Götter in Weiß

Vernissage zur Ausstellung mit Zeichnungen von Benedikt Kobel in der Ärztekammer für Wien
22.01.2015

Benedikt Kobel, Opernsänger von „bürgerlichem Erstberuf“, zeichnet gerne und zeigt die Ergebnisse auch gerne her. Derzeit ist eine Auswahl seiner neuesten Karikaturen im ersten Stock der Ärztekammer für Wien in der Weihburggasse 8–10 zu sehen. Am 22. Jänner war die Vernissage zu dieser Ausstellung.

Es ist schon eine gewisse Auszeichnung, seine Werke an diesem Ort präsentieren zu dürfen, schließlich sind es Manfred Lang und Dr. Karin Lehrer-Arnfelser von der Galerie Lang in der Seilerstätte, die die Ausstellungen der Wiener Ärztekammer betreuen. Karin Lehrer-Arnsfelser war es auch, die dem Künstler einige Details zu seiner künstlerischen Laufbahn entlockte: Das Zeichnen hat ihn von Kindheit an begleitet, und es mag sein Vater gewesen sein, der ihn dazu animierte. Er war Architekt und arbeitete noch mit Tusche. Der Strich auf dem weißen Blatt hat dem jungen Benedikt sehr gefallen, und er ist ihm geblieben. Sein ganzes Leben lang hat er nicht aufgehört, alle möglichen Themen zeichnerisch darzustellen.

Götter in Weiß. Dr. Karin Lehrer-Arnfelse im Gespräch mit Benedikt Kobel. 22. Jänner 2015 © Archiv 1133.at

„Warum dann die Musikhochschule und nicht die Akademie der Bildenden Künste?“, war die logische Frage.
„Wollen Sie die Wahrheit wissen?“
„Natürlich!“
„Es war während der Schulabschlussreise. Eines Nachts, auf einem Campingplatz, stand ich allein unter einem wunderbaren Sternenhimmel und überlegte, welchen Beruf ich ergreifen sollte. Als mir der Sängerberuf in den Sinn kam, flog eine Sternschnuppe vorüber!“

Große farbige Landschaften zu malen, hat Benedikt Kobel erst später begonnen, das ist etwas ganz anderes. Es hat mehr mit Ruhe und Weite zu tun und gibt den Luxus, völlig frei zu sein und machen zu können, was man will. Ein angenehmer Kontrast zum strikt organisierten Sängerberuf.

Menschen stellt er hauptsächlich im Rahmen seiner Karikaturen dar. Doch sind es keine Karikaturen, erläutert Manfred Lang in seinem Beitrag. Denn Karikaturen sind meist verunglimpfende Spottbilder wie zum Beispiel von Deix. Manfred Lang bevorzugt die ironische, heitere, die empathische Zeichnung, die sich dem Subjekt positiv zuwendet. Die „Götter in Weiß“ von Benedikt Kobel sind solche liebenswürdig behandelte Subjekte.

Götter in Weiß. Manfred Lang von der Galerie Lang spricht über Zeichnungen. 22. Jänner 2015 © Archiv 1133.at

Die Zeichnerin oder der Zeichner kann intuitiv arbeiten und versuchen, ihre/seine Intuition zeichnerisch vom Kopf, von der Seele, in die Hand umzusetzen. „Ich kenne viele Zeichner, die lassen alles in die Hand fließen und das passiert sehr spontan. Wenn man fragt, wie sie dazu gekommen sind, dann hört man: ja, das hab‘ i halt so …“ erzählte Manfred Lang. Benedikt Kobel hingegen hat meist eine Vorstellung, eine Idee, die er mit zeichnerischen Mitteln ebenfalls vom Kopf oder dem Herzen über die Hand auf das Papier setzt.

Woher kommen die Ideen Benedikt Kobels? „Das ist ganz unterschiedlich“ meinte er, „manchmal habe ich eine Idee, von der ich glaube, dass sie lustig zu zeichnen wäre und manchmal ist es ein Gesicht, das ich darstellen will, oder eine Situation. Manchmal fokussiere ich mich auf einen geschlossenen Themenkreis, wie für das Buch ‚Prima la musica‘. Das ist dann natürlich ein längerer Prozess, bei dem ich sammeln muss.“
„Amüsement oder Aussage?“
„Alles, mit unterschiedlichem Anteil, wie es eben kommt!“

Götter in Weiß. Dr. Karin Lehrer-Arnfelser, Beneditk Kobel, Manfred Lang und Dr. Hans-Peter Petutschnig während der Vernissage mit Zeichnungen von Benedikt Kobel, Ärztekammer für Wien, 22. Jänner 2015 © Archiv 1133.at

Dr. Hans-Peter Petutschnig, Leiter der Abteilung Medien und Fortbildung in der Wiener Ärztekammer, erzählte einiges über seine nunmehr rund 1 ½ Jahre währende Ausstellungstätigkeit. Zum ersten Mal sind lustige Zeichnungen ausgestellt, und seine Kollegen hatten schon viel zu lachen. Die Ausstellungen in der Ärztekammer haben immer einen karitativen Zweck, denn ein bestimmter Prozentsatz des Erlöses aus dem Verkauf der Bilder geht an eine ausgesuchte karitative Organisation. Diesmal ist es die Lebenshilfe Wien, die in der Folge von deren Generalsekretär Mag. Bernhard Schmid vorgestellt wurde.

Götter in Weiß. Mag. Bernhard Schmid, Generalsekretär der Lebenshilfe Wien während der Vernissage zur Ausstellung mit Zeichnungen von Benedikt Kobel am 22. Jänner 2015 © Archiv 1133.at

Die Ausstellung ist bis 13. Februar 2015 von 8–16 Uhr, Donnerstag bis 18 Uhr und Freitag bis 14 Uhr frei zugänglich. Ärztekammer für Wien, Weihburggasse 8–10. Zeichnungen von Benedikt Kobel sind auch auf dem Staatsopernblog zu sehen.

Man darf jedenfalls auf das dritte Buch Benedikt Kobels nach „Unterm Strich“ und „Prima la musica“ gespannt sein.

Götter in Weiß. Die Familie Kobel während der Vernissage mit Zeichnungen von Benedikt Kobel, Ärztekammer für Wien, 22. Jänner 2015 © Archiv 1133.at

hojos
23. Jänner 2015