St. Hubertus und St. Christophorus

Die Geschichte der Kirche und der Pfarre am Lainzer Tiergarten
1935

Noch im Jahre 1900 gab es im späteren Pfarrgebiet kaum Besiedlung, sondern nur Wald – und Weideland. Von Bedeutung in der Gegend war nur die Jagdresidenz der Kaiserin Elisabeth, die Hermesvilla. (Architekt: Carl Hasenauer, Eröffnung der Villa: 24. Mai 1886)

Die Stadt Wien wollte sich ausdehnen, und neue Siedlungen entstanden dort, wo der Boden noch billig war. Außerhalb des Gemeindegebietes lockten die unbebauten Gründe des Lainzer Tiergartens. Auf Grund von Pachtverträgen Wiens mit Niederösterreich wurden in den Jahren ab 1920 die Siedlung „Auhofer Trennstück SAT“ auf dem Gebiet der Gemeinde Mauer gebaut. Und ab 1921 die Siedlung „Friedenstadt“, auf dem Gebiet der Gemeinde Hadersdorf-Weidlingau gegründet.

Dass viele hundert Familien, die eben erst dabei waren, mühsam eine neue Bleibe zu schaffen, den Wunsch nach einem nahen Gotteshaus hegten, war bemerkenswert. Es fanden sich tatkräftige Männer und Frauen, die in freien Stunden neben dem Bau am eigenen Haus auch für eine Kirche arbeiteten.

Die erste Messe wurde am 19. April 1931 in einem Teil einer Baubaracke abgehalten. Diese befand sich in der Nähe des heutigen Seniorenheimes „Föhrenhof“, Dr. Schoberstraße 3. Eine Gedenktafel zeigt den Standort und erinnert an die Gründung. Nach und nach wurden Glocken angeschafft, ein Turm errichtet und der Bau zu einer Notkirche erweitert. Trotzdem mussten viele Besucher die Sonntagsmessen wegen Überfüllung im Freien mitfeiern.

Die Notkirche im Siedlungsgebiet Lainzer Tiergarten im Jahr 1932. © Heimatrunde St. Hubertus
Gedenkstelle vor dem Seniorenheim "Föhrenhof" an der Dr.-Schober-Straße. Fotografiert am 5. Februar 2015 © Archiv 1133.at
Gedenktafel vor dem Seniorenheim "Föhrenhof" an der Dr.-Schober-Straße. Sie erinnert an die einstige Notkirche. Fotografiert am 5. Februar 2015 © Archiv 1133.at

Der Hauptzugang zur neuen Siedlung führt von Lainz über Speising und entlang der Hermesstraße ins Grätzel. Pfarrer Anton Schreffel von der Pfarre Lainz-Speising sah nicht tatenlos der Entwicklung zu, sondern wandte sich an Kardinal Friedrich Piffl wegen Unterstützung zum Bau einer „echten“ Kirche im Lainzer Tiergarten. Schreffel beauftragte mit der Planung und dem Bau zwei junge Architekten: Dipl. Ing. Georg Lippert und Ing. Dr. Kurt Klaudy.

Am 10. Juni 1935 konnte der erste Spatenstich für die neue Kirche St. Hubertus und St. Christophorus unter der Teilname von Kardinal Dr. Theodor Innitzer gefeiert werden. St. Hubertus erinnert an das ehemalige Jagdgebiet, St. Christophorus wurde gewählt, weil es in Wien keine ihm gewidmete Kirche gab.

Spatenstich zur Kirche St. Hubertus und Christophorus am 10. Juni 1935. Kardinal Dr. Theodor Innitzer weiht den Grundstein. © Heimatrunde St. Hubertus

Bereits am 15. November des gleichen Jahres wird die feierliche Konsekration begangen. Erste Seelsorger waren P. Antonius und P. Ferdinand vom Orden der Nazarener. Die Kirche wurde als Expositur der Pfarre Lainz geführt.

Die Einweihung der Kirche St. Hubertus und St. Chrisotphorus am 15. November 1935. © Heimatrunde St. Hubertus

1936 übernahmen die Pallottiner die Betreuung der Pfarre. Zum ersten Rektor wurde Josef Jakob Wilhelm Lappas bestimmt.

Die Kirche St. Hubertus und St. Christophorus im Jahr 1936. Im Hintergrund der Lainzer Tiergarten mit der Hermesvilla. © Heimatrunde St. Hubertus
Eröffnung der Dr.-Schober-Straße am 11. Oktober 1936. © Heimatrunde St. Hubertus

Mit dem politischen Umbruch 1938 kam das Grätzel der Siedlungen beim Lainzer Tiergarten von Niederösterreich zur Gemeinde Wien. Das erzbischöfliche Ordinat legte mit 30. Dezember 1938 unter der Zahl 6943/1938 die neuen Pfarrgrenzen fest: Wittgensteinstraße – Tiergartenmauer – Hörndlwald – Hermesstraße – Speisingerstraße. Damit waren die Betreuungsgrenzen zu den Nachbarpfarren Lainz, Mauer und Maria Brunn (Lainzer Tiergarten) fixiert. 

1939 wurde St. Hubertus zur Pfarre erhoben.

1942 mussten auch die drei Glocken entbehrt und zur Herstellung von Kriegsmaterial abgeliefert werden.

1944 erfuhr die Pfarre den Ernst des Luftkrieges. 96 Bomben gingen in der Umgebung nieder. Zum Glück fielen die meisten auf freies Gelände im Lainzer Tiergarten.

Anfang 1945 wurden bei Fliegerangriffen dennoch die Fenster der Kirche schwer beschädigt. Am 8. April 1945 marschierten die Russen ein und Artilleriegeschoße trafen und beschädigten die Vorderfront der Kirche.

So schwer die Zeiten auch 1946 waren, das Pfarrleben entwickelte sich wieder. Es galt die Kriegsschäden zu beheben. Um finanzielle Mittel zu haben, wurden im Pfarrsaal Theaterstücke aufgeführt. Vom Reinertrag wurden u.a. Kirchenfenster angeschafft.
Im März 1946 wurde der von der akad. Bildhauerin Mea von Bratusch geschnitzte Marienaltar geweiht. Von ihr stammen auch die holzgeschnitzten Figuren des hl. Franziskus, der Klara, der Therese v. Lisieux und des Judas Thaddäus.

1947 wird von der Pfarre ein Kindergarten eingerichtet.

1953 und 1954 konnten vier Glocken erstanden werden, die an eine neue Läutemaschine angeschlossen wurden.

1966 erfolgte die Einweihung des neuen Kindergartens, Pfarrsaales und Jugendheimes nach Plänen von Arch. Ing. Walter Dürschmid.

1974 eröffnete Erzbischof Dr. Franz Jachym den Neubau des Pfarrhofes in der Kardinal-Piffl-Gasse, geplant von Arch. Ing. Walter Dürschmid.

1977 wurde der Altarraum mit Arbeiten von Manfred Stubmann umgestaltet und die Hauskapelle im Pfarrhof eingerichtet.

Der Altarraum der Kirche St. Hubertus und St. Christophorus. Das Altarbild stammt von Karl Engel, die seitlichen Fresken von Dr. Hans Becker. © Heimatrunde St. Hubertus
Das Altarbild der Kirche St. Hubertus und St. Christophorus. Ein Fresko von Karl Engel. © Heimatrunde St. Hubertus

Im Mai 1992 beginnt die intensive Betreuung von Flüchtlingen, die im „Afritschheim“ der Volkshilfe (Hörndlwald) untergebracht waren. Ab Juni 1992, zur Zeit des Bosnienkrieges, wird der Theatersaal unter der Kirche in Flüchtlingswohnungen umgebaut.

Im April 1996 wird die neue Orgel aus der Werkstätte des Passauer Orgelbauers Eisenbarth eingeweiht.

Der Orden der Pallottiner leitet auch heute noch die Pfarre St. Hubertus am Lainzer Tiergarten.

Hinweise zur künstlerischen Gestaltung:

Karl Engel: Altarbild, Fresken der Pfarrpatrone St. Hubertus, St. Christophorus
Dr. Hans Becker: Altarraum, seitliche Fresken
Prof. Alexander Brunner: Rundfenster
Mea von Bratusch: Marienaltar
Manfred Stubhann: Tabernakel, Ambo, Kerzenständer

Die Kirche St. Hubertus und St. Christophorus fotografiert am 27. September 2014:

1130 Wien, Kardinal-Piffl-Gasse 2
Tel. 888 12 51

Quellen:
Festschrift 50 Jahre St. Hubertus + Christophorus

Ing. Christian Gold, Heimatrunde St. Hubertus
Eingestellt am 27. September 2014