Hausbau in Srebrenica

Ein Projekt umgesetzt von einer Minigruppe, möglich gemacht durch die Organisation von Bauern Helfen Bauern und durch eure Unterstützung – Danke!
20.08.2014

Mit etwas Glück sind Anselm Becker und ich letztes Jahr auf ein sagenhaftes Projekt – Hausbau in Srebrenica, geleitet von der salzburger Organisation Bauern Helfen Bauern, gestoßen. Es soll einen Abschluss darstellen, ein Abschluss unserer sechsjährigen Zeit gemeinsam mit unserer Minigruppe - wir waren begeistert und fingen mit der Organisation diverser Spendenaktionen an. Schnell merkten wir, dass uns die Strukturen, speziell in Ober St. Veit, sehr zum Vorteil wurden. So unterstützte uns einerseits die Pfarre Ober St. Veit mit dem Caritas-Ausschuss, dem Fastenessen aber andererseits auch Vereine wie die Kaufleute Ober St. Veit, JOSEV macht Theater, der Huatklub, Jugend Ober St. Veit Ansi oder Privatpersonen wie Kathja Kogelbauer und Lisi Gläser.

Am 20.08. war es nun endlich soweit. Das nötige Geld war gesammelt, unsere zwei neun Mann Busse waren beladen und bis auf den letzten Platz ausgelastet. Mit diesem immensen Zuspruch und dem damit verbundenen Vertrauen der Eltern haben wir in dieser Größe wirklich nicht gerechnet. Umso riesiger waren natürlich Erwartungen und Vorfreude – die Reise nach Srebrenica nahm ihren Anfang.

Über Budapest und Novi Sad erreichten wir am Abend den serbisch bosnischen Grenzübergang, eine Brücke, die über den Grenzfluss der Drina führte. Die zuvor ausgesprochen lebhafte Stimmung in meinem „Männerbus“, es wurde gesungen, gejubelt und gefeiert, wurde ruhiger. Als wir kurz darauf durch Portocari fuhren, das Memorial Center erkannten, zerbombte, zerschossene noch nicht wieder aufgebaute Häuser wahrnahmen, überschlugen sich unsere Emotionen. Ausgesprochen wichtig war, dass wir an diesem Ort der unfassbaren Traurigkeit später, im Rahmen einer Führung, zurückkehrten und uns ein Einblick, der Geschichtsbüchern nicht zu entnehmen ist, gewährt wurde. Doch schon die herzhafte Begrüßung von Arthur, der uns in unserer Unterkunft, die wir kurz darauf erreichten, willkommen hieß und die aufmunternden Worte unserer reizenden Betreuers Namir vor Ort, brachten uns auf andere Gedanken, und so starteten wir am nächsten Tag Richtung Baustelle. Nach einer guten Stunde über Berg und Tal, durch Steinbrüche und über unbefestigte Straßen, waren Anselm und ich erleichtert, als Namir uns mitteilte, die Autos abzustellen und den restlichen Weg zur Baustelle zu Fuß anzutreten. Wir sind wirklich froh, die Woche ohne Reifenwechseln und ohne gröbere Schäden hinter uns gebracht zu haben – wir konnten uns bis dato wirklich nicht vorstellen, was Autos alles aushalten!

Auf der Baustelle angekommen, habe ich so eine unfassbare Motivation, ausgegangen speziell von den Kids, noch nie gesehen. Nachdem wir uns bei einer Tasse Kaffee vorgestellt haben, die zwei Familien kennenlernten, ein bisschen ins plaudern gekommen waren, wollte jeder sofort anpacken, hämmern und bauen – großartig!

Ein Zeitplan wurde erstellt, die Aufgabenbereiche verteilt und Arbeiten wurden zugewiesen. Durch die relativ unkomplizierte Aufbauweise und die zahlreichen helfenden Hände gelang es uns auch, fast zum Erstaunen von Namir, beide Häuser innerhalb einer Woche fertig zu stellen. Für das eine oder andere Päuschen war natürlich auch Zeit, und da wir so viele waren, der anfängliche Enthusiasmus der jungen Generation von der doch harten Arbeit eingeholt wurde, waren diese gegen Ende immer willkommener.

Wichtig war uns, dass vorort vorhandene Ressourcen genutzt werden, die Kinder und wir gemeinsam mit den zukünftigen Hausbewohnern anpacken können und eine interkultureller Austausch entsteht. Das Holz kam aus der Region, die Kids schwangen das Werkzeug speziell im Innenausbau und der Dachdeckung – bei dieser kamen Ansi und ich schon das eine oder andere Mal ins schwitzen. Der kulturelle und zwischenmenschliche Austausch ist durch das gemeinsame Arbeiten oder das gemeinsame zusammensitzen in den Pausen von allein zustande gekommen – wunderbar!  Warmherzigkeit, Selbstlosigkeit und Offenheit bei Gesprächen, übersetzt von Hermina (17), der Tochter der ersten Familie für die wir bauten, oder beim Fußballspielen mit den zwei Burschen der zweiten Familie und speziell bei der symbolischen Schlüsselübergabe, wo man jemanden nur in die Augen schauen muss und ein warmes Gefühl der Dankbarkeit zu spüren bekommt. Es war eine unglaubliche Woche, ein Wahnsinnsabschluss und ich hoffe, dieses Gefühl der Nächstenliebe hält an, es ist ein gutes Gefühl – Danke!    

Matthias Steinmayr
im September 2014