Historische Beleuchtungskörper in Ober St. Veit

Sie wurden mit Bescheid vom 12. August 2014 unter Denkmalschutz gestellt.
08.02.2014

Die Beleuchtung der Straßen und Plätze Wiens mit Talg, Öl, Gas und elektrischem Licht veränderte das Stadtbild in gravierender Weise. Darüber hinaus sind die Beleuchtungskörper Zeugen der Entwicklung der städtische Gas- und Stromversorgung. Heute sind die historischen Laternen auf Masten oder Wandarmen weitgehend aus dem Stadtbild verschwunden, doch auf bildlichen Darstellungen aller Art bleiben sie als malerisch positioniertes Stilelement verewigt.

Die ersten Laternen mit Talglichtern gab es in der Stadt Wien gegen Ende des 17. Jahrhunderts, die ersten mit Gas betriebenen Laternen im Jahr 1818. Die flächendeckende gewerbliche Gaserzeugung und -Verteilung in Österreich-Ungarn begann um 1835 und entstand meist im Rahmen privater Projekte.

Die englische Gesellschaft „Imperial Continental Gas-Association“ (I.C.G.A.) erwarb ab 1842 das Gaswerk Fünfhaus samt allen kleinen Wiener Gaswerken und schloss am 6. Mai 1845 mit der Gemeinde Wien einen zunächst siebenjährigen und später zwei mal verlängerten Vertrag über die Errichtung und den Betrieb einer öffentlichen Gasbeleuchtung. Damit begann die flächendeckende Umstellung der bis dahin existierenden Öllampen auf Gaslaternen. Ausgehend von der Inneren Stadt und den Hauptstraßen der Vorstädte wurde die Beleuchtung sukzessive auch auf Teile der Vororte ausgedehnt.

Die ab 1845 eingesetzten Englischen bzw. Wiener Gaskandelaber der I.C.G.A. waren 2,20 m oder 3,20 m hoch (Mast ohne Laterne). Der Mast war ein gusseiserner, gotisierender Bündelpfeiler mit einem sechseckigen Sockel, vier schlanken, langgestreckten, an verschiedenen Horizontalpunkten durch umschließende Ringe zusammengefassten Dreiviertelsäulen. In den sogenannten vierscheinigen Laternen und Wandarmen leuchteten Schnittbrenner. Für Plätze mit höherem Lichtbedarf und vor Prachtbauten gab es größere bzw. kunstvollere Modelle. Insgesamt sollen es 374 Laternen gewesen sein.

Glasauergasse 34. Dieses Foto um das Jahr 1910 zeigt an der Ecke Glasauergasse Diabelligasse noch einen Englischen bzw. Wiener Gaskandelaber mit vierscheiniger Laterne. © Archiv 1133.at

Wegen der steigenden Unzufriedenheit mit der englischen Gasgesellschafft wurde der 1899 auslaufende Vertrag mit der I.C.G.A. nicht mehr erneuert und mit dem Bau des städtischen Gaswerkes Simmering und einem Rohrnetz begonnen. Mit der Umstellung auf kommunale Gasversorgung wurden auch die englischen Gaskandelaber sukzessive gegen neue städtische Rundmantelkandelaber, die sogenannten „Kommunalen Gaskandelaber“, ausgetauscht. Sie bestanden aus einer gusseisernen, 3,2 m hohen Säule, welche auf einem Sockel von 26 cm unteren Durchmesser ruht. Der Kandelaber trägt mittig zwei Reliefs, die das von einem Lorbeerkranz umrahmte Wappen der Stadt Wien zeigen. Der unter Flur befindliche Kandelaberfuß ist so geformt, dass Rohr- und Kabelleitungen unter diesem ungehindert durchgehen können. Zum Teil tragen die Kandelaber am Fuß noch Gussinschriften der verschiedenen Herstellerfirmen (z.B. Aktien-Gesellschaft R. Ph. Waagner - L. und J. Birö & A. Kurz, Wien; HK Eisenwerke Komarau C. T. Petzold & Co, Wien; Wladimir Graf Mittrowsky'sche Eisenwerke in Stiepanau; Maschinenbau-Actien-Gesellschaft, vormals Breitfeld, Danek & Co, früher Fürst Salm'sche Eisenwerke und Maschinenfabrik in Blansko). Die Laternen waren mit neuartigen Auer-Glühlichtbrennern ausgestattet.

Doch das galt zunächst nur für die Bezirke 1 bis 11 und 20, denn die Vororte wurden bis Ende 1911 noch von der I.C.G.A. versorgt. Ab 1. Jänner 1912 war dann das gesamte Wiener Stadtgebiet (mit Ausnahme eines kleinen Teiles der ehemaligen Ortsgemeinden Altmannsdorf, Hetzendorf, Inzersdorf und Mauer) an die städtische Versorgung angeschlossen. Zu diesem Zeitpunkt gab es in Wien über 37.000 Gaslaternen. Die vertrauten Laternenwärter, die jeden Abend die Flammen entzündeten, verschwanden allerdings wegen des Einsatzes von Zünd- und Löschuhren aus dem Stadtbild.

Aber auch die Gaslaternen konnten den steigenden Lichtbedürfnissen vor allem in den Hauptstraßen und auf den viel befahrenen Kreuzungen nicht mehr genügen. Nach der Inbetriebnahme des Elektrizitätswerks in Simmering im Sommer 1902 wurde im Folgejahr mit der Elektrifizierung der Straßenbeleuchtung auf neuartigen hohen Stahlmasten auf der Ringstraße und in der Innenstadt begonnen und dann auf alle wichtigen Straßenzüge ausgedehnt, auf den Hauptausfallstraßen häufig bis in die Vororte.

Bis vor Kriegsbeginn 1914 gab es 1.540 Bogenlampen auf hohen Masten und etwa 45.500 Gasflammen. Ab 1923 wurde die Gasbeleuchtung nach und nach in ganz Wien durch elektrisches Licht ersetzt, wobei für den gewöhnlichen Bedarf die sparsameren Glühlampen, die auf die vorhandenen Gaskandelaber und Wandarme aufgesetzt werden konnten, den Bogenlampen vorgezogen wurden.

Doch ab den 1950er-Jahren sind die alten Kandelaber und Laternen der Modernisierung zum Opfer gefallen. Laut Rathauskorrespondenz vom 12.1.1956 wurden die nicht mehr benötigten Wiener Gaskandelaber teilweise "exportiert" und kamen in den Bundesländern zu neuen Ehren, z. B. in Litschau und Wiesen bei Mattersburg. Damit verschwanden die alten Kandelaber und Laternen mehr und mehr aus dem Wiener Stadtbild.

Umgerüstet auf den elektrischen Betrieb und mit neuen Laternen ausgestattet hat sich nur eine geringe Anzahl originaler Maste bis in die Gegenwart erhalten. Den Englischen bzw. Wiener Gaskandelaber wurde im Zuge der Elektrifizierung ein mit einem Runddeckel verschlossenes Loch in den Sockel geschnitten worden. In Rückbesinnung auf die ästhetischen Qualitäten der historischen Beleuchtungskörper wurden in den letzten beiden Jahrzehnten zahlreiche Nachgüsse dieses Kandelabertyps neu aufgestellt. Von den ehemals über dreißigtausend Exemplaren der kommunalen Kandelaber hat ebenfalls eine verschwindend kleine Anzahl die Zeit bis heute überdauert.

Ein erheblicher Anteil dieser historischen Straßenbeleuchtungen steht in Ober St. Veit (Bereiche Firmiangasse, Glasauergasse, Vitusgasse, Erzbischofgasse, Schweizertalstraße und Ghelengasse. Eine weitere Gaslaterne steht vor dem Bezirksmuseum Hietzing. Sie stand ursprünglich vor der Sauraugasse 22 und wurde dort am 27. November 1962 um 16 Uhr als letzte Gaslaterne Wiens außer Betrieb genommen. Vor dem Museum wird sie zur Erinnerung als Gaslaterne in Funktion gehalten.

Die Gaslaternen an der Ecke Firmiangasse / Fassbendergasse. In dieses Foto vom 8. Februar 2014 wurden zwei alte Ansichten der Kandelaber an dieser Stelle eingefügt. Damit sind von rechts nach links folgende Laternen dokumentiert: Ein originaler Englischer bzw. Wiener Kandelaber, der bereits eine runde Laterne trägt; dieser wurde zu einem unbekannten Zeitpunkt gengen einen städtischen Rundmatelkandelaber ausgetauscht; heute steht dort wiederum ein Englischer/Wiener Kandelaber, vermutlich eine Nachbildung. © Archiv 1133.at

Das Bundesdenkmalamt hat nun den Wert dieser „Straßenmöbel“ erkannt und mit Bescheid vom 12. August 2014 neben Laternen im 1., 6., 8., 9. und 19. Bezirk auch die Laterne vor dem Bezirksmuseum Hietzing und 34 Laternen in Ober St. Veit (nicht die in der Ghelengasse und Schweizertalstraße) unter Denkmalschutz gestellt.

Quellen:
Bezirksvertretung Hietzing, Bescheid des Bundesdenkmalamtes vom 12. August 2014

hojos
im Februar 2014, aktualisiert am 23. August 2014