Das Erzherzogtum Österreich im Mercatoratlas

Kolorierter Kupferstich, erstmals ist darin auch St. Veit an der Wien eingezeichnet.
1585

Gerhard Mercator wurde 1512 in Rupelmonde (Ostflandern) geboren, verbrachte seine Jugend in Gangelt (Jülich) und besuchte die Schule in Herzogenbusch. Auf der Universität in Löwen hatte er den angesehenen Arzt und Kosmographen Rainer Gemma Frisius (1508–1555) zum Lehrer. Schon seine ersten kartographischen Erzeugnisse waren für die damalige Zeit Spitzenleistungen. Trotz des Wohlwollens Kaiser Karls V. wurde Mercator beschuldigt, mit den Protestanten zu sympathisieren und musste für einige Zeit in den Kerker. 1552, ein Jahr nach Fertigstellung des Himmelsglobusses (dieser gehörte zum 1541 vollendeten Erdglobus), übersiedelte Mercator von Löwen nach Duisburg, wo er bis zu seinem Tod 1594 wirkte. Hier entstanden seine großen Werke, die ihn aus heutiger Sicht zum bedeutendsten Kartographen der frühen Neuzeit machten. 1554 erschien seine Europakarte, 1569 die berühmte Weltkarte in 18 Blättern, deren für Seekarten noch heute unentbehrliche Projektion seinen Namen trägt.

Seit den 1570er-Jahren beschäftigte er sich mit der Kosmographie in drei Teilen: die Entstehung der Erde nach den Berichten der Genesis, die alte Geographie als Neuauflage der ptolemäischen Karten und schließlich, die zeitgenössische Geographie, eine Sammlung von selbst verfassten Karten. Als Grundlage dafür musste Mercator auch das vorhandene Kartenmaterial anderer Zeichner heranziehen. Er verglich sie kritisch und konnte zahlreiche Fehler ausschalten. Ein weiterer Fortschritt war die auf jeder Karte vorhandene Graduierung mit Maßstab.

Die erste Karten-Lieferung 1585 stellte Frankreich, Belgien und Deutschland in 51 Blättern dar. Darunter war auch die Salzburg- und die Österreichkarte. Die zweite Lieferung 1589 umfasste auch die Steiermark. Das abgeschlossene Werk mit insgesamt 107 Karten gelangte 1595, ein Jahr nach dem Tod Mercators, auf den Markt. 1602 veröffentlichten seine Söhne noch eine zweite, erweiterte Auflage, dann gingen die Druckplatten in den Besitz des Verlags von Jodocus Hondius über.

Erstmals wurde für ein derartiges Kartenwerk der Name des Himmelsträgers „Atlas“ verwendet. Die Karten waren weitgehend schmucklos und ohne die damals üblichen Meeresungeheuer und Sagengestalten, dafür aber von größerer Genauigkeit. Sie sind bereits hinreichend modern und übersichtlich, um sich ohne nähere Beschreibung zurechtzufinden.

Die Österreichkarte zeigt das Gebiet von der Thaya bis Graz und von Passau, Mondsee bis Preßburg und ist meines Wissens die erste Karte, in der St. Veit bei Wien eingezeichnet ist, wenn auch an der falschen Seite des Wienflusses. Das folgende Icon öffnet einen von Tulln bis Hainburg reichenden Ausschnitt.

Quellen:
Österreichische Nationalbibliothek

hojos
im Februar 2013