Der Operationsbunker im Krankenhaus Hietzing

Ein vergessenes Relikt aus dem Zweiten Weltkrieg
1940

Auf dem Gelände von Krankenhäusern wurden während des Zweiten Weltkrieges sogenannte Operationsbunker errichtet. Diese speziellen Hochbunker waren mit den notwendigen technischen und sanitären Einbauten ausgestattet, um auch während eines Angriffes Behandlungen und medizinische Eingriffe vornehmen zu können.

Solche weitgehend baugleiche Operationsbunker gab es im 1. Hof des alten Allgemeinen Krankenhauses, im ehemaligen Kaiserin Elisabeth-Spital, zwei im Wilhelminenspital und eben jener im damaligen Lainzer Spital, dem heutigen Krankenhaus Hietzing. Der Bunker im AKH wurde 1997, als der Hof 1 zum Universitäts Campus umgestaltet wurde, teilweise in einen Gastronomiebetrieb einbezogen. Der Bunker im 2012 abgesiedelten Kaiserin-Elisabeth-Spital ist in einem schlechten Zustand und wurde als Abstellplatz für ausrangiertes Inventar verwendet. Von den Bunkern im Wilhelminenspital wird einer als Lagerraum benutzt (er wurde durch Aufstockung stark verändert), der andere wurde eine Zeit lang als Sauerstoffzentrale und Gasflaschenlager benutzt und steht jetzt leer (Angaben laut La Speranza 1999).

Der gegenständliche Hochbunker im heutigen Krankenhaus Hietzing steht zwischen den Pavillons V und VI und ist mit dem Pavillon VI durch einen unterirdischen Gang verbunden. Nach dem Krieg wurde er als Magazin für Katastropheneinsätze (Betten für Notfälle etc.) verwendet. Außerdem befand sich darin laut La Speranza ein Sondermülllager. Heute dient das Gebäude als Archiv für verschiedene Abteilungen des Krankenhauses. In einem neueren Zubau sind ein Notstromaggregat und eine Trafostation untergebracht.

Von den alten technischen Einrichtungen wie Generatoren, Leitungen, Aggregate, Belüftungsrohre, Ventile, Stahltüren und Beleuchtungskörper ist nichts mehr vorhanden. Das ehemalige Notstromaggregat, die Stahltüren und die Operationslampen wurden laut La Speranza im Jahr 1995 entfernt. Nur noch alte Verfliesungen und sanitäre Anschlüsse zeugen von der einstigen Verwendung.

Dankenswerter Weise gestattete mir die Verwaltung des Krankenhauses, diesen Hochbunker außen und innen fotografisch festzuhalten. Hier ist eine Auswahl der Fotos:

Quellen:
La Speranza, Marcello: Burgen, Bunker, Bollwerke. Historische Wehranlagen zwischen Passau und Hainburg. Graz: Leopold Stocker Verlag 2004, ISBN 3-7020-1046-7

hojos
8. April 2013