Ober St. Veit

Das Duo de Zwa präsentierte seine neue CD.
30.10.2015

Wer gut musiziert, macht auch dann und wann eine CD, und wer eine CD macht, der will sie auch präsentieren. Waschechte Wienerliedinterpreten bitten zu diesem Zwecke gerne zum Heurigen. Solche mit einem gewissen "Faible für Ober St. Veit" wie das Duo de Zwa laden natürlich zum Heurigen Schneider-Gössl in die Firmiangasse 11.

Aus regionaler Sicht gibt es keine bessere Wahl. Das uralte Gemäuer an dieser Adresse beherbergte über Jahrhunderte Weinbauern und seit mehr als 100 Jahren einen Heurigen oder einen heurigenähnlichen Gastbetrieb. An den Heurigen „Döltl“ können sich ältere Ober St. Veiter noch erinnern.

Der Heurige Döltl vor 100 Jahren im Jahr 1915. Rechts hinter dem Gitarrenspieler ist das Wirtsehepaar Carl und Josefa Döltl zu sehen. Ein Trio bestehend aus Violine, Harmonika und Kontragitarre war die gängige Wirtshausmusik. Die Gaststube beherbergte immer wieder prominente Künstler wie den Komponist Oskar Schima („Mamatschi, schenk mir ein Pferdchen...“). © Bezirksmuseum Hietzing

1956 begann die Ära der Frau Helene Gössl und 1977 übernahm deren Tochter Magdalena den Betrieb. Sie führt ihn bis heute als Heurigen "Schneider-Gössl". Genauso alt wie die Wirtshaustradition an diesem Ort ist auch die Pflege des Wienerliedes. "Mamatschi, schenk mir ein Pferdchen" ist wohl einer der treuesten Begleiter dieses langen Weges, es wurde vor 100 Jahren gespielt und genauso vom Duo de Zwa während seiner CD-Präsentation.

Hier entstanden auch Lieder mit Regionalbezug, wie vor allem die heimliche Hymne Ober St. Veits "I hob halt ein Faible für Ober St. Veit", komponiert vom Duo Tschapek in Schneider-Gössls Gastgarten. Das älteste Lied dieser Art dürfte das zu Ostern 1920 erstaufgeführte und dem lieben Wirten und seinen Gästen gewidmete Döltllied mit einem Text von Franz Slawik und der Musik von Jaques Jelinek sein:

...
Ja zum Döltl nach St. Veit
Ziagt's mi hin jederzeit,
Denn so gmüatlich, wie dort
Find' ma' selten an Ort
...

Ganz in diese Tradition ist auch die bemerkenswerte CD-Präsentation vom 30. Oktober 2015 einzuordnen. Othmar Franke (Kontragitarre) und Fritz Hayden (Harmonika) gaben einen schönen Querschnitt durch das Wienerlied. Diesmal wurden sie kongenial ergänzt durch Wolfgang Radner, von bürgerlichem Beruf mehrfach ausgezeichneter Augenarzt. Das Duo de Zwa führte uns in schlafwandlerischer Sicherheit zur Wiener Urheimat, und Wolfgang Radner ließ uns dort mit eigenen Texten den Blues spüren. Und aus dem Duo wurde – fast nach alter Tradition – ein Trio. Für absolute Kurzweil sorgte die einfühlsam und komödiantisch verbindende Moderation des ORF-Sprechers Michael Schrenk.

CD-Präsentation des Duos de Zwa am 30. Oktober 2015. Othmar Franke, Magdalena Schneider-Gössl, Michael Schrenk, Wolfgang Radner und Fritz Hayden während der Präsentation © Archiv 1133.at

Inhaltlich brachten die Künstler eine exakte Live-Präsentation der um € 10,– beim Heurigen Schneider-Gössl zu erwerbenden CD. Das darin natürlich enthaltene "I hab halt a Faible für Ober St. Veit" wurde um ein weiteres selbst komponiertes und getextes Regionallied ergänzt. Es heißt kurz und bündig: "Ober St. Veit". Das gab auch der Veranstaltung den Namen. Also hier die alte und (vielleicht auch) neue Hyme:

Viel kritischer klang der "Wiener Blues" von Wolfgang Radner. Er könnte die Hymne aller Denkmalschützer werden.

Und wem ist für den Erhalt der langen Tradition des Wienerliedes in dieser Gaststätte und nicht zuletzt für den Erhalt der historischen Gebäude – sie wurden im Jahr 1913 vorbildlich saniert – in erster Linie zu danken? Der Wirtin, Magdalena Schneider Gössl! Othmar Franke überreichte ihr den gebührenden Blumenstrauß.

Magdalena Schneider-Gössl. Während der Präsentation der neuen CD beim Heurigen Schneider-Gössl am 30. Oktober 2015. © Archiv 1133.at
Othmar Franke mit Blumenstrauß für Magdalena Schneider-Gössl. Während der Präsentation der neuen CD beim Heurigen Schneider-Gössl am 30. Oktober 2015. © Archiv 1133.at

hojos
31. Oktober 2015