Ghelengasse 13

Konskriptionsnummer 242, EZ 670
01.03.2007

Allgemeine Beschreibung

Das Baujahr des Hauses wirft Fragen auf. Im Grundbuch wird eindeutig 1892 als Jahr der Erbauung angemerkt, und auch die Wertsteigerung der Liegenschaft zwischen 1884 (Verkauf um 500 Gulden) und 1899 (Verkauf um 14.000 Gulden) weist ungefähr auf diese Zeit. Dem widerspricht aber die relativ niedrige Konskriptionsnummer CN 242, denn im Jahr 1892 wurden Konskriptionsnummern weit über der CN 350 vergeben. Darüber hinaus haben bereits die Volkszählungen 1869 und 1880 für das Haus CN 242 Bewohner dokumentiert, noch dazu sehr prominente: 1869 soll dort der deutsche Jurist, Schriftsteller und politische Aktivist Adam Trabert mit seiner Familie gewohnt haben. Sein Sohn Wilhelm Trabert wurde ein bekannter Meteorologe, nach dem in der SAT-Siedlung sogar eine Gasse benannt ist.

Aber das kann nicht stimmen. Adam Trabert selbst gibt dazu einen kleinen Hinweis in seinen "Historisch-literarischen Erinnerungen" aus dem Jahr 1912: Demnach habe er, als er nach Wien geflüchtet und seine Familie 1868 nachgekommen war, wohl eine Wohnung in "Neu-Hitzing" (damit meinte er Ober St. Veit) genommen, allerdings war sein nächster Nachbar der K.K. Polizeikommissär Stehling. Ein Albert Stehling, "K.k. Polizei u. Directionsactuar bei der Wiener Polizeidirection im activen Staatsdienste" samt Familie ist in der Volkszählung 1869 dokumentiert, interessanter Weise im Haus mit der darauffolgenden CN 243. Dieses Haus sollte später allerdings die Ordnungsnummer Bergenstammgasse 5 bekommen und lag damit weit von der Ghelengasse entfernt. Daraus kann nur angenommen werden, dass die CN 242 früher einem Haus in der Bergenstammgasse zugeteilt war und erst später auf das Haus in der Ghelengasse übertragen wurde. Als korrektes Baujahr ist somit 1892 (möglicherweise schon 1891) anzunehmen.

Als ursprünglicher oder früherer Zweck des Hauses wird eine Milchmeierei kolportiert. Die vorhandenen Unterlagen geben dazu keine Hinweise. Zwar war die Erbauerin Juliana Böck Milchbäuerin in der Glasauergasse 22 (CN 83) und eine verwandte Nutzung des Objektes ist denkbar, meist dienten solche Objekte aber eigenen oder fremden Wohnzwecken (z.B. für Sommergäste). Natürlich ist eine teilweise Nutzung als Ausflugslokal (siehe Kellertreppe in den Garten) denkbar. Die Erinnerung an eine Milchmeierei kann aber auch auf den vor dem Zweiten Weltkrieg im Hause wohnenden Herrn Kovar zurückzuführen sein: Er hatte als Berufsbezeichnung "Schweizer" angegeben. Ein Schweizer ist ein Pächter oder der Leiter einer Meierei. Es ist zwar anzunehmen, dass er in dem Haus nur wohnte und den Beruf anderswo ausübte, ein von ihm betriebener kleiner Milch(Produkte)handel im Hause ist aber nicht auszuschließen.

Die Besitzer laut Grundbücher

1877
Pollak Leopold, Realitätenbesitzer in Hernals, Mitterberggasse 29 ; Grundstückstausch
1877 art. 2522 prs 31.8.1877 Z 16072 ; Tauschvertrag vom 24.8.1877; Vorbesitzer waren Gerstner Lukas und Anna, Schuhwarenfabrikanten in Hernals, Hauptstraße 22. Herr Leopold Pollak hat das Haus Nr. 680 in Hernals gegen das Haus Nr. 49 in OSV auf der Bauparzelle 77a (68 8/10 Quadratklafter) nebst dazugehöriger Parzelle 77b (68 Quadratklafter) und Parzelle 1103 in der Karingau (273 92/100 Quadratklafter) inneliegend im Grundbuch St. Veit B fol 49 und einen weiteren Weingarten in der Karingau Parzelle 1102 (237 6/10 Quadratklafter) im Grundbuch St. Veit D fol 21 getauscht.

1884
Böck Jacob und Juliana, Hausbesitzer in Ober St. Veit Nr. 83; Kauf
1884 art.105 pr 10.1.1884 Z 1030; Kaufvertrag vom 18.1.1884; Einlage 670, Parz 852 Wiese per 268 Quadratklafter und Parz 853 Wiese per 289 Quadratklafter in Neu Kräften zu Ober St. Veit um 500 Gulden öw

1886
Böck Juliana; erbt die 1/2 des Böck Jakob
13.5.1886 Z 7128; Einantwortung vom 1.5.1886 Z 6436;

1892
Abänderung der Parzelle 853 Wiese in Bauarea und Anmerkung der Erbauung des Hauses CN 242 auf dieser Parzelle
Präs. 3.12.1892 Z. 24191; Anmeldungsbogen Nr. 61/1890 und Note des Magistrats Bezirksamtes XIII Bezirk in Wien; weiters wird die Parzelle 852 Wiese hier ab und von der Parzelle 853 145,70 ab und der Parzelle 854 Wiese Einlage 671 zugeschrieben (diese EZ wurde 1915 wieder der EZ 670 zugeschrieben)

1899
Woral Johann, Damenschneider in Wien 7, Siebensterngasse 58 und Franziska, geb. Martinu; Kauf
5.9.1899 Z 3162; Kaufvertrag vom 5.9.1899; KP 14000 Gulden, bar bezahlt. Herr Woral hatte vier Töchter (Leopoldine, Auguste und Maria, der Name der vierten ist nicht bekannt - gab es diese überhaupt?). Maria war die einzige Tochter mit Nachkommen und Großmutter des späteren Mitbesitzers Herbert David, geb. 17.1.1942

1908
Das Haus wird aufgestockt 
laut Angaben und Unterlagen der Familie

1922
Woral Leopoldine (Private), Glasauer Auguste (Magistratsbeamtenswitwe), David Maria (Landesbeamtenswitwe); erben die Hälfte des Woral Johann (recte Voral, gest. 16.2.1922)
21.12.1922 Z 2784; Einantwortungsurkunde vom 22.11.1922; Die Witwe Woral Franziska erhält das lebenslängliche Fruchtgenussrecht. Woral Johann hatte auch ein Haus in der Lerchenfelderstr. 52. Alle Töchter wohnten in der Ghelengasse 13

1923
David Maria; belastet ihren Anteil
8.11.1923, Z 2789; David Maria nimmt mit Schuldschein vom 11.9.1923 von Whyte Arnold J. ein Darlehen von K 120.000.000,-- mit 36% Zinsen p.a. auf und verpfändet ihren Anteil

1924 
Anmerkung der 'fideikommissarischen Substitution'
2.7.1924 Z 2029; ergänzte Einantwortungsurkunde vom 27.11.1923, Testament vom 24.2.1916 ; zugunsten der Nachkommenschaft der Woral Leopoldine, Glasauer Auguste, David Maria

1925
Whyte Arnold J; der Zuschlag des Anteiles der David Maria zu seinen Gunsten wird angemerkt
22.7.1925 Z 2834; nicht im Urkundenbuch

1925
David Maria; der Versteigerungstermin ob ihres Anteiles wird angemerkt
13.6.1925 Z 2296

1926
Whyte Arnold J ; Einverleibung des Eigentumsrechts am 1/6 der David Maria
23.2.1926 Z 934: E2/25: Gemäß § 237 E.O ; nichts im Urkundenbuch

1930
Woral Leopoldine; kauft den Anteil des Whyte Arnold J
18.12.1930 Z 5604; Kaufvertrag vom 26.11.1930; KP S 12.000,-- zu bezahlen in 7 Jahresraten à S 1500.-- bis 1938, Veräußerungsverbot

1932
Woral Leopoldine (Hilfsarbeiterin); erbt den Anteil von Glasauer Auguste
19.1.1932 Z 284; Einantwortungsurkunde v. 2.12.1930; Woral Franziska und David Maria haben verzichtet (Fiduziaerbin, gest. 20.5.1930), Veräußerungsverbot

1941
Woral Leopoldine 1/6 (mit der Beschränkung der fideikommissarischen Substitution zugunsten der Enkel David Herbert und Weinhold Editha), David Maria 1/18, David Herbert (5/36) und Weinhold Editha, geb.David (5/36); erben die Hälfte der Woral Franziska (gest.1.1.1940)
13.6.1941 Z 1443; Einantwortungsurkunde v. 5.5.1940; Veräußerungsverbot lt.Testament der Woral Franziska

1945
Weinhold Editha, Kontoristin, Auhofstraße 180 und David Herbert, Hauptwachtmeister der Feuerschutzpolizei, Wien 14, Goldschlagstr. 160; erben das 1/8 der David Maria Antonia (gest. 22.8.1944)
2.10.1945 Z 449 ; Einantwortungsurkunde v. 15.12.1944; wie alle bisherigen Erbfälle ohne Rechtswohltat des Inventars

1949 
Zubau zum Wohntrakt
Z 2369/49, Mappe in 2322/49; Anmeldungsbogen 71/49; Die Baufläche auf Parz 853 (Numehr 851/1 und 853/2) vergrößert sich von 3a 50m2 auf 3a 71m2

1953
David Herbert und Weinhold Editha (sie besitzen nun je 1/2); erben die 4/6 der Woral Leopoldine (gest. 17.3.1952)
14.11.1953 Z 2551; Einantwortungsurkunden v. 16.2.1952 und 24.2.1953

1967
David Margarethe, Herbert und Günter je 1/3; erben die 1/2 des David Herbert
30.8.1968Z 4281; Einantwortungsurkunde v. 26.2.1968

Die Bewohner lt. Lehmanns Wohnungsanzeiger 1936

W 1 - 1 : Woral, Franziska;
Hausbesitzerin
W 2 - 1 : Dietrich, A.;
Ing. Konstrukteur
W 3 - 1 : Fuld, Ch.;
Generaldirektor
W 4 - 1 : Hawle, M.;
Bediensteter
W 5 - 1 : Kovar, F.
Schweizer

Historische Bilder

Ghelengasse 13 und Umgebung knapp nach 1892. Die Gesamtansicht der Region mit Blick vom Gemeindeberg zeigt die noch dünne Verbauung. Links in der Mitte das Haus CN 242, heute Ghelengasse 13, knapp nach der Errichtung. Es war der erste Wohnbau in diesem Bereich. Das kleinere Haus rechts ist das ca. 1897 erbaute und ebenfalls noch heute bestehende Haus Seifertstraße 10. An der Stelle des Schuppens hinter dem Haus Ghelengasse 13 wurde später der Hubertushof errichtet. Seifertstraße und Veitingergasse sind noch nicht angelegt, im Vordergrund der Stock im Weg ist noch eine Schotterstraße. © Archiv 1133.at
Ghelengasse 13 knapp nach 1892. Ein Ausschnitt des vorigen Bildes mit dem Haus CN 242. © Archiv 1133.at
Ghelengasse 13. Die Familie Woral 1905 beim Kegelspiel im Garten des Hauses. © Archiv 1133.at
Ghelengasse 13. Foto des Hauses kurz vor der Aufstockung 1908. Blick aus südlicher Richtung. © Archiv 1133.at
Ghelengasse 13. Ein Teil des Einreichplanes zur 1. Aufstockung des Hauses 1908. © Archiv 1133.at
Ghelengasse 13. Foto von Frau David Maria, geb. Woral mit den Kindern Herbert (geb. 1910) und Editha aus dem Jahr 1915. Der Vater der Kinder war ein Offizier. © Archiv 1133.at

Quellen:
Grundbuch; Interview mit Herbert David;

hojos
im März 2007