Erna Reitmeyer

1918–2002. Bericht und Biografie anlässlich der Benennung des Erna-Reitmeyer-Parks
19.10.2007

Immer ist so viel zu tun, lesen, fragen, recherchieren, schreiben. Immer länger wird die Arbeitsliste. Eine Frage wurde zum ständigen Begleiter: „Kennst du Frau Erna Reitmeyer?“ Ja doch, klar! Fast jeder Mensch aus Ober St. Veit und Umgebung kennt sie, viele hatten ihre Fürsorge erlebt oder ihre Talente gespürt. Allerdings darf man nicht nach Frau Reitmeyer fragen, die kennen nur wenige; nach Tante Erni muss man fragen und die Angesprochenen geraten ins Schwärmen.

Der Satz am Beginn eines Heftes für sie erscheint programmatisch:

Jeder Mensch ist eine andere Welt
da hilft nur eins: die Brücke der Liebe.


Nun wurde der Hacking und Ober St. Veit verbindende Park zwischen Schlossberggasse und Erzbischofgasse nach ihr benannt. Der Wiener Gemeinderatsausschuss für Kultur und Wissenschaft hatte dies auf einstimmigen Antrag des Hietzinger Bezirksrates am 6. März 2007 beschlossen, die Benennungsfeier war am 19. Oktober. Aus diesem Anlass wollen wir versuchen, die fast schon verklärende Bewunderung und Ehrerbietung mit nüchternen Lebensdaten zu ergänzen:

Erna Reitmeyer wurde 1918 geboren. Von früher Kindheit an wollte sie „einmal dreißig Kinder haben“ und diese fand sie durch ihren Beruf als Kindergärtnerin. Von da an war sie nur mehr die „Tante Erni“. Unter diesem Namen wurde sie bis weit über die Grenzen Ober St. Veits hinaus bekannt. Während des Nationalsozialismus musste sie den Kindergarten verlassen und arbeitete in der Kartenstelle und später in der Wagenfabrik Rohrbacher. Dann war sie bis zur ihrer Pensionierung 1977 im städtischen Kindergarten in Ober St. Veit.

Erna Reitmeyer blieb unverheiratet und ihr unermüdlicher Einsatz im Bezirk ließ sie zum „Bindeglied der HietzingerInnen“ und zur „Stillen Heldin des Alltags“ werden. Unter anderem rief sie eine Bastelstunde ins Leben, half bei der Union West Wien und betreute den Seniorenclub an der Seite von Clemens Papak. Ihre politische Meinung und ihr unerschütterliches Gottvertrauen waren kein Geheimnis, ihre Gesprächsbasis zu allen Menschen – gleich welcher politischen oder religiösen Überzeugung – aber ausgezeichnet. Sie starb am Pfingstsonntag 2002.

Eins schönes Beispiel von Erna Reitmeyers Handarbeitskunst sind ihre handgestrickten Krippenfiguren; einige haben wir hier abgebildet:

Die heilige Familie, von Erna Reitmeyer als Strickfiguren dargestellt. Hier Josef und Maria mit dem Kind. © Archiv 1133.at
Die Hirten, die mit ihren Geschenken zur Krippe kommen: Gewand für das Kind, einen Polster, einen Ball und einen Geschenkkorb. © Archiv 1133.at

Hier können Sie die schriftliche Version der von Herrn Clemens Papak anläßlich der Benennungsfeier gehaltenen Rede abrufen. Sie enthält weitere biografische Daten zu Erna Reitmeyer.

Lass mich als spielend Kind
durcheilen die Natur
in Wasser, Sonne, Wind
verfolgen deine Spur.


Maria Reitmeyer in einem Erinnerungsband für ihre Schwester Erna Reitmeyer.

Im Folgenden einige Fotos von der Benennungsfeier:

hojos
im Oktober 2007