Dr. Jakob Dont

Der Vergessene
26.03.2019

Magistratssekretär Dr. jur. Jakob Dont (1864–1946) ist der Sohn des gleichnamigen großen Violinpädagogen und Komponisten Jakob Dont (1815–1888) und damit Enkel des Cellisten Joseph Valentin Johann Dont (1776–1833). Ersteres kann auch aus den Angaben in Lehmanns Wohnungsanzeiger geschlossen und online nachverfolgt werden: Einige Jahrgänge weisen die gemeinsame Wohnadresse Josefstädterstraße 32 für den Vater als Jacques Dont, dessen Witwe und für den Sohn Dr. Jakob Dont aus. Ein Blick in die Geburtsmatriken könnte ebenfalls hilfreich sein.

Großvater Joseph Valentin Johann war Cellist im Umkreis Beethovens und machte den Maler August von Kloeber mit dem Komponisten bekannt. 1918 schuf Kloeber die berühmte Skizze mit dem Porträt Beethovens.

Raimund Lissys wunderbares um Mozart, Mayseder und Jakob Dont sen. zentriertes Konzert am Samstag, den 23. März 2019 in der Wiener Versorgungsheimkirche zeigte den reichen musikalischen Gehalt von Vater Donts Kompositionen, die ihn als völlig eigenständigen Komponisten ausweist, ohne Parallelen und ohne Notwendigkeit von Einordnungen oder Vergleichen.

Professor Jakob Dont senior. Relief-Plakette mit Porträt auf dem Grabstein. Rechts unten eine Vergrößerung der Signatur des Künstlers; wer kann sie entziffern? © Archiv 1133.at

Sein Sohn Dr. jur. Jakob Dont bleibt aber weitgehend im Schatten der Vergessenheit. Das Internet würdigt ihn nur im Rahmen des Eintrages im Österreichischen Biographischen Lexikon zu seinem Vater und im Österreichischen Musiklexikon mit folgenden Eckpunkten: Nach dem Studium der Rechtswissenschaften an der Universität Wien 1884–88 wurde er Angestellter der Gemeinde Wien und avancierte zum Magistrats-Oberkommissär und schließlich zum Obermagistratsrat. Unter anderem administrierte er den Bau von Versorgungsheim und Spital in Lainz. Im Auftrag der Gemeinde Wien verfasste er Gedenkschriften zur Eröffnung dieser sozialen Einrichtungen und zum heraldischen Schmuck der Versorgungsheim-Kirche. Das biografische Lexikon gibt auch Auskunft über ein die ganze Berufstätigkeit begleitendes Engagement für arme und in Not geratene Menschen und für die Wohlfahrt. Jakob Dont betätigte sich auch als Autor von Gedichten, Liedtexten und Bühnenwerken und als Komponist. Soweit die Eckpunkte dieser Biografien. Im Unterschied zu seinem Vater, der auf dem Dornbacher Friedhof begraben liegt (mit Grabnutzungsrecht auf Friedhofsdauer, leider ohne Inobhutnahme, siehe Foto oben), ist er mit seiner Frau Helene im Grab seiner Schwiegereltern Marie und Felician Altenberg auf dem Maurer Friedhof bestattet. Das Grab ist per 30. Oktober 2018 abgelaufen und nähert sich seiner Auflassung.

Dr. Jakob Dont. Das verfallende Grab am Maurer Friedhof © Archiv 1133.at

Als Ausgleich zum breiten Vergessen sei hier, teilweise wiederholend, auf die bei regionaler Betrachtung wesentlichen Verdienste Dr. Jakob Donts hingewiesen:

  1. Natürlich die Administration des Wiener Versorgungsheimes in Lainz inklusive der 1902–1904 ausgeführten, dem heiligen Karl Borromäus gewidmeten Kirche. Sie war erst im zweiten Anlauf geplant und konnte dank unerwartet hoher Spendeneingänge früher und sogar in reichlicher Ausstattung verwirklicht werden. Von manchen wird sie sogar als krönender Abschluss des Wiener Historismus bezeichnet. Sein Porträt ist auf einem Schlussstein eines Turmfensters der Kirche verewigt (siehe Startfoto), als Glockenspruch wurde eines seiner Gedichte ausgewählt. Hingewiesen wurde bereits auf das Begleitbuch aus dem Jahr 1904 zum Bau des Versorgungsheimes, das auch auf den Kirchenbau eingeht, und auf das Werk zur Heraldik der Kirche aus dem Jahr 1910.
  2. 1908–1912 administrierte Jakob Dont jun. den Bau des Kaiser-Jubiläums-Spitals, das heutige Krankenhaus Hietzing, eine nach Ansicht Dr. Herwig Swobodas, Leiter der HNO-Abteilung des heutigen Krankenhauses Hietzing, palladisch-vitruvianische Anlage, mit genügend Spielraum für spätere Erweiterungen wie die Prosektur des Joseph-Joachim-Freundes Otto Maresch. Ca. 1930 kam der Tuberkulosepavillon im Stil der Neuen Sachlichkeit dazu. Auch zu diesem Spital gibt es ein Begleitbuch Donts aus dem Jahr 1913. Die von Rudolf Maresch errichtete und ca. 1923 an Jakob Erdheim übergebene Prosektur sollte durch systematische Obduktionen der Pflegeheimpatienten wesentlich an der Entstehung der modernen Geriatrie beteiligt sein.
  3. 1934–1936 fungierte Jakob Dont jun. als Sekretär des Kirchenumbauvereins Mauer, der die Pfarrkirche St. Erhard im Stil der Neuen Sachlichkeit umbaute. Durch Abriss des Langhauses wurde der Weg der Straßenbahn (heute 60) freigegeben und ein in etwa rechtwinkelig versetztes neues Langhaus angefügt (Clemens Holzmeister, Rudolf Eisenmenger u.a.).

Die Spannweite von Donts Administration sozialer und sakraler Bauwerke, allesamt von festem historischem Bewusstsein getragen, ist vom Versorgungsheim Lainz (ausklingender Historismus, Hochblüte Jugendstil) über das Kaiser-Jubiläums-Spital (ausklingender Jugendstil, Barockklassizismus) bis zur Pfarrkirche Mauer (Neue Sachlichkeit, Anklänge an langobardische Architektur wie z.B. der Dom von Aquileia, der unter Karl Lanckoronski renoviert wurde) ausgesprochen weit. Er ließ sehr verschiedene Kunstrichtungen zur Entfaltung gelangen, und keine in extremer Übertreibung. Die Kirche des Wiener Zentralfriedhofes, das Kaiser-Jubiläums-Spital mit seiner Kapelle und die Versorgungsheimkirche weisen auch eine Reihe gemeinsamer Künstler auf, etwa Georg Leisek, Hans Zatzka, Theodor Khuen, Jakob Gruber und andere. Die Neue Sachlichkeit hat ihre Parallelen: St. Hubertus in Hietzing, und die Kamillianerkirche im Wilhelminenspital, die man abreißen will! Jakob Donts Monografien zum Versorgungsheim mit Nachtrag zu dessen Heraldik und zum Kaiser- Jubiläums-Spital sind vorbildlich. 

Von Jakob Dont jun. gibt es – im Gegensatz zu seinem Vater, dem Geiger – ein perfekt gearbeitetes Foto, und zwar vom Fotografen Hans Makart jun. (1870–1946). 1888, als das Foto entstand, war der Sohn des Malers, Society-Lieblings und Klimt-Lehrers Hans Makart sen. erst 18 Jahre alt. Das gesamte „ungecroppte“ Foto zeigt auch die Signatur. Dennoch wird es oft als Abbildung des Vaters verbreitet, stellt aber den administrierenden Sohn dar.

hojos auf Basis von Hinweisen Dr. Herwig Swobodas
Wien, im März 2019