Die Volksschulen in Ober St. Veit und Umgebung

16.01.2015

Eine kurze Bildungsgeschichte

Erste Bildungseinrichtung war und ist die (in eine Sippe eingebundene) Familie als kleinste Zelle menschlicher Gemeinschaft. Für die meisten Menschen in unserem Raum war sie bis vor wenigen Jahrhunderten die einzige Bildungsinstanz und vermittelte alle lebenswichtigen Kenntnisse und Fähigkeiten, eingebettet in das Kulturell-Religiöse der jeweiligen Zeit. Als totale Lebensgemeinschaft formte sie ihre Mitglieder zu gleichgerichteten Anschauungen und Wertungen.

So war es auch bei den Germanenstämmen der Alemannen, Bajuwaren, Franken und Sachsen, ehe sich der Kontakt mit den Römern intensivierte und ehe sie dauernde Sitze im untergegangenen weströmischen Reich gewannen. Ihre heidnische Volkskultur war (von Runenzeichen abgesehen) unliterarisch. Geistige Inhalte wie Heldensagen und Rechtsgrundsätze wurden mündlich von Generation zu Generation weitergegeben. Erst im Zusammenhang mit dem christlichen Glauben übernahmen sie auch das antike Bildungsgut und verschmolzen es im Laufe der Jahrhunderte mit Elementen der eigenen Volkskultur und im Zusammenwirken mit den schon früher christianisierten Keltoromanen zur Kultur des Abendlandes.

Im Mittelalter ist dieses Abendland ein Bereich geschlossener Einheit in christlicher Weltanschauung und sozialer und politischer Gliederung. Über allen ständischen Gliederungen steht das eng mit der römischen Kirche verbundene Imperium als Fortsetzung des römischen Kaiserreiches. Auch die lateinische Sprache ist ein universales Element und bleibt es trotz aller aufblühenden Nationalsprachen. Die 843 erfolgte Gliederung des Reiches Karls des Großen in die Reiche der Deutschen, Franzosen und Italiener blieb in diese Kulturgemeinschaft eingebettet.

Mit der Lehre Christi war das religiöse Moment zum Mittelpunkt menschlichen Daseins geworden, und des Menschen eigentliche Bestimmung lag im Jenseits. Sittliche und soziale Anschauungen veränderten sich ebenso grundlegend wie die Werte in der Erziehung. Die Notwendigkeit, die heiligen Texte lesen zu können, aber auch die Auseinandersetzung mit dem griechischen und römischen Schrifttum, stellte die Geistesbildung vor neue Aufgaben. Das alles setzte natürlich ein System an Lehrern und Schülern voraus. Zunächst war die Kirche die alleinige Lehrmeisterin und damit die höhere Bildung mit geistlicher Bildung gleichzusetzen. Die Klöster pflegten und lehrten aber auch rationellen Ackerbau, Handwerk, Wissenschaft und Kunst und anderes, wie die Kunst, Bücher zu schreiben. Bald wurden die Klosterschulen auch den Söhnen höherer und niedrigerer Stände geöffnet.

Später entwickelte das Rittertum eine eigene, weltliche Bildungs- und Erziehungsform, und schließlich wurden die entstehenden Universitäten zum Träger einer neuen akademischen Bildungsform. Die erste Universität auf deutschem Boden ist die von Karl IV 1348 in Prag gegründete, die zweite die von Rudolf dem Stifter 1365 in Wien gegründete. Institutionell waren sie bis in das 15. Jahrhundert kirchliche Anstalten.

In den aufblühenden Städten und Märkten des Spätmittelalters machten der internationale Handel und das Handwerk eine andere als die gelehrte Bildung notwendig. Bürgerliche Schulen und die gewerbliche Standesbildung wurden zu Trägern des bürgerlichen Bildungswesens. Die bürgerlichen Stadtschulen und die privaten Schulen betonten im Unterricht wirtschaftlich brauchbare Inhalte. Dazu zählte Latein, das noch lange internationale Sprache des Handels blieb. In Wien bestand 1237 eine Stadtschule zu St. Stephan. Im 14. und 15. Jahrhundert entstanden mehrere dieser Lateinschulen, manche sogar in Dörfern. Seit 1400 gab es auch städtische Mädchenschulen. Die Nachfrage nach Elementarunterricht ließ darüber hinaus schon im 14. Jahrhundert deutsche Schulen und ein privates Angebot (Winkelschulen) entstehen. Dort wurde Lesen, Schreiben und Rechnen von Privatlehrern, wie z. B. fahrenden Scholaren, unterrichtet, aber auch von Krämern, Schneidergesellen und anderen, die sich dazu befähigt fühlten. Diese Varianten der bürgerlichen Schulen waren mit ihrem elementaren Bildungsangebot ein erster Ansatz zu den späteren Volksschulen. Aber auch der gewerbliche Lehrling begann, im Rahmen seiner Zunft eine seinem Stand entsprechende Ausbildung zu erhalten. In der Werkstätte des Meisters lernte er das technische Können, im Familienverband des Meisters bekam er die standesgemäße sittliche Erziehung. Neben der Schul- und Zunftbildung wurde ein unsystematischer freier Bildungserwerb möglich, der jedermann, auch dem Landvolk, zugänglich war. Gemeint sind das musische Leben mit dem Volkslied und der instrumentalen Musik, das Spielen weltlicher und geistlicher Dramen und die Volksbücher.

Allmählich löste die Renaissance mit ihrem neuen Blick auf die Antike die Geisteswelt des Mittelalters ab; Unterricht und Erziehung bekamen Platz für autonomes, kritisches Denken. Beobachtungen, Experimente und schließlich systematisch betriebene Forschung ermöglichten große Fortschritte in den Naturwissenschaften. Die geistigen Bewegungen und die wirtschaftlichen und sozialen Veränderungen schufen eine neue Lebensgrundlage, die letztendlich die Auflösung der mittelalterlichen Gesellschaftsordnung zur Folge hatte. Natürlich waren die Auswirkungen auf das höhere und niedere Schulwesen mannigfach. Es wäre aber für diese Zusammenfassung zu weitgehend und zu verwirrend, den Einfluss aller sich pädagogisch auswirkenden Kräfte – wie Humanismus, Reformation, Gegenreformation, die rationaleren Anschauungen bis hin zur Aufklärung und die Vertreter der jeweiligen Strömungen inklusive der Ordensgemeinschaften – darzustellen. Die Universitäten mussten sich dem neuen Gedankengut öffnen, blieben aber im kirchlichen Einflussbereich; die niederen Schulen wurden zunehmend den landesfürstlichen Behörden und deren Schulordnungen unterstellt. Die Bildungsinhalte im niederen Schulwesen waren vor allem Religion, Lesen, Schreiben und Rechnen und schon vor der Schulreform im letzten Viertel des 18. Jahrhunderts gibt es erste Ansätze einer Schulpflicht. Von 1600 bis 1770 vermehrte sich wohl die Zahl meist deutscher Schulen; aber solange sie nicht in jedem Gebiet eingerichtet und unentgeltlich und auch die wirtschaftlich-kulturellen Voraussetzungen dafür geschaffen waren, blieben sie nach wie vor einer Minderheit vorbehalten.

Die weitreichende Reform im Bildungswesen, die dann im Laufe des 19. Jahrhunderts zur fast lückenlosen Elementarschulung führte, setzte unter Maria Theresia und Josef II. ein. Diese Reform erstreckte sich vor allem auf die deutschen und böhmischen Erblande und war von einem starken Zentralismus geprägt. Zentralstelle für Schulangelegenheiten wurde 1760 die Studienhofkommission, die Instanz der Länder wurde aufgehoben und die Gleichheit des Schulwesens verkündet. Der entscheidende Schritt war die am 6. Dezember 1774 unterschriebene „Allgemeine Schulordnung für die deutschen Normal-, Haupt- und Trivialschulen in sämtlichen Kays. Königl. Erblanden", das erste „Reichsvolksschulgesetz" Österreichs. Die Grundzüge dieser Schuleinteilung sind in der weiter unten dargestellten Chronik zu den St. Veiter Schulen dargestellt. Auch Gymnasien und Universitäten waren von der Neuordnung des Schulwesens betroffen, und neue Schularten für Gewerbe, Handel, Technik und bildende Künste entstanden. Josef II. trieb neben weiteren grundlegenden Reformen im Schulbereich die Vermehrung der Elementarschulen voran, hob an die 800 Klöster auf und gründete 400 Pfarreien mit Trivialschulen. Beschlagnahmtes Vermögen ging in den Normalschulfonds, auch die Grundherren und Gemeinden, denen die Erhaltung der Schulen auferlegt war, nahm er stärker in die Pflicht.

Zu den weitreichenden Reformen gab es Gegenbewegungen im konservativen Geist, denen schon Josef II. Tribut zollen musste und die 1805 zur „Politischen Schulverfassung" führten. Die bis Josef II. rasante Verbreitung des Volksschulwesens verlangsamte sich zwar, blieb aber stetig und die Schulpflicht setzte sich zunehmend durch. In die praktische Durchsetzung der Schulpflicht, die ja von Beginn der Reformen an mit dem 6. bis zum 12. Lebensjahr festgelegt war, gibt die Chronik zu den Ober St. Veiter Schulen einen guten Einblick.

Das Revolutionsjahr 1848, dem zwar unmittelbar Jahre konservativerer Tendenzen folgten, wurde letztendlich auch im Schulwesen zur entscheidenden Wende hin zum Liberalismus. Die Abfolge der Ereignisse begann schon vor der konservativen Übergangsära 1851 bis 1867 mit der Errichtung des „Ministeriums des öffentlichen Unterrichts" und zahlreichen Überlegungen und Reformen (z. B. Landesschulräte und Hochschulautonomie, aber auch die Abkehr vom mechanischen Auswendiglernen und Aufsagen). Auch die Errichtung der ersten Kleinkinderbewahranstalten Österreichs fiel in diese Zeit.

Mit der Wiederherstellung der konstitutionellen Monarchie 1867 gewann dann der Liberalismus endgültig die Oberhand, und das Staatsgrundgesetz sagte: „Die Wissenschaft und ihre Lehre ist frei“. Volksschulen und Gymnasien wurden nun alleine vom Staat und nicht mehr von der Kirche in Verbindung mit den politischen Behörden beaufsichtigt und geleitet. Schulbehörden waren Landesschulrat, Bezirksschulrat und Ortsschulrat, nur der Religionsunterricht blieb den kirchlichen Stellen überlassen. Das Reichsvolksschulgesetz von 1869 brachte neben der Interkonfessionalität unter anderem die Hinaufsetzung der Unterrichtspflicht von 6 auf 8 Jahre und Fortschritte in der Ausbildung und Besoldung der Lehrer. Der Widerstand (steigende Lasten für die Gemeinden und Entzug von Arbeitskräften in der Landwirtschaft und in den Fabriken) einzelner Betroffener war nach wie vor groß. Mit der Kinderarbeit in den Fabriken wurde erst durch ein Gesetz der Gewerbeordnung 1885 Schluss gemacht.

Die Republiken und die Überwindung der Katastrophen und politischen Gegensätze in dieser Zeit brachten neue Herausforderungen an das Schulwesen. Die pädagogische Erneuerung Österreichs war an das Wirken Otto Glöckels (1874–1935) gebunden. Einer der neueren großen Schritte war das Schulgesetzwerk 1962, das außer den Hochschulen das gesamte Schulwesen reformierte. Darin waren unter anderem die kollegiale Verfassung der Schulräte (Sitz und Stimme von Vertretern der Lehrer und Eltern), die neunjährige Schulpflicht, aber auch ein erweitertes Bildungsziel festgelegt.

Die Entwicklung des Volksschulbaus

Der Raum ist der dritte Pädagoge. (Der erste sind die anderen Kinder, der zweite die Lehrer.)

Das Mittelalter

Die „Schule“ des Mittelalters darf man sich nicht als eigenes Unterrichtsgebäude vorstellen, sondern am besten als einen Raum, in dem der Lehrer, der gleichzeitig auch Mesners, Chorleiter, Organist und Gemeindeschreiber in Personalunion sein konnte, wohnte und einige privilegierte Kinder in grundlegenden Dingen, vor allem in der Religion, unterwies. Die Einrichtung so einer Schule ging von der Initiative des Pfarrers oder der Bürger einer Gemeinde aus und resultierte aus dem obrigkeitlichen Wunsch nach religiöser Lenkung der Bevölkerung. Daher gab es vor allem auf dem Land in der Regel nur dort Schulen, wo es eine Pfarre gab.

Die älteste Notiz über eine Schuleinrichtung in St. Veit an der Wien stammt aus dem Jahr 1458, und das erste belegbare Schulgebäude wird 1683 an der Ecke Vitusgasse/Erzbischofgasse genannt.

Maria Theresia und Josef II.

Maria Theresia und ihr Sohn Joseph II., die auch im Schulwesen eine grundlegende Veränderung in Gang setzten, wollten in jeder Ortschaft mit Kirche zumindest eine Trivialschulschule. Das führte zu einer ersten, meist von der Ortsgemeinde oder dem Pfarrpatron finanzierten Welle von Schulbauten. Die Räume für den Unterricht waren in der Regel einklassig und denkbar einfach. So verhielt es sich auch in St. Veit an der Wien, wo auf Kosten der damaligen Grundherrin Maria Theresia das Schulhaus erneuert wurde. Etwas komfortabler dürfte die 1789 auf Kosten des Stiftes Klosterneuburg errichtete erste Schule in Hietzing gewesen sein. Sie lag in der nähe der heutigen Volksschule und hatte ca. 260 m2 für 90 Schüler, allerdings inkl. einer Wohnung vermutlich für den Schulmeister. Knapp vor die Zeit Maria Theresias reicht die erste Nennung einer Schule in Lainz (1737).

Bauvorschriften gab es allerdings schon damals: Sie verlangten u. a. ein Gebäudeniveau von zwei bis drei Stufen über dem Erdboden, eine Zimmerhöhe von 10 Schuh (ca. 3,16 Meter) und eine Größe von 30–43 m2 für 40–50 Schüler. Auch ein von links kommender Lichteinfall wurde genannt, was Schulbänke und einen Frontalunterricht impliziert. Bahnbrechend war auch der Einbau von Aborten in das Gebäude. In der Praxis blieb aber – gleich der Einhaltung der Schulpflicht – auch die Qualität der Schulräume weit hinter den Idealvorstellungen zurück.

Die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts

Die „Politische Verfassung der deutschen Schulen …“ aus dem Jahr 1805 bekräftigte und präzisierte die Ansprüche an die Schulbauten. Sie verlangte auch ausschließlich dem Unterrichtszweck dienende Räume, damit der Unterricht nicht durch die häuslichen Geschäfte von „Weib, Kindern und Dienstleuten“ des Schullehrers gestört wurde. Eine Bauwelle scheint diese Schulverfassung allerdings nicht ausgelöst zu haben, und es blieb bei den meist kümmerlichen Verhältnissen, wofür die notdürftig im Pfarrkomplex untergebrachte Schule in Ober St. Veit und die in einem einzelnen Zimmer untergebrachte Schule im neuen Ortsteil Unter St. Veit eindrucksvolle Beweise waren. Niemand hatte das Geld für eine Verbesserung.

In Ober St. Veit wurde den Anforderungen erst 1858/59 nach Einschreiten des damaligen Bezirksamtes Hietzing durch einen Neubau Rechnung getragen. In Unter St. Veit wurde 1871/72, ebenfalls nach Intervention der Schulaufsichtsbehörde, am heutigen Schulstandort Ecke Auhofstraße / Feldmühlgasse ein bestehendes Gebäude für den Unterricht adaptiert. Die gebotenen Bedingungen blieben aber karg und nicht im Sinne der sich längst abzeichnenden neuen Schulgesetze. Deren Anforderungen wären nur mit einem nicht vom Sparstift gekennzeichneten Neubau erfüllbar gewesen.

Die 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts

Die Erkenntnis der großen Bedeutung des Schulbaues für die körperliche und geistige Ausbildung der Kinder und Jugendlichen setzte sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts endgültig durch und führte in eine ganze Reihe von Gesetzen, Erlässen und Verordnungen. Initialzündung auf Reichsebene war das Reichsvolksschulgesetz 1869, das für die nächsten 100 Jahre das Maß aller schulischen Dinge bleiben sollte. Präzisiert und weiter verbessert wurde es in Niederösterreich mit den Verordnungen 1870/71 und vor allem in der Verordnung des Ministeriums für Cultus und Unterricht 1873, dem wieder Landesverordnungen und weitere Verbesserungen etwa auf Basis von Anregungen des Obersten Sanitätsrates folgten.

Die umfangreichen Bestimmungen, gingen auf Bauart, verwendete Materialien, Ausmaße und Anordnung von Klassenzimmern, Gänge, Stiegen, Turnräume, Fenster, die Beheizung (vorzugsweise Zentralheizung), Wasserversorgung, Helligkeit, Trockenheit und Hygiene der Räume, die Sicherheit etc. ein. Auch Aufenthaltsräume für Lehrer und die Geschlechtertrennung wurden verlangt.

Alles sollte dem Wohl des Kindes und der Förderung seiner sittlichen Erziehung dienen. In architektonischer Hinsicht sollte der Bau eine möglichst angenehme und einladende Wirkung auf die Jugendlichen haben wobei dem inneren Ausbau und insbesondere den Klassenzimmer besondere Bedeutung zukam. Doch die Anzahl der Schüler war mit 80 begrenzt, später wurde eine nicht bindende Begrenzung auf 40–50 Kinder empfohlen.

Die Stadt Wien, die zu diesem Zeitpunkt auf die Bezirke innerhalb des heutigen Gürtels beschränkt war, erließ schon 10 Jahre früher (1863) Verordnungen mit großer Ähnlichkeit zu dem Ministererlass 1873, und senke die Schülerzahl in den kommenden Jahrzehnten relativ konsequent. Die Wiener Bestimmungen gingen auch mehr als andere auf das Äußere und die Fassade eines Schulhauses ein: Sie soll „ … in dieser äußeren Erscheinung eben so weit von unnützem Prunk als von kahler Dürftigkeit entfernt sein.“ In seiner Ausführung repräsentierte die äußere Gestaltung der Fassade die Schule als ein öffentliches Gebäude.

All diese Bestimmungen erforderten bei konsequenter Beachtung den Neubau von Schulen. Die im Lichte dieser Regelungen errichteten Schulbauten werden teilweise noch heute benützt.

Eine einigermaßen konsequente und frühe Umsetzung dieser neuen Bestimmungen war die 1872/73 errichtete neue Volksschule in Ober St. Veit, Hietzinger Hauptstraße 166. Der zugrundeliegende Entwurf des auswärtigen Architekten Otto Thienemann, sah einen symmetrischen Bau mit 2 Treppenanlagen und 6 Klassenräume auf jedem Geschoß vor. Insgesamt waren 15 Klassen für 1193 Schüler geplant, das ergibt den damals erlaubten Schnitt von 80 Schülern pro Klasse. Wegen der hohen Kosten wurde dieses Projekt aber nur teilweise umgesetzt, trotzdem entsprach es in vielen Details den neuen Vorschriften, inkl. Zentralheizung und Geschlechtertrennung. In der ursprünglichen äußeren Erscheinung repräsentierte das Gebäude wohl einen Mittelweg zwischen Landschule und städtischen Schulen. Die ursprüngliche Planung hatte offensichtlich eine erhebliche Reserven, denn die kleinere Variante reichte für die nächsten 20 Jahre, 1889 ergab sich eine Erleichterung durch den eigenen Schulbau in Hacking.

1894 wurde die Ober St. Veiter Volks- und dann auch Bürgerschule durch einen Zubau im Westen im Sinne der ursprünglichen Planungen erweitert und damit die Symmetrie hergestellt. 1904 erfolgte ein weiterer Zubau im Westen inkl. Turnsaal und Treppenhaus, wobei ein verlorener Eingang im mittleren Baukörper durch einen neuen Eingang im Zubau von 1894 ersetzt wurde. Mit diesem Zubau von 1904 bekam der Komplex die heute noch sichtbare gründerzeitliche Fassade und ihre noch heute verwendete Grundstruktur.

Der Misere in Unter St. Veit wurde erst nach der Eingemeindung des Ortes nach Wien mit dem städtischen Schulneubau 1894 (1908?) gelöst.

Die Wende vom 19. ins 20. Jahrhundert und die Zwischenkriegszeit

Was die weitere Entwicklung des Schulbaus betrifft, ging in Österreich der Begriff „Schulkaserne“ in die Geschichte ein, womit man auch in Wien klar gegliederte kastenförmige Gebilde mit endlosen Fensterreihen assoziierte. Das karge, an Militärbauten erinnernde Äußere stand dabei im Einklang mit der für die Vorkriegszeit typischen Aufgabe als Drill- und Disziplinierungsanstalt. Ganz konträr eigentlich zu den freundlicher anmutenden und noch gültigen Richtlinien. Diese „kasernenphase“  hat in der Region keine sichtbaren Spuren hinterlassen. 

Noch vor Beginn des Ersten Weltkrieges kam es durch den Einfluss reformpädagogischer Theorien zu einem neuerlichen Wandel im Schulbau. Die Dekoration der Fassade wurde mehr von pädagogischen Überlegungen geführt, und das Gebäude sollte nicht mehr das Disziplinieren fördern, sondern bestmögliche Voraussetzungen für das Lehren und Lernen schaffen. Die 1908 errichtete Schule in der Steinlechnergasse scheint ein Beweis dafür zu sein. Auch die 1913 wegen der zunehmenden Verbauung notwendig gewordene Volksschule in der Amalienstraße 31–33 repräsentiert eine ungewöhnliche und fortschrittliche Planung. Im Inneren änderte das aber nicht viel am bis in die Zweite Republik hinein dominierenden Typus der Gangschule, bei der die Klassen entlang eines Ganges aufgefädelt sind und nur einseitige Belichtung erhalten.

In dieser Zeit begann auch eine neue Bauweise die Entwicklung im Schulbau zu beeinflussen: der Eisenbetonbau. Die Fassaden wurde glatt und unverziert, doch ermöglichte er kühnere Gestaltungen und größere Fensterflächen. Damit einhergehende Flachdächer konnten auch als Pausenerholungsort oder Turnplatz dienen. Diese Technik wurde in Österreich erstmals 1909 beim Bau der Mädchenvolksschule in der Felbigerstraße angewandt.

In der Zwischenkriegszeit erreichte der Schulbau in Wien einen qualitativen Höhepunkt. Während in der Zeit von 1900 bis 1918 82 Schulen errichtet wurden, kam es zwischen 1918 und 1945 infolge des Geburtenrückganges aber nur zu vier Schulneubauten. Bei diesen wurden jedoch die Erkenntnisse, welche seit der Jahrhundertwende auf diesem Gebiet gemacht werden konnten, voll berücksichtigt. Die Gebäude sind durch großzügige Lichtzufuhr in die Klassen, durch breite, helle Gänge und geräumige Stiegenhäuser gekennzeichnet. Sportgerechte Turnhallen und großzügig bemessene Außenflächen gehören zum Standard.

In unserer Region entstand in dieser Periode keine neue Volksschule. Häufige Erwähnung findet die 1933–34 als Hauptschule errichtete und damals international anerkannte Otto-Glöckel-Schule.

Die Zweite Republik

Nach der Reparatur der im Zweiten Weltkrieg beschädigter Schulen setzte ab 1950/55 eine neuerliche Welle im Schulbau ein, wobei pädagogischen und städtebaulichen Aspekten verstärkte Bedeutung zukam. Dazu kamen neue Baumethoden und Baumaterialien. Die Konzepte wurden experimentierfreudiger mit unterschiedlichen Zielsetzungen. Zunächst sollten die Anlagen kindgerechter werden, etwa mit niedriger und aufgelockerte Bauweise und ebenerdigen Pavillonschulen, Freiluftschulen oder Hallenschulen. Dann sollen sie flexibler sein, um künftigen Änderungen in Schulorganisationen besser gerecht werden zu können. Dazu zählten Modularsysteme und Skelettbauweisen. Auch mehr Wirtschaftlichkeit wurde gefordert, etwa durch Serienbaukonzepte wie bei der Volksschule in der Disterweggasse (1968, G. Peichl). Dementsprechend sind auch die Größenvorschläge je nach Anforderung sehr variabel und reichen von der Empfehlung mehrerer kleinerer Schulen statt einer großen bis zu kooperativen Schulanlagen (Schulzentren mit verschiedenen Schultypen in einem Bau).

Im Raumprogramm der Volksschulen begannen sich auch früher den allgemeinbildenden höheren Schulen vorbehaltene Gruppenarbeitsräume und Räume für Feiern und Veranstaltungen zu etablieren. Darüber hinaus musste und muss der Volksschulbau neben dem reinen Unterricht für Kinder auch deren ganztägigen Aufenthalt und anderen Nutzungen wie Sport und Veranstaltungen für alle Altersgruppen gerecht werden. Ab den 1970er-Jahren wird auch im Schulbau die höhere Wertschätzung gegenüber alter erhaltenswerter Bausubstanz bemerkbar, aber auch die Einschränkungen durch den Energiefaktor.

Bauherren und Architekten wurden mit Planungsrichtlinien unterstützt, wie z.B. das von Stadtbaudirektion, Stadtschuldrat, Professoren und Architekten gleich nach dem Krieg entworfene AFÖB-Merkblatt zu Schulbauten. Darin sind die Anforderungen an Standort, Räume, Ausstattung und Bauausführung nach den damals anerkannten Grundsätzen sehr detailliert beschrieben. 1963 wurde ein eigenes Institut für Schulbau an der Akademie der bildenden Künste gegründet.

Das bahnbrechende Schulorganisationsgesetz 1962 und die darauffolgenden Novellen, scheinen sich baulich weniger stark ausgewirkt zu haben. Zu nennen sind die Auflassung der 1- und 2-klassigen Volksschulen und die Aufhebung der Geschlechtertrennung. Die damals schon üblichen Klassen mit 36 Schülern wurden beibehalten.

Unterschiedliche städtebaulichen Prioritäten und Sparzwänge machten die weitere Entwicklung unstet, gaben aber einfachen Bauformen und Methoden einen erheblichen Startvorteil. Doch nach der Öffnung des Eisernen-Vorhanges Ende der 1980er-Jahre kam es gemeinsam mit der dynamischen Stadtentwicklung auch im Schulbau zu international beachteten Leistungen. Anfang der 1990er-Jahre wurden unter dem Label „Wiener Schulbauprogramm 2000“ Leitlinien zusammengefasst, die im Schulbau adäquate Voraussetzungen für einen Ganztagesbetrieb und eine bestmögliche Integrationsförderung schaffen sollten. Die neue Architektur sollte als Raum des Wohlbefindens bestehen. Zur Realisierung wurden prominente Architekten verpflichtet und Wettbewerbe veranstaltet. Die Projekte entstanden vorwiegend auf definierten Wachstumsachsen, weswegen unsere Region nur wenige Beispiele dieser neuerlichen Schulbauwelle aufzuweisen hat. Manche Projekte waren allerdings von einer erheblichen Fachkritik und Unzufriedenheit von Schulbetreibern und -Nutzern begleitet, wie zum Beispiel die international gewürdigte Schule von Helmut Richter in der Waidhausengasse in Wien Penzing. Blättert man durch den Kunstband aus dem Jahr 2003 "Wien, Schulbau – Der Stand der Dinge" könnte der Eindruck entstehen, dass diese Bewegung mehr der Idee respektabler Baukunst als moderner Pädagogik folgte.

Heftiger Kritik war auch das einzige, Hietzing betreffende Projekt im Rahmen dieser Schulbauinitiative ausgesetzt, nämlich der 1994 errichtete Erweiterungsbau an der Ostseite des Volksschulgebäudes Hietzinger Hauptstraße 166. Die Proteste gegen seine äußere Gestaltung blieben von Seiten der Stadt Wien und der Architekten angesichts der „typologischen und formalen Bezüge“ zum Bestand unverstanden und wurden als schriller Konservativismus aus einem der Kernländer des Wiener Bürgertums abgetan. „Auch wenn die Intensität der lokalen Polemik um den Zubau vermuten ließe, dass hier zeittypische Grenzen entwerferischen Mutes ausgelotet werden, liegt angesichts der volumetrischen Verwandtschaft des neuen Baukörpers zu Bestand und der konventionellen technischen Durchführung viel mehr der Verdacht nahe, dass es sich bei der öffentlichen Auseinandersetzung um Ausbrüche eines unreflektierten Traditionalismus in einem bürgerlich geprägten Bezirk und deren parteipolitische Nachnutzung handelt.“ So heißt es in einer Broschüre zum Ergänzungsbau. Doch auch Mag. Gerhard Weissenbacher („In Hietzing gebaut“) erscheint der Bau vor allem wegen seines hermetisch flächigen Abschlusses an der Hietzinger Hauptstraße gegen die Sommerergasse, wegen seiner dominanten Farbgebung und auffallenden Materialwahl der Fassadenverkleidung (emaillierte ESG-Glasscheiben) als Solitär und mit wenig Rücksicht auf die zum Teil noch erhaltene, gewachsene Struktur der gebauten Umgebung entworfen. Gemeinsam mit dem 1990 in der Glasauergasse angebauten Turnsaal gab diese Erweiterung der Ober St. Veiter Volksschule die heutige Gestalt.

Chronik der Schulen in St. Veit an der Wien

1458

Pfarrer Peter von Aspern erwähnt in seinem Testament den Schulmeister. Dies ist die älteste Notiz über eine Schuleinrichtung in St. Veit. In dieser Zeit wurde die Schule von der Pfarre betreut und die Lehrer von ihr bezahlt. Daher wird auch der älteste Schulraum in einem Gebäude um den alten Pfarrhof zwischen Kirche und Erzbischofgasse gelegen sein.

Die in den Pfarren eingerichteten Elementarschulen dienen in erster Line dem obrigkeitlichen Wunsch nach religiöser Lenkung der Bevölkerung. Es unterrichten Mesner und Kirchendiener mit oft schlechter Ausbildung.

1585

erhält die Schule einen Ofen sowie 30 Fensterscheiben im "Saal".

1577

stirbt Hans Plankenberger (Plankenwerger), gewesener Schulmeister zu St. Veit. Damit wird erstmals der Name eines Schulmeisters genannt. Das geschieht in einer der Kirchenrechungen, die ab dieser Zeit immer wieder Positionen im Zusammenhang mit Schulmeistern enthalten.

1600

wird ein neuer Ofen von einem Hackinger Hafner gesetzt.

1683

ist erstmals ein Schulgebäude belegbar. Es ist das Gebäude an der Ecke Vitusgasse/Erzbischofgasse (zuletzt mit der Adresse Erzbischofgasse 2).

Das Gebäude Erzbischofgasse 2 (früher Konskriptionsnummer 2). Es war das erste bekannte Schulhaus des Ortes (ab 1683 belegt). Später wurde es zur Kinderbewahranstalt. Das Foto zeigt das Haus im Jahr des Abrisses 1905. © Archiv 1133.at

1749

Die Rechte der Gemeinde an dem Haus Konskriptionsnummer 3 (ein anderes Gebäude neben dem alten Pfarrhof am Eck zum Kirchenplatz, heute etwa Vitusgasse 2) lassen sich bis in dieses Jahr zurückverfolgen. Es wird zum nächsten Schulhaus des Ortes und birgt diese bis 1860.

Im 18. Jahrundert wird der Schulmeister von Pfarrer und Gemeinderat mit Zustimmung der Herrschaft aufgenommen. Seine Aufgaben sind die Unterweisung der Kinder, Besorgung des Chordienstes, der Sakristei- und Kirchendienste. Er ist auch Gemeinde- und Landgerichtsschreiber. Unterstützt wird er von einem Cantor oder Präceptor, der anteilig von ihm und der Gemeinde zu bezahlen ist.

1773

bis 1779 wird immer wieder am baufälligen Schulgebäude gearbeitet und dieses schließlich neu errichtet. Für die Kosten kommt Maria Theresia auf, die zu dieser Zeit das Schloss St. Veit besitzt.

1774

wird die „Allgemeine Schulordnung für die deutschen Normal-, Haupt- und Trivialschulen“ in sämtlichen kaiserlich-königlichen Erbländern von Maria Theresia zum Gesetz erhoben. Sie beinhaltet eine sechsjährige Schuldauer vom sechsten bis zum zwölten Lebensjahr und kennt drei Schulformen.

Die niedrigste Schulform, die „Trivialschule“, soll in jedem Dorf mit Pfarre errichtet werden. Sie teilt die Schüler gar nicht oder nur in zwei Klassen und vermittelt vor allem das klassische „Trivium“ (Lesen, Schreiben, Rechnen) und dann noch Religion und eine Anleitung zur Rechtschaffenheit. Dies ist der für St. Veit relevante Schultyp.

Von den anderen Schulformen ist die „Hauptschule“ (nicht mit der heutigen vergleichbar) in größeren Städten und in jedem Bezirk einzurichten (zusätzlich Anfangskenntnisse in Latein sowie Geographie, Geschichte, Zeichnen und Landwirtschaftslehre) und darüber hinaus in den Landeshauptstädten eine „Normalschule“ für ausgesuchte Schüler (zusätzlich Baukunst, Mechanik und Naturlehre).

Die Erhaltung der Schulen obliegt den Grundherren und die tatsächliche Verwirklichung der Theresianischen Schulreform mangels anderweitigem Personal nach wie vor der Kirche und den Pfarren. 50 Jahre nach dem Erlass beträgt die Schulbesuchsquote erst 30% und nach 100 Jahren 90%.

1805

Ab diesem Jahr gilt die „Politische Verfassung der deutschen Schulen in den k.k. deutschen Erbstaaten“, welche die mariatheresianische und josephinische Schulorganisation in nur leicht modifizierter Form fortführt und vor allem die katholische Kirche mit der Schulaufsicht betraut. Der örtliche Pfarrer ist gleichzeitig Schulaufseher, der Dechant „Schul-Districts-Aufseher“.

1812

bitten die Hausbesitzer der bei der Feldmühle entstandenen Siedlung Unter St. Veit wegen des weiten Weges nach Ober St. Veit um die Errichtung einer Filialschule. Eine von der Herrschaftsverwaltung abgehaltene Kommission mit allen Beteiligten einigt sich auf eine Filialschule in einem gemieteten Klassenzimmer in Unter St. Veit und auf eine jährliche Zahlung von 200 fl. der Gemeinde Unter St. Veit an den Schullehrer von Ober St. Veit. Ein geprüfter Schulgehilfe hält jetzt vormittags und nachmittags je zwei Stunden Unterricht, den Religionsunterricht besorgt der Ober St. Veiter Kaplan. Auf dieser Grundlage arbeitet die Unter St. Veiter Filialschule jahrzehntelang.

1832

Im Rahmen eines Tauschvertrages erwirbt die Gemeinde St. Veit neben dem Haus Konskriptionsnummer 74 (Glasauergasse 2) auch die daran angrenzende Liegenschaft (heute Hietzinger Hauptstraße 164).

1857

Laut Schulbeschreibung vom März 1857 hat Ober St. Veit wegen der lebhaften Zuwanderung bereits 299 und Hacking, dessen Kinder ebenfalls in Ober St. Veit zur Schule gehen, 45 schulpflichtige Kinder. (Unter St. Veit mit der eigenen Filialschule hat 95 schulpflichtige Kinder.) Dafür steht in Ober St. Veit nach wie vor nur das bereits über 100 Jahre alte Schulhaus in der heutigen Vitusgasse 2 mit einem einzigen, wandfeuchten Klassenzimmer und ein 1856 im gegenüberliegenden Haus Konskriptionsnummer 23 (heutige Vitusgasse 5, das Haus besteht noch) gemietetes Erdgeschoßzimmer zur Verfügung.

In diesen beiden Räumen wird im Vormittags- und Nachmittagsschichtbetrieb der Unterricht aufrecht erhalten. Wegen dieser katastrophale Zustände muss das Bezirksamt Hietzing einschreiten und die beteiligten Gemeinden St. Veit und Hacking zu einer Vereinbarung über die Kostenaufteilung für einen Schulneubau verpflichten. Nach den alten noch geltenden Schulgesetzen müssen auch die Grundherrschaften etwas beitragen. Doch die sind seit 1850 abgeschafft, und ein beim Erzbischof von Wien als ehemaliger Schulpatron unternommener Versuch hat keinen Erfolg.

1858

Der Schulbau wird auf dem der Gemeinde St. Veit seit 1832 gehörenden Grundstück heutige Hietzinger Hauptstraße 164 auf Kosten Ober St. Veits und Hackings ausgeführt.

1859

Am 3. Mai wird der Schulbau durch Dechant Josef Weinkopf von Hütteldorf feierlich eingesegnet und danach gleich in Betrieb genommen, und die Schule übersiedelt vom Kirchenplatz in das neue Gebäude.

Das Haus Hietzinger Hauptstraße 164. 1859 übersiedelte die Schule vom Kirchenplatz in dieses damals neu errichtete Gebäude. Die Fotos zeigen es meist als Station der Freiwilligen Feuerwehr Ober St. Veits oder der späteren Feuerwache der Stadt Wien. © Archiv 1133.at

1868

Die Schulverhältnisse in der Unter St. Veiter Filialschule sind im Entstehungsjahr der neuen Gemeinde alles andere als rosig: für 41 Knaben und 39 Mädchen gibt es einen einzigen Unterlehrer und ein einziges gemietetes Lehrzimmer. Darin erteilte der Lehrer vormittags von 8 – 11 Uhr Unterricht für die dritte Klasse, nachmittags von 1 – 3 Uhr Unterricht für die erste und zweite Klasse gemeinsam. Mehr Klassen gibt es nicht. Zusätzlich gibt es in der Hutfabrik Bossi eine Fabriksschule. Die Schulaufsichtsbehörde schreitet 1868 ein und erteilte der Gemeinde den Auftrag, eine ordentliche Schule mit mindestens zwei Lehrern und mindestens zwei geeigneten Lehrzimmern einzurichten.

1869

Erst das unter dem Einfluss des Liberalismus erlassene Reichs­volksschulgesetz stellt die Pflichtschule auf eine einheitliche Basis und trennt die Kirche von der Schule und beschränkten die Geistlichkeit auf die Erteilung des Religionsunterrichtes. Die Schulpflicht wird von 6 auf 8 Jahre erhöht. Die Schülerhöchstzahl pro Lehrer (= Klasse) wird mit 80 festgesetzt.

1870

In diesem Jahr besuchen 61 Kinder die Filialschule in Unter St. Veit und 30 Kinder zwischen 9 und 14 Jahren die Fabriksschule. Die Fabriksschule ist damit eine weiterführende Schule nach der Volksschule und hat nur 1–2 Stunden Unterricht pro Tag. Wahrscheinlich arbeiten die größeren Kinder bereits nebenher in der Fabrik. Die Eltern der Fabriksschulkinder sind fast durchgehend „Drucker“ oder „Taglöhner“.

Die steigenden Schülerzahlen erfordern auch in Ober St. Veit eine weitere bauliche Lösung, und die Bezirkshauptmannschaft Sechshaus fordert eine Schulerweiterung und insbesondere die Errichtung eines eigenen Turnsaales. Die Gemeinde stellt sich auf den Standpunkt, dass im Mai dieses Jahres ohnedies schon ein zusätzliches Klassenzimmer geschaffen worden und mehr Geld nicht vorhanden sei.

1871

Giuseppe Bossi stellt die Entlohnung des Fabriklehrers ein, weil er seiner Meinung nach entsprechend den neuen Schulgesetzen von der Gemeinde zu entlohnen ist. In weiterer Folge unterrichtet der Unter St. Veiter Lehrer Josef Mantler alle Lehrgegenstände der Volksschule und der Ober St. Veiter Kaplan Religion.

Zur Einrichtung einer eigenen Schule kauft die Gemeinde Unter St. Veit die Häuser an der heutigen Adresse Auhofstraße 49 / Feldmühlgasse 26 und Feldmühlgasse 24 um 11.500 Gulden und gibt in den Folgemonaten noch einige tausend Gulden für den Umbau und die Anschaffung von Einrichtung für die Klassenzimmer aus. Da man sich im August 1872 bereits mit der Anschaffung der Lehrmittel beschäftigt und ein neues Schulsiegel „Volksschule in Unter St. Veit“ anschafft, ist anzunehmen, dass der Lehrbetrieb im neuen Gebäude bereits im Herbst 1872 aufgenommen wird. Das Schulhaus ist im Eckgebäude Feldmühlgasse 26 untergebracht.

Da jetzt genug Platz vorhanden ist, greift die Gemeinde Unter St. Veit hart gegen das immer noch verbreitete „Kinder nicht in die Schule schicken“ durch. Die letzten uneinsichtigen Eltern, die meisten Arbeiter, werden abgestraft. 

1872

Das seit 1870 bestehende Kloster der Dominikanerinnen eröffnet eine Mädchenschule.

Die erst 1858 erbaute Volksschule in Ober St. Veit wird definitiv zu klein. Das liegt nicht nur an der Zuwanderung, sondern auch an der zunehmenden Durchsetzung der Schulpflicht. Noch in den 1850er-Jahren wurden Kinder armer Familien anstatt in die Schule noch häufig „in die Fabrik“ geschickt.

Aus dieser Zwangslage heraus beschließt der Gemeindeausschuß im Herbst 1872 einen neuen Schulbau. Zur Arrondierung des ebenfalls seit 1832 im Gemeindebesitz befindlichen Standortes Theresiengasse 13 – 15 (heute Hietzinger Hauptstraße 166) wird das Haus Rudolfsgasse 4 (heute Glasauergasse 4) mit seinem unverbauten Garten erworben.

Entgegen den damaligen Usancen kommen nicht die Entwürfe der Ober St. Veiter Baumeister und Gemeindeausschussmitglieder Josef Gaubmann oder Lorenz Trillsam zum Zug, sondern der Entwurf des auswärtigen Architekten Otto Thienemann. Es entsteht ein für damalige Verhältnisse modernes, dreigeschoßiges Schulhaus, mit der besonderen Attraktion einer zentralen Heißwasserheizung. Sie erspart zur Winterszeit den Kohle schleppenden und Öfen einheizenden Schuldiener.

1873

Die Fertigstellung des Gebäudes in der Hietzinger Hauptstraße 166 erfolgte im Juni dieses Jahres und die Aufnahme des Schulbetriebes im Herbst. Das Gebäude entspricht dem Mitteltrakt der heutigen Ober St. Veiter Volksschule und ermöglicht eine perfekte Geschlechtertrennung. Die Knaben im ersten Stock und die Mädchen im 2. Stock haben gesonderte Eingänge.

Der Plan Thienemanns wird aber nicht zur Gänze umgesetzt. So werden die beiden rechtwinkelig an den Haupttrakt ansetzenden symmetrischen Seitentrakte weggelassen und sogar der Haupttrakt um drei Fensterachsen verkürzt (diese werden 1894 nachträglich angesetzt). Sogar für die Einrichtung scheint zuwenig Geld vorhanden, weil die vorsintflutlichen Bänke der alten Schule in den neuen Palast übertragen werden. Der dennoch ausgegebene Betrag von 75.000 Gulden belastet die Gemeindefinanzen erheblich und in anderem Zusammenhang wird sogar von ausgebluteten Finanzen gesprochen.

Die Unter St. Veiter Schule ist weniger komfortabel als die in Ober St. Veit. Im kalten Oktober dieses Jahres sollen die kleinen Kinder der ersten Klasse mangels eines Ofens mit blauen Lippen über die Kälte geklagt haben.

Die Volkschule in der Hietzinger Hauptstraße 166. 1873 übersiedelte die Schule in dieses dreistöckige Gebäude (im Bild ganz rechts). Der auf diesem Foto aus dem Jahr 1899 sichtbare Erweiterungstrakt an der Kirchenseite stammt aus dem Jahr 1894. Dieses stimmungsvolle Ansichtskartenmotiv zeigt auch noch die Gebäude an der Ecke zur Glasauergasse, in dem sich unter anderem das Gemeindegasthaus Magdlen befand. Zwischen den Gebäuden war noch der Blick auf die Ober St. Veiter Kirche frei. © Archiv 1133.at

1874

Ab diesem Jahr gibt es in Unter St. Veit, das bisher nur einen Lehrer hat, zwei weitere Lehrer. Bist 1991 werden es sogar fünf Lehrer mit entsprechend vielen Klassen.

1880

Die anhaltende Zuwanderung lässt die Einwohnerzahl Ober St. Veits auf 3615 Menschen ansteigen. Bis zum Ende des 18. Jahrhunderts waren es immer unter 1000 gewesen, 1857 waren es 1920 und 1869 bereits 2773 Einwohner. Aus dieser Tendenz, die in den folgenden Jahrzehnten ungebrochen anhält, erklären sich die folgenden Schulerweiterungen bzw. Übersiedelungen. Von den 3615 Ober St. Veitern Ende 1880 sind 1098 im Kindesalter oder schulpflichtig.

Es ist davon auszugehen, dass damals fast alle von der Volkszählung erfassten Ober St. Veiter Schulkinder 8 Jahre lang die regionale Volksschule zu besuchen hatten. Nur rd. ein dutzend Kinder sind davon auszunehmen, sie werden privat oder in auswärtigen Internatsschulen unterrichtet oder sind behindert (blind, gehörlos etc.). Wie regelmäßig die Kinder tatsächlich in der Schule anzutreffen sind oder von den Eltern zum Schulbesuch ermuntert werden, ist aus dieser Statistik freilich nicht zu erkennen.

1889

wird die Hackinger Schule von der Ober St. Veiter getrennt.

1894

wird der Ober St. Veiter Volksschulbau in der Hietzinger Hauptstraße 166 an der westlichen rechten Seite um die ursprünglich geplanten drei Fensterachsen erweitert.

An der Adresse Auhofstraße 49 / Feldmühlgasse 26 entsteht anstelle des alten Schulhauses die neue städtische Volksschule in Unter St. Veit. (1908?)

1904/05

Die Schule in der Hietzinger Hauptstraße 166 wird von Stadtbaumeister Matthäus Bohdal um den Trakt Hietzinger Hauptstraße 168 (an der Ecke zur Glasauergasse) erweitert. Im Zuge des Anbaues wurde auch einer der beiden alten Eingänge durch einem neuen zwischen Mittelrisalit und linkem Seitenrisalit ersetzt und die Anordnung der Stiegenhäuser verändert.

Aus dieser Zeit stammt auch die relativ einheitliche Fassadengestaltung. Mit ihren sparsamen historistischen Stilelementen entspricht sie der Gestaltung der meisten öffentlichen Schulbauten um die Jahrhundertwende in Wien. Der sechsachsige, angebaute Trakt Ecke Hietzinger Hauptstraße/Glasauergasse tritt in der Art eines Eckrisalites noch stärker hervor als der Mittelteil. Zweites und drittes Geschoß werden durch Pilaster, welche die Fenster flankieren, verbunden. Zwischen diesen Geschoßen liegen in den Fensterachsen reliefierte Zonen mit Stab-, Kreis- und Blattformen. Über dem Mittelteil und über den unmittelbar benachbarten Trakten befindet sich als Fassadenabschluss eine Balustrade. Unter dem deutlich vorspringenden Dachgesims des Ecktraktes verläuft ein Eierstab, die Konsolen sind mit Triglyphen verziert.

Die Ober St. Veiter Volksschulen. 1905 wurde die Schule um den Trakt an der Ecke Hietzinger Hauptstraße 168/Glasauergasse erweitert. Damals wurde auch die Fassade für alle Bauteile einheitlich gestaltet. © Archiv 1133.at

1913

wird in der Amalienstraße 31–33 ein weiteres Schulgebäude seiner Bestimmung übergeben. Ursprünglich ist es eine Volksschule mit 23 Klassen, dann eine Hauptschule und seit 1986 eine Berufsschule.

Es stellt eine für die damalige Zeit ungewöhnliche und fortschrittliche Planung dar. Von Max Fiebiger und Friedrich Jäckl entworfen, "ist es typologisch noch am Schloss orientiert – der detailreich umfriedete Pausenhof (Spielplatz) erinnert an einen Ehrenhof – [es] wird jedoch der Baukörper mit der hervortretenden Pfeilerstruktur der großen Fenster durch liebliche Details einer Heimatschutzarchitektur in den Maßstab des Bezirkes eingebunden." (Achleitner: Österreichische Architektur. Bd. 3/2. S. 16.) Den Pausenhof schließen gegen den Hietzinger Kai zwei Turnsäle ab. Im Keller war eine Küche, eine Ausspeisung für arme Schulkinder und ein Schwimmbad untergebracht, im Dachgeschoß befand sich eine Lehrwerkstätte.

Die Südostseite der Amalienschule in den 1930er-Jahren. © Archiv 1133.at
Die Nordseite der Amalienschule im September 2007. Damals wurde mit dem Bau des neuen Jugendwohnhauses begonnen wurde. © Archiv 1133.at

1990

wird in der Glasauergasse 4–6, an der Stelle des ehemaligen Armenhauses, ein weiterer Trakt mit Turnsaal zu den Volksschulen Hietzinger Hauptstraße 166 hinzugefügt.

1994

wird mit dem modernen Zubau im Osten das heutige Ausmaß des Schulkomplexes erreicht. Die ungeliebte Gestaltung wird oben im Kapitel Schulbau besprochen.

Die Entstehungsphasen der Volksschule Hietzinger Hauptstraße 166. Bauteil A+B: Der 1872 verwirkliche Teil der ursprünglichen Planung; Bauteil C: Zubau 1893 (die Reihenfolge der Bauteile B und C wird auch anders dargestellt); Bauteil D: Zubau 1904/05; Bauteil E: Zubau 1994 © Archiv 1133.at
Die Volksschule in der Hietzinger Hauptstraße 166. 1990 wurde in der Glasauergasse 4–6 an der Stelle des ehemaligen Armenhauses ein Trakt mit Turnsaal hinzugefügt. Der vorläufig letzte Anbau (hier ganz unten) wurde 1994 fertiggestellt. Zur Zeit der Aufnahme am 23. März 2006 beherbergte der Gebäudekomplex zwei Volksschulen die im selben Jahr zu einer zusammengelegt wurden. © Archiv 1133.at

Die Volksschulen in den anderen Bezirksteilen Hietzings

Volksschule Am Platz 2

1789 wurde die erste ca. 260 m2 große Schule am heutigen Am Platz 2 errichtet. Die Kosten trug das Stift Klosterneuburg. Das mit Wohnräumen und einem Hof ausgestattete Gebäude bot für ca. 90 Schüler Platz. Leiter war der jeweilige Pfarrer. 1829 wurde die Schule in ein neues Gebäude neben dem ehemaligen Meierhof in der heutigen Fasholdgasse 8 verlegt, wo sie bis 1866 blieb. Seither befindet sie sich wieder Am Platz 2. Bis 1899 war sie in jenem Trakt untergebracht, der heute das Bezirksmuseum beherbergt. In diesem Jahr erfolgte in geringem Abstand zum alten Schulhaus der dreigeschoßige Zubau für 12 Klassen. In dem alten Bau lagen ab 1899 die Aufnahmskanzlei, eine Schuldienerwohnung sowie das Konferenz- und Lehrmittelzimmer. Ein Gang im ersten Stock verband die beiden Trakte. 1968 wurde ein weiterer Anbau hinzugefügt. 2015 wird statt einem alten Pavillon ein moderner Zubau errichtet, der den Komplex um moderne Einrichtungen und eine Klasse erweitert.

Die Volksschule in Hietzing, Am Platz 2. Im ursprünglichen Gebäude ist heute das Bezirksmuseum Hietzing. Durch den Torbogen erreicht man die Schulgebäude dahinter. Fotografiert am 5. Februar 2015 © Archiv 1133.at
Die Volksschule in Hietzing, Am Platz 2. Heute erreicht man die Schulgebäude hinter dem Bezirksmuseum durch diesen Torbogen. Der Torbogen selbst erinnert in seiner den Pfarrhof und die Schulgebäude verbindenden Weise an ganz alte Darstellungen Hietzings und unterstreicht dies mit der Jahreszahl auf dem Abschlussstein. Fotografiert am 5. Februar 2015 © Archiv 1133.at

Volksschule im Park Speisinger Straße 44

Die Volksschule in der Speisinger Straße 44 wurde 1897, erst einige Jahre nach der Eingemeindung zu Wien, gebaut.

Die Hietzinger Schule im Park. Fotografiert am 5. Februar 2015 © Archiv 1133.at
Die Hietzinger Schule im Park. Fotografiert am 5. Februar 2015 © Archiv 1133.at

Waldschule Dr.-Schober-Straße 1

Das Gebäude Ecke Hermesstraße/Dr.-Schober-Straße war ehemals ein Jägerhaus. Es wurde 1850 erbaut und besaß ursprünglich einen achteckigen Observatoriumsturm, der 1875 abgetragen wurde. Den Bau, der seit der Mauerverlegung außerhalb des Tiergartens liegt, wurde 1938 von der Gemeinde Wien gekauft.

Während des Krieges nahm die Kinderzahl in den Siedlungen des Lainzer Tiergartens sowohl in der Friedensstadt wie auch in der Polizeisiedlung stark zu. Die nächstgelegene Volksschule war in der Speisinger Straße 44 und damit von den Siedlungen ziemlich weit entfernt. Durch die Initiative der Vertreter der Elternschaft wurde im Herbst 1945 eine Notlösung für die jüngsten Schulkinder gefunden. Es wurden zunächst zwei Räume im ehemaligen Forstverwaltungsgebäude des Tiergartens (Hermesstraße 1) behelfsmäßig als Schulzimmer eingerichtet, am 21. Oktober 1945 eingeweiht und am Folgetag als Expositur der VS Speising in Betrieb genommen. Im Winter 1945/46 gab es Heizschwierigkeiten. Es fehlte an Brennmaterial und die uralten Kachelöfen funktionierten schlecht. Die Eltern sorgten für Brennholz, Mütter übernahmen die Bedienung der Öfen und die Reinhaltung des Hauses. Im Mai 1946 wurde vom Bauamt der Stadt Wien der Auftrag zur baulichen Umgestaltung des Hauses erteilt, doch mussten zunächst die Mietparteien (unter anderem die Witwe des ehemaligen Oberforstrates) anderweitig untergebracht werden, bevor der Umbau beginnen konnte. Ein zweiter Winter kam, dessen Schwierigkeiten wieder nur unter werktätiger Beihilfe der Eltern überwunden werden konnte.

Im dritten Winter war der Umbau vollendet. Aus dem finsteren, alten Forstverwaltungshaus ist ein helles, freundliches Haus entstanden, wohl kein Schulhaus gewohnter Art, sondern nur ein bescheidener Erdgeschoßbau mit vier sauberen Schulzimmern und einem Ausspeiseraum. Für die Sommern war geplant, den Unterricht aus den Schulzimmern ins Freie zu verlegen.

Im Oktober 1954 wurde mit einem Neubau begonnen, die Eröffnung als eigenständige Volksschule erfolgte im März 1955. Der Neubau bot auch die Möglichkeit, dass für einige Zeit eine Hauptschulklasse als Expositur der HS Veitingergasse und eine Klasse für gehörlose Kinder eingerichtet werden konnte.

Die Waldschule an der Dr.-Schober-Straße nach den Umbauten 1947. © Heimatrunde St. Hubertus
Die Waldschule an der Dr.-Schober-Straße. Fotografiert am 5. Februar 2015 © Archiv 1133.at

Ganztagesschule Steinlechnergasse 5–7

Im 1820 erschienenen zweiten Band der Kirchlichen Topographie von Österreich (S. 164) wird schon für das Jahr 1737 in Lainz eine Schule genannt. Es ist ungewiss, ob sie sich bereits an der Stelle des um 1840 errichteten, 1872 von den Gemeinden Lainz und Speising je zur Hälfte gekauften Schulhauses in der Lainzer Straße 148 befand. 1908 errichtete Baumeister Matthäus Bohdal ein neues Schulgebäude in der Steinlechnergasse. Er stattete die "Knaben Volks- und Bürgerschule" mit interessantem plastischem Fassadenschmuck aus. 1994/95 führte F. G. Mayr einen Zubau mit zwei Obergeschoßen und ausgebautem Dach für vier Klassen und einen Turnsaal aus. Heute wird die Volksschule als Ganztagesschule geführt.

Die Volksschule Steinlechnergasse 5–7. Fotografiert am 5. Februar 2015 © Archiv 1133.at
Die Volksschule Steinlechnergasse 5–7. Fotografiert am 5. Februar 2015 © Archiv 1133.at
Die Volksschule Steinlechnergasse 5–7. Fotografiert am 5. Februar 2015 © Archiv 1133.at
Die Volksschule Steinlechnergasse 5–7. Fotografiert am 5. Februar 2015 © Archiv 1133.at
Die Volksschule Steinlechnergasse 5–7. Fotografiert am 5. Februar 2015 © Archiv 1133.at
Die Volksschule Steinlechnergasse 5–7. Fotografiert am 5. Februar 2015 © Archiv 1133.at
Die Volksschule Steinlechnergasse 5–7. Fotografiert am 5. Februar 2015 © Archiv 1133.at

Volksschule des Konvents der Dominikanerinnen Schloßberggasse 17

Friederike Fürstin von Auersperg (Schwester Maria Raymunda) kaufte 1869/70 von dem Kaufmann Jakob Gottlieb Rath mehrere Gründe in Hacking. Dazu gehörten auch bauliche Anlagen, u. a. ein Haus, das sich an der heutigen Stelle Schloßberggasse 17 (früher Wasagasse 1) befand.

Das um 1910 erbaute villenartige Gebäude Ecke Auhofstraße/Seuttergasse, in welchem heute die Fachschule für Frauenberufe untergebracht ist, gehörte ursprünglich dem Kaufmann Johann Reitter und wurde 1913 von den Schwestern gekauft.

Die Umbauten des Hauses Wasagasse 1 zu einem Konvent gestalteten sich wegen unzureichender Bauaufsicht und schwerer Versäumnisse der Handwerker sehr mühsam. Dennoch konnten 1872 ein Mädcheninternat und 1873 die Volksschule eröffnet werden.

Die Arbeiten für die Neubauten des Schulgebäudes und Pensionates nach Plänen von Baumeister Emmerich Konradi – die alten Anlagen genügten schon damals dem gestiegenen Bedarf nicht mehr – dauerten von 1896 bis 1899. Aber schon 1897 begann man mit dem regulären Unterricht einer fünfklassigen Volks- und einer dreiklassigen Bürgerschule mit Öffentlichkeitsrecht. 1904 kam ein dreijähriger Fortbildungskurs für nicht mehr schulpflichtige Mädchen dazu. 1907 wurde das zweigeschoßige Schul- und Pensionatsgebäude um ein weiteres Geschoß aufgestockt, 1913 richtete man eine einjährige Haushaltungsschule ein, 1931 eine Handelsschule mit Öffentlichkeitsrecht und 1933 ein Realgymnasium. 1938 mußte der Schulbetrieb eingestellt werden; 1945 dienten die Gebäude als Feldlazarett für russische Truppen. Im Herbst 1945 konnte der Unterricht wieder aufgenommen werden.

Heute werden ein Kindergarten (seit 1970), Volks- und Hauptschule, Neusprachliches und Wirtschaftskundliches Gymnasium und eine dreijährige Fachschule für Frauenberufe angeboten.

Um den Anforderungen eines zeitgemäßen Internatsbetriebes zu entsprechen, erhielt Gustav Peichl den Auftrag für die Planung eines Internatsneubaues südöstlich der bestehenden Gebäude des Konvents. Das bisherige Internat wurde für Unterrichtszwecke adaptiert. Der Baubeginn verzögerte sich, weil das Grundstück, das von der Baubehörde ohne Wissen des Schulerhalters zum Parkschutzgebiet erklärt worden war, erst rückgewidmet werden mußte.

Die Aufgabe des Architekten bestand darin, für hundert Mädchen im Alter von sechs bis 18 Jahren in Berücksichtigung des pädagogischen Konzeptes einer Wohnraumschule eine Anlage mit möglichst übersichtlichem Grundriß zu schaffen. Hiebei sollte die Hanglage ausgenützt und der vorhandene Baumbestand berücksichtigt werden.

Freie Waldorfschule Wien-West Seuttergasse 29

Text kommt

Friedrich Eymann-Waldorfschule Feldmühlgasse 26

Text kommt

Quellen:
Behnke, Gustav: Niedere und höhere Schulen. In: Gebäude für Erziehung, Wissenschaft und Kunst (= Handbuch der Architektur, hg. Eduard Schmitt, IV. Teil, 6.Halbband, Heft 1, Stuttgart 1903) 3–10
Chramosta Walter M.: Zubau zur Volksschule Hietzinger Hauptstraße 166 /Architektin Elsa Prochazka . Hrsg. Stadtplanung Wien, MA 19, Architektur und Stadtgestaltung. Wien 1995. ISBN: 3-901210-56-3
Edlinger, Lydia: Der österreichische Schulbau in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Diplomarbeit an der Universität Wien, 2003
Frühmann, Norbert: Der Arbeitsplatz des Lehrers in der Vergangenheit. In: Das Schulblatt. Zeitschrift des Christlichen Lehrervereins für Oberösterreich (Linz, Okt. 1994) 9–11.
Girardi, Julia: Das Schulhaus als „dritter Lehrer“. Eine funktionale Analyse der Schularchitektur und deren Auswirkungen auf dasLernen im Verlgeich Schweden und Österreich. Diplomarbeit an der Universität Wien, 2003.
Heillmayr, Nikolaus: Wien, Schulbau. Der Stand der Dinge. Hrsg. Vom Magistrat der Stadt Wien. Wien: Raum.Kunst 2003, ISBN: 3-902216-04-2
Holzapfel, Josef: Historisches Ober St. Veit. Handwerks-, Gewerbe- und Vereinsgeschichte. Wien, Interessensgemeinschaft Kaufleute Ober St. Veit, 2009
Hörburger, Franz: Geschichte der Erziehung und des Unterrichts. Wien: Österreichischer Bundesverlag für Unterricht, Wissenschaft und Kunst Wien und München, 1967
Schulbauten. Merkblatt herausgegeben von der Arbeitsgemeinschaft zur Förderung der österreichischen Bauwirtschaft (AFÖB), Österreichische Staatsdruckerei Mai 1951
Weissenbacher, Gerhard: In Hietzing gebaut: Architektur und Geschichte eines Wiener Bezirkes. Wien: Verlag Holzhausen, Band I 1996 ISBN 3-85493-004-6 und Band II 1998 ISBN 3-900518-93-9
Hinweise Ing. Christian Gold, Heimatrunde Hubertus

hojos
im Jänner 2015, ergänzt im März 2015