Staubige Straßen

1900

Die zwischen 1890 und 1900 entstandenen Straßenansichten sind sehr aufschlussreich, zeigen sie doch in den meisten Fällen bereits das Vorhandensein der gepflasterten Gehsteige, die Straßenfläche ist jedoch meist noch unbefestigt. Wenn auch die Pferdefuhrwerke nicht allzu rasch fuhren, so wirbelten sie doch sicher immer wieder Staub auf, vor allem die Flitzer von seinerzeit, die zahlreichen Zeugeln. Gegen die Staubentwicklung der geschotterten und zur Reinigung der gepflasterten Straßen gab es die Spritzwägen. Jedes Jahr wurden per Stadtratsbeschluss die Verkehrsflächen und die Häufigkeit ihrer Besprengung kundgemacht.

So ist beispielweise 1901 im Verzeichnis der mit Fasswägen zu bespritzenden Straßen, Gassen und Plätze in der Section II (rechtes Wienufer) im XIII. Bezirke zu lesen, dass die Einsiedeleigasse von der Trazerberggasse bis zur Vitusgasse tgl. 2x, von der Vitusgasse bis zur Ghelengasse jedoch nur 1x tgl. gespritzt wird. Die Hietzinger Hauptstraße wurde ebenso wie die Lainzerstraße oder die Speisingerstraße (diese aber nur bis Nr. 93) täglich 2x gespritzt, die Nebengassen hingegen nur einmal täglich. Ausnahmen: Wattmanngasse, Tirolergasse, Gloriettegasse und Trauttmansdorffgasse. Hing das möglicherweise mit Bewohnern dieser Gassen zusammen wie z.B. Katharina Schratt?
Im Bild vermutlich die drei Kinder des Ehepaares Karl und Maria Senk. Das Ehepaar Senk hatte das Haus 1916 vom Ober St. Veiter Verein zum Besten armer Kinder gekauft, das Foto muss also darnach entstanden sein, aber die Straße war nach wie vor unbefestigt. © Bezirksmuseum Hietzing
Interessant ist die Anmerkung dieser Verordnung betreffend des Wasserbezuges. Es werden die mit Gasmotorenbetrieb ausgestatteten Schöpfwerke in der Gallgasse und der Trauttmansdorffgasse ebenso wie die Schöpfbrunnen mit Handbetrieb bei den Feuerwehrdepots, in der Hackinger Au und in der Lainzerstraße beim Jesuiten-Collegium angeführt. Wobei festgehalten wird, dass das Wasserschöpfen aus den Brunnen mit Handbetrieb der Contrahent für die Straßenspritzung auf seine Kosten zu besorgen hat, den Betrieb der Schöpfwerke (mit Motoren) besorgt die Gemeinde auf ihre Kosten. Ebenso sind die Hydranten der Wientalleitung (Nutzwasser) verzeichnet. Für den Bereich Ober St. Veit waren diese nur in der Auhofstraße und zwar vor Nr. 118, 133, 160 und 178. Das Verzeichnis von 1915 zeigt, dass alle Straßen mindestens 2 mal täglich mittels Sprengwagen oder Schlauchkarren bespritzt werden, die Hauptstraßen sogar dreimal. An Sonn- und Feiertagen wurde auch die Ghelengasse vom Stock im Weg bis zu Dolls Weinschank, der heutige Lindwurm, in die Betreuung einbezogen. Die Schöpfbrunnen und Schöpfwerke gab es nicht mehr, dafür eine lange Liste "Hochquellen-Hydranten".

Felix Steinwandtner
2001