Eduard Diem

Eine Biografie entsteht

Vorbemerkung

Ist man von dem Virus befallen, Künstler werden zu wollen, sind wohlwollende Warnungen von Angehörigen oder Freunden meist wirkungslos. Das Ziel wird mit autistisch anmutender Beharrlichkeit verfolgt. Bringt man eine Ausstellung zustande und werden ein paar Werke von einer Galerie in Kommission übernommen, ist ein wichtiger Schritt getan. Darin liegt aber auch eine Gefahr: Die Galerie wird kommerziell aussichtsreiche Sachen bevorzugen und den künstlerischen Aspekt erst in zweiter Linie berücksichtigen. Darüber hinaus wird der Künstler gerne zu einer möglichst gleichbleibenden, leicht lesbaren Darstellung gedrängt, denn künstlerische Vielfalt ist nur schwer zu vermitteln. Das führt zu ständiger Wiederholung, und das Kopieren des Anfangserfolges lässt die Arbeit zum Firmenlogo degenerieren.“

Ein Künstler, der von seiner Kunst lebte und lebt und es dennoch verstand, sich dieser Vereinnahmung durch den Kunstmarkt weitgehend zu entziehen, ist der Maler und Bildhauer Eduard Diem. Von ihm stammt auch die obige Feststellung. Er ist jetzt über 90 Jahre alt und ein Zeitzeuge, dessen Erinnerung bis vor den letzten großen Krieg zurückreicht. Er kennt die nach dem Krieg neu entflammte Wiener Moderne wie kaum ein anderer und hat sie auch mitgestaltet. Er lebt inmitten der hiesigen künstlerischen Verhältnisse, seit es diesen langen Frieden gibt. Aber er war nicht nur Künstler, sondern vieles andere auch, zum Beispiel Organisator: Gemeinsam mit seinem Freund und Kunstexperten Prof. Gerhard Habarta, der über beste internationalen Kontakte verfügt, hatte er Ausstellungen mit Werken von Pablo Picasso, Salvador Dalí, Henry Moore und Marino Marini veranstaltet. Vor allem aber war und ist er ein Familienmensch.

Vor einigen Jahren hat er Ober St. Veit zum Mittelpunkt seiner Lebensinteressen gemacht. Dieser Umstand rief mich in meiner Eigenschaft als Chronist dieses Ortes und Betreiber der Internetseite www.1133.at auf den Plan. Das bisherige Resultat sind diese Beiträge:

Die Faszination der bildenden Kunst und ihrer Weiterentwicklung steigt proportional mit der Zuwendung zu einer oder mehrerer Sparten dieses breiten Metiers. Der laufende Kontakt mit Eduard Diem konnte daher in diesem Sinne nicht folgenlos bleiben. Bei mir führte dies zu dem logischen Wunsch, die vielen Facetten des Menschen Eduard Diem im Rahmen einer Biografie festzuhalten. Zu meiner Freude fand dieser Gedanke die Zustimmung des Künstlers.

Die Arbeiten an dieser Biografie sind mittlerweile weit fortgeschritten. Vielleicht schaffen wir eine Veröffentlichung im Laufe des Jahres 2022.

Der Entwurf

Das Buch im Din-A4-Format wird voraussichtlich diese sechs Kapitel umfassen:

  • ZUM AUFTAKT – mit Grußworten und einleitenden Gedanken.
  • VOM FRÜHLING ZUM HERBST – mit Lebenslauf des Künstlers und seiner Vorfahren.
  • VOM AMATEUR ZUM KÜNSTLER – beschreibt den Werdegang als Künstler und die Einbettung in den Wiener Kunstbetrieb.
  • VON KOPENHAGEN BIS WASHINGTON – beschreibt einige wesentliche Stationen in der Diem'schen Karriere.
  • DAS WERK – bietet einen Einblick in die Arbeitsschwerpunkte und ein Werksverzeichnis, das trotz seines enormen Umfanges nur einen Teil des Schaffensdranges Eduard Diems abbilden kann.
  • SCHLUSSTAKT – mit ausklingenden Gedanken und einem Epilog des Künstlers.

Ohne Werksverzeichnis wird das Buch etwas mehr als 350 Seiten haben, mit Werksverzeichnis um die 500 Seiten. Als „Appetizer“ kann hier der Abschnitt „Künstlerische Anfänge“ aus dem Kapitel „Vom Amateur zum Künstler“ angesehen werden:

Buchauszug

Künstlerische Anfänge

Der im Buch folgende Abschnitt „Der Aufbruch in die Moderne“ gibt einen Einblick in das weitere Aufleben der Kunst in Wien, so wie es Eduard Diem erlebt hat. 

Werksverzeichnis

Das Werksverzeichnis ist ein wesentlicher Teil der Biografie und teilweise eine werksspezifische Zusammenfassung der vorhergehenden Kapitel. Ihm vorangestellt sei eine Würdigung des Künstlerkollegen Franz Kaindl, die auch das Werksverzeichnis in der Diem-Biografie Gerhard Habartas für das Phantasten-Museum 2012 einleitet:

„‚Eduard Diem ist kein Kunstrevolutionär und auch kein Wohlstandskritiker, er ist Maler mit Leib und Seele, unkompliziert, einfach, immer ein wenig hinter die Fassaden schauend und schnell das Wesentliche erfassend‘, schreibt unter dem Titel ‚Bewegung im Zwielicht‘ Franz Schimanko im Katalog der Jahresausgabe 1975 der Chemie Linz AG über den in Niederösterreich geborenen Künstler. Dieser treffend formulierten Charakterisierung des Künstlers ist noch hinzuzufügen, dass zum malerischen Werk noch das bildhauerische Oeuvre kommt, das gleichbedeutend im Schaffen Diems seinen hervorragenden Platz einnimmt.

Mir selbst fiel der am 9. April 1929 in Peigarten – einem kleinen Weinviertier Dorf bei Haugsdorf – Geborene zunächst durch seine Arbeiten auf Papier – er selbst bezeichnet diese als Unikatgraphiken – nicht nur wegen einer neuartigen Verwendung von Offsetfarben auf, sondern in erster Linie durch den Gestus eines wilden Farbauftrages, der jedoch stets einer relativ gezügelten Formensprache folgt. Diese wiederum kommt aus einer realitätsorientierten Naturbezogenheit, die unübersehbar von seiner Herkunft, seiner frühen Kindheit und deren Umwelt bestimmt ist. Wenn Roland Girtler heute in vielen seiner sozialen Untersuchungen das Verschwinden des ursprünglichen Bauernlebens bedauert, Eduard Diem hat das Leben auf dem Lande mit der besonderen Variante des Weinbaues von Jugend an erlebt und gleichsam in sein Innerstes integriert und konserviert. Es ist daher quasi selbstverständlich, dass vieles damals Erlebtes in die Thematik seiner Bildwelt immer wieder einfließt, auch wenn er längst seinen Lebensmittelpunkt in und am Rande der Großstadt gefunden hat.

Ein weiteres ist interessant: Diem ist im Wesentlichen Autodidakt und so wie viele dieser hat er sich eine unübersehbare Frische der Empfindung bewahrt und daran konnten auch Kurse an Volkshochschulen und an der Akademie am Schillerplatz in Wien wenig ändern. Und es folgt daraus ein weiteres vielen Autodidakten gemeinsames Phänomen, er ist auch in keine der modischen Kunstrichtungen einzuordnen, er nimmt als Einzelgänger seinen Platz im Kunstbetrieb ein und dies seit seinen frühen, schwierigen Anfangen.

Überblickt man heute das künstlerische Schaffen, so hat sich am vorher Gesagten kaum etwas geändert. Gleich geblieben ist die Freude an einer kräftigen Farbgebung, heftige Eruptionen sind ebenso zu finden wie überraschende Kontraste. In vielen seiner Bilder mischen sich starke graphische Strukturen mit fein nuancierten Farbflecken und Farbzonen, ein dunkles bis schwarzes Liniengeflecht gibt dem wilden Farbgestus Halt und kompositorische Sicherheit. So stellt er exemplarisch im Mischtechnikblatt ‚Fabriksgelände‘ aus dem Jahre 1973 problemlos die Farben Rot, Blau, Gelb und Grün hellen und schwarzen Bildelementen gegenüber, ohne dass die malerische Grundhaltung verloren geht und in einer Farbbuntheit endet. Hier ist Diem ganz Maler und dem ‚Malerischen‘ verbunden.

Diese malerische Grundhaltung zieht sich durch seine gesamte Bildwelt, gleichgültig ob es sich in der Themenwahl um Landschaft, Tiere oder Figurales handelt. Nun könnte man versucht sein zu meinen, dass Diems künstlerisches Schaffen ausschließlich aus einer unbeschwerten Heiterkeit kommt, doch dies würde ihm in keiner Weise gerecht. Überschaut man sein Jahrzehnte langes Wirken, so ist eine latente Melancholie spürbar, die einmal stärker, einmal schwächer in fast allen seiner Bilder feststellbar ist. Und dies ist nicht nur in jenen wirksam, die sich thematisch mit einigen Häusern, Weinkellern oder Bäumen beschäftigen.

Das Dunkle der menschlichen Seele ist ihm keineswegs fremd. Manche dieser Seiten lernte er frühzeitig kennen. Und es ist bei Diem keineswegs wie bei manchen seiner Kollegen Koketterie oder vordergründiges Streben nach Profilierung, das hier zur Manifestation drängt, es ist einfach seine Ehrlichkeit, die ihn das tun lässt, was zu tun ist.

Bestimmt sein malerischen Wirken ein kraftvoller Gestus in einer gebundenen Struktur, so ist ähnliches in seinem bildhauerischen Tun festzustellen. Bei aller Wildheit der Oberfläche seiner Bronzen, ist die Form gebende Absicht unübersehbar. Selbst dann, wenn das formale Element einer Zerissenheit zuneigt, versteht es der Bildhauer Diem, das Objekt in ein gedachtes, großes Raumgefüge einzuordnen. So entsteht unvermittelt der Eindruck einer ‚geschlossenen‘ Form, die sich in der Phantasie des Betrachters verdichtet und die Plastik mit dem zu Grunde liegenden Thema verständlich macht. Auch wenn vielen seiner Arbeiten eine kubistische Formensprache zu eigen scheint, sind es keineswegs ‚kubistische‘ Werke. Vielmehr ist auch hier wie in seiner Malerei eine vom Gegenstand herkommende Grundhaltung manifest. Allerdings wird das Spröde in Diems Werk in seinem bildhauerischen Schaffen besonders deutlich und lässt einen tiefen Blick in sein inneres Wesen zu. Betrachtet man heute das bisher vorliegende Schaffen des Künstlers und sucht man eine Gemeinsamkeit in seinem zweigeteilten Werk, so stellt sich rasch heraus, dass es die gleichen Erlebniselemente sind, die sowohl den Maler wie auch den Bildhauer antreiben. Da ist zunächst sicher einmal die Freude an der künstlerischen Arbeit, da ist ebenso der hohe Grad einer tiefen Empfindsamkeit gegenüber seiner Umwelt und auf jeden Fall die Fähigkeit der Umsetzung in ein konkretes Ergebnis. Diem ist kein Theoretiker der Kunst, er ist einer der ausprobiert, versucht. Nicht in Unbekümmertheit, nicht mit dem Blick auf gerade Gängiges oder Erfolg Versprechendes, sondern mit dem Ernst nach Perfektion der Wiedergabe des persönlichen Erlebnisses.“

Das Werksverzeichnis hat fünf Abteilungen: Zeichnungen, Malerei, Collagen, Drucke und Skulpturen inkl. Plastiken und sonstige Objekte. Die Exponate jeder Gruppe sind nach Jahren chronologisch geordnet. Die Abteilung Malerei kann hier im gegenwärtigen Entwurfsstadium aufgerufen werden:

Umschlag

Der Entwurf des Umschlages in zwei Bildern:

<p><b>Biografie Eduard Diem</b></p><p>Entwurf der Vorderseite des Umschlages</p><p><i>&copy; Archiv 1133.at</i></p>
<p><b>Biografie Eduard Diem</b></p><p>Entwurf der Rückseite des Umschlages</p><p><i>&copy; Archiv 1133.at</i></p>

hojos
2019 bis 2021