Alexander Rothaug

Maler und Illustrator, geboren am 13.3.1870 in Wien, gestorben am 5.3.1946 ebenfalls in Wien. Er arbeitete im Haus Hietzinger Hauptstraße 114.
22.09.2011

Prof. Gunter Martin beschrieb Alexander Rothaug folgendermaßen:

Ein Kraftmensch mit der Palette, der als Illustrator der Münchener "Fliegenden Blätter" begann. Die innere Verwandtschaft mit dem letzten süddeutschen Malerfürsten, Franz von Stuck, ist offenkundig. Rothaug hatte den zupackenden Pinselstrich für pralle Weiberleiber und maskuline Muskulatur. Motive aus der klassischen Mythologie verwandelten sich auf seinen Gemälden zu Szenen von barbarischer Wildheit. Der dramatische Moment galt ihm viel. Und noch mehr der Effekt.

Rothaug im getreuen Eckart

Im 1. Band des 12. Jahrgangs 1934/35 der deutschen Monatsschrift "Der getreue Eckart" hat Arthur Roessler den Künster unter der Überschrift "Ein deutscher Kunstmeister - Eine kleine Rede auf den Maler Alexander Rothaug", den Künstler noch zu dessen Lebzeiten gewürdigt. Roessler wird auch als Entdecker und Förderer Egon Schieles genannt, und damit ist es wohl kein Zufall, dass Rothaug im selben Haus Hietzinger Hauptstraße 114 arbeitete, in dem Schiele starb. Wann er sich dort aufhielt, ist aber nicht bekannt. Am Anfang dieser "Kleinen Rede" würdigt Roessler das deutsche Wesen in seiner Beständigkeit und breiten Übereinstimmung trotz größter Mannigfaltigkeit. Darin sieht er die Verwandtschaft des Wiener Malers Alexander Rothaug, der einer aus dem Taubertal in Franken nach Österreich eingewanderten Familie entstammt, mit deutschen Meistern der Renaissance und mit Böcklin, Klinger und Unger begründet. Im Originaltext heißt es weiter:

"Denn so wie in ihren, ist auch in seinen figuralen Kompositionen mancherlei Kunstgesetzmäßiges der Antike enthalten, einer durch das Medium der Renaissance gesehenen Antike, die ganz und gar in deutsche Geist- und Gemütswerte umgewandelt erscheint. Ein großer, wohl der größte Teil der von Alexander Rothaug geschaffenen Bildwerke erwuchs dem Künstler aus der ererbten uralten Sehnsucht nach einem goldenen Zeitalter der Kunst, das – wie schon Dürer klagte – "gar verloren und ob tausend Jahr verborgen gewest". Dieser Sehnsucht verdankt Rothaug, neben manch anderem die "antikische Art" seiner Bildgestaltung und das starke Pathos im Ausdruck und der Schönheit der von ihm mit meisterlicher Formbeherrschung und in unendlich vielfältiger Bewegtheit dargestellten Menschenleiber.

Alexander Rothaug, der unzähligen Menschen in aller Welt bekannt wurde durch die vielen hundert Illustrationen, die er in früheren Jahren für die Münchener Fliegenden Blätter zeichnete, wäre nicht der von fränkischen Vorfahren abstammende Deutschösterreicher, der er ist, wenn in ihm neben dem Klassizismus nicht auch unausrottbar viel volkstümliche deutsche Romantik als starkes Gefühlsleben walten würde. Er besitzt die Fähigkeit, an den Dingen der natürlichen Erscheinungswelt noch Eigenschaften zu gewahren, die von den meisten Menschen schon längst weder gesehen noch empfunden werden können. Seine Optik ist also nicht nur sinnlich, sie ist auch poetisch. Ja, nun ist's heraus, was ja doch auf die Dauer nicht verschwiegen oder gar geleugnet werden kann, zumal es offensichtlich genug ist: Alexander Rothaug ist ein dichtender Maler, ein malender Dichter. Über das Erzählerische in seinen Gemälden darf man jedoch das Bildkünstlerische, insbesondere das Reinmalerische nicht übersehen; beispielsweise das farbige Licht und die sonnigen Schatten; den heiteren Hauch des Südens oder die schwermutsträchtigen Dämmerungen des Nordens in der Luft. Denn in jedem Bild von seiner Hand sind Ergebnisse fleißiger und genauer Lichtstudien, sind auch seltene Erfahrungen im Bereich von Farbe und des Tones auf das Bedächtigste und mit Geschmack verarbeitet.

Hier ist die Stelle, an der passend von der handwerklichen Darstellungsweise des Künstlers gesprochen werden kann. Sie ist sehr eigenartig und reizvoll. Rothaug streicht nämlich die Farbe (er verwendet fast ausschließlich Temperafarben, die er selbst "anreibt") nicht in österreichischer Barockbreite und Saftigkeit derb hin, sondern streut über das feste Gerüst der mit sicherer Hand virtuos gezeichneten Formen gleichsam ein Konfettigestöber flimmernder Farbtupfen und Strichelchen, das erst auf der Netzhaut des Beschauers flächenhaft harmonisch zusammenschmilzt.

Wer Zutritt in Meister Rothaugs Werkstatt hatte, der verwunderte sich gewiss nicht wenig über die schier unübersehbare Menge der gewissenhaft genauen Studien in Farbe und Form, womit Dutzende Skizzenbücher, ganze Stapel Mappen und einige Schränke angefüllt sind; Studien, die überzeugend dartun, auf welch gründlichem Grund der Meister steht, wenn er eine seiner großen, anscheinend rein aus der Fantasie oder dem Gestaltenreich der Dichtung und Sage geschöpften Kompositionen schafft. In der Tat gibt es in den Bildern von Alexander Rothaug keine Farbenabstufung, keine Abschattung von dunkel und hell, keine Kraft oder Zartheit, keinen Kontrast und keine Harmonie, ja keinen noch so kleinen und feinen Reiz, der vom Künstler nicht vorher in der Natur aufgespürt, genau beobachtet und mit freudigster Immenemsigkeit in einer Studie festgehalten worden wäre. In dieser Hinsicht stimmt Rothaug mit jenen Meistern der Kunst überein, die tief von der Überzeugung durchdrungen waren, dass die bildende Kunst eigentlich nichts anderes als das Studium der Natur ist. Ein Studium, das die Antike und die Gotik so bewunderungswürdig groß und erhaben gemacht hat. Freilich nur deshalb groß und erhaben machen konnte, weil es nicht nur mit den Sinnen und dem Verstand, sondern auch mit Herz und Seele ins Werk gesetzt wurde.

Geboren am 13. März 1870 in Wien, musste sich Alexander Rothaug, gleich vielen tüchtigen, ja großen Männern des deutschen Volkes, in engen, kleinen, beschränkten Verhältnissen aufwachsend, durch eigenen Willen und eigene Kraft emporarbeiten. Vom Künstler für der Erwähnung wert erachtete äußere Geschehnisse seines im Ganzen sehr einfachen, des Abenteuerlichen baren, dafür aber umso arbeitsreicheren Lebensganges, sind seine Studienjahre an der Kunstakademie in Wien, deren Schüler er unter den Professoren L. K. Müller und F. Rumpler war, sein mehrjähriger Aufenthalt in München und die von ihm unternommenen Reisen durch Deutschland, Italien, Spanien, und Dalmatien. Die Ungunst der kulturbrüchigen Zeit mit all ihren Irrungen und Wirrungen mag das Stille und Stetigkeit bedürfende Reifen so mancher Blüte seiner reichen und lebhaften Fantasie zur wohlgefällig geformten Frucht verhindert, aber auch manche tief schmerzende Wunde im Gemüt des Künstlers vernarbt haben. Denn wenn es Rothaug auch nicht vergönnt war, die größten seiner Lieblingspläne auszuführen, war es ihm doch immerhin beschieden, außer vielen kleinen Bildwerken eigenster Prägung, die allesamt lautere Quellen harmonischer Gedanken und Gefühle sind, auch einige große Werke zu schaffen und in die Öffentlichkeit zu stellen, die dort zum Volk sprechen, wo das Volk wohl auch gegenwärtig noch am empfänglichsten für das bis zum Erhabenen sich aufschwingende Walten und Wirken der Kunst gestimmt ist – in der Kirche. Werke religiöser Kunst zu schaffen, war nämlich unserem Künstler immer schon Bedürfnis und so nahm er die ihm gebotene Gelegenheit freudig wahr  und schuf in einigen österreichischen Landkirchen die Altartafeln und Wandmalereien. Auch der Prälatenhof des Stiftes Melk und die Johanneskirche auf dem Keplerplatz in Wien wurden von Rothaug mit kräftigen ornamentalen Dekorationen geschmückt.

Obschon ein Sechziger, steht Meister Alexander auch heute noch in altgewohnter strammer Haltung und straff erhobenen Hauptes an der Staffelei und arbeitet, regen Geistes, warmen Herzens, klaren Auges und sicherer Hand, mit ungeminderter Lust Tag für Tag vom frühen Morgen bis zum dämmernden Abend an irgendeinem Bildwerk bald dieser, bald jener Art, weil es in Rothaugs Kunst, wie in Gottes Schöpfung, kein Sonderfach, kein Genre gibt. Und so darf man vom ruhigen und klaren Nachsommer seines Lebens noch manche reife und schöne Frucht erwarten." 

Im Folgenden das Portrait Rothaugs und dessen Werke, wie sie im Eckart wiedergegeben sind.

Ein Auszug aus den weiteren Werken Rothaugs:

Sündenfall, 1910/11 (Zyklus); Kassandra, 1911; Liebesklage, 1912; Bacchus und sein Gefolge, 1913/14 (Triptychon); Die Früchte des Meeres, 1930; Dido auf dem Scheiterhaufen, 1935 (Österreichische Galerie, Wien); Pan und Psyche (Museum Görlitz); Samsons Rache; Bacchantenzug; etc. Von seinen zahlreichen Buchillustrationen sind die zu Apulejus' „Der Goldene Esel", Sienkiewicz' „Quo vadis?" und Bulwers' „Die letzten Tage von Pompeji" die bekanntesten. Rothaug schuf auch einige Bühnenvorhänge, u. a. für Theater in Frankfurt a. Main, Graz, Nürnberg und Wien.

Rothaug in der Galerie Hassfurther

Vom 21. September bis 24. Oktober 2011 waren nun zahlreiche Werke Rothaugs in der Galerie Hassfurther in der Hohenstaufengasse 7 ausgestellt. Sie waren Gegenstand der 1. Herbstauktion am 24. Oktober 2011. Die Schätzwerte reichten von € 100 (Zeichnung auf Papier) bis € 130.000 (Simsons Rache).

Biografie verfasst von Mag. Gerd Pichler

Der Kunsthistoriker Mag. Gerd Pichler verfasste aus Anlass der Ausstellung folgende Biografie Rothaugs:

Nach zweijähriger Bildhauerlehre bei Johann Schindler studierte Alexander Rothaug von 1885 bis 1892 Malerei an der Akademie der bildenden Künste in Wien. Bereits in der Allgemeinen Malschule unter seinen Lehrern Franz Rumpler, August Eisenmenger und Christian Griepenkerl wurde er mit dem Lampi-Preis (1888) und der Goldenen Füger-Medaille (1889) ausgezeichnet. Anschließend studierte er beim Orientmaler Leopold Carl Müller in der Spezialschule für Historienmalerei und erhielt 1890 den Specialschul-Preis.

Nach dem Tod seines Lehrers Prof. Müller verließ Rothaug 1892 die Akademie und ging für weitere Studien nach München, wo er u.a. als Illustrator an den „Fliegenden Blättern“ mitarbeitete und auch eigene Gedichte veröffentlichte.

Ab 1897 wirkte Rothaug als freischaffender Maler in Wien und schuf wohl auf Vermittlung seines als Theatermaler tätigen Bruders Leopold figurale Hauptvorhänge des Schauspielhauses in Frankfurt am Main, im Stadttheater in Nürnberg, in der Grazer Oper (1899) und im Apollotheater in Wien.

Ausgedehnte Studienreisen nach Dalmatien, Bosnien, Italien, Spanien und Deutschland (u.a. auf Rügen) inspirierten Rothaug nachhaltig zu seinen Landschaftsmotiven. 1912 arbeitete er auf Einladung von Erzherzog Ludwig Salvator auf Mallorca.

Rothaugs Werke wurden regelmäßig bei Ausstellungen im Münchner Glaspalast (ab 1899), in Hamburg und bei den großen Kunstausstellungen in Berlin gezeigt. Im Wiener Künstlerhaus war er erstmals bei der Jubiläumskunstausstellung 1898 (Nr. 151 „Der kühle Grund“. Ölgrisaille) vertreten und ab 1909 regelmäßig auf Künstlerhaus-Ausstellungen zu sehen. 1910 wurde er als Ordentliches Mitglied der Genossenschaft bildender Künstler Wiens im Künstlerhaus aufgenommen. Wegen hervorragender künstlerischer Leistungen erhielt Alexander Rothaug 1913 den Baron Richard Drasche-Ehrenpreis.

Neben den Monumentalgemälden für Theaterbauten schuf Rothaug 1914 gemeinsam mit dem Secessionisten Rudolf Jettmar Deckengemälde im Kurhaus von Meran. In der Zwischenkriegszeit folgten Wandgemälde für Sakralbauten in Niederösterreich und Wien sowie die Vorlagen für keramische Bauplastiken in der Hauptschule Aspern (1937, Wien 21, Oberdorfstrasse 2). Für das Grand Hotel de l’Europe in Bad Gastein schuf er einen wandfesten Gemäldezyklus zu Richard Wagners Ring des Nibelungen.

Am Ende seines Schaffens war Alexander Rothaug mit 38 Werken in einer Kollektivausstellung des Künstlerhauses im Gebäude der Secession 1941 gemeinsam mit Werken von Maximilian Lenz, Johann Viktor Krämer, Klimt und Schiele vertreten.

Rothaug zählt zu jenen Künstlern, die früh einen individuellen Stil fanden, dem sie bei technischer Verfeinerung sowie Verdichtung seiner Thematik bis ins hohe Alter treu blieben. Seine Bildthemen wählte er aus der antiken Mythologie und der deutschen Sage, wobei er kraftvoll-dramatische Szenen ebenso wie elegisch-melancholische Darstellungen mit voller künstlerischer Leidenschaft in seiner Bilderwelt lebendig werden ließ. Starker Pathos im Ausdruck gepaart mit meisterlicher Darstellung der menschlichen Figur in ihrer vielfältigen dramatischen Bewegtheit sind typisch für Rothaugs großformatige Gemälde, die reiche Licht- und Farbeffekte in brillanter Malweise auszeichnen.

Im Folgenden sind einige Fotos von der Galerie Hassfurter und von den dort ausgestellten Werken Rothaugs (Icons bitte anklicken):

Die Galerie Hassfurter in Wien 1., Hohenstaufengasse 7. Fotografiert am 22. September 2011 © Archiv 1133.at
Die Galerie Hassfurter in Wien 1., Hohenstaufengasse 7. Mit Werken von Alexander Rothaug, fotografiert am 22. September 2011 © Archiv 1133.at
Die Galerie Hassfurter in Wien 1., Hohenstaufengasse 7. Mit Werken von Alexander Rothaug, fotografiert am 22. September 2011 © Archiv 1133.at

Quellen:
Arthur Roessler, Ein deutscher Kunstmeister. Kleine Rede auf den Maler Alexander Rothaug, in: Der getreue Eckart 12, 1934/35, S. 251 ff.;
Bénézit; Jb. der Wr. Ges., 1929;
Wiener Zeitung vom 30. März 1946;
Thieme-Becker;
H. Fuchs, Die österreichischen Maler des 19. Jh. 3, 1973, Erg. Bd. 2, 1979;
Kunst in Österr. 1918-38, Schloss Halbturn, 1984, S. 14, 132 (Katalog).
Unterlagen Prof. Gunther Martin;
Österreichisches Biographisches Lexikon 1815–1950 des Zentrum Neuzeit- und Zeitgeschichtsforschung,
Mag. Gerd Pichler, Biografie anläßlich der Ausstellung in der Galerie Hassfurther 2011;

Eingestellt von hojos
Im September 2011