Die k.u.k. Bunkeranlagen im Lainzer Tiergarten

Von Hans F. Popp
12.12.2013

100 Jahre alt werden sie demnächst, diese stummen Zeitzeugen aus Stahlbeton. Gut versteckt im Buchenwald, unmittelbar neben den stark frequentierten Wanderrouten. Diese letzten Zeitzeugen aus dem Ersten Weltkrieg (WK I) sehen noch immer bizarr aus – trotz teilweiser Sprengung oder Verfalls. Da sich auch die Natur bereits ein Stück zurückgeholt hat, finden diese Reste des ehemaligen „Brückenkopf Wiens" im Lainzer Tiergarten unsere historische Wertschätzung.

Schon im WK I fürchtete man einen Angriff auf Wien. Deshalb wurden zwischen 1914–18 drei Brückenköpfe im Umfeld der Donaubrücken Krems, Tulln und Wien als temporäre Verteidigungslinien geplant bzw. gebaut.

Der „Brückenkopf Wien 1914" – so die offizielle Bezeichnung – hatte die strategische Aufgabe, die im Westen Wiens vorbereiteten und ausgebauten Stellungen gegenüber einem möglichen Aggressor rasch in Verteidigungsbereitschaft zu versetzen. Zu den geplanten und ausgeführten Abwehrmaßnahmen zählten u.a. Abschnittsbereiche, Haupt- und vorbereitete Artilleriestellungen, Abschnittsmunitionsmagazine (Bereich Speising) und ausgewiesene Stellungsräume. Wie diese vorbereiteten Verteidigungslinien bereits 1914 strategisch richtig eingeschätzt wurden, zeigte sich leider 31 Jahre später. Beim WK-II-Kampf um Wien erreichte die Rote Armee am 5. April 1945 nach einem südlichen Schwenk den westlichen Stadtrand. Die Bereiche Tullnerbach, Preßbaum und der „Lainzer Tiergarten" wurden praktisch kampflos von der Roten Armee besetzt. Das deutsche Kommando erfasste damals zu spät, dass der Hauptstoß gegen Wien nicht vom Süden her erfolgte, wo starke Verteidigungslinien aufgebaut waren, sondern aus dem Westen. Das ist historisch wichtig, da die meisten noch bestehenden Kriegsrelikte im „Lainzer Tiergarten" dadurch leichter dem richtigem Zeitraum zugeordnet werden können.

Im ersten Weltkrieg wurde am Kaltbründlberg ein militärischer Beobachtungsturm aus Holz errichtet (heute Hubertuswarte). Damit wurde am höchsten Berg von Hietzing ein ausgezeichneter Fernblick, speziell nach Westen, geschaffen. Im unmittelbaren Bereich der „Hubertuswarte" stehen heute noch die „Einmann" Wach- und Beobachtungsbunker als Schutz für die Soldaten. Im WK II wurde diese Bunkerart als „Splitterschutzzellen" bezeichnet. Mit diesen zylinderförmigen Betonunterständen wurden auch die Brückenköpfe Krems, Tulln und Wien ausgerüstet.

Die vorhandenen Lauf- und Schützengräben zeigen uns die Verteidigungslinien nach fast hundert Jahren immer noch nachvollziehbar an. Etwas schwieriger gestaltet sich die Besichtigung der Kompaniebunker. Zwei dieser granatsicheren großen Mannschaftsbunker wurden errichtet, einer davon wurde gesprengt und abgetragen.

Literatur: Bertrand M. Buchmann „Befestigungen an der Donau in Österreich"; Heft 42 der MHS; ISBN 3-215-04300-9

Eingestellt von hojos
im Dezember 2013