Führung durch die temperierten Bereiche der Kartause Mauerbach bei Wien

Eine Veranstaltung der Initiative Denkmalschutz gemeinsam mit der Initiative Solarenergie. Es führte Lorenz Tributsch von der Abteilung für Konservierung und Restaurierung des Bundesdenkmalamtes.
13.02.2012

Mit dem weitläufigen Baukomplex des Kartauserklosters Mauerbach verfügt das Bundesdenkmalamt über ein ideales Objekt zur Schulung und Forschung auf dem Gebiet der Baudenkmalpflege. Unter anderem wird hier die Temperierung historischer Bauten untersucht und ausprobiert. 17 interessierte Gäste hatten sich eingefunden und mit Herrn Tributsch zahlreiche Aspekte zu diesem Thema diskutiert. Im Rahmen eines Rundganges wurde die praktischen Anwendung begutachtet und viel zur Baudenkmalpflege allgemein und natürlich auch zur Geschichte des Klosters in Erfahrung gebracht. Die Kartause Mauerbach war übrigens über Jahrhunderte hinweg ein namhafter Grundbesitzer im alten St.Veit an der Wien.

Großes Interesse bestand an der Frage, inwieweit das Ziel der Raumbeheizung durch Temperierung der Gebäudehülle (in der Regel durch zwei Heizrohre unter Putz an den Außenwandsockeln aller Geschosse) erreicht werden kann. Dieser Ansatz wird oft als Ersatz für Dämmungsmaßnahmen gesehen ("temperieren statt dämmen"). Das Bundesdenkmalamt sieht die Bauteiltemperierung als wertvolle Maßnahme bei bestimmten Gegebenheiten, wobei die Trockenlegung und Entsalzung von Mauerwerk und die Verhinderung von Kondensat im Vordergrund stehen und jede Maßnahme im Zusammenhang mit allen anderen Eingriffen in das Gebäude betrachtet werden muss. Zur Raumheizung insgesamt muss die Gebäudehüllentemperierung, die nur eine Basistemperierung gewährleisten kann, mit anderen Heizsystemen kombiniert werden, auch wenn man das Verhältnis Lufttemperatur zu Wandtemperatur opimiert.

Die Trocknung des Mauerwerks führt zu einer thermisch-energetischen Verbesserung. Eine Energieeffizienz, wie sie von modernen Richtlinien gefordert wird, kann aber mit altem Mauerwerk nicht erreicht werden. Damit wird die Wärmedämmung auch für historische Bauten ein Thema bleiben, wobei laufend verbesserte Baustoffe die Innendämmung wieder ins Spiel bringen.

Im Folgenden ein paar Fotos, die zwar wenig von der Temperierung vermitteln können, aber doch einige Aufschlüsse über den konservatorischen Ansatz des Bundesdenkmalamtes in Mauerbach geben.

hojos
Wien, im Februar 2012