Benennung Leopold-Schwarz-Platz

Festakt am 21. September 2018
21.09.2018

Die Stadt Wien hatte beschlossen, den Platz im Bereich Auhofstraße / Diabelligasse / Sommerergasse / Rohrbacherstraße / in Wien Hietzing in „Leopold-Schwarz-Platz“ zu benennen. Es ist dies der Platz vor dem Stammhaus der Bäckerei Leopold Schwarz in der Auhofstraße 138.

Der Festakt fand am 21. September 2018 statt. Das Kaiserwetter, die vielen Ehrengäste aus Kirche, Justiz, Nationalrat und Landtag, aus Bezirksvertretung und Wirtschaftskammer, die prominenten Unternehmerpersönlichkeiten aus der Branche und aus Ober St. Veit, die Musikkapelle und die vielen Teilnehmer waren die Zutaten zu einem garantierten Gelingen der kleinen Benennungsfeier. Zu einem wahrlich großen Fest machte es aber Peter Rapp als Moderator. Souverän, sachkundig, humorvoll, nachdenklich und zugleich originell begleitete er das Fest, und als Höhepunkt machte er bei der tatsächlichen „Einweihung“ für unseren Pfarrer DI Dr. Andreas Kaiser als Draufgabe einen perfekten Ministranten. Ich denke, es gibt niemand unter den Festgästen, der von unserem Pfarrer, von seinen Worten und den Gedanken, die dahinter standen, nicht berührt oder beeindruckt war.

Anerkennende Worte fand in ihrer Festansprache unsere Bezirksvorsteherin Mag. Silke Kobald zu den überragenden Leistungen des Namensgebers und Firmengründers Leopold Schwarz. In einer Grußbotschaft aus dem Nationalrat und der Wirtschaftskammer lobte die NR-Abgeordnete und Spartenobfrau Mag. Maria Smodics-Neumann die dynamische Weiterentwicklung des Familienunternehmens unter der Enkelin des Gründers, der Bäckermeisterin Gertraud Maurer, durch die dritte und vierte Generation.

Gemeinsam mit Mitarbeitern und Kunden wurde unter der musikalischen Begleitung durch die Musikkapelle „Jung St. Marien“ bei Würstel und Bier bis in den späten Nachmittag gefeiert.

Der Firmengründer Leopold Schwarz war eine außergewöhnliche Unternehmerpersönlichkeit. Aus eigener Kraft hatte er vor rund 115 Jahren einen für damalige Verhältnisse hochmodernen Betrieb aufgebaut. Er war die Basis für die bis heute währende Unternehmensentwicklung. Außerdem war er ein großzügiger Financier kleiner Gewerbe-, Handels,- und Gastronomiebetriebe. Der Zweite Weltkrieg verhinderte die Umsetzung weiterer interessanter Projekte.

Leopold Schwarz, geb. 1. November 1873 in Müglitz, Mähren; röm.-kath., gest. 13. Dezember 1941 in Wien [Vater: Josef Schwarz, geb. 12. März 1835, Mutter: Karolina, geb. Tinkel, geb. 9. Okt. 1838].

Hochzeit am 10. Februar 1901 in Wien (Pfarre Döbling) mit Franziska Katharina Unzeitig,  röm.-kath., geb. 24. November 1875 in Müglitz, Mähren, gest. 24. Oktober 1955 in Wien. 

Zwei Söhne: Leopold geb. 16. Nov. 1910 (Bauingenieur; Senatsrat), gest. 16. Feb. 1993 und Hugo, geb. 13. Nov. 1914 (Bäckermeister), gest. 29. Dez. 1968

Leopold Schwarz kam 1893 nach Wien und arbeitete in renommierten Bäckereien, wie der k.u.k. Hofbäckerei Uhl Breunig am Kohlmarkt. Er bestand die Meisterprüfung und lebte sehr sparsam.

1903 übernahm er eine Pachtbäckerei in der Auhofstraße 136. Er wirtschaftete sehr gut und konnte nach zehn Jahren das Haus nebenan (Auhofstraße 138) kaufen. Es war in halbfertigem Zustand, er baute es fertig und richtete darin eine hochmoderne Bäckerei ein. Dieser Betrieb wurde zum heutige Stammhaus.

1913 wurde die Bäckerei im neuen Haus Auhofstraße 138 eröffnet. Mit diesem Betrieb etablierte sich die Bäckerei Schwarz unter den führenden Bäckereiunternehmen in Wien-Hietzing und über die Bezirksgrenzen hinaus. Als erfolgreicher Geschäftsmann konnte Leopold Schwarz vielen Hietzinger Kleingewerbetreibenden finanziell unter die Arme greifen und damit die Existenzen einiger Hietzinger Nahversorgungsbetriebe sichern. Dazu zählen das „Cafe Tiergarten“ in der Slatingasse, heute nennt es sich „Zur Wildsau“ und das spätere Wirtshaus Weissenberger am Hietzinger Kai.

Leopold Schwarz war auch für sein soziales Engagement bekannt. Im Bäckerhaus in der Auhofstraße fanden viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nicht nur Beschäftigung, sondern auch Kost und Quartier. Damit verhalf er vielen Menschen aus den Nachbarländern zu einem Start im Großstadtleben, einigen aber auch zu einem sicheren Platz für den Lebensabend. Diese soziale Tradition setzte auch sein Nachfolger Hugo Schwarz gewissenhaft fort.

Leopold Schwarz betrieb die Bäckerei bis zu seinem Tod im Kriegsjahr 1941 und vererbte seinen Nachkommen den Weg in eine gesicherte Zukunft. Er hatte zu Lebzeiten derart modern gedacht und gehandelt, dass z.B. wesentliche Einrichtungsteile des Betriebes, wie die Backöfen, die Teigkneter und die Ladeneinrichtung bis in die 1970er-Jahre voll funktionstüchtig verwendet werden konnten. Modernisiert konnten die Räumlichkeiten und Teile der Anlagen in der Backstube konnten sogar bis 2004 genutzt werden. Das Verkaufsgeschäft und die angeschlossene Kaffeekonditorei in diesem Stammhaus werden von Kunden und Gästen bis heute geschätzt, sie tragen nach wie vor wesentlich zum wirtschaftlichen Gesamterfolg des Unternehmens und zu einer qualitativ hochwertigen Nahversorgung bei.

Leopolds Sohn und Nachfolger, der Bäckermeister Hugo Schwarz, musste den Betrieb in den schwierigen Kriegsjahren übernehmen und hatte damit auch eine hohe Verantwortung für die Hunger leidende Bevölkerung der Nachkriegsjahre. Die Tradition des Firmengründers setzte er nahtlos fort.

Die von Leopold Schwarz geschaffenen Chancen wurden und werden auch von den folgenden Generationen wahrgenommen. Das Unternehmen „Bäckerei Schwarz“ beschäftigt heute in der vierten Generation über 160 Mitarbeiter. Es hat sich zu einem dynamischen und wichtigen handwerklichen Nahversorger und Arbeitgeber Wiens entwickelt.

Das Unternehmen „Leopold Schwarz, Bäckerei, prot. Fa.“ wurde 1913 als protokolliertes Einzelunternehmen im Handelsregister Wien mit der Handelregisternummer 1897s registriert. Es firmiert bis heute unter dieser selben (nun) Firmenbuchnummer und arbeit weiterhin in der Königsdisziplin der Rechtsformen: als Einzelunternehmen.

Eingestellt von hojos
im August 2018