Unter St. Veit

Die Geschichte des Hietzinger Bezirksteiles kurz und bündig

Die Siedlungsentwicklung

Alle Bezirksteile Hietzings sind mittelalterlichen Ursprungs, nur Unter St. Veit ist viel jünger: Es hat sich an der Wende vom 18. ins 19. Jahrhundert als eigenständige Siedlung auf dem Gebiet der Herrschaft St. Veit an der Wien gebildet. Der Unter St. Veiter Boden ist dennoch sehr geschichtsträchtig, denn er ist mit hoher Wahrscheinlichkeit ein Teil des in der Godtinesfeld-Urkunde aus dem Jahr 1015 genannten Gebietes.

Von dem, was hier an Siedlungen bestanden haben mag, ist nur die 1364 erstmals erwähnte Gottesfeldmühle, später kurz Feldmühle genannt, geblieben. Sie lag gegenüber der heutigen Einmündung der Feldmühlgasse in die Auhofstraße und war die oberste Mühle an dem vom Wienfluss im Bereich der heutigen Preindlgasse abgeleiteten Mühlbach. Für mehrere Jahrhunderte war sie das einzige Gebäude in der umliegenden Gras- und Ackerbaufläche. 1914 wurde sie abgerissen, heute erinnert nur mehr die Feldmühlgasse an die alte Mühle und indirekt auch an das abhanden gekommene Godtinesfeld.

In der Nähe dieser Feldmühle war gegen Ende des 18. Jahrhunderts eine „wilde“ Ansiedlung aus Häusern Gewerbetreibender entstanden. Legalisiert und weitergeführt wurde diese Siedlungsentwicklung von einem gewissen Johann Michael Schwinner, ab 1. Jänner 1793 Pächter der ganzen Herrschaft St. Veit an der Wien. Er teilte innerhalb der heutigen Straßenzüge Feldmühlgasse - Auhofstraße - Fleschgasse - Hietzinger Hauptstraße einen annähernd quadratischen, für 100 Häuser bemessenen Bauplatz vom Herrschaftsgrund ab und verkaufte ihn parzellenweise ins Untereigentum neuer Siedler.

Die neue Siedlung nannte sich zunächst „Neudörfel“, bald aber schon „Unter St. Veit“ (die Bezeichnung „Ober St. Veit“ etablierte sich parallel dazu) und hatte vermutlich seit 1803 sogar einen eigenen Ortsrichter mit eigenen Geschworenen. Die Franziszeische Landesaufnahme aus den Jahren 1819/20 weist Unter-St. Veit bereits als eigene Katastralgemeinde aus. Der Ort wuchs sehr rasch: 1819 zählte man 33 Häuser und 1833 schon über 90 Häuser mit 884 Bewohnern.

Unter St. Veit in einer 1974 erfolgten Bearbeitung des Franziszeischen Katasterplans 1819. Darin sind die 1974 noch bestehenden historischen Gebäude und die 1860 errichtete Verbindungsbahn rot eingezeichnet. Zu sehen ist der zwischen heutiger Hietzinger Hauptstraße und Auhofstraße entstehende Ort. Er ist durch zwei weitere Wege erschlossen, die zur St.-Veit-Gasse und zur Fleschgasse wurden. © Archiv 1133.at

Die Hausbesitzer, geordnet nach den im Plan oben eingetragenen Konskriptionsnummern (CNr.):

1 Kaspar Lang, Schmied, Unter St. Veit
2 Johann Lindauer, Wagner, Unter St. Veit
3 Johann Ort, Maurer, Unter St. Veit
4 Gottfried Moritz, k.k. Hofsekretär in Wien, Unter St. Veit
5 Franz Thilen, Apotheker, Wien
6 Valentin Karl, Viktualienhändler, Unter St. Veit
7 Leopold Pruckner, Greißler, Unter St. Veit
8 Johann Peter, Wirt, St. Veit
9 Andreas Weber, Zimmergeselle, Unter St. Veit
10 Ernest Schulz, Kanzleidiener in der Hofkriegsk., Wien
11 Viktoria Mahler v. Mahlenstein, Unter St. Veit
12 Konrad Krehl, Weber, Unter St. Veit
13 Franz Porsche, Weber, Unter St. Veit
14 Valentin Liebich, Tischler, Wien
15 Michael Hofbauer, Weber, Unter St. Veit
16 Ferdinand Ernst, k.k. Oberst, Wien
17 Leopoldine Jäggel, Beamtenswitwe, Unter St. Veit
18 Ignatz Fuhrmann, Zimmermann, Unter St. Veit
19 Fanz Felker, Kammacher, Unter St. Veit
20 Anna Neubauer, Greißlerin, Unter St. Veit
21 Joseph Klee, Binder, Unter St. Veit
22 Michael Ungemach, Bäcker, Unter St. Veit
23 Joseph Huber, Greißler, Unter St. Veit
24 Johann Bougart, Dörrobsthändler, Wien
25 Franz von Heuschauer, Doktor der Medizin, Wien
26 Joseph Killian, Wirt, Wien
27 Franz Perwanger, Glaserer, Wien
28 Bernhart Zauner, Färber, Unter St. Veit
29 Anton Hildenbrand, Schuhmacher, Unter St. Veit
30 Johann Reuschel, Fleischer, Unter St. Veit
31 Johann Buschmann, Seiler, Unter St. Veit
32 Gottfried Moritz, Lederer, Unter St. Veit
33 Gottfried Dünger, Schneider, Unter St. Veit
129 Baron Ignaz Leykam, Wirtschaftsrat bei Fürst Ditrichstein, Wien

Die Konskriptionsnummer 129 (Feldmühle) gehörte damals noch zu Ober St. Veit und folgte dessen Nummernsystem. Im Rahmen der Franziszeischen Landesaufnahme 1819/20 wurde die alte Häusernummerierung aus 1770/71 erneuert. Ob das für Unter St. Veit auch so war, ist fraglich, weil die Konskriptionsnummern nur bis zur CNr. 28 Ergebnis einer Begehung sein können und von CNr. 29–33 offensichtlich dem Zeitpunkt der Errichtung folgen. 

Die durch die Revolution von 1848 ausgelöste Neuordnung der Verwaltung führte zum Verlust der Eigenständigkeit Unter St. Veits im Jahr 1850. Das auf seine Entwicklung so stolze Unter St. Veit war zu einem „Außenposten“ Ober St. Veits degradiert worden und musste sich darüber hinaus eine nachteilige und herablassende Behandlung gefallen lassen. Den als logische Folge anhaltenden Trennungsbestrebungen Unter St. Veits, die letztendlich auch der Gemeindeausschuss der Gesamtgemeinde als „tiefgefühltes und dringendes Bedürfnis“ bestätigte, wurde mit der kaiserlichen Entschließung vom 2.10.1867 (kundgemacht am 28.3.1870) entsprochen, und Unter St. Veit war wieder eine selbständige Gemeinde.

Während der ersten Selbständigkeit im damals noch grundherrlichen St. Veit war es zu keiner Vermögensaufteilung gekommen, jetzt aber folgten eine heiß umkämpfte Vermögenstrennung und eine neue Grenzziehung. Ober St. Veit, das nur das seinerzeit abgetrennte Bauareal als Unter St. Veiter Gebiet anerkennen wollte, musste mit der Entscheidung im Jahr 1870 umfangreiche Gebietsverluste hinnehmen, und die Gemeinde Unter St. Veit wuchs in etwa zur heutigen Größe. Der Gesamtort St. Veit hatte 1861 laut Zählung des Bezirksamtes Hietzing 2715 Einwohner, hievon entfielen 1902 auf Ober- und 813 auf Unter St. Veit.

Die neue Selbständigkeit währte allerdings nur rd. 20 Jahre, denn 1890/1892 wurde Unter St. Veit gemeinsam mit den umliegenden Orten nach Wien eingemeindet.

Strukturelle Entwicklung

Das erste und für lange Zeit einzige Grundstück, das die damalige Patrimonialgemeinde Unter St. Veit erwerben konnte, war der Bauplatz Nr. 50 (heutige St.-Veitgasse 48). Hier stellte die Gemeinde im Jahre 1843 als erstes Surrogat einer eigenen Kirche ein Holzgerüst mit einer dem Hl. Jakob geweihten Glocke auf, die zu den Gebetszeiten läutete. Diese Jakobsglocke ist noch erhalten und hängt als eine von drei Glocken im Turm der heutigen Unter St. Veiter Pfarrkirche auf eben diesem Grundstück. Im Jahr der neuen Selbständigkeit 1867 wurde die 1866 fertiggestellte eigene Kirche „Zur Verklärung Christi“ eingeweiht. Grundstück und Gebäude standen im Eigentum der Gemeinde Unter St. Veit, doch pfarrlich blieb die Kirche bis 1968 eine Expositur der Pfarre Ober St. Veit.

Ansichtskarte der Filialkirche in Unter St. Veit. Sie wurde zur Erinnerung an die Glockenweihe am 30. Mai 1926 herausgegeben. Das Gebäude wurde 1965 abgebrochen. Der damalige Bezirksrat Felix Steinwandtner rettete in letzter Minute die drei Terrakotta-Statuen in den Nischen (Immakulata, Christus und Franziskus). Sie sind im Zugang der 1967 eingeweihten neuen Kirche aufgestellt. Das Insert links oben zeigt den 1843 errichteten hölzernen Glockenturm. © Archiv 1133.at

Die strukturelle Entwicklung des jungen Ortes war vor allem in der zweiten Selbständigkeit stets von Geldnot überschattet. Die Einnahmen aus Gebühren, Steuern und Spenden reichten bei weitem nicht für die erforderlichen und teilweise auch gesetzlich verlangten Einrichtungen: eine Schule, ein Gemeindehaus mit Dienstwohnungen und Arrestzellen, ein Armenhaus, eine eigene Feuerwehr, eine Kanalisation in der Kirchengasse (heutige St.-Veit-Gasse), ein Notspital für Epidemiefälle und die Mitfinanzierung einer Brücke über den Wienfluss. Nur Friedhof brauchte man keinen, da der Ober St. Veiter Friedhof mitbenützt wurde. Das alles sollte zusätzlich zu den laufenden Kosten für Verwaltung, Schule, Kirche und Sicherheit aus eigenem bewältigt werden, nicht einmal für die gesetzlich vorgeschriebenen Einrichtungen gab es eine staatliche Unterstützung. Einige Zeit konnte man sich mit Spenden und Darlehen über Wasser halten, doch schließlich war die Gemeinde vollkommen überschuldet und wurstelte sich mit weiteren Kreditaufnahmen und ohne Finanzkonzept bis ins Jahr 1890. Über Gemeindegrund, der parzelliert und verkauft werden konnte, verfügte die Gemeinde Unter St. Veit nicht.

Ein gutes Beispiel für den sehr zögerlichen Aufbau kommunaler Einrichtungen ist die Schule. 1812 wurde in einem gemieteten Klassenzimmer eine vom Ober St. Veiter Lehrer betreute Unter St. Veiter Filialschule eingerichtet. Diese Einrichtung im Haus Nr. 73 (heutige Wittegasse 10) hielt sich jahrzehntelang. Auch zur Zeit der Entstehung der neuen Gemeinde 1867 blieb der Status einer Filialschule der Ober St. Veiter Pfarrschule erhalten. Für 41 Knaben und 39 Mädchen gab es nur einen Unterlehrer und nur ein gemietetes Lehrzimmer. Darin erteilte der Lehrer vormittags von 8–11 Uhr Unterricht für die dritte Klasse, nachmittags von 1–3 Uhr Unterricht für die erste und zweite Klasse gemeinsam. Mehr Klassen gab es nicht. Zusätzlich gab es aber in der Hutfabrik Bossi eine Fabriksschule.

Die Schulaufsichtsbehörde schritt 1868 ein und erteilte der Gemeinde den Auftrag, eine ordentliche Schule mit mindestens zwei Lehrern und mindestens zwei geeigneten Lehrzimmern einzurichten. Erst 1872 wurde das Haus Auhofstraße 49, in dem vorher eine Gastwirtschaft untergebracht war, gekauft und zur Schule adaptiert. 1873 beschwerte sich die Gemeinde beim Bezirksschulrat, dass ihr ein zweiter Lehrer vorenthalten wird. Ab 1874 gab es dann gleich zwei weitere Lehrer. Die Zahl der dem „Oberlehrer“ Josef Mantler beigegebenen Lehrer vermehrte sich bis 1891 auf fünf, ebenso die Zahl der Klassen. Nach dem Abbruch des Gebäudes im Jahr 1893 entstand dort das heute noch bestehende Schulhaus.

Eine bis in die Zweite Republik nachwirkende Einrichtung war die 1883 von Franz Mittermüller jun. gegründete „Schutzmannschaft“ als Nebenorganisation der 1875 entstandenen Feuerwehr. Am 2. Dezember 1887 erfolgte ihre vereinsrechtliche Gründung unter dem Namen „Unter St. Veiter freiwillige Rettungsgesellschaft“. Die erste bescheidene Rettungsstation wurde 1888 in einem Lokal Ecke Auhofstraße 72 / St.-Veit-Gasse betrieben. Nach der Vereinigung der Vororte mit Wien übernahm die Unter St. Veiter Rettungsgesellschaft den Rettungsdienst für alle Orte des 13. Bezirkes, weil diese keine vergleichbaren Dienste hatten. Deren Nachfolgeorganisation „Hietzinger Freiwillige Rettungsgesellschaft“ wurde am 1. Februar 1953 in den Rettungsdienst des Wiener Roten Kreuzes eingegliedert.

Die Unter St. Veiter Freiwillige Rettungsgesellschaft. Ihre erste Rettungsstation war hier an der Ecke Auhofstraße 72 / St.-Veit-Gasse. Im Ersten Weltrieg war sie zur "Wiener Rettungskolonne vom Roten Kreuz" geworden. © Archiv 1133.at

Mit 1. Juni 1877 wurde in Unter St. Veit eine Postexpedition eröffnet, die sich weiter entwickelte und im Jahr 1914 an der Adresse Hietzinger Hauptstraße 56 zum staatlichen Post- und Telegraphenamt wurde. Die Filiale besteht nach wie vor, ist aber vom Sparkurs der heutigen Post AG bedroht.

Schon 1868, früher als in anderen Vororten Wiens, wurde in Unter St. Veit eine Gasbeleuchtung errichtet.

Die Lebensgrundlagen

In Unter St. Veit siedelten sich zu Beginn vor allem Klein- und Kleinstgewerbetreibende an, die für ihre Tätigkeit das Wasser des nahen Wienflusses benötigten: Weber (der Volksmund sprach zeitweise vom „Weberdörfel“), Gerber, Färber, und verschiedene Wäscher, vor allem Pferdehaarwäscher. Die Wäscher benutzen den Wienfluss bis in die 1860er-Jahre als Wasserspender und Arbeitsplatz gleichzeitig. Wegen der Verseuchung des Flusses auch in den stadtentfernteren Teilen erließ die nö. Statthalterei am 23.11.1872 ein Verbot der Flusswäscherei im Wienfluss.

Zu den genannten Gewerben gesellten sich, wie das Protokoll zur Franziszeischen Landesaufnahme zeigt (siehe auf Seite 15), sehr bald auch die „Infrastrukturgewerbe“ wie Greißler, Bäcker, Fleischhauer, Wirte, Schmiede, Wagner, Schneider, Zimmerer etc. Es ist aber davon auszugehen, dass ein Teil dieser Gewerbe nach Ober St. Veit orientiert war, sich aber nur hier ansiedeln konnte oder durfte (etwa der Binder).

Aus den zwei Gastwirten des Jahres 1819 waren bis 1870 fünf geworden: Anton Kremser („Zum roten Rössel“, Hietzinger Hauptstraße 72, Ecke St.-Veit-Gasse 33), Ignaz Kutzenberger („Zum Schwarzen Adler“), Karl Groissinger, Paul Eckhart (Auhofstraße 49, Ecke Feldmühlgasse) und Karl Hofbauer. Darüber hinaus gab es eine Bier- und vier Branntweinschenken.

Das Gasthaus an der Ecke Hietzinger Hauptstraße 86 / Feldmühlgasse. Eine Ansichtskarte aus den 1910er-Jahren. Später war hier die Geisterstube. © Archiv 1133.at
Jakob Willraders Restauration an der Ecke Auhofstraße 39 / St. Veit Gasse. © Archiv Fankhauser

Es gab schon 1819 einen Fleischhauer im Ort; mehr ist über den seit 1872 tätigen  Anton Stelzer, Bürgermeister von 1876–88, bekannt. Im Winter soll er ein Rind, im Sommer zwei Rinder pro Woche geschlachtet haben. Die Unter St. Veiter fuhren zum Fleischeinkauf aber gerne auf den Rudolfsheimer Markt, wo das Fleisch billiger war.

Der Fleischhauer Fankhauser am ersten Standort in der St. Veitgasse 72. Nur wenige konnten es sich damals (1933) leisten, teure, speziell gemästete Ochsen auf der Wiener Herbstmesse für Nutz- und Schlachtrinder zu kaufen. Daher wurden die ca. 700–800 kg schweren Ochsen auf einem geschmückten Lohnfuhrwerk werbewirksam durch den Bezirk in das Geschäft geführt. An der Adresse St. Veit Gasse 60 bestand der Betrieb bis 1994. © Archiv Fankhauser

Einen tiefen Einblick in die ärmlichen Verhältnisse vieler Gewerbefamilien gibt ein (wegen eben dieser Verhältnisse abgelehnter) Antrag eines gewissen Friedrich Kulf vom 9.10.1871 auf Erteilung einer Berechtigung zur Bierausschank im Haus CNr. 94 (heutige Auhofstraße 80, neben der Verbindungsbahn, das Häuschen steht noch und wurde 2003 generalsaniert). Das Haus bestand aus einem Gassenladen, einem Wohnzimmer, einem Hofzimmer, einer Küche und einem kleinem Keller. Im Gassenladen hatte Friedrich Kulf eine Greißlerei samt Branntweinausschank eingerichtet, im Wohnzimmer einen kk. Tabakverschleiß, im Hofzimmer und der Küche wohnte er mit seinen fünf Kindern.

Mit der Bleiweiß- und Kreidefabrik des Baron Ignaz von Leykam in einem Nebengebäude der Feldmühle begannen sich auch Fabriksanlagen in Unter St. Veit zu etablieren. 1840–58 war darin eine Baumwolldruckfabrik und dann eine Metallwarenproduktion tätig.

Es folgten

  • in den 1830er-Jahren eine "Galvano-plastisch-artistische Anstalt" des Franz Theyer für die Herstellung besonderer Relief- und Druckplatten aus Kupfer.
  • 1851 die Lederwarengalanteriefabrik des Georg Weidmann in der Feldmühlgasse 6–8. Sein Sohn Josef Weidmann, der sie zu hohem Ansehen führte, verkaufte sie 1901. Der Werkstättentrakt stand bis 1948, die anderen Gebäudeteile bis 1972.
  • 1855 die Schafwolldruckerei des Italieners Giuseppe Bossi in der Auhofstraße 82–84, die bis zu 700 Arbeiter beschäftigte. Die Gebäude fanden später bis 1940 als Hutfabrik Verwendung, 1970 kam es zum Abbruch.
  • 1866 die Lederfabrik des Sigmund Flesch Ecke Fleschgasse 9 / Kremsergasse, in der bis zu 100 Arbeiter beschäftigt waren, und die mit ihren Abwässern und Gerüchen ein besonderes Übel für den Ort wurde. Von 1940 bis 1995 befand sich dort die Fleisch- und Wurstwarenfabrik Wiesbauer.
  • In der Auhofstraße 78 befand sich die Lampen- und Metallwarenfabrik Brunner & Co.
  • 1880 ließ Gustav Ziegler am Hietzinger Kai 101 eine Färberei errichten, die bis 1937 bestand.
  • Zwischen 1893 und 1897 ließ Friedrich Adolf Richter in der Eitelbergergasse 6–14 eine Fabrik für Steinbaukästen einrichten. Früher war dort ein Depot für Stellwägen der "Wiener Allgemeinen Omnibus-Actien-Gesellschaft". 1931 wurde der gesamte Besitz verkauft.

Die zahlreichen Arbeiter dieser Fabriken wohnten nicht nur in Unter St. Veit sondern füllten auch Arbeiterquartiere der Umgebung, z. B. in Ober St. Veit (Stichworte Kümmerlhäuser, Spitzerhaus).

Unterschiedlich zu Ober St. Veit gab es in Unter St. Veit nur eine geringe bäuerliche Tätigkeit, die meist der Eigenversorgung diente (Ziege hinter dem Haus). Mit Herrn Paul Stecher im Haus Nr. 13 hatte sich aber auch ein größerer Milchmeier mit bis zu 40 Kühen niedergelassen. Außerdem gab es fünf kleinere Milchwirtschaften mit 2 bis 10 Kühen. Mit den Gewerbetreibenden siedelten sich aber auch Küchengärtner an, und 1870 soll es in Unter-St. Veit bereits ebenso viele Gärtner wie Gerber (jeweils 11,4% der selbständigen Unternehmer) gegeben haben.

Zu den Wohnhäusern und Werkstätten der Gewerbetreibenden Unter St. Veits gesellten sich im Laufe der Zeit auch kleinere Landhäuser, aber auch stattliche Villen prominenter Besitzer. So kam es auch in Unter St. Veit zu einem Bevölkerungsgemisch aus Arbeitern, Geschäftsleuten sowie reichen Bürgern und Adeligen aus Wien.

Das letzte erhaltene Unter St. Veiter Gebäude vom Typus des dörflichen Handwerkerhauses ist das vom letzten Unter St. Veiter Bürgermeister Heinrich Schönich im Jahre 1882 erbaute Haus in der St.-Veit-Gasse 34 / Ecke Kupelwiesergasse, in dem er Wohnung und Schlosserwerkstätte hatte.

Heinrich Schönich (dritter von links) vor seinem 1882 gebauten Haus Ecke St.-Veit-Gasse / Kupelwiesergasse. Das Foto stammt aus der Zeit um die Jahrhundertwende und zeigt auch noch die in den 1910er-Jahren demontierten Englischen bzw. Wiener Gaskandelaber mit vierscheiniger Laterne. Die schönen Schmiedeeisenarbeiten vor dem Haus gibt es teilweise heute noch, das Haus ist jedoch gefährdet. © Archiv 1133.at

Die Bürgermeister seit 1868

Berthold Flesch (1868–70), Anton Kremser (1870–76), Anton Stelzer (1876–88) und Heinrich Schönich (1888-91).

Quellen:
Klötzl, Gebhard: Die Gemeinden Ober- und Unter St. Veit 1848–1891. Dieses Buch wird voraussichtlich im Jahr 2015 erscheinen, und gibt wie kein anderes einen Einblick in die gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse eines ehemaligen Wiener Vorortes auf dem Weg von einer Patrimonialgemeinde zum Bezirksteil.
Weissenbacher, Gerhard: In Hietzing gebaut: Architektur und Geschichte eines Wiener Bezirkes. Wien: Verlag Holzhausen, Band I 1996 ISBN 3-85493-004-6 und Band II 1998 ISBN 3-900518-93-9
Franziszeische Landesaufnahme, Häuser laut Protokoll vom 20.4.1820

hojos
im April 2014