Hacking

Die Geschichte des Hietzinger Bezirksteiles kurz und bündig

Der Name Hacking

Bezeichnungen von Dörfern mit einer "ing"-Endung werden meist auf den Namen eines frühen Grundherren zurückgeführt. Demnach war man hier "bei den Leuten des Haggo" – den "Haggingern".

Die Eckdaten

Natürlich waren sie nicht die ersten Siedler an dieser Stelle, denn Funde in der Auhofstraße 221 belegen die Anwesenheit jungsteinzeitlicher Siedler, und beim Nikolaitor wurde eine kleine römische Siedlung lokalisiert. In der Babenberger- und Habsburger-Zeit bestand auch bei der Nikolai-Kapelle eine Ansiedelung ("oberes Hacking"), aber diese ist wahrscheinlich zur Zeit der ersten Türkenbelagerung abhanden gekommen.

Den Ursprung des heutigen Hacking stellen sich die Historiker als kleine Häuseransammlung in der Nähe einer Furt vor, deren Anfänge in die deutsche Erschließung ab dem 10. Jahrhundert zurückreichen. Den ersten schriftlichen Nachweis enthält eine Urkunde aus dem Jahr 1156: Unter den als Zeugen angeführten Gefolgsleuten der Babenberger ist auch ein „Marcwardus de Hakkingin". Dieses Rittergeschlecht dürfte seinen Stammsitz in Hacking in der Mitte des 13. Jahrhunderts aufgegeben haben. Die Herrschaft ging an die Rußbacher und bald an die Habsburger, die ihre Gefolgsleute damit belehnten.

Das weitere Schicksal des Ortes samt Burg ist sehr wechselhaft. Die Liste der Gutsherren ist lang und deren Erfolg in Erhaltung und Aufbau der Herrschaft sehr unterschiedlich. Zeiten des Wachstums wechselten mit seuchen- und kriegsbedingtem Verfall, insbesondere nach den Türkenbelagerungen. Die Zahl der Hütten bzw. Häuser im Dorf schwankte über die Jahrhunderte zwischen 14 und 25.

In den 1630er-Jahren gelang es einem Oswald Hundseder (Hundtsöder), Hacking aus der Herrschaft der Habsburger herauszukaufen und zu seinem freien Eigentum zu machen. Nachfolgende Besitzer waren u. a.  Christoph Abele von und zu Lilienberg und die Edlen von Hacque.

1778 wurde die Herrschaft Hacking vom Deutschen Ritterorden erworben, und er war der letzte Grundherr bis zur Auflösung der Grundherrschaften ab 1848. Die Reste des Gasthofes "Zum Deutschen Orden" und die Deutschordenstraße im heutigen Hütteldorf erinnern an ihn. Erster Bürgermeister von Hacking wurde Vinzenz Heß. Letzter Bürgermeister bis zur Eingemeindung nach Wien 1892 war der Bäckermeister Michael Pfeiffenberger. Damals hatte Hacking über 110 Häuser und knapp 1000 Einwohner.

Die Siedlungsentwicklung

Der Franziszeische Katasterplan aus dem Jahr 1819 zeigt noch das alte Dorf an beiden Seiten des Wienflusses, allerdings  schon mit 35 Häusern. Ähnlich dörflich fand es auch J. G. Seidl im Jahr 1826 vor, aber er beschreibt bereits "einige recht niedliche Landhäuser". Die Inbesitznahme durch Biedermeiersommerwohnungen und -häuser hatte begonnen.

Die weitere Entwicklung folgte der Auhofstraße bis zur Nikolai- bzw. Eustachiuskapelle im Lainzer Tiergarten, eroberte auch den Nordhang des Hagenberges mit heutiger Vinzenz-Heß-Gasse und Schloßberggasse.

Der Entwicklungsraum des Dorfes war aber durch den Tiergarten, den Wienfluss und den Nachbarort St. Veit an der Wien eingeschränkt. Deshalb kann Hacking auf ein bauliches Erbe an Biedermeiersommerwohnungen und -häusern verweisen, das zum Teil besser erhalten ist als in Ober St. Veit, für Gründerzeit- und Jugendstilvillen ließ die beschriebene Enge aber nur mehr wenig Platz.

Darüber hinaus prägen die 1885/86 errichtete Dominikanerinnenkirche in der Schloßberggasse 17 mit anschließendem Kloster, Schulgebäude und großem Park und das ab 1930 von den Schwestern vom Göttlichen Heiland betriebene St. Josef Krankenhaus das heutige Ortsbild. Das Spital und seine Nebenhäuser sind in den mehrmals erweiterten Baulichkeiten des 1888 von Univ. Prof. Dr. Moritz Rosenthal gegründeten "Sanatoriums für Nervenleidende" zwischen Seuttergasse und Auhofstraße untergebracht.

Das älteste bestehende Gebäude Hackings und auch der weiteren Umgebung ist die Nikolai-Kapelle, deren erste Erwähnung in das Jahr 1321 als "(...) sand Nichlas chapelle auffe leit (...)" fällt. Stilistische Merkmale weisen in die Zeit um 1200. Der Ort Hacking war pfarrlich geteilt. Eine Hälfte unterstand der Pfarre St. Veit, die andere der Pfarre Penzing. 1663 bewilligte Bischof Friedrich Philipp Graf Breuner auf Bitte von zwölf Hausbesitzern in Hacking die Umpfarrung nach St. Veit, weil diese gewohnt waren, wegen des kürzeren und gefahrloseren Weges – es musste nicht mehr die bisweilen Hochwasser führende Wien überquert werden – dort dem Gottesdienst beizuwohnen.

Die Burg

"Vestung und Schloss Häckhing" (Bezeichnung aus 1667) stand an der Stelle des heutigen Jugendgästehauses Hütteldorf-Hacking. Die von Erdwall und Graben umgebene Burg überragte das Dorf, und mit ihrer Lage an der Enge des Wientals war sie ein strategisch wichtiger Punkt.

Die Anlage hat gleich dem Dorf immer wieder große Zerstörungen und Jahre des Verfalles hinnehmen müssen. Erst mit der Erweiterung 1722 näherte sich das Schloss der endgültigen Form.

Über die längste Zeit des Bestandes waren Grundherrschaft  und Burg- bzw. Schlossbesitz in einer Hand. Erst der Deutsche Orden als letzter Grundherr verkaufte das Schloss samt Zugehör (Brunnstube, Garten und Nebengebäude) separat, und es ging dann von Hand zu Hand. Namhafte Besitzer waren ab 1827 Louise Plaideux, Baronesse von Mainau, ab 1832 Prinz Gustav von Wasa, Sohn des im Exil lebenden Schwedenkönigs Gustav Adolf IV., und von 1879 bis 1898 die Familie des aus belgisch-deutschem Adel stammenden Josef Prinzen von Arenberg. Umbauten von 1826 bis 1833 gaben Schloss und Zubauten auch in den Details die endgültige Form.

1956/57 wurde das Schloss abgerissen und an seiner Stelle das Jugendgästehaus errichtet.

Mehr zum Hackinger Schloss finden Sie unter http://www.1133.at/document/view/id/604

Hacking im Franziszeischen Katasterplan 1819. Eine Bearbeitung aus dem Jahr 1974. Darin sind die 1974 noch bestehenden historischen Gebäude, die 1858 eröffnete Westbahn, der Verlauf des regulierten Wienflusses und die damalige Stadtbahn rot eingezeichnet. © Archiv 1133.at

Die Hausbesitzer 1819

Gemäß Protokoll zum Franziszeischen Kataster 1819 können den im obigen Plan eingetragenen Konskriptionsnummern folgende Hausbesitzer zugeordnet werden:

1 Ludwig Amüller, Druckfabrik

2 Deutscher Orden, Herrschaft Hacking, (Gasthaus)

3+4 Markus Kornegg, Müllermeister
(Hackinger Mühle)

5 Johann Brukmüller, Hauer

6+7 Michael Fischer, Hauer

8+9 Anton Simon, Caffeesieder, Wien

10 Anton Waldbauer, Hauer

11 Georg Neumann, Webermeister

12 Johann Hörnsdorfer, Hauer,

13 Anton Bellmann, Brauergeselle

14 Josef Theiß, Hauer

15 Joseph Nagler, Koch, Wien

16 Johann Schmuck, Hauer

17+18 Johann Schimpf, Roßhändler, Wien (Schloss)

19 Theodor Jäger, ?, Wien

20 Franz Wagner, Fabrikant, Wien

22–28 Gebrüder Meisl, Großhändler, Wien

29 Lipp'sche Konkursmasse

30 Johann Breiner, Hauer

31 Andreas Hödl, Hauer

32 Josef Donner, Zimmergeselle

33 Ignaz Waberer, Schustermeister

34 Carl Lederer u. Hartnagel, Lederer

35 Johann Wieser, Maurergeselle

36+37 Gemeinde Hacking

Die Lebensgrundlagen

Wie die alten Berichte und Bilder zeigen, lebten die Hackinger vorwiegend von der Landwirtschaft, zuletzt vor allem von Vieh- und Milchwirtschaft. Der Wein spielte auch hier eine Rolle, doch wird er schon 1673 von Stephan Sixley zu den schlechtesten Sorten gezählt und war von zunehmend untergeordneter Bedeutung. Der Franziszeische Kataster 1819 zählt allerdings noch acht Weinhauer in Hacking, doch müssen deren Weingärten außerhalb (z.B. in St. Veit) gelegen gewesen sein.

Sehr früh spielte auch das Gewerbe eine nennenswerte Rolle. Die Lederei am linken Wienufer wurde schon vor 1684 errichtet, weitere Manufakturen sind seit 1724 nachweisbar. Für 1770 werden ein Schuster, ein Schneider, ein Webermeister und ein Ledermeister aufgezählt. Trotzdem war das kleine Hacking mit eigenem Gewerbe nur schlecht versorgt. Nach heftigen Einsprüchen von Hütteldorfer, Baumgartner und St. Veiter Bäckermeistern durfte der Müller erst ab 1833 auch backen, und die erste Fleischerei öffnete im Jahr 1841. Mit der Schankgerechtigkeit im herrschaftlichen Gasthaus war allerdings auch das Greißlereirecht verbunden.

Der Mühlbach, an dem die Hackinger Mühle und die Lederei lagen, wurde beim Mariabrunner Wehr abgeleitet und betrieb auch die Mühlen in Hütteldorf und in Oberbaumgarten, ehe er in der Höhe des Preindlsteges in die Wien zurückfloss. Einen Teil des Hackinger Ledereibetriebes erwarb um 1827/28 in einer Versteigerung der k. u. k. Cottondruckfabrikant Franz Maurer. Er stattete die ehemals an der Ecke der heutigen Hackinger Straße/Deutschordenstraße gelegene Kattunmanufaktur mit 35 Drucktischen aus und baute eine Bleicherei an. 1831 wurde die Zitz- und Kattunmanufaktur mit einer Walzendruckmaschine ausgerüstet. 1846 kaufte Gustav Seidel (1880–87 Bürgermeister von Hacking) die Anlage und richtete eine Baumwoll- und Seidenfärberei mit Merzerisieranstalt zur Veredelung der Wolle ein.

Impulse bis Hacking brachten auch die – letztendlich missglückten – Versuche Maria Theresias, in Wien und auch im Wiental die Seidenraupenzucht heimisch zu machen. Bis um 1972 lebende Maulbeerbäume beim Nikolaitor waren die letzten Zeugen dieser Episode.

Die am 15. 12. 1858 in Betrieb gegangene Westbahn erforderte Grundstücksabtretungen auf der linken Wienseite und brachte dann auch Hacking näher an die Stadt Wien, mit allen positiven und negativen Auswirkungen.

Die Brücken

Ein einfacher, 1830 erneuerter Holzsteg über die Wien an der Stelle der heutigen Zufferbrücke verband die beiden Ortsteile und schuf eine Verbindung zur Linzer Straße, dem bedeutendsten Verkehrsweg nach Westen. Am 8.7.1878 wurde die "Franz Karl-Brücke" eröffnet, welche den Steg und die seit alters her benützte Furt ersetzte. Die Brücke wurde nach Erzherzog Franz Karl (1802–78), dem Vater Kaisers Franz Josephs I., benannt. Seit 1934 heißt sie "Zufferbrücke" nach dem Brückenbauingenieur Josef Zuffer (1850–1909).

Quellen:
Mlejnek, Emil: Hacking, Bezirksteil des 13. Wiener Gemeindebezirks, Versuch einer Darstellung. Selbstverlag
Twerdy, Wilhelm: Beiträge zur Geschichte des Wienerwaldes. Budapest; Schwarzach; Bruck a.d. Leitha: Heimat-Verlag, 1998. – 2 Bände
Weissenbacher, Gerhard: In Hietzing gebaut: Architektur und Geschichte eines Wiener Bezirkes. Wien: Verlag Holzhausen, Band I 1996 ISBN 3-85493-004-6 und Band II 1998 ISBN 3-900518-93-9
Protokoll zum Franziszeischen Kataster 1819

hojos
im September 2013