Heinrich Krippel

Berühmtester Bildhauer Ober St. Veits, gestorben 1945
03.01.2015

1883

Heinrich Krippel wird am 27. September in Wien geboren.  Schon als Kind zeichnet, malt und modelliert er. In der Mittelschule erwirbt er durch seine treffsicheren Karikaturen die einstimmige Abneigung der karikierten Lehrer.

1905 bis 1909

Allgemeine Bildhauerschule unter Professor Bitterlich.

1909 bis 1913

Meisterschule an der Akademie der bildenden Künste in Wien unter Professor Edmund Hellmer. Heinrich Krippel erhält den DumbaPreis für die Arbeit „Gruppe der Enterbten“.

1913 bis 1914

folgen Studienreisen nach Italien und Griechenland. Die Meister der Renaissance studiert er wohl, zum Vorbild nimmt er sie jedoch nicht. Ungleich mehr befriedigt ihn die altägyptische Plastik, die er aus dem Wiener Museum her kennt. Die alten Ägypter – so deutet es Friedrich Wallisch in seiner Krippel-Biografie – zwang der harte Granit und Porphyr zu größerer künstlerischer Tiefe, anders als der weichere Marmor die meisten Plastiker der Renaissance. Ägypten bringt Krippel zur Kunst des Orients, die in gleich fesselt, ohne je dort gewesen zu sein. Er erhält den Gundl-Preis.

Bereits im Jahr 1913 kauft Heinrich Krippel das 566 m2 große Grundstück in der Auhofstraße 127 und errichtet darauf ein Haus mit Atelier. Die Existenz dieses Ateliers ist aus Briefen bereits für das Jahr 1914 bekundet.

1914

Kriegseinsatz bis 1918, als Hauptmann abgerüstet.

1918

Heinrich Krippel beginnt seine Tätigkeit als selbstständiger Meister. 1923 erhält er den 1. Preis im Rahmen des Wettbewerbs für das Reiterdenkmal Atatürks in Ankara.

1925

wird Heinrich Krippel mit Denkmälern für Kemal Atatürk in Ankara und Istanbul beauftragt. Es sind die ersten Bildnisskulpturen nach dem Untergang des Osmanischen Reiches. Die Art und Weise, wie er die verschiedenen Facetten des Staatsmannes in Szene setzt und verbildlicht, verhilft ihm zu außerordentlicher Popularität in der Türkei und zu weltweiter Bekanntheit. Dies gilt auch für die weiteren, in Samsun am Schwarzen Meer und in Asiun-Karahissar im Inneren Anatoliens errichteten Atatürk-Denkmäler. Die Büsten weiterer führender Persönlichkeiten beschäftigen Krippel in der Türkei bis 1938.

1931

errichtet Heinrich Krippel das Kriegerdenkmal an der Pfarrkirche in Wiener Neustadt. Weitere inländische Werke sind:

• Das Mausoleum für die Familie Lebner in Siebenhirten
• Das Mausoleum für die Familie Taussig am Zentralfriedhof
• Grabdenkmäler am Baumgartner, Hietzinger und Ober St. Veiter Friedhof
• Die Brunnenfigur in Hinterbrühl „Die Badende“
• Die Brunnenfigur für die seinerzeitige Girozentrale in der Fichtegasse
• 16 Porträtbüsten
• verschiedene Kleinplastiken.

Heinrich Krippel erschafft sämtliche Arbeiten in seinem Atelier in der Auhofstraße; die Gussarbeiten werden in den Wiener Metallwerken durchgeführt.

1945

Heinrich Krippel stirbt am 5. April und wird am Ober St. Veiter Friedhof zur letzten Ruhe gebettet.

Er war einer der erfolgreichsten Bildhauer seiner Zeit. Er ist zeitlebens seinen eigenen Weg gegangen, und der lief schnurgerade. Sein Schaffen war an keine Schule oder Stilart gebunden, sein künstlerischer Wille ist in seinen Werken aber klar erkennbar: einen bestimmten geistigen Inhalt klar und eindeutig zum Ausdruck zu bringen. Das Wuchtige lag ihm genauso wie das Weiche, Liebliche. Krippels geistige Art wurde durch die kühn erdachten Grabdenkmäler und Mausoleen offenkundig. Einfühlungsvermögen und persönliche Schaffenskraft dokumentieren sich auch im Wiener Neustädter Kriegerdenkmal.

<p><b>Der Bildhauer Heinrich Krippel im Sommer 1937</b></p><p><i>&copy; Bezirksmuseum Hietzing</i></p>
<p><b>Der Bildhauer Heinrich Krippel</b></p><p>Ein Foto aus dem Atelier in der Auhofstraße 127, das die Entstehung des Atatürk-Reiterdenkmals für Ankara zeigt.</p><p><i>&copy; Bezirksmuseum Hietzing</i></p>
<p><b>Der Bildhauer Heinrich Krippel</b></p><p>Ein Foto aus dem Atelier in der Auhofstraße 127, das die Entstehung des Atatürk-Reiterdenkmals für Ankara zeigt. </p><p><i>&copy; Bezirksmuseum Hietzing</i></p>
<p><b>Der Bildhauer Heinrich Krippel</b></p><p>Das fertiggestellte Atatürk-Denkmal für Samsun in der Montagehalle der Vereinigten Metallwerke in Schwechat. Heinrich Krippel ist als Dritter von rechts zu sehen.</p><p><i>&copy; Bezirksmuseum Hietzing</i></p>
<p><b>Der Bildhauer Heinrich Krippel</b></p><p>Bezeichnend für Krippel ist die Geschichte des Grabmals „Auferstehung“. Er hatte dieses beeindruckende Werk ohne Bestellung geschaffen. Große, aus den Wolken herabgreifende Finger heben den Kopf des Verklärten auf, sodass sich seine Augen in den Himmel richten. Eines Tages, es war wohl im November 1920, kam eine Witwe zu Krippel und ersuchte ihn, ein Grabdenkmal für ihren Gatten zu schaffen. Sie beschrieb ihre Wünsche. Der Meister hob das Tuch von dem längst fertiggestellten Werk, und es war bis in die letzte Einzelheit das, was die Witwe verlangt hatte.</p><p><i>&copy; Archiv 1133.at</i></p>
<p><b>Der Bildhauer Heinrich Krippel</b></p><p>Grabdenkmal am Ober St. Veiter Friedhof, fotografiert am 24. September 2005.</p><p><i>&copy; Archiv 1133.at</i></p>
<p><b>Der Bildhauer Heinrich Krippel</b></p><p>Das von ihm geschaffene und 1932 enthüllte Kriegerdenkmal am Wr. Neustädter Dom. Fotografiert am 6. Juli 2009.</p><p><i>&copy; Archiv 1133.at</i></p>
<p><b>Die Liebe</b></p><p>Ein unvollendetes Werk von Heinrich Krippel im Garten eines Privathauses in Ober St. Veit.</p><p><i>&copy; Archiv 1133.at</i></p>
<p><b>Brief Heinrich Krippels vom Juli 1914, Teil 1</b></p><p>An den Stadtrat Wiens mit dem Ersuchen, „den seinerzeit projektierten Brunnen zur Ausführung in Marmor, Bronze und Intarsiaarbeit anzunehmen“ und denselben in seinem Atelier „XIII. Auhofstraße 127 korporativ zu besichtigen“.</p><p><i>&copy; Bezirksmuseum Hietzing</i></p>
<p><b>Brief Heinrich Krippels vom Juli 1914, Teil 2</b></p><p>An den Stadtrat Wiens mit dem Ersuchen, „den seinerzeit projektierten Brunnen zur Ausführung in Marmor, Bronze und Intarsiaarbeit anzunehmen“ und denselben in seinem Atelier „XIII. Auhofstraße 127 korporativ zu besichtigen“.</p><p><i>&copy; Archiv 1133.at</i></p>

Quellen:
Holzapfel, Josef: Historisches Ober St. Veit. Handwerks-, Gewerbe- und Vereinsgeschichte. Wien, Interessensgemeinschaft Kaufleute Ober St. Veit, 2009
Unterlagen des Bezirksmuseums Hietzing.
Wallisch, Friedrich: Der Bildhauer Heinrich Krippel, in: Der getreue Eckart. Monatsschrift für das deutsche Haus, Heft 9, Juni 1935
und diverse Kunstlexika.

Übertragen von Hojos
am 3. Jänner 2015