Neue Flächenwidmung in Lainz

Der Entwurf Nr. 7198E betrifft das Gebiet zwischen Gobergasse, Sauraugasse, Jagdschloßgasse und Ratmannsdorfgasse inkl. dem denkmalgeschützten Haus Gobergasse 7 (Haus Michal).
19.02.2011

Am 13. Februar richtete die Initiative Denkmalschutz wegen des Entwurfes zu einem neuen Flächenwidmungs- und Bebauungsplan in unserem Bezirk eine Aussendung an den Bezirksvorsteher von Hietzing und die Mitglieder des Bauausschusses der Bezirksvertretung Hietzing. Es handelt sich um den Entwurf Nr. 7198E das Gebiet zwischen Gobergasse, Sauraugasse, Jagdschloßgasse und Ratmannsdorfgasse betreffend. Darin werden unter anderem die Baufluchtlinien des denkmalgeschützten Hauses Gobergasse 7 vom Bestand abweichend verändert.

In ihrer Aussendung weist die Initiative Denkmalschutz darauf hin, dass

  • sich der Entwurf erst seit 10. Februar in öffentlicher Auflage befindet,
  • der Bauausschuss des Bezirks bereits am 14. Februar eine abschließende Beschlussfassung vornehmen wollte,
  • bereits in der Bezirksvertretungssitzung am 9. März – noch während der bis 24. März laufenden öffentlichen Auflagefrist für die Bürger – die Stellungnahme des Bezirks beschlossen werden soll,
  • diese Fristen für eine fundierte Stellungnahme durch Betroffene zur kurz wären,
  • und daher die Mitglieder des Bauausschusses bzw. die Bezirksvertretung eine Fristerstreckung für die Stellungnahme der Bezirksvertretung beim Magistrat erwirken sollen, damit eine Stellungnahme des Bezirks erst nach der öffentlichen Auflagefrist erfolgen kann.

In der Kurzstellungnahme zum aktuellen Planentwurf (Nr. 7198E) weist die Initiative Denkmalschutz darauf hin, dass das Objekt Gobergasse 7, das so genannte Haus Michal, als einziges Haus in der Gobergasse unter Denkmalschutz steht und daher zur Bestandssicherung die Baufluchtlinien an den Bestand anzupassen sind. Außerdem werden im aktuellen Entwurf für die vorgesehenen Änderungen im Bereich Gobergasse 7 und 9 – im Gegensatz zu allen anderen beabsichtigten Änderungen – keine Erklärungen gemacht und nicht einmal auf den bestehenden Denkmalschutz hingewiesen. Wenn sogar beim historisch nicht wertvollen Haus Gobergasse 19 die Baufluchtlinien an den Bestand angepasst werden sollen, "um den Bestand zu sichern" (Zitat aus dem Erläuterungsbericht S. 4), so sollte dies umso mehr für das unter Denkmalschutz stehende Haus Michal in der Gobergasse 7 gelten!

Laut Mag. Weissenbachers "In Hietzing gebaut", Band II, S. 232–235 war das gesamte, heute von Jagdschloßgasse, Ratmannsdorfgasse, Gobergasse und Sauraugasse umgrenzte Gebiet, einst ein ummauerter Obstgarten. Bis 1928 stand er im Besitz des Theaterdirektors Gabor Steiner, Schöpfer der im Prater gelegenen Theater- und Ver­gnügungsstadt "Venedig in Wien".

Architekt Gottlieb Michal und seine Frau Rosalia erwarben zwei Parzellen (heute Gobergasse 7 und 9) des damals großteils noch unverbauten Geländes. Die Weltwirtschaftskrise zwang sie, die Parzelle Gobergasse 9 an die Familie Hans und Leopoldine Hanek weiterzugeben. 1932 wurden dann auf diesen Grundstücken die beiden heute noch bestehenden Einfamilienhäuser Gobergasse 7 und 9 nach Gottlieb Michals Entwürfen errichtet.

Die Grundstücke waren – so wie ursprünglich das gesamte Areal Jagdschloßgasse, Ratmannsdorfgasse, Gobergasse und Sauraugasse – mit einer soliden, regelmäßig von abgerundeten Zaunsegmenten unterbrochenen, Ziegel­mauer umgeben. Entlang einiger Grundstücke an der Gobergasse besteht sie heute noch, nicht aber vor der Gobergasse 7, denn dieses wurde teilweise aus den Ziegeln der alten Umfassungsmauer errichtet.

Quellen:
Initiative Denkmalschutz
Weissenbacher, Gerhard: In Hietzing gebaut: Architektur und Geschichte eines Wiener Bezirkes. Wien: Verlag Holzhausen, Band I 1996 ISBN 3-85493-004-6 und Band II 1998 ISBN 3-900518-93-9
Denkmalverzeichnis auf http://www.bda.at/

hojos
19. Februar 2011