Das Seminar für kirchliche Berufe wird geschlossen

Lesen Sie hier über die Geschichte des Seminars für kirchliche Berufe, zuvor Seminar für kirchliche Frauenberufe bzw. Wiener Diözesanschule für Seelsorgehilfe und Caritas
05.12.2012

Dr. Hildegard Holzer

„Ich habe meinen Beitrag geleistet, meinen Auftrag erfüllt.“ So beendete Dr. Hildegard Holzer ihre Worte in der 1995 erstellten Festschrift zum 50-jährigen Jubiläum des Seminars für kirchliche (Frauen)Berufe. Es war ein enormer Beitrag mit hohem Anteil an der heutigen Selbstverständlichkeit der Laienarbeit in Gemeinden und Diözesen.

Dr. Hildegard Holzer. © skb.at

Die am 3. April 1904 in Krems geborene Hildegard Holzer war eines von sechs Mädchen, die in der Zeit des Ersten Weltkrieges mit Sondergenehmigung das Kremser Gymnasium besuchen durften. Auch auf der Universität Wien war sie eine von wenigen Studentinnen, als sie 1927 in Staatswissenschaften promovierte. Doch beruflich wollte Dr. Hildegard Holzer helfen und wurde Fürsorgerin, ein damals moderner Frauenberuf. Die spirituelle Prägung im Bund Neuland (eine einflussreiche Katholische Jugendbewegung in der Zwischenkriegszeit, die Glaubensleben und Zeitgenossenschaft verband) ließ Dr. Holzer 1932 in den kirchlichen Dienst im Bereich der Jugendorganisationen wechseln. Die Zuständigkeit für die Ausbildung von Seelsorgehelferinnen erlangte sie bereits während des Zweiten Weltkrieges. Während einer Feuerwache in einer Bombennacht des April 1945 fasste sie den Entschluss, als wesentlichen Beitrag zum Wiederaufbau einer lebendigen Kirche ein Seminar für diese Seelsorgehelferinnen zu gründen.

In all den Jahren, in denen sie ausdauernd und wagemutig dieses Vorhaben umsetzte, stand weniger das Ringen um Frauenrechte im Zentrum ihrer Bestrebungen, sondern die Überzeugung, dass die Kirche nicht an den Frauen verbeigehen konnte und durfte, wenn sie sich in der Verantwortung für ihre Sendung in der Welt weiterentwickeln wollte. Sie fühlte sich nicht berufen, die Frauenordination zu fordern, aber für den eigenständigen, weiblichen Beitrag in der Seelsorge forderte sie volle Anerkennung. Das Vordringen der Frauen in immer weitere Bereiche der kirchlichen Praxis hat sie aber noch in ihren letzten Lebensjahren freudig begrüßt und nach Kräften gefördert. Jede Frau sollte sich individuell entwickeln und die ihr von Gott gegebenen Fähigkeiten einsetzen können, ohne in traditionellen geschlechtsbedingten Schranken gefangen zu sein.

Nach ihrem Ausscheiden aus dem Seminar im Jahr 1968 war sie noch zehn Jahre lang in der Altenpastoral der Diözese St. Pölten tätig, wo sie wieder Aufbauarbeit leistete. Sie starb am 5. Dezember 1995 in Wien.

1945

Unmittelbar nach Kriegsende im Mai 1945 bat Dr. Hildegard Holzer als Leiterin des Referates Seelsorgehilfe im erzbischöflichen Seelsorgeamt den Wiener Erzbischof Kardinal Dr. Theodor Innitzer um Errichtung eines diözesanen Seminars für junge Frauen zur Vorbereitung auf ihren Dienst in der Kirche und um Annahme dieser Dienstbereitschaft durch den Bischof.

Noch im selben Monat erfolgte die Errichtung des Seminars durch ein bischöfliches Dekret. Es erhielt den Namen „Wiener Diözesanschule für Seelsorgehilfe und Caritas“. Erster Sitz des Seminars waren die von der Erzdiözese Wien im Juni gemieteten bombengeschädigten Räume im Heimsuchungskloster in Wien 3. Bezirk, Rennweg 8. Das Seminarleben und der Lehrbetrieb begannen am 15. Oktober mit einer Messfeier in der Klosterkirche. Der Lehrgang dauerte vier Semester, wobei die Vormittage meist für Praktika in Wiener Pfarren oder in caritativen Einrichtungen und die Nachmittage für Vorlesungen und Studium reserviert waren. Die Nachkriegssituation mit Flüchtlingsproblemen, Hunger und Mangel an Hilfseinrichtungen führte zu einem hohen Anteil an caritativen und sozialen Themen im pfarrlichen Leben und damit auch im Seminar.

Die Leitung des Seminars lag in den Händen der Initiatorin Dr. Hildegard Holzer, sie war aber von Beginn an in ein Leitungsteam eingebunden, dem der bischöflichen Kurator, P. Johann Glaser OSFS und Schwester Natalia Fuchs von der Caritas Sozialis angehörten. Beide trugen entschieden zur Entwicklung des Seminars bei. Als Vortragende wurden zunächst Mitarbeiter des Wiener Seelsorgeamtes gewonnen, darunter der spätere Erzbischof Dr. Franz König, der spätere Weihbischof Dr. Karl Moser, mehrere Patres – Jesuiten und Salesianeroblaten – aber vor allem auch Pfarrer, unter ihnen Dr. Hubert Schachinger und Dr. Erwin Hesse. Als dem Leiter des Seelsorgeamtes Dr. Karl Rudolf im Herbst 1945 durch Freunde aus dem westlichen Ausland ein längerer Kuraufenthalt in der Schweiz zur Ausheilung seiner schweren Krankheit ermöglicht wurde, bestellte das Konsistorium den damaligen Caritasdirektor und späteren Weihbischof Dr. Weinbacher zum Kurator.

1946

Im Herbst kamen trotz der unvorstellbaren Nachkriegsschwierigkeiten – Österreich war ja unter anderem in Zonen geteilt – erstaunlich viele junge Frauen aus den westlichen Bundesländern ins Seminar. Dieser Jahrgang war der stärkste während der ganzen Dienstzeit von Dr. Hildegard Holzer. Die Kunde vom neuen Berufsweg für Frauen in der Kirche hatte sich durch die damals sehr aktive „Katholische Jugend“ verbreitet. Wegen des Interesses der Seelsorgeämter aus den anderen Diözesen wurden auch deren Wünsche im Lehrplan berücksichtigt.

1947

Im Juni schlossen die ersten Absolventinnen mit Prüfungen vor einer diözesanen Prüfungskommission unter Vorsitz von Prälat Dr. Franz Gundl ihre Ausbildung ab. Prälat Dr. Gundl behielt diesen Vorsitz in der Prüfungskommission bis zum Ende der 1960er-Jahre. Im selben Monat erteilte der Kardinal in der Kirche des Heimsuchungsklosters diesen ersten Absolventinnen die kirchliche Sendung und nahm ihr Berufsversprechen entgegen. Dieses Berufsversprechen, die Annahme des Versprechens und der Sendungsauftrag durch den Bischof waren ein entscheidender Schritt in der Entwicklung des Berufes der Seelsorgehilfe.

1948

Es war eine organische Weiterentwicklung, als die „Wiener Diözesanschule“ im Februar eine Einrichtung der Österreichischen Bischofskonferenz wurde und ein Kuratorium der Bischofskonferenz den Wiener bischöflichen Kurator ablöste. Zugleich kam es auch zur Verlängerung der Ausbildungsdauer auf drei Jahre und zum neuen Namen „Seminar für kirchliche Frauenberufe“.

Ebenfalls in diesem Frühjahr löste das Heimsuchungskloster einseitig und widerrechtlich den Mietvertrag mit der Erzdiözese Wien auf und kündigte kurzfristig die Räume des Semiars. In Wien war damals – bedingt durch Nachkriegsschäden, Nachkriegsnöte, Besatzungssituation – kein Haus zu finden. Die Erzdiözese nahm die Kündigung an und legte der Seminarleitung nahe, den Seminarbetrieb in einer Abendschule zu veranstalten. Dies hätte den Verzicht auf die eigentliche und wesentliche Aufgabe des Seminars bedeutet. Denn es ging ja nicht um die Übernahme einzelner pastoraler Aufgaben durch Frauen, sondern um das Leben in den Gemeinden – Leben in Gemeinschaft kann man nicht in Abendkursen lernen. Kaum jemand, vermag sich daran zu erinnern, welch versperrte, fast abweisende Kanzleigebäude und Herrensitze die Pfarrhöfe früher waren. Auf die Seelsorgehelferinnen wartete die Aufgabe, den alten josefinischen Lebensstil der Pfarren gemeinsam mit den Seelsorgern in ein Gemeindeleben zu verwandeln.

Das Leben in Gemeinschaft war unabdingbar für das junge Seminar und dazu war ein Dach über dem Kopf notwendig. Durch „Zufall“ erfuhr die Leitung von einem recht bescheidenen und arg beschädigten kleinen Schul- und Internatshaus der Strebersdorfer Schulbrüder in Stetten bei Korneuburg, das der Provinzial zum Verkauf oder als Mietobjekt anbot. Niemand kannte dieses Dorf Stetten, trotzdem wurde die Übersiedlung gewagt, und alle griffen zu. Damit wurde im September 1948 von neuem begonnen, wieder in einem zerstörten Haus, in großer äußerer Armut, mit unvorstellbaren Belastungen für Vortragende, Mitarbeiter und die Studierenden, aber mit noch größerem Gewinn für alle. In den folgenden vier Jahren wuchs eine nie geahnte und niemals derart intensiv gezielt angepeilte Gemeinschaft.

Seminar für kirchliche Berufe. Eine Aufnahme aus der Zeit in Stetten bei Korneuburg 1946–1952 © skb.at

Der Lehrplan wurde entschlackt und gestrafft. Das Leben in der damals rein dörflichen Weinviertel-Pfarrgemeinde, die mühsamen Fahrten der Professoren und Mitarbeiter aus Wien wie umgekehrt der Studierenden nach Wien zum Besuch einzelner Lehrveranstaltungen und zu praktischen Einsätzen, die jetzt im Blocksystem absolviert wurden, all das hatte seinen Preis, brachte aber kostbaren Gewinn.

1950

In diesem Jahr wurde in Wien mit Erzbischof Dr. Franz Jachym ein neuer Koadjutor tätig. Er  lernte die ersten Seelsorgehelferinnen bei seinen Visitationen im Einsatz kennen und teilte der Seminarleitung bald mit, dass die Erzdiözese für einen Standort des Seminars in Wien sorgen werde.

1952

Nach den vier mühsamen aber eben auch heilsamen Jahren in Stetten übersiedelte das Seminar am 14. August in das Stadtzentrum von Wien, und zwar in das Haus Seitzergasse 3, das den Jesuiten seit den Tagen des Hl. Petrus Canisius als Heimstatt gedient hatte.

Seminar für kirchliche Berufe. Das Haustor in der Seitzergasse 3 © skb.at
Seminar für kirchliche Berufe. Dr. Hildegard Holzer und Schülerinnen im Hof des Hauses Seitzergasse 3 © skb.at
Seminar für kirchliche Berufe. Tischtennisspiel im Hof in der Seitzergasse 3 © skb.at

Für das Seminar folgten Jahre im Herzen der Großstadt, zuerst noch in der Besatzungszeit mit ihren Nöten. Wieder einmal mussten Lehr- und Lebensplan neu gestaltet und neue Konturen gewonnen werden. Der für die Kirche in Österreich so entscheidende Katholikentag 1952 war wie ein Signal für diesen Neubeginn. Der Weg der Kirche in eine veränderte pluralistische Welt verwandelte das Leben in den Diözesen, in den Pfarrgemeinden, in der KA, in der kirchlichen Jugendarbeit, und er verwandelte daher auch die Aufgaben und das Leben im Seminar unaufhaltsam, zeitweise sogar atemberaubend.

Seminar für kirchliche Berufe. Der Jahrgang 1954 in der Seitzergasse 3 © skb.at
Seminar für kirchliche Berufe. Küchendienst in der Seitzergasse 3 © skb.at
Seminar für kirchliche Berufe. Werkunterricht © skb.at

1960

Der Wandel nach dem Abzug der Besatzungsmächte brachte neue Freiheiten und eine neue Ära in der Kirche und in der Welt, der auch in der kirchlichen Jugendarbeit deutlich spürbar wurde. All diese Komponenten ließen die Seminarleitung um 1960 nach einem neuen Domizil Ausschau halten, weil das Haus und das Ambiente in der Seitzergasse zu eng geworden waren. Wieder war es Erzbischof Koadjutor Dr. Jachym, der für das Seminar eine neue und endgültige Heimstatt fand: das Erzbischöfliche Schloss in Ober St. Veit. Dr. Jachym leitete auch die finanzielle Hilfe der anderen Diözesen für die notwendige Modernisierung des Hauses in die Wege.

Seminar für kirchliche Berufe. Der Diplomjahrgang 1960 © skb.at

1964

Als das Seminar in das Ober St. Veiter Schloss übersiedelte, wohnte dort noch eine größere Anzahl von Altersheim-Insassen, die vom Seminar mitbetreut wurden. Es entstand ein gutes Verhältnis zwischen den Studierenden und diesen Damen. Für die Leitung des Altersheimes und die Mitarbeit im Seminar konnten Schwestern der Steinerkirchner Benediktinerinnen gewonnen werden.

Seminar für kirchliche Berufe. 60. Geburtstag von Dr. Hildegard Holzer im Jahr 1964. Links Dr. Franz Kardinal König und rechts Dr. Hildegard Holzer. Es war vermutlich die erste Feier in den neuen Räumlichkeiten in Ober St. Veit. © skb.at

1968

Dr. Hildegard Holzer konnte die Übersiedlung und die ersten Jahre in Ober St. Veit noch mitgestalten, ehe sie im Sommer 1968 die Leitung des Seminars an ihre Nachfolgerin Dr. Eva Maria Pogner weitergab. Dieser Neuanfang war durch das 2. Vatikanische Konzil, durch die Wiener Diözesansynode und durch den Aufbruch der Weltkirche mit allen Folgerungen und Umbrüchen, mit Wegsuche, Hoffnungen, Bruderkriegen bestimmt.

In den Jahren bis dahin war die Mitarbeit der Frauen in den Gemeinden und Diözesen selbstverständlich geworden, doch hatte auch das Interesse junger Frauen am Beruf der Seelsorgehelferin nachgelassen. Wegen der kleiner gewordenen Jahrgänge waren die Anforderungen zum Eintritt erleichtert worden. Das Konzil, das die theologischen Grundlagen für kirchliche Laienberufe für Frauen und Männer geschaffen und ihren Standort in der Kirche abgesichert hatte, bewirkte auch Änderungen im Berufsbild. Aus der „Helferin des Priesters“ wurde der „Dienst an der Gemeinde“ zusammen mit dem Priester, der die Übernahme von eigenständigen pastoralen Aufgaben im Bereich der Pfarrpastorale, der Katechese und der kategorialen Seelsorge umfasste. Diese Aufwertung der Laien im kirchlichen Dienst durch das Konzil und der durch die Seminar-Ausbildung aufgewertete Beruf des „kirchlichen Jugendleiters“ führte wieder zu einem Zustrom an Interessenten aus den kirchlichen Jugendorganisationen und zu einer Neubelebung, die auch ein neues Auswahlsystem (Aufnahmetests) erforderte. Aus dem „Seminar für kirchliche Frauenberufe“ wurde das „Seminar für kirchliche Berufe“. Damit verbunden war die Öffnung des Seminares für junge Männer. Fortan war das Seminar in die Schule, zwei Internate (das für die Männer war in der Auhofstraße 8 untergebracht) und das Altersheim gegliedert.

Aus schulischer Sicht wurde das Seminar in eine Soziale Fachschule mit Öffentlichkeitsrecht  umgewandelt (neuer Schultypus im österr. Schulwesen: die „Jugendleiterschule“). Die Erstellung der Lehrpläne geschah jetzt unter intensiver Beteiligung aller Lehrer. Darüber hinaus wurde in der Ausbildung ein Baukastensystem angeboten: Die zweijährige Jugendleiterschule als Grundausbildung, der Pastoralkatechetische Lehrgang als Aufbaulehrgang für die Pastoralassistentinnen und Patoralassistenten und die theologische Ausbildung am „Laientheologischen Kurs“ am Stephansplatz, später Würzburger Fernkurs. Es gab auch die Möglichkeit eines parallelen Besuches der Maturaschule bei Verlängerung der Ausbildung auf 5 Jahre.

Was den Lehrkörper betrifft, gab es neben der Direktorin Dr. Eva Maria Pogner zwei Fachvorstände: einen für die Jugendleiterschule und einen für den Pastoralkatechetischen Lehrgang. Der feste Lehrkörper bestand aus staatlich angestellten und bezahlten Lehrerinnen und Lehrern. Pastoralassistentinnen, die im Seminar ihre Ausbildung erhalten hatten, arbeiteten in der Leitung, im Lehrkörper und im Internat mit. Das Leitungsgremium aus der Direktorin, den Fachvorständen, den Internatsleitern und dem Spiritual arbeitete als Team, die Mitsprache der Studierenden in Schule und Gemeinschaftsleben wurde verstärkt und die „Schulgemeinde“ aufgewertet, wozu auch die damaligen Schulgesetze beitrugen. Auf partnerschaftliche Kommunikation zwischen Studierenden, Lehrern und der Leitung wurde Wert gelegt.

Diese schulischen Änderungen gaben auch die Möglichkeit, von einer innerkirchlichen Tätigkeit in einen öffentlichen Beruf umzusteigen.

Seminar für kirchliche Berufe. Dr. Franz Kardinal König und Dr. Hildegard Holzer im Jahr 1968 © skb.at
Seminar für kirchliche Berufe. Seminaristinnen vor dem Hausschild am Wolfrathplatz 2 © skb.at

1970er-Jahre

Die Umstellungen machten sich mit all ihren Konsequenzen spürbar. Die Studierenden hatten unterschiedliche Ziele. Die einen wollten „nur“ die zweijährige Jugendleiterausbildung absolvieren. Sie kamen aus den verschiedensten Lebensbereichen und aus der ganzen Bandbreite von Nähe bis Distanz zur Kirche. Die anderen wollten die auf die Jugendleiterschule aufbauende Ausbildung zur Pastoralassistentin oder zum Pastoralassistenten machen. Darüber hinaus wirkten sich auch die gesellschaftlichen „1968er-Anstöße“ zunehmend auf das Gemeinschaftsleben aus. Da waren Frauen und Männer, Partnerschaften und Ehen, die sich anbahnten, Fragen des Zusammenlebens in den Wohngemeinschaften, des Lebensstils und des gemeinsamen Betens und Feierns zu klären.

Für alle Beteiligten war dies eine harte Probe für Geduld, Toleranz und gegenseitiges Verstehen, oft bis an die Grenze des Erträglichen und bis zur Frage: Kann diese Ausbildungsstätte in dieser Form noch weitergeführt werden? Die Zeit war auch geprägt von vielfachen Überlegungen bezüglich des Lehrplanes, Umstellungen und Neuversuchen in der Organisation der Ausbildung.

1978

Dr. Eva Maria Pogner trat in den Orden der Salesianerinnen und Dr. Leonhard Schaden wurde für zwei Jahre ihr Nachfolger als Leiter des Seminars.

Seminar für kirchliche Berufe. Weihbischof Dr. Helmut Krätzl und Sr. Dr. Eva Maria Pogner während einer Feier im Festsaal des Seminars © skb.at
Seminar für kirchliche Berufe. Weihbischof Dr. Helmut Krätzl und Sr. Dr. Eva Maria Pogner während einer Feier im Festsaal des Seminars © skb.at

1980

Der im September dieses Jahres als Leiter des Seminars bestellte Mag. Hans Ranz ging mit seinen engsten Mitarbeitern Mag. Erich Blaha und Sr. Hildegard Raffl daran, die kritische Situation des Seminars neu zu gestalten. Das Kuratorium des Seminars setzte den Unterrichtsbetrieb ein Jahr lang aus und gab der neuen Leitung Zeit für eine grundlegende Reorganisation, die sich in einem geänderten Lehrplan und einer ebenfalls geänderten Schulform niederschlug. Es wurde die Lehranstalt für pastorale Berufe als vierjährige Ausbildung mit einem zehnmonatigen Praktikum im dritten Ausbildungsjahr geschaffen und ein neuer Lehrkörper bestellt. Diese Jahre waren auch vom Bemühen eines spirituell verankerten Berufsbildes und auch vom Ringen und Suchen nach einer tragfähigen Identität der beruflich eingebundenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im pastoralen Dienst der Kirche gekennzeichnet. Vermittelt wurden Theologie, Humanwissenschaften, musisch-kreative Inhalte und eine Praxisorientiertheit. Das Leben in der Seminargemeinschaft sollte unter anderem die persönliche, spirituelle, sozial-pastorale, fachliche und institutionelle Kompetenz fördern.

1992

Im Jänner 1992 übernahm Mag. Erich Blaha die Leitung des Seminars für kirchliche Berufe. Seine Überzeugung war, dass mit den Absolventinnen und Absolventen des Seminars die Kirche in Österreich bunter, vielfältiger und anziehender ist und sein wird, als ohne sie. Er trachtete, das Spezifikum dieser Ausbildungsstätte – die auf solider Theorie fußende Praxis- und Berufsorientiertheit mit der Möglichkeit ganzheitlicher Bildung – zu sichern bzw. zu fördern.

1993/94

Der Lehrplan wurde adaptiert und das Konzept einer „Berufsbegleitenden Ausbildung“ in die Tat umgesetzt. Dieses Konzept wurde von Diakon Franz Sommer umgesetzt und in der Folge betreut. Eine Öffentlichkeitsarbeit auf den verschiedensten Ebenen (Pfarren, Bildungshäuser, Orden, Medien) sollte den Bewusstseinsstand bezüglich dieses Berufes und dieser Ausbildungsmöglichkeit heben.

Der Finanzbereich, der sich schon in der Geschichte des Seminars des Öfteren als problematisch erwies, war immer schwieriger zu bewältigen. Von zwei Seiten gleichzeitig (staatlich wie kirchlich) wurden massive Einsparungstendenzen wirksam. Zur weiteren Hauptaufgabe der Seminarleitung wurde es, das „Schiff Seminar“ durch ein sehr bewegtes „kirchliches Meer“ zu steuern.

1996

Im Herbst dieses Jahres übernahm Mag. Ulrike Exler die Seminardirektion. Frau. Mag. Exler unterrichtete seit 1987 das Fach Pastoraltheologie und war seit 1980 in Altsimmering und seit 1989 in Ober St. Veit als Pastoralassistentin tätig. Ihre Amtsperiode war von Beginn an von der permanenten Infragestellung des Seminars geprägt.

Auch unter ihrer Leitung wurden Adaptionen am Lehrplan und im Seminarleben vorgenommen. Ein wichtiger Schritt war die Einführung der Supervision: Vom ersten Jahrgang an wurden die Seminaristen sowohl im Studium als auch in der beruflichen Arbeit durch eine Supervisorin oder einen Supervisor gruppenweise begleitet. Auch die geistliche Begleitung wurde als ein wesentlicher Teil der Ausbildung hervorgehoben.

1998

Natürlich wirkten sich auch die allgemeinen Sparmaßnahmen immer stärker aus. Ein wesentlicher Einschnitt war die Schließung des Wohnheims in der Auhofstraße 8 im Sommer dieses Jahres. Es wurde darauf hingearbeitet, das engere Zusammenleben im Schloss Ober St. Veit nicht als Internat, sondern als selbstverantwortliches Zusammenleben zu empfinden. Gemeinsames Beten und die Gottesdienste, die Feste und die organisatorische Mitverantwortung im Haus gehörten dazu.

1999/2000

Im Seminar wurde ein Qualitätsmanagement-Prozess in Gang gesetzt. Die Strukturen der Institution sowie die Möglichkeiten und Ziele der Öffentlichkeitsarbeit wurden noch bewusster gemacht, und die Lehrenden und Studierenden forcierten ihr Engagement in der Öffentlichkeitsarbeit. Im Rahmen der Aktion „SKB on Tour“ fuhren Studierende des Seminars mit dem Seminarbus zu österreichischen Pfarren und Jugendzentren etc., um für diesen Beruf zu werben. Eine weitere Auswirkung dieses Prozesses war die Einrichtung der Homepage http://www.skb.at. Sie wurde von den Studierenden eigenständig und mit großem Engagement betrieben. Konkrete Projekte im Unterricht und „Teamteaching“ (ein Thema wurde aus der Sicht verschiedener Fächer gemeinsam bearbeitet) waren ebenfalls eine Folge dieses Qualitäts-Management-Prozesses.

Trotz des großen Engagements in der Öffentlichkeit sank die Zahl der Studierenden. Mitverantwortlich für das geringere Interesse war wohl auch eine Allgemeinstimmung, die mit den schlechteren Zukunftserwartungen in diesem Beruf und dem Eindruck mangelnder Wertschätzung dieses Berufes zusammenhing.

2004

Wegen des gestiegenen Interesses an der berufsbegleitenden Ausbildung wurde in jedem Jahr ein solcher Lehrgang begonnen, und nicht nur jedes zweite Jahr.

In diesem Jahr wurde auch die Westfassade des Schlosses renoviert. Das ist aber nur ein Beispiel für die fast in jedem Jahr anfallenden hohen Kosten der Erhaltung des Schlosses inklusive des großen Schlossparks, die gänzlich aus dem laufenden Budget des Seminares zu tragen waren. Diese hohen Kostenpositionen bremsten die Sparbestrebungen erheblich.

2005

Das in diesem Jahr begangene 60-Jahres-Jubiläum dieser Schulungseinrichtung wurde im Beisein des Weihbischofs Dr. Krätzl feierlich gewürdigt und eine Jubiläumsschrift herausgegeben.

2009

In diesem Jahr wurde ein eigener Arbeitskreis mit Weihbischof Dr. Leichtfried eingesetzt, der Veränderungen zur Sicherung des Seminar-Bestandes erarbeiten sollte. Mögliche Umstrukturierungen in der Ausbildung scheiterten aber an der Eigenschaft des Seminars als staatliche Satutenschule. Ein sich negativ auswirkender Tatbestand war auch der gesellschaftliche Trend zu akademischen Bildungsabschlüssen, der andere Bildungswege zurückdrängte.

2010

Die Bischofskonferenz beschloss die Schließung des Seminars mit Abschluss des letzten Jahrgangs im Sommer 2014. Gleichzeitig wurde aber der Wunsch einer Weiterführung der berufsbegleitenden Ausbildung als innerkirchlicher Lehrgang ausgedrückt. Demzufolge war und ist von diesem Beschlusse an neben der bestmöglichen Zuendeführung des bestehenden Seminars auch die Erarbeitung der Rahmenbedingungen, der Struktur und der Inhalte der neuen innerkirchlichen Ausbildung ein Schwerpunkt der Seminarleitung.

Seminar für kirchliche Berufe. Der Vorstand des Seminars während einer Diplomfeier im Jahr 2012, von li nach re: MMag.a Monika Rapp-Pokorny (Schuldirektorin), Mag. Heiner Leineweber (Leiter der Berufsbegleitenden Ausbildung), Dipl.PAss. Maria Meyer-Nolz (Wohnheimleiterin), Mag. Ulrike Exler (Seminardirektorin) © skb.at

2013

Alle, die hier ausgebildet wurden oder die am Wirken des Seminars interessiert waren, können im Rahmen des Hausschlussfestes im April 2013 Abschied von dieser Institution nehmen.

2014

Mit dem Abschluss des letzten Lehrganges im Sommer 2014 wird das Seminar beendet. In diesem letzten Schuljahr werden nur mehr Unterrichts- und Verwaltungsräume genutzt und das Schloss Ober St. Veit auf Wunsch Kardinal Dr. Christoph Schönborns in die Nutzung des Neokatechumenats übergehen.

Diese Bewegung versteht sich als Retterin 'wahrer' christlicher Werte in einer vom moralischen und ethischen Untergang bedrohten Welt, und ihr großes Ziel ist die Mission. Die greifbaren Informationen sind allerdings widersprüchlich. Auf der einen Seite wird die Bewegung von der römisch-katholischen Kirche anerkannt und von ihr unterstützt. Auf der anderen Seiten werden aber auch Widersprüche zur Lehre der katholischen Kirche wahrgenommen (siehe z.B. http://www.relinfo.ch/nk/info.html).

Hier sind alle historischen Fotos zu betrachten (bitte Icons anklicken):

Quellen:
Festschriften des Seminars für kirchliche Berufe anlässlich des 50-jährigen und 60-jährigen Bestandes 1995 bzw. 2005
Interview mit Mag. Ulrike Exler am 4. Dezember 2012
Internetseite http://www.skb.at

hojos
im Dezember 2012