1929 – Eduard und die Moderne

Das neue Buch von Josef Holzapfel

Vorbemerkung

Eduard ist der Vorname des in diesem Buch porträtierten Malers und Bildhauers Eduard Diem. Er ist über 90 Jahre alt und ein Zeitzeuge ersten Ranges. Erstaunlich reichhaltig und deshalb kunsthistorisch höchst interessant sind seine Erzählungen über die nach dem Zweiten Weltkrieg neu entflammte Wiener Moderne. Sie wurde von sehr jungen Nachwuchskünstlern dominiert. Besonders fruchtbar war der Jahrgang 1929, das Geburtsjahr Eduards.

Eduard hat diese Kunstepoche nicht nur miterlebt sondern auch mitgestaltet. Seine Laufbahn hatte zwei Merkmale: Er konnte von seiner Kunst leben und er konnte der Vereinnahmung durch den Kunstmarkt trotzdem widerstehen.

Aber er war nicht nur Künstler, sondern vieles andere auch, zum Beispiel Organisator: Gemeinsam mit seinem Freund und Kunstexperten Prof. Gerhard Habarta, der über beste internationalen Kontakte verfügt, hatte er Ausstellungen mit Werken von Pablo Picasso, Salvador Dalí, Henry Moore und Marino Marini veranstaltet. Vor allem aber war und ist er ein Familienmensch.

Vor einigen Jahren hat Eduard Diem Ober St. Veit zum Mittelpunkt seiner Lebensinteressen gemacht. Dieser Umstand rief mich in meiner Eigenschaft als Chronist dieses Ortes und Betreiber der Internetseite www.1133.at auf den Plan. Das bisherige Resultat sind diese Beiträge:

Die Faszination der bildenden Kunst und ihrer Weiterentwicklung steigt proportional mit der Zuwendung zu einer oder mehrerer Sparten dieses breiten Metiers. Der laufende Kontakt mit Eduard Diem konnte daher in diesem Sinne nicht folgenlos bleiben. Bei mir führte dies zu dem logischen Wunsch, die vielen Facetten des Menschen Eduard Diem im Rahmen einer Biografie festzuhalten. Zu meiner Freude fand dieser Gedanke die Zustimmung des Künstlers.

Die Arbeiten an dieser Biografie sind mittlerweile weit fortgeschritten. Vielleicht schaffen wir eine Veröffentlichung im Laufe des Jahres 2022.

Der Inhalt und Exposé

Das Buch im Din-A4-Format wird ca. 670 Seiten haben und in sechs Kapitel gegliedert sein:

  • ZUM AUFTAKT – Grußworte und einleitende Gedanken.
  • VOM FRÜHLING ZUM HERBST – Lebenslauf des Künstlers und seiner Vorfahren.
  • VOM AMATEUR ZUM KÜNSTLER – Werdegang als Künstler und die Einbettung in den Wiener Kunstbetrieb.
  • VON KOPENHAGEN BIS WASHINGTON – wesentliche Stationen in der Diem'schen Karriere.
  • DAS WERK – Einblick in die Arbeitsschwerpunkte und ein Werksverzeichnis, das trotz seines enormen Umfanges nur einen Teil des Schaffensdranges Eduard Diems abbilden kann.
  • SCHLUSSTAKT – Epilog des Künstlers und ausklingende Gedanken.

Hier geht's zum Exposé.

Werksverzeichnis

Das Werksverzeichnis ist ein wesentlicher Teil der Biografie und teilweise eine werksspezifische Zusammenfassung der vorhergehenden Kapitel. Ihm vorangestellt sei eine Würdigung des Künstlerkollegen Franz Kaindl, die auch das Werksverzeichnis in der Diem-Biografie Gerhard Habartas für das Phantasten-Museum 2012 einleitet:

„‚Eduard Diem ist kein Kunstrevolutionär und auch kein Wohlstandskritiker, er ist Maler mit Leib und Seele, unkompliziert, einfach, immer ein wenig hinter die Fassaden schauend und schnell das Wesentliche erfassend‘, schreibt unter dem Titel ‚Bewegung im Zwielicht‘ Franz Schimanko im Katalog der Jahresausgabe 1975 der Chemie Linz AG über den in Niederösterreich geborenen Künstler. Dieser treffend formulierten Charakterisierung des Künstlers ist noch hinzuzufügen, dass zum malerischen Werk noch das bildhauerische Oeuvre kommt, das gleichbedeutend im Schaffen Diems seinen hervorragenden Platz einnimmt.

Mir selbst fiel der am 9. April 1929 in Peigarten – einem kleinen Weinviertier Dorf bei Haugsdorf – Geborene zunächst durch seine Arbeiten auf Papier – er selbst bezeichnet diese als Unikatgraphiken – nicht nur wegen einer neuartigen Verwendung von Offsetfarben auf, sondern in erster Linie durch den Gestus eines wilden Farbauftrages, der jedoch stets einer relativ gezügelten Formensprache folgt. Diese wiederum kommt aus einer realitätsorientierten Naturbezogenheit, die unübersehbar von seiner Herkunft, seiner frühen Kindheit und deren Umwelt bestimmt ist. Wenn Roland Girtler heute in vielen seiner sozialen Untersuchungen das Verschwinden des ursprünglichen Bauernlebens bedauert, Eduard Diem hat das Leben auf dem Lande mit der besonderen Variante des Weinbaues von Jugend an erlebt und gleichsam in sein Innerstes integriert und konserviert. Es ist daher quasi selbstverständlich, dass vieles damals Erlebtes in die Thematik seiner Bildwelt immer wieder einfließt, auch wenn er längst seinen Lebensmittelpunkt in und am Rande der Großstadt gefunden hat.

Ein weiteres ist interessant: Diem ist im Wesentlichen Autodidakt und so wie viele dieser hat er sich eine unübersehbare Frische der Empfindung bewahrt und daran konnten auch Kurse an Volkshochschulen und an der Akademie am Schillerplatz in Wien wenig ändern. Und es folgt daraus ein weiteres vielen Autodidakten gemeinsames Phänomen, er ist auch in keine der modischen Kunstrichtungen einzuordnen, er nimmt als Einzelgänger seinen Platz im Kunstbetrieb ein und dies seit seinen frühen, schwierigen Anfangen.

Überblickt man heute das künstlerische Schaffen, so hat sich am vorher Gesagten kaum etwas geändert. Gleich geblieben ist die Freude an einer kräftigen Farbgebung, heftige Eruptionen sind ebenso zu finden wie überraschende Kontraste. In vielen seiner Bilder mischen sich starke graphische Strukturen mit fein nuancierten Farbflecken und Farbzonen, ein dunkles bis schwarzes Liniengeflecht gibt dem wilden Farbgestus Halt und kompositorische Sicherheit. So stellt er exemplarisch im Mischtechnikblatt ‚Fabriksgelände‘ aus dem Jahre 1973 problemlos die Farben Rot, Blau, Gelb und Grün hellen und schwarzen Bildelementen gegenüber, ohne dass die malerische Grundhaltung verloren geht und in einer Farbbuntheit endet. Hier ist Diem ganz Maler und dem ‚Malerischen‘ verbunden.

Diese malerische Grundhaltung zieht sich durch seine gesamte Bildwelt, gleichgültig ob es sich in der Themenwahl um Landschaft, Tiere oder Figurales handelt. Nun könnte man versucht sein zu meinen, dass Diems künstlerisches Schaffen ausschließlich aus einer unbeschwerten Heiterkeit kommt, doch dies würde ihm in keiner Weise gerecht. Überschaut man sein Jahrzehnte langes Wirken, so ist eine latente Melancholie spürbar, die einmal stärker, einmal schwächer in fast allen seiner Bilder feststellbar ist. Und dies ist nicht nur in jenen wirksam, die sich thematisch mit einigen Häusern, Weinkellern oder Bäumen beschäftigen.

Das Dunkle der menschlichen Seele ist ihm keineswegs fremd. Manche dieser Seiten lernte er frühzeitig kennen. Und es ist bei Diem keineswegs wie bei manchen seiner Kollegen Koketterie oder vordergründiges Streben nach Profilierung, das hier zur Manifestation drängt, es ist einfach seine Ehrlichkeit, die ihn das tun lässt, was zu tun ist.

Bestimmt sein malerischen Wirken ein kraftvoller Gestus in einer gebundenen Struktur, so ist ähnliches in seinem bildhauerischen Tun festzustellen. Bei aller Wildheit der Oberfläche seiner Bronzen, ist die Form gebende Absicht unübersehbar. Selbst dann, wenn das formale Element einer Zerissenheit zuneigt, versteht es der Bildhauer Diem, das Objekt in ein gedachtes, großes Raumgefüge einzuordnen. So entsteht unvermittelt der Eindruck einer ‚geschlossenen‘ Form, die sich in der Phantasie des Betrachters verdichtet und die Plastik mit dem zu Grunde liegenden Thema verständlich macht. Auch wenn vielen seiner Arbeiten eine kubistische Formensprache zu eigen scheint, sind es keineswegs ‚kubistische‘ Werke. Vielmehr ist auch hier wie in seiner Malerei eine vom Gegenstand herkommende Grundhaltung manifest. Allerdings wird das Spröde in Diems Werk in seinem bildhauerischen Schaffen besonders deutlich und lässt einen tiefen Blick in sein inneres Wesen zu. Betrachtet man heute das bisher vorliegende Schaffen des Künstlers und sucht man eine Gemeinsamkeit in seinem zweigeteilten Werk, so stellt sich rasch heraus, dass es die gleichen Erlebniselemente sind, die sowohl den Maler wie auch den Bildhauer antreiben. Da ist zunächst sicher einmal die Freude an der künstlerischen Arbeit, da ist ebenso der hohe Grad einer tiefen Empfindsamkeit gegenüber seiner Umwelt und auf jeden Fall die Fähigkeit der Umsetzung in ein konkretes Ergebnis. Diem ist kein Theoretiker der Kunst, er ist einer der ausprobiert, versucht. Nicht in Unbekümmertheit, nicht mit dem Blick auf gerade Gängiges oder Erfolg Versprechendes, sondern mit dem Ernst nach Perfektion der Wiedergabe des persönlichen Erlebnisses.“

Das Werksverzeichnis hat fünf Abteilungen: Malerei, Collagen, Zeichnungen, Drucke und Plastiken (inkl. Skulpturen und sonstige Objekte). Insgesamt wurde über 1000 Exponate aufgenommen und in jeder Gruppe nach Jahren chronologisch geordnet. Trotzdem umfasst das Verzeichnis nur einen kleinen Teil der Arbeiten Eduard Diems, die sich entweder in seinem großen Kunstlager oder im Privatbesitz befinden.

Hier geht's zum Werksverzeichnis.

hojos
2019 bis 2022