Das Hackinger Schloss

Schlossberggasse 8. Veste: Mitte des 13. Jahrhunderts; Schloss: 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts; letzter wesentlicher Bauzustand aus 1826-33; abgetragen: 1956/57.
1250

Bei einem brückenlosen Wienflußübergang, am Hang des Hacken- (Hagen-) berges befand sich in strategisch wichtiger und beherrschender Lage seit der Mitte des 13. Jahrhunderts die Veste Hacking. Die Burganlage besaß Wall und Graben. Im 14. Jahrhundert wurde der bis zum Burgwall reichende Wald gerodet. Die Wasserversorgung erfolgte durch Quellen im h. Lainzer Tiergarten und in der Gegend der h. Hagenberggasse. Neben dem Hauptgebäude lagen Wirtschafts-, Vorrats- und Wohngebäude. Die Untertanenhäuser befanden sich im Talgrund.

 Unter der Regierungszeit von Herzog Albrecht V. (1404-39) wurden der verwahrloste Wall und Graben gründlich instandgesetzt.

Während der Türkenbelagerung 1529 wurden Burg und Häuser schwer in Mitleidenschaft gezogen; die Veste war noch 1535, als sie der Kaiserliche Rat und Sekretär Wilhelm Putscher als Lehen erhielt, eine Brandruine ohne Dach und konnte in den folgenden Jahren nur notdürftig repariert werden.

Auf dem Vischer-Stich aus dem Jahr 1672 ist die Burg ein stattlicher Bau, zu dessen Anlage auch eine Kapelle gehörte. Unterhalb der Burg steht der Wirtschaftshof mit der Auffahrt. Im Tal liegen die Häuser des Dorfes.

Die Festung Hacking. Dieser Stich von Georg Matthaeus Vischer aus dem Jahr 1672, knapp vor der Zerstörung im Zuge der zweiten Türkenbelagerung, zeigt die Burg als stattlichen Bau, zu dessen Anlage auch eine Kapelle gehörte. Die Kapelle wurde in einem Bericht aus dem Jahr 1667 als eine uralte Kapelle beschrieben, in der die Erzherzöge von Österreich, als sie noch die Grundherren Hackings waren, den Gottesdienst besuchten. Die Kapelle soll auch den Dorfbewohnern zugänglich gewesen sein. Unterhalb der Burg steht der Wirtschaftshof, im Tal liegen die Häuser des Dorfes. © Archiv 1133.at

Bereits 1667 wird berichtet, dass "(...) die Capelle in der Vestung und Schloss Häckhing ein alte Capelle seye in deme soliches nit allein die alten fensterstein ihr gemauerter altar stein (...) sondern auch die Capellen Thür (...) Und also diß alls alte Kennzeichen an Tag geben thuen, daß solches, wie gemelt, für Uralte Capellen sey item bin ich zurverlässig berichtet worden, daß solches Güettl hievor die Erzherzoge Von Österreich gehabt, Und alda den Gottesdienst gehalten haben (...)." (Zentralarchiv des Deutschen Ordens Wien, Ballei Österreich 34/2) Diese Burgkapelle war auch für die Dorfbewohner zugänglich.

1683 wurde die gesamte Anlage erneut durch die Türken zerstört. Besitzer war damals Christof Freiherr von Abele von und zu Lilienberg, Hofkammerdirektor und Geheimer Rat. Nach seinem Tod 1685 verkaufte die Witwe 1687 an Franz Albert Freiherrn von Kletzl.

1722 ist das Schloss zur Hälfte neu ausgebaut und von einem gemauerten Graben umgeben. Eine Mauer umschloss den fünf Tagewerk (etwa 17000 m2) großen Garten. Zum Schloss gehörte damals auch ein Presshaus mit darunterliegendem Keller.

1774 umfasste der Besitz neben Garten und Presshaus auch Waldungen, den Meierhof, ein Dienstbotenhaus und die jenseits der Wien gelegene Mühle mit "Lederey" und Gasthaus.

Die Besitzgeschichte Hackings bis zum Ende der Grundherrschaft 1850 beschreibt detailliert Dr. Wilhelm Twerdy in seinem zweibändigen Werk "Die Geschichte des Wienerwaldes".

In einer Bestandsaufnahme (Zentralarchiv des Deutschen Ordens Wien, Ballei Österreich 13) aus dem Jahr 1824 wird der Zustand des Schlosses kurz vor dem letzten wesentlichen Umbau beschrieben: Es gab noch die aus der Mitte des 18. Jahrhunderts stammende Gliederung in Haupttrakt und Seitenflügel. Ebenerdig waren drei Vorhäuser mit einer Haupt- und zwei Schneckenhausstiegen, ein Salon, drei Zimmer und drei Kabinette mit gewölbten Decken, drei Zimmer mit Stuckdecken sowie eine große Küche eingerichtet. Im ersten Stock lagen ein Zimmer und zwei Kabinette mit gewölbten Decken, fünf Zimmer und fünf Kabinette mit Stuckdecken. Im Souterrain waren ein großer, vier kleinere Keller und eine Eisgrube untergebracht. Noch um 1750 wurde die Anlage als geringer dimensioniert beschrieben. An Nebengebäuden werden ein Wirtschaftstrakt (drei Küchen, sieben Zimmer, zwei Kammern, ein Badezimmer) mit großem Hof und Brunnen, ein Stall für 16 Kühe, ein gewölbtes Magazin, ein gewölbter Stall für 11 Pferde, zwei Futterkammern, ein weiterer Stall für vier Pferde und eine Remise für sieben Wagen genannt.

Der im englischen Stil gehaltene ca. 22000 m2 große terrassenförmig angelegte Garten wird als Lust- und teils als Küchen- und Obstgarten beschrieben. In ihm befanden sich ein durch eine Rohrleitung gespeister Teich, ein Lusthaus und ein Treibhaus. Eine Mauer umgab die gesamte Anlage. Der Überlauf aus den Quellen floss entlang der h. Schloßberggasse zum Wienfluss.

Während des Besitzes durch Louise Baronesse, Plaideux von Mainau wurden 1826 die Stallungen abgerissen und das Schlossgebäude umgebaut. 1831 stand es "(...) im neuen Style (...)" (Zentralarchiv des Deutschen Ordens Wien, Ballei Österreich 13) da.

1830 erwarb Prinz Gustav von Wasa (1799–1877), Sohn des schwedischen Königs Gustav Adolf IV., in Hacking einige Häuser; 1832 kaufte er das Schloss und ließ 1833 durch Baumeister Jakob Heinz erneut einige Umbauten vornehmen. Ein Plan für die Neuerrichtung der Nebengebäude ist aus den Jahren 1833/34 erhalten. Darin ist eine Vergrößerung der Stallung für 30 Pferde vorgesehen. Ob es dazu kam, ist nicht belegbar.

Spätestens 1832 – auf einem Ortsplan eindeutig ablesbar – wies das Hauptgebäude die bis zu seinem Abbruch bestehende Gestaltung auch in den Details auf (Zentralarchiv des Deutschen Ordens Wien, Ballei Österreich 40/1). Die Grundkonzeption der Anlage ist jedoch bereits auf dem Brequin-Plan aus den Jahren 1754/55 erkennbar.

Die einzige Tochter Gustavs von Wasa, Carola, spätere Königin von Sachsen, wurde 1833 in Hacking geboren. 1879 verkaufte sie das 1878 geerbte Schloss an den aus belgisch-deutschem Adel stammenden Josef Prinzen von Arenberg, dessen Familie es bis 1898 innehatte.

Das Schloss Hacking am 31. August 1853. Gezeichnet und lithografiert von Franz Josef Sandmann. Das Werk stammt aus dem Besitz der am 5. August 1833 geborenen Carola, Prinzessin von Wasa, die hier ihre Jugend bis zum 21. Lebensjahr verbrachte. Am 18. Juni 1853 heiratete sie in Dresden den sächsischen Kronprinzen Albert, den späteren König Albert I. Die Lithografie wurde als Geschenk im Schloss gelassen. © Archiv Eisert

1888 wurden Pläne für ein neues Glashaus erstellt.

1898 verkaufte Herzog Engelbert von Arenberg die in selben Jahr geerbte Liegenschaft an Julius Graf von Reischach.

1904 erhielt die NÖ Landes-Hypothekenanstalt den Zuschlag bei einer Lizitation. Ihr Eigentumsrecht wurde noch im selben Jahr einverleibt.

1906 wurden Viktor Siedek (3/8), Richard Siedek (3/8) und Oskar Siedek (2/8) durch eine Tauschgeschäft zu neuen Eigentümern. Sie ließen 1907 an der rechten Seite einen Anbau errichten.

1907 erwarben Dr. Hans Przibram, Dr. Karl Przibram, beide Privatdocenten in Wien, und Friederike Lederer, Advocatensgattin in Wien, alle Wien I, Parkring 18, je 1/3 der Liegenschaft. Sie kauften das Schloss mit Nebengebäuden, Remisen und Kuhstall, das Haus Konskriptionsnummer 170 (Erzbischofgasse 16) und andere Flächen, jedoch "mit Ausschluss des im Gutsbestand dieser Realtität etwa noch aushaftenden Recht wegen Duldung der Brunnenstube, der Röhrenwasserleitung und der hieraus resultierenden Rechte auf EZ 368 Grundbuch Ober St. Veit, welches auf der EZ 368 Grundbuch Ober St. Veit sowie auf den aus der Parzellierung der Grundbuchseinlagen 368 und 1171 Grundbuch Ober St. Veit entstandenen neuen Grundbuchseinlagen als dienendem Gute auf Grund des Vertrages vom 19.12.1825 und der im Erhebungsprotokoll vom 26.1.1878 Z 302 abgegebenen Erklärung einverleibt ist". Als Kaufpreis wird der Betrag von 463.000 Kronen vereinbart und bei Vertragsunterfertigung bar bezahlt.

1919 wird auf Antrag des ö. Staatsamtes für soz. Verwaltung vom 18.8.1919 gem. § 6 Abs. 4 des Gesetztes vom 30.5.1919 die Inanspruchnahme dieser Liegenschaft als zulässig angemerkt. Im selben Jahr wird die Liegenschaft an Katharina Healy verkauft. Verkauft wird die Realität in Wien XIII, Schlossberggasse Nr. 8 bestehend aus den Grundbucheinlagen Zahl 1499 KG Ober St. Veit und EZ 12, 154 und 155 KG Hacking, … mit allem Zubehör … aber ohne Mobilien. Auch ohne die im Vorgebäude befindlichen Öfen, insbesondere der grüne Empireofen, und ohne vorhandene Brennmaterialien, Heuvorräte und das geschlagene aber noch nicht zerkleinerte Holz. Der Kaufpreis von 1.250.000 Kronen in deutschösterreichischer Währung wird bar bezahlt. Der Gärtner Josef Weiner wird in die Dienste der Käuferin übernommen.

1922 wurde die Anmerkung der Inanspruchnahme gelöscht.

1930 wurde Eleonore van der Straten-Ponhoz neue und letzte private Eigentümerin des Schlosses. Sie verkaufte 1954 an die „Sozialbau“ gemeinnützige Wohnbau- und Siedlungsgesellschaft m.b.H., die ihrerseits das Schloss 1955 an die Stadt Wien weiterverkaufte.

1956/57 wurde das Schloss mit "Leuthäusel" abgerissen und an seiner Stelle 1956–58 nach Plänen von Fred Freyler das Jugendgästehaus "Hütteldorf" errichtet. Es besteht aus einem hohen Trakt mit Schlafräumen und aus einem niederen mit Halle, Speisesaal, Küche und Gemeinschaftsräumen. Ein Türstock mit Füllung aus dem Schloss ist noch in einer Privatwohnung in der Auhofstraße erhalten.

Quellen:
Weissenbacher, Gerhard: In Hietzing gebaut: Architektur und Geschichte eines Wiener Bezirkes. Wien: Verlag Holzhausen, Band I 1996 ISBN 3-85493-004-6 und Band II 1998 ISBN 3-900518-93-9
Mlejnek, Emil: Hacking, Bezirksteil des 13. Wiener Gemeindebezirks, Versuch einer Darstellung. Selbstverlag
Hinweise der Familie Eisert
Grundbuch Hacking

hojos
Im Februar 2012