Wiener Stadtbildpflege am Abstellgleis?

Nach vernachlässigter Schutzzonenerweiterung steht das Haus Hietzinger Hauptstraße 100–102 vor dem Abbruch
17.01.2010

Zum gefährdeten Gebäude Hietzinger Hauptstraße 100–102 fordert die Initiative Denkmalschutz anlässlich der heutigen Sonder-Bauausschuss-Sitzung eine politische Lösung für das Gebäude Hietzinger Hauptstraße 100–102. Die Politik ist gefordert, mit dem Eigentümer den Erhalt zu verhandeln!

"Was am Alsergrund im 9. Bezirk möglich ist, sollte wohl auch im 13. Bezirk möglich sein: der Erhalt des seitens der MA 19 für schutzwürdig erklärten Gründerzeithauses", sagt die Initiative Denkmalschutz anlässlich der heute statt findenden Sonder-Bauausschuss-Sitzung in Hietzing. Auch das Gründerzeithaus Boltzmanngasse 21 (Ecke Alserbachstraße 12) am Alsergrund befand sich (noch) nicht in einer Schutzzone und der Eigentümer hatte ebenso schon Pläne für einen Neubau fertig. Auf Grund der heftigen Proteste im Bezirk konnte nach erfolgreichen Verhandlungen im Jahr 2009 schließlich eine politische und für alle Beteiligten zufrieden stellende Lösung gefunden werden: Der Erhalt des schützenswerten Hauses war gesichert!

Nach der skandalösen Schutzzonenverzögerung in der Hietzinger Hauptstraße ist das politische Engagement für den Erhalt des 1901 erbauten Gründerzeithauses gefragt und die Verhandlung das Gebot der Stunde.

In einer OTS-Aussendung am 29.12.2010 listete die Initiative Denkmalschutz unter dem Titel: Wiener Stadtbildpflege am Abstellgleis? im Zusammenhang mit dem drohenden Abriss der Gründerzeithäuser Hietzinger Hauptstraße 100–102 die skandalöse Chronologie der Untätigkeit auf:

Bereits 1996 hat die Stadt Wien im Rahmen ihres Schutzzonenmodells Gebiete definiert, die "mit hoher Wahrscheinlichkeit" als schutzzonenwürdig eingestuft werden können, darunter auch die betroffenen Häuser. 1999 wurde das gegenständliche Gebiet von der MA 19 inventarisiert und wieder als schützenswert beurteilt ("eine nahezu geschlossene Reihe von erhaltenswerten Gebäuden"). Im Februar 2007 hat die Bezirksvertretung Hietzing den Antrag zur Schaffung einer Schutzzone einstimmig angenommen ("existiert ein nahezu geschlossenes Ensemble von Gründerzeit-Häusern"). In der Antwort vom zuständigen Stadtrat Rudi Schicker wurde man auf die nächste Gebietsüberarbeitung vertröstet. Im Juni 2008 hat die Bezirksvertretung die Stadt Wien noch einmal auf die Dringlichkeit dieser Schutzzonenwidmung hingewiesen und um ehebaldigste Umsetzung gebeten, da in nächster Zeit Eingriffe in das Ensemble zu erwarten sind. Wieder wurde nichts unternommen und im Juni dieses Jahres wurde schließlich ein Neubauprojekt bei der Baubehörde eingereicht. Die Initiative Denkmalschutz fordert Taten statt leerer Worte. "Die Pflege des überlieferten Gesichts der Stadt zählt zu den vorrangigen Aufgaben der Kulturpolitik" ließ Bürgermeister Michael Häupl 1999 verlauten. Die vielfache Untätigkeit bei der Umsetzung von Schutzzonen-Erweiterungen beweist aber das Gegenteil. Die Initiative Denkmalschutz fordert daher dringend die rasche Umsetzung der Schutzzonen-Erweiterungen im Sinne des Schutzzonen-Modells aus 1996.

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Quellen:
Verein Initiative Denkmalschutz

hojos
Am 17. Jänner 2011