es derzeit drei und bald nur mehr zwei Dinge, die an ihn erinnern. Eines davon ist der 1969 nach ihm benannte Zenzlsteig, der die Adolfstorgasse mit der Veitlissengasse verbindet.

Der Zenzlsteig zwischen Adolfstorgasse und Veitlissengasse, fotografiert am 3. Jänner 2015. Zenzl, wie er von seinen Freunden immer genannt wurde („I bi da Zenzl. Und du?“ war der übliche Du-Worttausch) hieß richtig und eigentlich Vinzenz Jerabek. © Archiv 1133.at

Als Zweites erinnert sein Grab am Baumgartner Friedhof an ihn, doch dessen Grabmiete ist per 14.02.2014 abgelaufen. Da es keine Verwandten gibt, wurde die Rechnung im Jahr 2004 von einer Bezirksinstanz beglichen. Doch dieses Mal ist niemand zur Kostenübernahme bereit, und mit dem baldigen Abbruch des Grabes ist zu rechnen. Ein Ehrengrab am Ober St. Veiter Friedhof, das seiner Bedeutung für die Regionalgeschichte entspräche, ist überhaupt illusorisch.

Vinzenz Jerabeks Grabdenkmal am Baumgartner Friedhof (U/107). Fotografiert am 3. Jänner 2015 © Archiv 1133.at
Vinzenz Jerabeks Grabdenkmal am Baumgartner Friedhof (U/107). Aufschrift: J. Vinzenz, recte Vinzenz Jerabek, Volkschriftsteller, 1875–1963. Weiters in diesem Grab bestattet: Therese Jerabek, 1878–1944 (Gattin); Anna Letz, Verwaltungs-Oberkommissärin, 1899–1971 (Tochter); Franz Letz, 1908–1951 (Schwiegersohn). Fotografiert am 3. Jänner 2015. © Archiv 1133.at

Quasi als Ersatz für die verloren gehende Grabstelle hat die Familie Pevetz am Haus Hietzinger Hauptstraße 141 eine Gedenktafel anbringen lassen. Das kommt nicht von ungefähr, denn in diesem Hause befand sich einst das Ober St. Veiter Kasino, die langjährige Heimstätte des Ober St. Veiter Männergesangvereines. Vinzenz Jerabek war ein aktives Mitglied dieses Vereines und erinnerte unter anderem mit der Geschichte "Der Hudraxl" an ihn. Oberhalb der Vinzenz-Jerabek-Gendenktafel wird mit einer anderen Gedenktafel an das erstmalige Erklingen des Deutschmeistermarsches von Wilhelm Jurek in diesem Hause erinnert.

Das Haus Hietzinger Hauptstraße 141 mit den Gedenktafeln für Wilhelm August Jurek und Vinzenz Jerabek. Fotografiert am 3. Jänner 2015 © Archiv 1133.at
Damit er nicht vergessen wird. Tafel zum Gedenken an Vinzenz Jerabek am Hause Hietzinger Hauptstraße 141, fotografiert am 3. Jänner 2015 © Archiv 1133.at

Es lohnt sich, noch rasch einen Besuch an der Grabstelle Vinzenz' Jerabeks abzustatten, denn der Spaziergang auf dem Baumgartner Friedhof hat auch so manche Schönheit zu bieten, zum Beispiel eine herrliche Aussicht auf Ober St. Veit.

Aussicht vom Baumgartner Friedhof auf Ober St. Veit. Fotografiert am 3. Jänner 2015 © Archiv 1133.at
Aussicht vom Baumgartner Friedhof auf Ober St. Veit. Fotografiert am 3. Jänner 2015 © Archiv 1133.at
Aussicht vom Baumgartner Friedhof auf Ober St. Veit. Fotografiert am 3. Jänner 2015 © Archiv 1133.at

Natürlich sind auch bildhauerisch sehr interessante Grabdenkmäler zu sehen, wie dieses aus der Werkstatt des Ober St. Veiter Bildhauers Heinrich Krippel.

Grabdenkmal aus der Werkstatt von Heinrich Krippel. Es ziert am Baumgartner Friedhof das Grab von Franz Birnecker, dem ersten Todesopfer einer politischen Gewalttat in der Ersten Republik. Der Mord an Birnecker am 17. Februar 1923 soll zur Gründung des Republikanischen Schutzbundes geführt haben. Fotografiert am 3. Jänner 2015 © Archiv 1133.at

hojos
am 3. Jänner 2015