Hygiene in der HNO-Heilkunde

Eine Veranstaltung von Dr. Herwig Swoboda in der Versorgungsheimkirche am 9. Juni 2017 von 17 bis 20 Uhr

Dr. Herwig Swoboda, Primar der HNO-Abteilung am Krankenhaus Hietzing, versteht es, Fachliches und Kulturelles in spannender Weise zu verbinden. Als eine der Stätten seiner Veranstaltungen hat er in jüngster Zeit die dem Krankenhaus Hietzing benachbarte Versorgungsheimkirche zum Hl. Karl Borromäus lieb gewonnen. Wir Hietzinger profitieren davon in mehrfacher Hinsicht: Dr. Swoboda stellt seinen Veranstaltungen gerne eine Führung durch dieses herausragende und einzigartige Kulturgut voran und präsentiert es in einer markant interkulturellen Art und Weise. Und wer sich auch die Zeit für die fachlichen Vorträge nimmt, bekommt einen sehr interdisziplinäreren Einblick in die Forschungstätigkeit einiger Abteilungen „unseres“ Krankenhauses. Vor allem die kommende Veranstaltung ist auch für den interessierten Laien sehr zu empfehlen.

Das Vortragsprogramm

Pfingsten, Zeit der Verständigung: P. Edmund Dorner
HNO, Hygiene der Verständigung: Herwig Swoboda
Verständigung über Hygiene: Wolfgang Graninger
Endoskopie-Aufbereitung – State of the Art: Helga Paula, Univ.-Klinik für Krankenhaushygiene und Infektionskontrolle, MedUni Wien
Aufbereitung von Medizinprodukten: Magda Diab-Elschahawi, Univ.-Klinik f. Krankenhaushygiene u. Infektionskontrolle
Tracheostoma – Sicher, sauber, hygienisch? Oskar Janata, Stabsstelle Hygiene, SMZO/Donauspital
Hygiene – ein Gesamtkonzept: Brigitte Stoiser, Stabsstelle Hygiene, KH Hietzing
Elisabeth Presterl, Univ. Klinik f Krankenhaushygiene u Infektionskontrolle, MedUni Wien

Zwischendurch:

Tod in Wien – Venedigs Geiger und Musikerzieher Antonio Vivaldi, Vorbild Bachs
Geburt der Otologie aus der Hygiene – Ignaz Gruber und Prosper Menière
Stimmgabel, Blindenschrift und Orgel – Händel, Paradis und Braille
Bass: J. Schwendinger; Orgel: J. Wilhelm; Violine: M. Honeck.

Danach bitten wir zu einer kurzen Agape in der Sakristei.

Also wieder eine hochstehende Verknüpfung medizinischer Themen mit Geschichte und Kultur.

Die Einladung

Das Interessante beginnt schon in der offiziellen Einladung, worin Dr. Swoboda die Versorgungsheimkirche – in mehrfacher hinsicht berechtigt – als „die Karlskirche des Wiener Versorgungsheims“ bezeichnet. Seine Einleitungstexte zu den Veranstaltungen verknüpfen das jeweils behandelte Fachthema mit geschichtlichen Fakten und kurzen Kirchenbeschreibungen:

„Verhütung von Krankheiten und Gesundheitsschäden ist ein gemeinsames Anliegen von Hygiene und HNO, sozial wie mikrobiologisch. 1717 wurde Kaiserin Maria Theresia, Initiatorin der Wiener Medizinischen Schule, geboren. Vor 250 Jahren erkrankte sie an deren Leitstern, den Pocken. 1767 wurden die Jesuiten aus Paraguay vertrieben (Reducciones; Martin Dobritzhofer). 1867 wurde Theodor Billroth nach Wien berufen ('Reinlichkeit!'; 1874 Streptococcus).

Die Versorgungsheimkirche (1904) wurde von Joh. Nep. Scheiringer (1855–1934) inmitten eines Architekturraumes geschaffen, der auch das Waisenhaus und Taubstummenanstalt (1913) einschließt. Spiritus rector dieses Höhepunkts des Wiener Historismus war Dr. jur. Jakob Dont (1864–1946), Sohn des gleichnamigen Violinpädagogen.

Antonio Vivaldi (1678–1741) wirkte in Venedig als Musikerzieher am Ospedale della Pietà, einem 1346 gegründeten Waisenhaus. Jean Itard (1774–1838), ab 1799 Arzt am Taubstummeninstitut in Paris, begründete mit der Betreuung des Wilden aus Aveyron die Kinderpsychiatrie. François Truffaut (1932–1984) verfilmte diese große Leistung des ersten modernen Otologen 1970 mit Musik aus Orchesterkonzerten von Vivaldi. Louis Braille (1809–1852) setzte neben seiner Punktschrift Orgelmusik in der Blindenpädagogik ein.

Roland Bechmann (1919–2017) erschloss ebenso wie Hans Hahnloser
die frühgotische Architektur über Villard de Honnecourts Bauhüttenbuch.

Prosper Menière (1799–1862), Cholera-Arzt, Hygieniker und Itards Nachfolger am Taubstummeninstitut, bereiste 1851 Salzburg und Wien. Ignaz Gruber (1803–1872), Erfinder des Ohrentrichters, Pionier der medizinischen Chemie, bekämpfte 1830/31 die Cholera. Sein Sohn Max von Gruber (1853–1927) publizierte 1896 die Agglutinationsreaktion. Ein weiterer Sohn, Franz von Gruber (1837–1918), war
Krankenhausarchitekt (Das Rudolfiner-Haus in Wien, 1895).

Musikbeispiele (Vivaldi, Bruhns u.a) zum Thema Hygiene und Pfingsten geben Johannes Schwendinger, Bass, Johannes Wilhelm, Orgel, und Matthias Honeck, Violine. Wir freuen uns auf Ihr Kommen!“

Die Art und Weise, Dinge zu verknüpfen, kann auch an den folgenden ergänzenden Zeilen zur obigen Veranstaltung gesehen werden:

„Manche medizinische Laien hören sich Hygiene lieber an als wir HNO-Ärzte. Hygiene ist ein quasi religiöses Thema („bitte zuerst duschen“). Eine Gelegenheit, die symbolträchtige Kirche zu zeigen, ist diese beiläufig angesetzte Veranstaltung allemal. Der Naturbass Schwendinger, der die Tiefen ohne jegliche Anstrengung hervorbringt, und sein passender, mitdenkender Begleiter Johannes Wilhelm, stellen ein auf das Pfingstfest ausgerichtetes Programm zusammen: Kennen Sie den jung verstorbenen Bruhns? Sein „Herz ist bereit“ ist von Schwendinger für Pfingsten vorgesehen! Wenn sie nun noch etwas gregorianischen Spiritus destillieren, sind wir zufrieden.

Vivaldis Belebung der Kompositionsweise von Bach ist fast so interessant wie der Vergleich des Versorgungswesens Venedigs mit dem Wiens, beides im Hochmittelalter entstanden (vgl. Jakob Dont 1904). Beide Städte sind Verkehrsknotenpunkte auf ungesundem Boden mit reichlicher Erfahrung in Pest (Lazarett, Quarantäne und San Rocco in Venedig; Franz Vesal, Augustin und Pestsäule in Wien), Typhus und Cholera. Das Versorgungsheim, Geschichtliche Einleitung S. 3–15

Der Widerstand Maria Theresias, ein Waisenhaus zu begründen, kann daraus ein wenig verstanden werden: Förderung der Unzucht, und das war früher oder später im aristokratienahen Pio Ospedale della Pietà nicht auszuschließen.

Armer Prete Rosso, er litt an Rufschädigung (1737 aus Ferrara ausgesperrt wegen vermuteter amicizia), die zu seinem verfrühten Tod in Wien beigetragen haben mag (vielleicht sogar Mobbing in moderner Diktion). Die Unterhaltungsindustrie hat sich schon seiner bemächtigt (Bücher, Opern etc.). Hier die Leseprobe aus Karl Heller 1997/1971.“

Einen Eindruck vom kunsthistorischen und künstlerischen Teil dieser Veranstaltungen mag dieses Video vom 3. März 3017 inkl. Orgel- und Trompetenkonzert geben. Leider musste der erste Teil der Aufnahmen spontan und bei starkem Wind gemacht werden...

Führung durch die Versorgungsheimkirche
Mit Orgel- und Trompetenkonzert am 3. März 2017
03.03.2017

hojs
31. März 2017

Spanisch Sprachschule