Vor 50 Jahren wurde das Hietzinger Heimatmuseum eröffnet

Carl Muck berichtete von der Entstehung des Vorläufers des heutigen Bezirksmuseums Hietzing in einer Beilage zur Wiener Zeitung.
1956

Als im Jahre 1949 der damalige Bezirksvorsteher Chefredakteur Otmar Hassenberger eine Reihe gleichgestimmter Männer und Frauen, darunter auch dem Verfasser dieser Zeilen, gegenüber dem Gedanken Ausdruck verlieh, dass ein Bezirk mit einer historischen Vergangenheit wie Hietzing ebenso ein Heimatmuseum besitzen könne wie viele andere Wiener Bezirke, fand er allgemeine Zustimmung. Die Schaffung eines Proponentenkomitees, die Einreichung der Satzungen (ein jedes Heimatmuseum ist bekanntlich in die Rechtsfigur eines Vereines gekleidet), die erste Generalversammlung – und das Hietzinger Heimatmuseum hatte Bestand – vorläufig allerdings nur am Papier.

Während die damals schon eröffneten acht Bezirksmuseen Wiens von früher her über einen festen musealen Fundus verfügten, besaß das Hietzinger Heimatmuseum weder Geld noch Mitglieder und schon gar keine musealen Gegenstände und war somit gezwungen, aus dem Nichts etwas zu schaffen. Da waren es zu allererst die in der Gruppe für Kultur und Volksbildung, die der Amtsführende Stadtrat Hans Mandl leitet, vereinten Dienststellen, die mit Subvention und Zurverfügungstellung von Einrichtungsgegenständen und Museumsstücken der jungen Institution halfen, die ersten Schritte tun zu können. Diese bestanden darin, dass man durch Flugblätter, Kurzvorträge usw. bei der Lehrerschaft, den Elternvereinen und auch den Schülern das Interesse für ein Heimatmuseum zu wecken versuchte. Es dauerte Jahre, bis die ersten Erfolge zu verzeichnen waren. Der Krieg hatte hier alle Quellen im vollsten Sinne des Wortes verschüttet, und diese wieder zum Leben zu erwecken, war die eigentliche Aufgabe der Funktionäre des Hietzinger Heimatmuseums, an dessen Spitze heute Bezirksvorsteher Florian und Alt-Bezirksvorsteherstellvertreter Babor stehen.

Als Ende 1953 im Amtshause des 13. Bezirkes sogar zwei Räume durch das Auflassen der Kartenstellen frei und diese dem Heimatmuseum zugesprochen wurden, war es nach Adaptierungsarbeiten im Mai so weit, dass das Hietzinger Heimatmuseum der Öffentlichkeit übergeben werden konnte. Am 24. Mai 1954 nahm der Bürgermeister der Stadt Wien Franz Jonas die Eröffnung vor, besichtigte mit dem gleichfalls erschienenen Vizebürgermeister Weinberger und den Amtsführenden Stadträten Mandl und Dkfm. Nathschläger das Museum und war voll des Lobes über das Geleistete.

Nun ein kurzer Gang durch das Hietzinger Heimatmuseum, das nach den im Jahre 1891 eingemeindeten Vororten Hacking, Ober- und Unter-St. Veit, Alt-Hietzing, Lainz und Speising gegliedert ist.

Im ersten Raum sehen wir an der sogenannten Schönbrunner Wand unter anderem, wie sich ursprünglich J. B. Fischer von Erlach das kaiserliche Lustschloss (Kupferstich von Delsenbach) vorstellte, für dessen Verwirklichung aber selbst einer Kaiserin Maria Theresia das nötige Geld fehlte. Der Hofarchitekt Anton Freiherr von Pacassi brachte sodann das Schloss samt Nebengebäuden in die vollendete Form, in der wir es heute noch bewundern können (Caneletto-Bild 1759). Wo in der Fasangartenkaserne vor wenigen Monaten die wiedererstandene österreichische Wehrmacht Einzug gehalten hat, war einstmals nur kaiserliches Jagd­revier, und eine Jagdhütte mit Jägern (1879) ist als Bild an der Wand zu sehen. In der Vitrine an der Fensterseite liegt ein kleines Holzkreuz mit metallenem Korpus; das Holzkreuz ist aus den Planken der Fregatte Novara gefügt, die bekanntlich in den Jahren 1857–1859 die Welt umsegelte und 1867 den Leichnam des in Mexiko erschossenen Erzherzog Maximilian unter dem Kommando des Admirals Tegetthoff heimführte. Aus Alt-Hietzing, dessen Erinnerungsstücke ebenfalls im gleichen Raum beherbergt sind, seien nur hervorgehoben das Dommayersche Kasino, wo Johann Strauß (Sohn) seine ersten Triumphe feierte und dort stand, wo sich heute das Parkhotel Schönbrunn in der Hietzinger Hauptstraße Nr. 12–14 erhebt, und der Gasthof „Zum schwarzen Hahn". Erinnerungen an die große Tragödin am Wiener Burgtheater Charlotte Wolter (Gräfin O'Sullivan), wie ihre nicht geringere Gegen­spielerin Katharina Schratt (Baronin Kiss von Itebe), sind hier an der Wand zu sehen. Das solide Biedermeierhaus Gloriettegasse 9/Ecke Wattmanngasse mit einem prachtvollen bis zur Weidlichgasse sich hinziehenden Park mit uraltem Baumbestand stand im Eigentum der Schratt und war durch Jahrzehnte das Buen Retiro des greisen Monarchen Franz Joseph.

Doch weiter zum nächsten Raum, wo man an der Wand mit der Beschriftung „Lainz“ die Meierei Wambacher zu sehen bekommt, einstmals ein beliebtes Ausflugsziel der Wiener. Dass das ebenfalls in Lainz liegende Krankenhaus der Stadt Wien (ehemals Kaiser-Jubiläums-Spital) in einem Jahr den 50jährigen Bestand feiern wird und das anschließende Altersheim dieses Jubiläum bereits vor zwei Jahren feierte, ist vielen sicher nicht unbekannt. Bei Ober St. Veit, dem wohl landschaftlich schönsten Teile Hietzings, sei nur in Kürze vermerkt, dass von der einst hier blühenden Weinkultur soviel wie nichts übriggeblieben ist. Der Weinhütereinzug beim alten Puraner, einer ehemals in der Schweizertalstraße 4 bestandenen Gastwirtschaft, erinnert hier im Bilde daran und in natura der einzige noch existierende Weingarten des Gasthauses „Zur schönen Aussicht“ unterhalb des Ober St. Veiter Friedhofes. Nur in Schlagworten sei hingewiesen auf die „Einsiedelei“, einstmals gastliche Stätte für Nachmittagsausflüge, heute Altersheim, Dolls Gastwirtschaft „Stock im Weg“, das dem polnischen Grafen Lanckoronski gehörige „Faniteum“ mit seinem Prachtpark und den bereits der Geschichte angehörigen Ober St. Veiter Faschingszug usw. Einer Persönlichkeit besonderer Art, die in der Schweizertaistraße 16 (1857) geboren wurde und am Ober St. Veiter Friedhof (1932) ruht, ist auch in diesem Raum gedacht – des Rudolf Freiherrn von Slatin-Pascha. Das bei Brockhaus in Leipzig 1896 erschienene Werk „Feuer und Schwert im Sudan“, das hier in der Literatur-Vitrine zu sehen ist, erzählt von seinem wechselvollen Schicksal und seiner 11-jährigen Gefangenschaft von 1884 bis 1895 in der Gewalt des Mahdi. Die Stadt Wien ehrte das Andenken an diesen mutigen Österreicher, der als englischer General starb, durch Benennung eines zum Tiergarten führenden Gassenzuges in Ober St. Veit.

Auch einer zweiten Persönlichkeit sei hier Erwähnung getan, der Afrika zum Schicksal wurde, nämlich des großen österreichischen Afrikaforschers Dr. med. Emil Holub. Die Ergebnisse seiner geographischen und ethnologischen Forschungen sind in seinen beiden Werken „Sieben Jahre in Südafrika“ (1872–1879) und „Von der Capstadt ins Land der Maschukulumbe“ niedergelegt. Die im letzteren Buche geschilderte Reise in den Jahren 1883–1887 machte sein erst 18-jähriges ihm angetrautes „Röschen“ mit und ertrug mutig alle Entbehrungen und Gefahren einer damaligen Reise per Ochsenkarren und zu Fuß. Rosa Holub wurde damit ebenfalls zur Afrikapionierin und lebt seit dem bereits 1902 erfolgten Tode ihres Mannes, hochbetagt und geistig an allen Geschehnissen in Afrika interessiert, in unserer Mitte in der Wattmanngasse.

Der dritte und letzte Raum des Hietzinger Heimatmuseums ist der Kleine Sitzungssaal der Bezirksvorstehung Hietzing, dessen Wände mit Werken in Hietzing lebender Künstler geschmückt sind. Die Professoren Laserz, Lex, Nemec, Schaffran und Zakovsek sowie Hofrat Passini sind mit Ölgemälden, Aquarellen und Zeichnungen vertreten, die Motive aus Hietzing wie dem Lainzer Tiergarten zum Gegenstand haben.

Soviel sei in diesem kleinen Rahmen aus der Vielfalt von nicht weniger als fast 700 Inventarstücken herausgegriffen. Wer aber mehr um Hietzings Vergangenheit, aber auch Gegenwart wissen will, ist höflichst zum Besuch dieses jüngsten Heimatmuseums, deren Zahl in Wien unterdessen auf 14 angestiegen ist, eingeladen. Jeden Mittwoch von 14 bis 16 Uhr und Sonntag von 10 bis 12 Uhr ist das Hietzinger Heimatmuseum im Amtshaus, XIII., Hietzinger Kai 1, für jedermann ohne Eintrittsentgelt zugänglich. Schulen und Vereinen werden über vorherige Anmeldung auch andere- Besuchszeiten zugestanden.

Quellen:
Carl Muck in der Beilage zur Wiener Zeitung vom 4. März 1956

Übertragen von hojos
im März 2013, aktualisiert am 25. März 2014