Gehörrehabilitation und Ohrenheilkunde in Hietzing

Der 13. Wiener Gemeindebezirk Hietzing kann zum 100-jährigen Jubiläum der baulichen Fertigstellung des KH Hietzing auf eine herausragende Tradition der Gehörrehabilitation zurückblicken! Hier ein kurzer Überblick
22.11.2012

Die HNO-Abteilung am Kaiser-Jubiläums-Spital (KH Hietzing)

Die Abteilung für Kehlkopf-, Nasen- und Ohrenkrankheiten war die erste in Wien, die die Vereinigung ihrer Teilbereiche zur modernen Otorhinolaryngologie vollzog. Planung und Leitung der Lainzer Abteilung oblag Otto Mayer (1877–1951), Schüler des Vaters der modernen Ohrenheilkunde Adam Politzer (1835–1920), des Entdeckers der Otosklerose, einer Innenohrerkrankung. Otto Mayer setzte Politzers Werk fort und erlangte damit Anerkennung mit seinem Vortrag „The Pathology of Otosclerosis" 1928 in London, für den ihm die Royal Society of Medicine den Dalby-Memorial-Preis verlieh.

Otto Mayers preisgekrönte Arbeit, London 1928.

Das Bundesinstitut für Gehörlosenbildung

Am 24. November 2012 feiert die HNO-Abteilung des Krankenhauses Hietzing den 300. Geburtstag des Pioniers der Gehörlosen- und ganz allgemein der Sonderpädagogik, Charles-Michel de l'Épée. Was hat dies nun mit Wien, der Medizin oder gar Ober St. Veit zu tun? Mehr als allgemein bewusst, mit kleinen Ungenauigkeiten insofern, als Unter St. Veit, Speising und Lainz in den Brennpunkt unseres Interesses rücken.

Kaiser Joseph II. reiste 1777 nach Paris, um für seine Schwester Marie Antoinette in ihrer neuen höfischen Umgebung zu vermitteln. Reisebegleiter war sein Leibarzt Alessandro Brambilla (1728–1800). Man wusste von der Kinderlosigkeit des französischen Königspaares und der Phimose des Königs. "Inkognito" als Comte de Falckenstein konnte er auf zeremoniellen Ballast verzichten und doch als Illustre Voyageur willkommen geheißen werden. Er besuchte den für arme Kinder kostenfreien Gehörlosenunterricht des Abbé de l'Épée (1712–1789). Joseph entsandte Friedrich Stork und Joseph May und begründete 1779 das erste staatliche Taubstummeninstitut der Welt, Vorbild für weitere Gründungen zwischen München und St. Petersburg. Heute befindet sich das Bundesinstitut für Gehörlosenbildung in der Maygasse im 13. Bezirk.

Hieronymus Anton Jarisch

Der in Böhmen geborene und in Prag ausgebildete Hieronymus Anton Jarisch (1818–1890) war ab 1849 Taubstummenlehrer einer gräflichen Familie in unter St. Veit und ab 1852 erster Lehrer an der Wiener Gehörlosenschule (heute in der Maygasse). 1855 ging er als Schulrat nach Graz.

1851 veröffentlichte er sein Buch „Methode für den Unterricht der Taub-Stummen". Jarisch schuf damit eine anschauliche Darstellung der Gebärdensprache, die zum Vorbild späterer Standardwerke wurde.

Quellen:
Prim. Univ.-Doz. Dr. Herwig Swoboda

Eingestellt von hojos
im November 2012