Der Hofpavillon bei der U-Bahn Haltestelle Hietzing

Gedanken von Prof. Felix Steinwandtner über die Ruine Kaiserpavillon oder den Umgang mit Wiener Kunstschätzen oder die Zuständigkeiten in Wien
09.02.2012

Zuerst zur Geschichte

Im Zuge des Baues der Stadtbahn (Wientallinie) wurde unweit vom Haupteingang Schloss Schönbrunn nach einem Entwurf von Otto Wagner, der ja die Gesamtplanung der Stadtbahn hatte, in den Jahren 1899–1901 der kuppelbekrönte Pavillon im Stil der Sezession erbaut. Dieser stand mit dem Perron der Stadtbahnstation in Verbindung und sollte dem Kaiser bzw. dem kaiserlichen Hof als Wartesaal dienen. Die Stadtbahn war damals mit dem Bahnnetz verbunden. Damit war eine Reise von Hietzing in irgendeinen Ort der Monarchie ohne umzusteigen möglich. Die Häufigkeit der Nutzung durch den Kaiser ist strittig, es wird nur von zweimaligem Kaiserbesuch berichtet. Franz Josef scheint bei seinen Reisen weiterhin dem Bahnhof Penzing den Vorzug gegeben zu haben. Für besondere Besucher wurde die Station aber immer wieder frequentiert.

Zum Gebäude

Nach dem Ende der Monarchie erfolgte die Schließung. Am 19. Februar 1945 zerstörte ein Bombentreffer die Abgänge; innerhalb weniger Tage wurden der Schutt weggeräumt, die Leitungen und Schienen repariert und der Stadtbahnbetrieb wieder aufgenommen. Nach 1945 wurden die Stiegenabgänge komplett entfernt und abgemauert. Jahrzehntelang wurde dann das Gebäude als Atelier des Bildhauers Sepp Haberl-Carlo, der bereits im Sommer 1945 mit Ausbesserungen von Bombenschäden am Schloss tätig war, verwendet. Nach dessen Ableben wurde das Gebäude als Depot für eine Mineraliensammlung genutzt.

Nach freiwerden des Objekts erfolgte 1988–89 die Renovierung des Salons, eines achteckigen Zentralraumes, der durch die Kuppel zeltartig wirkt. Die Ausgestaltung ist kostbar und wurde originalgetreu durchgeführt. Die Wände sind mit bestickter Seide mit Philodendron-Muster ausgeschlagen und von Mahagonitäfelungen umrahmt. Den Raum beherrscht das Bild von Carl Moll "Vogelschau – Wien aus 3000 m Höhe", der Teppich wurde bei der Restaurierung, der alten Vorlage entsprechend, neu angefertigt. In diese Restaurierung wurde viel Herz und Geld gesteckt. Die Nebenräume und Fassade wurden damals nur grob übergangen und die Metallteile der Auffahrt nur überstrichen. Bei der Eröffnung wurde von einem ersten Schritt gesprochen....

Der Pavillon wurde als Außenstelle des Wien Museums betrieben. Der Salon konnte besichtigt werden und in den Nebenräumen wurden Pläne und Entwürfe von Otto Wagner gezeigt, allerdings eher lieblos gestaltet. Die Räume würden sich für eine wechselnde Ausstellung über Jugendstil – Mode, Möbel, Zeitzeugenberichte usw. – bestens eignen. Der Pavillon konnte damals auch angemietet werden. Die Besucherfrequenz war aber dürftig, und nach einigen Jahren wurden die Öffnungszeiten eingestellt. Das Gebäude verfiel abermals in einen Dornröschenschlaf, doch die Verwitterung nahm darauf keine Rücksicht; inzwischen war das Gebäude ja auch schon über 100 Jahre alt.

Dieses erstklassige Kulturobjekt, das erste in der Stadteinfahrt, ist dem Verfall preisgegeben. Die Laternen, bereits teilweise demoliert, mussten aus Sicherheitsgründen abgebaut werden, wobei man keinesfalls von einem fachgerechten sondern eher von einem „russischen“ Vorgehen sprechen kann.

Wie ist nun die Situation?

Bei Auftreten der ersten Publikumsmeinungen über den schlechten Bauzustand wurde ein Gerüst aufgestellt! Wofür? Zur Begutachtung der Schäden? Oder eher zum Augenauswischen? Die derzeitigen Eigner – die Wiener Verkehrsbetriebe – meinen, sie seien für den öffentlichen Verkehr aber keinesfalls für die Erhaltung historischer Gebäude verpflichtet. Wie das zu erklären ist – einerseits wird z.B. die Station Josefstädterstraße generalsaniert, noch dazu mit EU Mitteln, andererseits lehnen sie die Zuständigkeit für den Kaiserpavillon ab. Dazu muss man wohl mehrere Zungen haben. So wie es aussieht, wird die Renovierung und Neupräsentation des Hofpavillons noch den Weg durch den Kompetenzdschungel finden müssen. Hoffentlich hält das die Bausubstanz aus.

Oder beschränken wir uns künftig auf die Präsentation des Wiener Jugendstils ausschließlich auf Marmeladedeckeln?

Professor Felix Steinwandtner
Wien, am 9. Februar 2012