Kammersänger Benedikt Kobel

Bericht anlässlich der Verleihung am 18. Juni 2018
18.06.2018

Benedikt Kobel ist kein Unbekannter. Weder in der Welt der Musik, noch in Ober St. Veit, wo er seit dem Jahr 2000 wohnt, und auch nicht auf dieser Webseite. Hier war es mir schon öfters vergönnt, einzelne Stationen des Künstlers bildlich und textlich festzuhalten. Das erste Mal im Jahr 2011, als ich zu einer Vernissage im Hietzinger Amtshaus geladen war. Sehr eindrucksvoll war für mich auch eine Ausstellung in der Ärztekammer für Wien mit Zeichnungen, die bald darauf das dritte Buch Benedikt Kobels „Götter in Weiß“ füllen sollten. Hier konnte ich auch mehr über das zeichnerische Talent des Künstlers erfahren.

Aber jetzt geht es um den Opernsänger Benedikt Kobel und seine Ernennung zum Kammersänger. Der Tenor der Medienberichte über diesen Festakt kann dem Eintrag auf der Internetseite der Wiener Staatsoper entnommen werden. Ich erlaube mir im Folgenden einige Ergänzungen aus Ober St. Veiter Perspektive.

Wir Ober St. Veiter hatten schon einen Kammersänger in unserer Mitte, es war Anton Dermota. Es war vor ziemlich genau zehn Jahren, als im Amtshaus Hietzing seiner gedacht wurde. Nur zehn Jahre, und doch weilen etliche der dort präsenten Personen nicht mehr unter uns. Noch viel länger, nämlich über 72 Jahre, liegt Dermotas Ernennung zum Kammersänger zurück. Es war am 4. März 1946, als ihm wegen seiner zehnjährigen Zugehörigkeit zur Staatsoper dieser Titel verliehen wurde. Es war die erste Verleihung nach dem Zweiten Weltkrieg. Die Staatsoper lag in Trümmern, als Ersatzbühne diente das Theater an der Wien. Es gab weder eine Feier, noch ein Dekret, bloß ein einfaches Schreiben. Das Dekret erhielt Anton Dermota zehn Jahre später in der Bundestheaterverwaltung aus der Hand des damaligen Unterrichtsministers Dr. Heinrich Drimmel. Dr. Egon Hilbert, Leiter der Bundestheaterverwaltung sprach in Anwesenheit von Operndirektor Franz Salmhofer und Burgtheaterdirektor Raoul Alsan ein paar Worte. Zu diesem Zeitpunkt war Anton Dermota bereits Ober St. Veiter, 1950 hatte er die Villa in der Hagenberggasse gekauft.

Heute werden Berufstitel wie der Kammersänger vom Bundespräsidenten verliehen und vom Bundesminister für EU, Kunst, Kultur und Medien überreicht. So geschah es auch am 18. Juni 2018 im Gustav-Mahler-Saal, als Benedikt Kobel der Geehrte war. In Vertretung des Ministers war Mag. Jürgen Meindl, Leiter der Sektion Kunst und Kultur im Bundeskanzleramt, gekommen, für den feierlichen Rahmen sorgte Staatsoperndirektor Dominique Meyer, der auch in sehr persönlicher Weise die Laudatio sprach.

„Mit Hans Peter Kammerer (Anm.: Auch er erhielt an diesem Tag den Kammersänger verliehen) und Benedikt Kobel verfügt das Haus seit Jahrzehnten über zwei herausragende Sänger, die längst mehr sind als Verkörperungen der Wiener musikalischen Tradition!“ und „Sie, Herr Kammerer, Herr Kobel, sind ein essentieller Teil des kulturellen Reichtums, der Österreich ausmacht!“, waren die wesentlichen Sätze in der Würdigung von Mag. Jürgen Meindl.

Dominique Meyer präzisierte die Bedeutung des Kammersängers: „Er bekommt zwar nicht mehr Geld, aber es ist eine große Ehre.“ Und das ist sie zurecht, denn in über 1200 Vorstellungen hat Benedikt Kobel 105 Rollen gesungen. Es waren größere und kleinere Rollen, wobei ein Opernhaus vom Rang einer Wiener Staatsoper selbst die kleinsten Rollen hervorragend zu besetzen hat. Das Ensemble eines solchen Hauses bildet das eigentliche Rückgrat der Darbietungen auf allerhöchstem Niveau. Bei manchen Opern wie etwa der Salome verkörpert Benedikt Kobel die verschiedensten Rollen. „Sie treffen sich ja manchmal selbst auf der Bühne!“, ließ der Staatsoperndirektor seien Humor aufblitzen.

„Kammersänger eines solchen Hauses zu werden, gehört sicher zum Ehrenvollsten, das einem als Sänger widerfahren kann!“ Damit beginnend gab Benedikt Kobel in seiner Dankesrede einen kurzen Einblick in die wichtigsten Stationen seines Künstlerlebens: Im Elternhaus war die klassische Musik wohl ein Thema, es war aber sicher kein Musikerhaushalt, in dem er aufwuchs. Die Liebe zum Gesang weckte in der Schulzeit ein sehr guter Musiklehrer. Es folgte ein Studium an der damaligen Musikhochschule, der heutigen Universität für Musik und darstellende Kunst Wien. Während des Studiums wurde er in das Opernstudio aufgenommen und im Mai 1986 gab es den ersten Auftritt. Dem folgten erste Engagements im Raimundtheater, das damals noch Operette spielte. Nach dem Diplom sammelte Benedikt Kobel erste Erfahrungen in Deutschland, der Schweiz und an österreichischen Landestheatern. Entscheidend war das Engagement an die Volksoper. Dort konnte er sich zum einen das ganze lyrische Tenorrepertoire ersingen, Mozart, Lortzing, Nikolai, Rossini etc., zeitgenössische Produktionen und viel Operette, und zum anderen lernte er dort seine Frau kennen und lieben. In dieser Zeit gab es auch immer mehr Gastauftritte an schönen in- und ausländischen Häusern. Schließlich wurde er nach einem Vorsingen von Direktor Hollender und Direktor Waechter an die Staatsoper übernommen.

Kammersänger Benedikt Kobels abschließender Dank galt den vielen Kräften, die für eine erfolgreiche Opernproduktion zusammenarbeiten müssen, und insbesondere seiner Familie. Seine Frau Elisabeth Kobel besitzt und führt das Ballettstudio Ober St. Veit.

Wir gratulieren herzlich zu dieser schönen Auszeichnung.

Verleihung des Berufstitels Kammersänger an Benedikt Kobel. Übergabe der Urkunde am 18. Juni 2018. Im Bild Benedikt und Elisabeth Kobel. © BKA / Regina Aigner
Verleihung des Berufstitels Kammersänger an Benedikt Kobel. Übergabe der Urkunde am 18. Juni 2018. Im Bild Hans Peter Kammerer, Benedikt und Elisabeth Kobel. © BKA / Regina Aigner
Verleihung des Berufstitels Kammersänger an Benedikt Kobel. Übergabe der Urkunde am 18. Juni 2018. Sektionschef Mag. Jürgen Meindl am Rednerpult © BKA / Regina Aigner
Verleihung des Berufstitels Kammersänger an Benedikt Kobel. Übergabe der Urkunde am 18. Juni 2018 © BKA / Regina Aigner
Verleihung des Berufstitels Kammersänger an Benedikt Kobel. Übergabe der Urkunde am 18. Juni 2018. Staatsoperndirektor Dominique Meyer hält die Laudatio. © BKA / Regina Aigner
Verleihung des Berufstitels Kammersänger an Benedikt Kobel. Übergabe der Urkunde am 18. Juni 2018. Kammersänger Benedikt Kobel bedankt sich. © BKA / Regina Aigner
Verleihung des Berufstitels Kammersänger an Benedikt Kobel. Übergabe der Urkunde am 18. Juni 2018. Kammersänger Benedikt Kobel bedankt sich. © BKA / Regina Aigner
Verleihung des Berufstitels Kammersänger an Benedikt Kobel. Übergabe der Urkunde am 18. Juni 2018. Im Bild Sektionschef Mag. Jürgen Meindl, Kammersänger Benedikt Kobel, Staatsoperndirektor Dominique Meyer © BKA / Regina Aigner
Verleihung des Berufstitels Kammersänger an Benedikt Kobel. Übergabe der Urkunde am 18. Juni 2018. Im Bild Sektionschef Mag. Jürgen Meindl, Staatsoperndirektor Dominique Meyer, Kammersänger Hans Peter Kammerer, Kammersänger Benedikt Kobel, Bundestheaterholding-Geschäftsführer Mag. Christian Kircher © BKA / Regina Aigner

hojos
Ober St. Veit, am 19. Juni 2018