Vier Violinen in der Versorgungsheimkirche

Ein außergewöhnlicher Kunstgenuss
23.03.2019

Die „Kirche zum Heiligen Borromäus im Geriatriezentrum am Wienerwald“, kurz „Versorgungsheimkirche“ ist nicht „nur“ ein wunderschönes sakrales Bauwerk, sondern sie ist auch in anderer Hinsicht bemerkenswert: Sie steht im Eigentum der Gemeinde Wien und sie ist ein Denkmal des Handwerks und anderer Gewerbe ersten Ranges. Sie hat aber auch feste Bande zur Musik, ältere und jüngere. Zu den älteren kann man die pneumatische Orgel aus der Werkstatt des Franz Josef Swoboda und die vom Heraldiker Hugo Ströhl geschaffenen Wappen der Gremien, Genossenschaften und Zünfte in Form des fortlaufenden Frieses zählen, die auch das Wappen der Blas-, Streichinstrumenten- und Hamonika-Erzeuger sowie der Klavier- und Orgelbauer enthalten. Zu den jüngeren zählt der andere Swoboda, nämlich Dr. Herwig Swoboda, Leiter der HNO-Abteilung des Krankenhauses Hietzing, der das Kirchenschiff schon sein Jahren als treffliches Ambiente für Konzerte im Rahmen der von ihm organisierten Fachsymposien und -praktika nützt.

Ein solches Konzert in der Versorgungsheimkirche, 1130 Wien, Versorgungsheimplatz 1, das dem allgemeinen Publikum geöffnet ist, steht wieder bevor, und zwar am Samstag, den 23. März 2019 von 18 bis 20:30 Uhr. Hier das Programm:

Begrüßung durch Pater Edmund Dorner, Rektor der Kirche St. Karl Borromäus

Herwig Swoboda, HNO-Abteilung, KH Hietzing und Wilhelminenspital spricht über Stimmphysiologie und Raumakustik

Das folgende Konzert bestreitet ein Streichquartett unter Führung des Philharmonikers Raimund Lissy mit Dominik Hellsberg, Lara und Luka Kusztrich:

Wolfgang Amadeus Mozart KV Anh. 15/1532, Duo Nr. 9, C-Dur
Allegro
Andante cantabile
Allegro

Joseph Mayseder Duo für 2 Violinen op. 30, G-Dur
Allegro
Adagio
Rondo, Vivace
Pause, Agape in der Sakristei

Jacob Dont Caprice aus op. 35
Joseph Mayseder 1. Etüde aus op. 29
Jacob Dont Caprice aus op. 35
Joseph Mayseder 6. Etüde aus op. 29

Jacob Dont Quartetto op. 42, e-Moll, für 4 Violinen
Allegro espressivo
Scherzo, Allegro assai
Larghetto
Finale, Vivace

Dies ist ein von Raimund Lissy gemeinsam mit Dr. Herwig Swoboda speziell für diese Kirche zusammengestelltes Konzert. Hauptwerk des Abends und absoluter Höhepunkt ist das von Jacob Dont, dem Vater des den Bau der Versorgungsheimkirche überwachenden Magistratsdirektors Jacob Dont jun., komponierte Quartett für vier Violinen op 42. Es hat vier Sätze und dauert 20 Minuten. Dieses Violinquartett, schon an sich eine Seltenheit, ist fast nie zu hören, zuletzt am 28. November 2015 im Rahmen des 3. Kammermusikkonzertes im Gustav-Mahler-Saal der Staatsoper.

Spenden zugunsten der Erforschung von Ernährungsstörungen sind erbeten.

Zu dieser außergewöhnlichen Kombination von Raum und Ton gäbe es viel zu sagen. Ich beschränke mich hier auf die Kette Mayseder, Dont und Lissy. Joseph Mayseder (1789–1863) prägte die Wiener Violinschule bis weit nach Beethoven und Schubert. 1811 erhielt er die Salvator-Medaille, auch für seine Mitwirkung bei Wohltätigkeitskonzerten zwischen 1803 und 1823 zugunsten des Versorgungshauses St. Marx, des Vorläufers der Versorgungshäuser im Alsergrund und in Lainz. Er steht somit für die Verbindung der Musik mit Spiritualität und Wohlfahrt. Das trifft in gewisser Weise auch auf Vater und Sohn Jakob Dont zu. Der Vater (1815–1888) war Violinpädagoge, sein Sohn der Leiter der Wiener Magistratsabteilung XI, unter dessen Aufsicht die 1904 die Versorgungsheimkirche von Johann Nepomuk Scheiringer gebaut wurde. Und der Hietzinger Raimund Lissy, unter anderem Stimmführer der zweiten Geigen der Wiener Philharmoniker, ist ein Experte zu Joseph Mayseder. Demnächst wird sein Buch zu diesem Ausnahmegeiger veröffentlicht.

Mehr zu Joseph Mayseder, Raimund Lissy und dem Mayseder-Buch Lissys erfahren Sie HIER.

Vier Violinen in der Versorgungsheimkirche. Die Künstler des Quartetts: Raimund Lissy, Dominik Hellsberg, Lara und Luka Kusztrich. © Raimund Lissy

Abschließend die Künstlerbiografien

Raimund Lissy

wurde 1966 in Wien geboren. Seinen ersten Violinunterricht erhielt er im Alter von 4 Jahren. In der Folge studierte er bei Thomas Kakuska an der Wiener Musikhochschule und bei Alfred Staar. Nach vorübergehender Orchestertätigkeit in der Arena di Verona trat er 1988 in das Orchester der Wiener Staatsoper ein. 1991 wurde er Mitglied der Wiener Philharmoniker. Im selben Jahr übernahm er die Position des Stimmführers der zweiten Geigen; seit 1993 ist er Vorgeiger der Sekundgeigengruppe der Wiener Philharmoniker und im Orchester der Wiener Staatsoper.

Seit 2013 ist Raimund Lissy zudem in der Wiener Hofmusikkapelle engagiert.
2016 trat er in einem Konzert mit den Wiener Philharmonikern in der Basilika San Paolo fuori le Mura im Vatikan gemeinsam mit Albena Danailova als Solist im Doppelkonzert von Johann Sebastian Bach auf.

Als zweiter Geiger im "Ensemble Wien" widmet sich Raimund Lissy auch intensiv der Kammermusik. Mit dieser Streichquartettformation konzertiert er seit 1994 im Abonnementzyklus "Freude an Musik" der Gesellschaft der Musikfreunde alljährlich fünf Mal im Brahmssaal des Musikvereins, in dem er bereits über 100 Quartettabende spielte. Zudem konzertierte er mit dem "Ensemble Wien" in zahlreichen bedeutenden internationalen Konzertsälen, wie unter anderem in New York, Toronto, Vancouver, Tokyo, Paris, Athen und auch bei Festivals wie den Salzburger Festspielen, dem Ravenna Festival und den Berliner Festwochen. In diesem Ensemble ist er auch auf CD Einspielungen für "VMS", "Koch" und "Erato" zu hören. Mit dem "Ensemble Wien" trat Raimund Lissy mit Künstlern wie Christian Altenburger, José Carreras, Helmut Deutsch, Plácido Domingo, Barbara Frittoli, Nancy Gustafson, Angelika Kirchschlager, Elisabeth Kulman, Helmuth Lohner, Ann Murray, Jessye Norman, Marlis Petersen, Benjamin Schmid, Janis Vakarelis und Stefan Vladar auf.

Als Solist spielte Raimund Lissy in Wien und Niederösterreich die Violinkonzerte von Beethoven, Mendelssohn, Pleyel und Tschaikowsky mit Orchester, sowie Sonatenabende.

Seine CD Einspielungen beinhalten Werke für Violine von Reynaldo Hahn (Koch), sowie Werke für Violine von Ch. Koechlin, G. Tailleferre und F. Poulenc (VMS) mit Jan Latham-Koenig am Klavier, sowie ein Violinkonzert von I. Pleyel (Ars; Dirigent: Johannes Klumpp).

2008 gründete er das "Lissy Quartett". Mit dieser Formation eines Klavierquartetts konzertierte er jährlich seit 2011 im Gläsernen Saal des Wiener Musikvereins. Mit dem "Lissy Quartett" spielte er mehrere Uraufführungen von Klavierquartett-Werken von Balduin Sulzer.

Die Pflege der Werke des Violinvirtuosen Joseph Mayseder, der auch beim ersten Konzert der Wiener Philharmoniker 1842 mitwirkte, ist Raimund Lissy ein besonderes Anliegen. Dazu gehört neben der Aufführung der Werke und CD-Einspielungen auch die Erstellung der Homepage www.mayseder.at sowie weitere Forschungen zu seinen Kompositionen und seinem Leben. 2019 gab es die Erstausstrahlung einer Joseph Mayseder Filmdokumentation auf ORF III, bei welcher Raimund Lissy sowohl Produzent als auch musikalisch-technischer Berater war und als Künstler mitwirkte.

Dominik Hellsberg

wurde im Alter von sechs Jahren von seinem Vater Clemens Hellsberg unterrichtet. Seinen ersten öffentlichen Auftritt hatte er 1992 im Rahmen der Ausstellung „150 Jahre Wiener Philharmoniker“.

1995 begann Dominik Hellsberg sein Violinstudium an der Musikhochschule Graz bei Alfred Staar, setzte nach dessen Tod im Jahre 2000 die Ausbildung an der Universität für Musik und darstellende Kunst in Wien in der Klasse von Gerald Schubert fort und nahm gleichzeitig Privatunterricht bei Volkhard Steude.

Ab 2002 substituierte er im Orchester der Wiener Staatsoper und der Wiener Hofmusikkapelle. Er hatte im Jahr 2004 eine Akademiestelle im Radio-Symphonieorchester Wien inne, ehe er 2006 seinen Dienst in der Sekundgeigergruppe des Staatsopernorchesters antrat. Seit 2014 Mitglied der Wiener Hofmusikkapelle.

Als Kammermusiker spielt er bei den Philharmonia Schrammeln Wien, dem IPG-I. Pleyel Quartett, den Wiener Streichersolisten, im Ensemble ,,Herbert Lippert und seine philharmonischen Freunde‘‘, dem Trio Hellsberg, dem Ensemble Corso Wien und ist Gründungsmitglied der Formation ,,Caroline Wenborne und das Wiener Grabenensemble‘‘.

Luka Kusztrich 

1991 in Wien geboren. Konzertfachstudium an der MDW bei Dora Schwarzberg und seit 2012 bei Gerhard Schulz. Abschluss mit Auszeichnung (Mag.art.). Erster Preisträger nationaler und internationaler Wettbewerbe. Bank Austria Artist of the Year 2015 inklusive CD Produktion „Caprice Viennois“, erschienen bei Capriccio.
Soloauftritte mit dem Jugendorchester der Jeunesse unter Andrés Orozco-Estrada, dem Wr. Neustädter Jugendorchester unter Hanns Steckel, dem Senbatsu Jugendorchester, den Universitätsorchestern von Niigata und Nagasaki unter Yoshinori Kawachi, dem Orchester des Haydnkonservatoriums unter Adolf Hennig, der Philharmonie Lugansk unter Kurt Schmid, dem Sinfonieorchester der Nationalen Philharmonie der Ukraine in Kiew unter Mykola Dyadura sowie dem Haydnorchester unter Peter Schreiber.

Seine solistischen Konzerttätigkeiten führten ihn beispielsweise auf zwei Japantourneen (u.a. Weltausstellung in Aichi), ins Lisztzentrum Raiding, ins Alte Rathaus in Wien, ins Solitär des Mozarteums Salzburg, in den Münchener Gasteig, in den großen Sendesaal des Wiener Radiokulturhauses, zum Europäischen Forum Alpbach 2015, in den Haydnsaal des Schlosses Esterházy in Eisenstadt, Lysenko Hall Kiew u.a.

Gründungsmitglied des „Vier Temperamente“ Geigenquartetts, mit Auftritten u.a. im Rahmen des Philharmonikerballs 2016 und 2017, der Salzburger Festspiele 2016 und des Wiener Opernballs 2017.

Meisterkurse bei Benjamin Schmid, Viktor Tretjakov, Ivry Gitlis, Peter Götzel, Milan Setena, Hubert Kroisamer, Josef Hell. Weiters war er Akademist der Orchesterakademie Ossiach, wo er im September 2013 Konzertmeister war. 2014-2018 nahm er auch am Kammermusikkurs der Angelika Prokopp Sommerakademie der Wiener Philharmoniker teil. Bühnenmusik der Salzburger Festspiele 2014-2017 (u.a. Wirtshausmusik in A. Bergs „Wozzeck“). Teilnahme am Musikforum Trenta 2013 und 2016, Auftritt beim Preisträgerkonzert 2016 im Brahmsaal/Wiener Musikverein.

Seit Dezember 2014 Substitutentätigkeit beim Tonkünstler-Orchester Niederösterreich. Von Oktober 2016 bis Jänner 2017 Zeitvertrag bei den ersten Geigen beim Tonkünstlerorchester Niederösterreich. Seit September 2017 Substitut im Orchester der Wiener Staatsoper (1. und 2. Geige). Seit September 2018 Zeitvertrag bei den zweiten Geigen im Orchester der Wiener Staatsoper und Substitutentätigkeit bei den Wiener Philharmonikern.

Lara Kusztrich

wurde am 4. Juli 1994 in Wien geboren und studiert derzeit bei Frau Prof. Lieke te Winkel an der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien.

Sie ist mehrfache Preisträgerin nationaler wie internationaler Wettbewerbe. Als Gewinnerin von Musica Juventutis debütierte sie im November 2015 im Schubertsaal des Wiener Konzerthauses. Zuletzt wurde ihr im Dezember 2018 von der Mozartgemeinde Wien der „Förderpreis für junge Musikerinnen und Musiker Stiftung Margaretha Schenk 2018“ verliehen.

Als Solistin spielte sie mit dem Sinfonieorchester der Nationalen Philharmonie der Ukraine unter Mykola Dyadura, der Staatlichen Philharmonie Košice unter Jack M. Händler, dem Orchester der Musikfreunde Baden unter Andjelko Igrec sowie dem Vienna International Orchestra unter Robert Lehrbaumer. Weitere solistische Konzerttätigkeiten führten sie ins Wiener MuTh, in den Großen Saal, sowie das Solitär des Salzburger Mozarteums, ins Lisztzentrum Raiding, zum Schweizer Festival „Sommets Musicaux de Gstaad 2012“, in den Münchener Gasteig, u.a. Sie spielte mit PianistInnen wie Barbara Moser, Clara Frühstück, Sophie Pacini, Boldizsár Csiky u.a.

Im August 2017 spielte Lara Kusztrich als Akademistin der A. Prokopp-Sommerakademie der Wiener Philharmoniker 2017 bei den Salzburger Festspielen die solistisch besetzte Bühnenmusik („Wirtshausmusik“) in der Oper „Wozzeck“ von Alban Berg.

Seit September 2017 substituiert sie im Orchester der Wiener Staatsoper. Von März bis Juni 2018 war sie durch einen Zeitvertrag beim Bühnenorchester der Wiener Staatsoper angestellt. Seit 2018 substituiert sie in der Sekundgeigengruppe der Wiener Philharmoniker.

Orchestererfahrung sammelte sie zuvor als Konzertmeisterin verschiedener Orchester, beispielsweise des Webern Symphonie Orchesters unter Zubin Mehta (Goldener Saal Wiener Musikverein), sowie als Substitutin/mit Zeitvertrag beim Tonkünstler-Orchester Niederösterreich.

Meisterkurse unter anderem bei den Professoren Milan Šetena (Int. Musikforum der Wiener Philharmoniker Trenta 2014), Hubert Kroisamer (A. Prokopp-SoAk 2017), Josef Hell (A. Prokopp-SoAk 2018), Eduard Schmieder und Lewis Kaplan (Int. Sommerakademie Mozarteum), Igor Ozim und Serguei Azizian (mdw) und bei Ivry Gitlis in Lugano.

Lara Kusztrich spielt auf einer Leihgabe der Österreichischen Nationalbank, einer Violine von Vincenzo Ventapane, Neapel 1770.

hojos
im Februar 2019