Die Neonatologie im St. Josef Krankenhaus

Ein Lichtblick
22.06.2018

Ist ein Lichtblick etwas Positives? Er ist doch bloß ein wenig Licht in großer Finsternis. Und mit letzterer ist das Wiener Gesundheitswesen, zumindest seine aktuelle Tendenz, ganz gut beschrieben: Immer weniger Kassenärzte, überforderte Ambulanzen mit stundenlangen Wartezeiten, Schwächung regionaler Kompetenzen zugunsten oft weit entfernt gelegener Kompetenzzentren, schlicht: eine zunehmende Mehrklassenmedizin. Was die Wiener Spitäler betrifft, scheint der kostspielige Regionale Strukturplan Gesundheit Wien (RSG) mittlerweile wertlose Makulatur zu sein, die dafür verantwortliche Gesundheitsstadträtin und der verantwortliche Bürgermeister sind nicht mehr im Amt. Stark betroffen von den Unzulänglichkeiten ist vor allem eine Patientengruppe: die Mütter mit ihren Kindern.

Die Entbindung geht in den vorhandenen geburtshilflichen Einrichtungen meist reibungslos vonstatten, abgesehen vielleicht von der zeitlich zu optimierenden Feststellung: „Liebling, ich glaube es ist soweit ...“ und heutzutage wohl auch abgesehen vom – je nach Herkunft – sehr unterschiedlichen Verhalten der Gebärenden vor, während und nach der Geburt. Ein veritables Problem ergibt sich oft erst im Falle einer Frühgeburt oder bei medizinischen Komplikationen, die eine intensivmedizinische Versorgung notwendig machen. Denn eine eigene Frühgeborenenstation gibt es in vielen Geburtshäusern nicht. Bis heute auch nicht im St. Josef Krankenhaus.

So wie noch vor dreißig Jahren, als das Frühgeborene in Rettungsfolie verpackt mit dem PKW in das damalige Preyersche Kinderspital verfrachtet wurde und der Vater dann täglich mehrmals mit der Muttermilch pendeln musste und zwischendurch bestens vermummt sein Kind durch die Öffnung des Brutkastens ertasten durfte, so wird es nicht mehr gewesen sein, viel anders aber auch nicht. Trotzdem wurde vor nicht allzu langer Zeit von der Stadt Wien befunden, dass es zu viele Einheiten in der Neonatologie gibt, offensichtlich mit unzureichender Würdigung von Qualität und regionaler Verteilung.

Es liegt schon lange zurück, als im St. Josef Krankenhaus begonnen wurde, ein Konzept zur Verminderung der Gefahren für das Frühgeborene und zur Verhinderung der Trennung von Mutter und Kind in dieser heiklen Phase zu entwickeln. Es wurde auch das damalige ÖBIG, heute die Gesundheit Österreich GmbH konsultiert, doch diese riet im September 2004 vom Aufbau einer eigenen Station ab: „Angesichts der Komplexität und der erheblichen wirtschaftlichen Risiken ist die Etablierung einer eigenen Neonatologie nicht zu empfehlen.“ Auch die sonstigen Gegebenheiten waren wenig vorteilhaft, denn als jüngste Kinderabteilung Wiens wurde vor 26 Jahren jene im Donauspital eröffnet, und seitdem entsprechende Abteilungen eher verkleinert. Glücklicher Weise wurde dies eher als Ansporn genommen, und im Mai 2005 fand der Leiter der Wiener Planungsabteilung: „Ja, das ist eine gute Idee, das werden wir prüfen!“. Damit begannen die zähen Jahre einer langen Prüfung. Die erfreuliche Nachricht kam im Oktober 2009, als im damaligen Regionalen Strukturplan Gesundheit für Wien 20 Kinderbetten und vier neonatologische Überwachungsbetten (NIMCU Neonatal Intermediate Care Unit) für St. Josef vorgesehen waren. Das gab aber noch lange nicht die (finanzielle) Möglichkeit, diese auch einzurichten. Während der Zeit der Überlegungen zur Finanzierung wurden auch zahlreiche Einrichtungen dieser Art besichtigt, 2011 die Neonatologie in Salzburg. Die dortige den Menschen zugewandte, Kinder und Eltern verbindende Zugangsweise wurde zur Referenz. Im Laufe der zähen Verhandlungen mit der Stadt Wien wurden aus den vier Überwachungsbetten zehn, und es konnte auch eine hohe Förderung durch die Stadt Wien erreicht werden. Wahrscheinlich ist auch das noch keineswegs die Endausbaustufe, schließlich wird im Jahr 2019 die Geburtshilfestation des Göttlichen Heilands in das St. Josef Krankenhaus verlegt werden, und eine weitere Vergrößerung der Neonatologie ist projektiert.

Das ist natürlich ein enormer Lichtblick und eine wertvolle Ergänzung des Leistungsspektrums des St. Josefs Krankenhauses, die Eltern und Kind vor allem in der frühen Extremsituation eine wertvolle Hilfe bietet. Leider wird es aber keine allgemeine Ambulanz für Kinder geben. Diese weitere Ergänzung böte sich logisch an und wird von den Verantwortlichen sicherlich diskutiert worden sein. Die Abhängigkeit von den Förderungen der Stadt Wien macht dies aber zu einem noch ambitionierteren Vorhaben, als es die Einrichtung der stationären Abteilung war. Hietzinger Eltern von Kindern mit Krankheitssymptomen, die nicht das Glück haben, ihren Kinderarzt zu erreichen, werden daher auch weiterhin in der Notfallambulanz des Wilhelminenspitals am Flötzersteig landen, und dort mit ihrem kranken Kind nicht selten drei Stunden oder mehr auf eine Behandlung warten.

Im Zuge der Eröffnungsfeier der neuen Kinderabteilung im St. Josef Krankenhaus am 22. Juni 2018 war vielen Instanzen in Gemeinde, Bezirk und der Vinzenz-Gruppe zu danken, und dies wurde auch ausgiebig getan. Es sprachen Dipl.-Kfm. Marco Doering (Geschäftsführer des St. Josef Krankenhauses), Mag. Stephan Lampl (Mitglied der Geschäftsleitung der Vinzenz-Gruppe), Mag. Silke Kobald (Bezirksvorsteherin von Hietzing), Kurt Wagner (in Vertretung des Stadtrates für Gesundheit und Soziales) und der Vorstand der neuen Abteilung für Kinderheilkunde mit Neonatologie Prim. Dr. Roland Berger.

Das Raumkonzept der neuen Abteilung soll die Entwicklung der Frühgeborenen und kranken Neugeborenen bestmöglich fördern. Die Eltern sollen von Anfang an eingebunden sein, sie können jederzeit bei ihrem Kind sein und beteiligen sich intensiv an der Pflege ihres Kindes. Regelmäßiges Stillen wird ebenso wie das Kuscheln und der Körperkontakt mit den Eltern ("Kangaruhing") gefördert. All dies stärkt vom ersten Tag an die Bindung zwischen Kind und Eltern und ist für die positive Entwicklung der Babys ganz entscheidend. Unterstützt wird dies von einem hochqualifizierten, multidisziplinären Team von Ärztinnen und Ärzten, Pflegemitarbeitern, Psychologen, Diätologen, Physiotherapeuten, Sozialarbeitern, Seelsorgern etc.

Es möge gut sein!

Eröffnet wird die Neonatoloie mit 10 Betten im Juli 2018, die allgemeine Kinderabteilung mit 20 Betten folgt in einem weiteren Schritt ab 2019. Im Anschluss an die Eröffnungsfeier gab es eine Gelegenheit, die noch im Aufbau befindliche Abteilung zu besichtigen.

Eröffnungsfeier der neuen Abteilung für Kinderheilkunde mit Neonatologie. St. Josef Krankenhaus, 22. Juni 2018 © Archiv 1133.at
Eröffnungsfeier der neuen Abteilung für Kinderheilkunde mit Neonatologie. St. Josef Krankenhaus, 22. Juni 2018 © Archiv 1133.at
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Eröffnungsfeier der neuen Abteilung für Kinderheilkunde mit Neonatologie. St. Josef Krankenhaus, 22. Juni 2018 © Archiv 1133.at
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Eröffnungsfeier der neuen Abteilung für Kinderheilkunde mit Neonatologie. St. Josef Krankenhaus, 22. Juni 2018 © Archiv 1133.at
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hojos
22. Juni 2018