Die Geschichte (Ober) St. Veits
Vom Anfang bis zur Eingemeindung nach Wien
Vorbemerkungen
Dieser Beitrag befasst sich mit dem Ursprung des Ortes St. Veit an der Wien und seiner Geschichte bis zur Eingemeindung nach Wien. Vorgeschichtliche, für die heutige Besiedelung irrelevante Begebenheiten werden außer Acht gelassen, dazu gibt es zahlreiche andere Beiträge auf dieser Internetseite.
Eine umfangreiche Zusammenfassung der Geschichte des 13. Wiener Gemeindebezirks Hietzing bietet das als Buch formatierte Werk mit dem Titel „ka gmahde Wiesn“. Dieses enthält im Rahmen der Ortsgeschichten aller heutigen Bezirksteile auch diejenige von St. Veit.
Die Entstehung des Ortes
Der Ursprung St. Veits (an der Wien) liegt im vorgeschichtlichen Dunkel, wobei zwischen dem Beginn der Siedlungskontinuität und der Entstehung des Ortsnamens St. Veit zu unterscheiden ist. Erstmals schriftlich nachgewiesen ist „Sankt Veit“ (lateinisch Sancto Vito) im Jahr 1195. Diese Erstnennung wird im Bericht Nr. 18 ausführlich beschrieben. Alles davor beruht auf Schlussfolgerungen. Diese früheste Beweisbarkeit des Namens sagt nichts über das tatsächliche Alter des Ortes aus. Die Vitusverehrung war in deutschen Landen bereits im 9. Jahrhundert anzutreffen und hat sich allmählich nach Osten ausgebreitet. Ein früher Kontakt mit diesem Heiligen könnte dem Bistum Bamberg entstammen, das im Jahr 1015 mit einem Gebiet in unserer Region beschenkt wurde (siehe den Beitrag zur „Godtinesfeld-Urkunde“). Demzufolge hält Heinrich Weigl die Gründung von Ort und Kirche St. Veit in der unmittelbaren Zeit nach 1015 für möglich („Siedlungsgeschichte des Wiener Raumes“, siehe zu diesem und zu allen anderen Literaturhinweisen die Literaturliste).
Bis heute wird „Godtinesfeld“ oft als Ort beschrieben, der wegen der Überschwemmungen der Wien auf eine Anhöhe verlegt und zu St. Veit wurde. Dafür findet sich kein Beleg. Als „Feld“ wird ein gerodetes Land („frei von Wald“) bezeichnet, wie es auf das Veitinger Feld zutrifft, es kann aber auch als Indikation einer herrschaftlichen Organisation gesehen werden, was wohl auf das heterogene größere „Godtinesfeld“ zutrifft.
Heinrich Weigl weist auch auf slawische Wurzeln hin. Der „Trazerberg“ sei der falsch übertragene Name eines früheren „Grazerbühel“, der sich vom slawischen „gradec“ für „kleine Burg“ ableitet. Dies spricht für eine Slawensiedlung im 8. bis 9. Jahrhundert. Für slawische Wurzeln spricht auch die Häufigkeit slawischer Ortsnamen auf der Wientalstrecke bzw. bis Gablitz und bis zum Riederberg. Die Ortsnamenforschung weist allerdings neben slawischen ebenso auf frühe in das 8. Jahrhundert zurückzuverlegende deutsche Bevölkerungsanteile hin (karolingische Einwanderung).
Josef Kraft (Aus der Vergangenheit von Ober St. Veit) nimmt in seinem Versuch, das Alter des Ortes zu bestimmen, ebenfalls den heiligen Veit als Ausgangspunkt. Das Fehlen früher Personen, die sich nach St. Veit (oder lateinisch de Sancto Vito) benannt haben – in der Regel als Zeugen für Beurkundungen – , führt ihn zu dem Schluss, dass Kirche und Ort diesen Namen frühestens um 1150 getragen haben. Der Ort selbst muss auch seiner Ansicht nach viel älter gewesen sein. Das ließe sich aus seiner Form als Grabendorf schließen, das im Allgemeinen auf die Zeit von 970 bis 1050 zurückgeht. Ein Argument für einen älteren Ursprung sind die St. Veit umgebenden Dörfer mit der Endung -ing. Deren Entstehung wird in das 9. Jahrhundert verlegt, oder sogar noch davor. Darüber hinaus waren mache dieser umgebenden Ing-Dörfer, z. B. Hacking, durch das viel größere St. Veit in ihrer Ausdehnung limitiert, was dessen früheren Bestand nahelegt. Darüber hinaus lässt die Inhaberschaft des Landgerichtes für die umgebenden Orte ebenfalls ein zumindest vergleichbares Alter St. Veits vermuten.
Ich schließe diese „Altersdiskussion“ mit einem Zitat aus Wilhelm Twerdys „Beiträgen zur Geschichte des Wienerwaldes“, in denen er sich ausgiebig mit der Besitzgeschichte St. Veits beschäftigt: „Die Feste St. Veit, beherrschend 234 m hoch, wurde am Südufer der Wien als Sperre des Eintrittes des Wientales in das Gebirge, zum Schutze der Straße nach Purkersdorf und nach Gablitz errichtet. Das Dorf wurde nach einer Pfarrkirche benannt, deren Patrozinium vorwiegend in den von Slaven besiedelten Gebieten Verwendung fand. Die Kirche kommt andererseits in den Passauer Urbaren nicht vor. Die Ansiedlung müsste eigentlich sehr alt sein.“
Ab dem 13. Jahrhundert werden Urkunden mit Hinweisen auf St. Veit häufiger. Ab dem 14. Jahrhundert geben sie auch Hinweise auf Flurnamen, die sich bis heute – teilweise in Straßenbezeichnungen – erhalten haben: Zum Beispiel am „stockigen Weg“ oder in den „Linsäckern“.
Das Ortsgebiet St. Veits war von allen heute zum 13. Wiener Gemeindebezirk Hietzing gehörenden ehemaligen Wiener Vororten das ausgedehnteste. Es reichte von den Abhängen des Lainzer Tiergartens bis zur heutigen Lainzer Straße mit dem Wienfluss als nördliche Grenze und dem „Veitinger Feld“ in seiner Mitte.
Für lange Zeit war St. Veit an der Wien der wichtigste Ort im Umkreis, bis zum Ende der Grundherrschaft war hier auch der Sitz des Landgerichtes mit der Zuständigkeit für Baumgarten, Hacking, Hietzing, Lainz, Penzing und Speising.
Die Besitzer
Das oben genannte Godtinesfeld ist in den urbarialen Aufzeichnungen des Domstiftes Bamberg über die genannte Urkunde hinaus nicht auffindbar und die Geschichtsforschung meint, dass diese Schenkung an die Vögte des Stiftes übergegangen sei, vermutlich an die Grafen von Formbach-Ratelnberg. Der Besitz sei zu entlegen gewesen oder mit dem Wechsel von Propst Poppo als Bischof nach Trier seien die persönlichen Bande zu dieser Region weggefallen.
Jedenfalls ist Formbacher Besitz in unserer Region nachweisbar und während der intensiven Besiedelung im 11. und 12. Jahrhundert war es das Grafengeschlecht der Formbacher auf Stift Göttweig, das eine Siedlungsbewegung von St. Pölten bis Purkersdorf und durch das Wiental führte. Bis zum Aussterben ihres Geschlechtes Mitte des 12. Jahrhunderts wird ihnen Besitz auf beiden Ufern der Wien bis östlich von Gumpendorf zugeschrieben. Die Babenberger, schon längst zu Markgrafen Ostarrichis aufgestiegen, wurden im Wiental erst nach dem Aussterben der Formbacher zur dominierenden Kraft.
Ab 1315 wurden die Herren von Topel als Besitzer der Feste und der Herrschaft St. Veit genannt und von diesen erwarb Herzog Rudolf IV., der Stifter, 1361 Schloss und Herrschaft. Nach Arrondierungen des Besitzes um weitere Zukäufe übertrug ihn Herzog Rudolf 1365 gemeinsam mit der Herrschaft Lainz und Speising der Domprobstei zu St. Stephan als Stiftungsausstattung.
1468 wurde aus der Domprobstei St. Stephan das Bistum Wien. Die Bischöfe und ab 1722 die Erzbischöfe blieben bis zum Ende der Grundherrschaften 1850 die Grundherren St. Veits und behielten bis 1985 das seit den Herren von Topel bestehende Patronat. Im Rahmen dieses Patronates stand dem Vorschlagsrecht zur Besetzung der Pfarrerstellen die Pflicht zur baulichen Erhaltung der Kirche gegenüber. Dem verdankt Ober St. Veit wohl auch seine prächtige Kirche.
Diese kontinuierliche Besitzgeschichte wurde zweimal unterbrochen: 1762 verkaufte Kardinal Christoph Migazzi Schloss und Herrschaft St. Veit um 85.000 Gulden an Maria Theresia. In diese Zeit fällt die von ihr angelegte direkte Straßenverbindung des St. Veiter Schlosses mit Schönbrunn, die heutige Hietzinger Hauptstraße. 1779 kaufte Kardinal Migazzi die Herrschaft St. Veit mit dem Schloss von Kaiserin Maria Theresia zurück. Der früher dazugehörige Waldbesitz verblieb aber beim kaiserlichen Waldamt Purkersdorf. Eine auf diesen Interimsbesitz zurückgehende desolate Finanzlage führte 1793–1808 zur Verpachtung der Herrschaft an einen Michael Schwinner. Dieser widmete 1803 auf dem landwirtschaftlichen Boden zwischen der heutigen Feldmühlgasse und der heutigen Hietzinger Hauptstraße einen Bauplatz für 100 Häuser zur Erschließung neuer Steuereinnahmen durch meist gewerbliche Zuwanderer: das einem eigenen Ortsrichter unterstellte Neudörfl, bald Unter St. Veit genannt.
Das wechselhafte Schicksal von Ort und Pfarrkirche
Doch bis dahin erlebte der Ort wechselhafte und oft sehr schlimme Zeiten. Dazu gehörten die Plünderungen der Söldnerheere des Königs Matthias von Ungarn bald nach 1480, vor allem aber die Türkenzüge 1529 und 1683. Völlig ungeschützt weit außerhalb der Stadtmauern waren Blutzoll und Zerstörungen für Menschen und Gebäude Ober St. Veits unermesslich. Durch Zuwanderung gestärkt erholte sich der Ort immer wieder, die Schäden an der Ober St. Veiter Pfarrkirche dürften allerdings bis zu ihrem Neubau 1742 immer nur notdürftig behoben worden sein. 1742 wurde der gotische Altbau abgerissen (bis auf Unterkirche, Altarraum und unterer Turmhälfte) und durch Erzbischof Sigismund Graf Kollonitsch die heute noch bestehende barocke Kirche errichtet. Matthias Franz Gerl war der Baumeister.
Für den Wiederaufbau und die Entwicklung des Ortes förderlich erwiesen sich die Wiener Bischöfe, die nicht nur die Grundherren waren und Kirche und Schloss erhielten, sondern das St. Veiter Schloss auch zu ihrem Sommersitz erkoren hatten.
2 Johann Wanzka, Pfarrer
3 Gemeinde St. Veit, Schulhaus
4 Georg Gaubmann, Hauer
5 Jackob Geiger, Hauer
6 Joseph Gaubmann, Hauer
7 Joseph Reiter, Hauer
8 Michael Huber, Hauer
9 Michael Pantlitschko, Hauer
10 Michael Linner, Hauer
11 Sebastian Pamstl, Hauer
12 Johann Buchhamer sen., Hauer
13 Franz Föhrmann, Hauer
14 Lorenz Schott, Hauer
15 Sebastian Puranner, Hauer
16 Joseph Eisenbauer, Hauer
17 Joseph Gaubmann, Hauer
18 Joseph Rinpold, Hauer
19 Jackob Konrad, Hauer
20 Michael Stampfer, Hauer
21 Johann Buchhamer sen., Hauer
22 Martin Preitner, Hauer
23 Anna M. Premreiner, Hauerin
24 Karl Kornprobst, Hauer
25 Anna M. Nawecker, Binderin
26 Johann Kaiser, Fleischhauer
27 Andreas Seiferth, Wirt
28 Joseph Schwab, Hauer
29 Michael Grois, Hauer
30 Martin Hickersberger, Hauer
31 Joseph Mosbacher sen., Hauer
32 Jackob Sauer, Hauer
33 August Reiter, Hauer
34 Georg Gaubmann, Hauer
35 Georg Hofkirchner, Hauer
36 Joseph Hegl, Hauer
37 Martin Gaubmann, Hauer
38 Franz Mohr, Hauer
39 Martin Pirringer, Hauer
40 Joseph Nusterer, Hauer
41 Leopold Kuster, Hauer
42 Joseph Konrad, Hauer
43 Michael Bergmann, Bestandwirth
44 Joseph Huber jun., Hauer
45 Joseph Geiger, Hauer
46 Georg Stacherl, Hauer
47 Michael Edler von Held, Wechsler in Wien
48 Johann Pohl, Schuhmacherin
49 Johann Götz, Hauer
50 Joseph Müllner, Hauer
51 Balthasar Hickersberger, Bauer
52 Jackob Hofbauer, Bäcker
53 Friedrich Richter, Hutmacher
54 Anna Maria Becker, Hauerin
55 Georg Berg, Hauer
56 Martin Gaubmann, Hauer
57 Stephan Gaubmann, Hauer
58 Franz Konrad, Hauer
59 Joseph Kuster, Hauer
60 Jakob Ehring, Hauer
61 Benedickt Schmidt, Wundarzt
62 Benedickt Schmidt, Wundarzt
63 Leopold Dorfinger, Hauer
64 Willhelm Beer, Schlossermeister
65 Lorenz Kuster, Hauer
66 Joseph Reigl, Hauer
67 Joseph Föhrmann, Hauer
68 Lorenz Höberth, Schullehrer
69 Leopold Wachner, Weissgeschirrmacher
70 Johann Bügel, Hauer
71 Georg Mutsch, Hauer
72 Georg Geiger, Hauer
73 Andreas Seitz, Gradltrager in Wien
74 Georg Fahshold, Bauer
75 Gottlieb Billy, Bauer
76 Anton Glasauer, Bauer
77 Emerenzia Glasauer, Bäuerin
78 Joseph Scherak, Buchhalter bei der Handlung
79 Michael Glasauer, Bauer
80 Michael Glasauer, Bauer
81 Martin Kuster, Hauer
82 Jackob Reigl, Hauer
83 Michael Peitl, Hauer
84 Andreas Brumer, Hauer
85 Michael Reitter, Hauer
86 Jackob Peitl, Hauer
87 Magdalena Lenz, Hauerin
88 Joseph Kuster, Hauer
89 Ignatz Huber, Bindermeister
90 Franz Jagendorfer, Zimmermeister
91 Michael Glasauer, Bauer
92 Johann Paptist Zahlkas, Regierungsrat
93 Ignaz Simon, befugter Tandler in Wien
94 Gemeinde St. Veit, Viehhirt
95 Johann Lang, Hauer
96 Joseph Mosbacher jun., Hauer
97 Jakob Nuster, Hauer
98 Andreas Seitz, Gradltrager in Wien
99 Joseph Kornprobst, Hauer
100 Joseph Pattig, Krämer
101 Anna M. Fischbacher, Tischlerin
102 Franz Konrad, Hauer
103 Johann Premreiner, Hauer
104 Domminick Schattinger, Hauer
105 Johann Mohr, Hauer
106 Johanna Kellner, Hauerin
107 Joseph Huber, Hauer
108 Leopold Pernreiter, Hauer
109 Michael Schabel, Hauer
110 Martin Rothfuchs, Hauer
111 Johann Gebharter, Hauer
112 Michael Pruckberger, Hauer
113 Anton Huber, Hauer
114 Anna Maria Kuster, Schuhmacherin
115 Leopold Kornprobst, Hauer
116 Jakob Satzer, Hauer
117 Franz Geiger, Hauer
118 Joseph Rucker, Hauer
119 Georg Bauer, Hauer
120 Gemeinde St. Veit, Zinshaus
121 Ferdinand Hörrmann, Hauer
122 Stephan Weismann, Hauer
123 Michael Kerschbaum, Hauer
124 Jakob Prinz, Hauer
125 Paul Harmansberger, Hauer
126 Erzbischof Fürst Hohenwarth, Kanzlei und Verwalterwohnung
127 Karl Eder, Wagenmeister
128 Joseph Schwe, Hoffederschmücker
129 Ignaz Baron Leykam, Wirtschaftsrat bei Fürst Ditrichstein, Feldmühle
130 Mathias Szeyderich, Sattler
131 Johann Schmidt, Freyschlächter
132 Andreas Rinpold, Hauer
133 Theresia Kokl, Hauerin
134 Michael Bauderer, Hauer
135 Michael Pfannel, Müllner
136 Lorenz Linner, Wundarzt, Baustelle
Die Lebensgrundlagen
Haupterwerbszweige der St. Veiter waren von Anfang an der Ackerbau, die Milchwirtschaft und in besonderem Maße der Weinbau. Den intensiven Weinbau für die gesamte Klippenzone des Wienerwaldes bestätigt unter anderem die Wienkarte von Georg Matthäus Vischer aus dem Jahr 1670. Als nennenswerter Exporteur landwirtschaftlicher Produkte ist St. Veit an der Wien allerdings – mit Ausnahme der später besonders florierenden Milchproduktion – niemals aufgefallen.
Einen Eindruck von der Zusammensetzung der Flächen gibt die folgende Tabelle aus dem Protokoll zum Franziszeischen Katasterplan 1820. Mit großer Wahrscheinlichkeit ist darin noch die mittelalterliche Flächennutzung erkennbar.
| Art | Joch | Klafter |
| Bauparzellen | 14 | 20,72 |
| Obstgärten | 19 | 15,21 |
| Gemüsegärten | 1 | 582,18 |
| Ziergärten | 1 | 1414,61 |
| Englische Anlagen | 1 | 70,95 |
| Hutweiden | 60 | 1182,51 |
| Schafweiden | 7 | 423,69 |
| Wiesen | 269 | 536,93 |
| Acker | 232 | 1407,15 |
| Weingarten | 123 | 1268,45 |
| Gstetten | 15 | 1424,56 |
| Schottergruben | 0 | 105,6 |
| Steinbrüche | 0 | 543,4 |
| Teiche und Lacken | 0 | 1497,82 |
| Gottesacker | 0 | 323,4 |
| Wald | 6 | 1085,35 |
| Wege und Straßen | 34 | 847,28 |
| Fluss und Bachparzellen | 29 | 564,65 |
| Gesamtes Area berechnet | 820 | 514,46 |
Ein Teil der Weingärten, der Äcker und des Waldes war schon in frühesten Zeiten in auswärtigem Besitz, diesbezügliche Eigentümer waren die Kartause Mauerbach, Wiener Spitäler, Kirchen, Bürger etc.
Allerdings hatte der St. Veiter Wein nicht die Qualität, um die Probleme des 19. Jahrhunderts zu überdauern. Dies ist schon in der frühen Beschreibung der Landwirtschaft Ober St. Veits im Rahmen der „Darstellung des Erzherzogthums Oesterreich unter der Ens“ von Franz Xaver Schweickhardt evident. Der 1833 gedruckte siebente Band zum „Viertel unterm Wienerwald“ schreibt dazu auf den Seiten 54 und 55: „Die Bevölkerung von hier beträgt 277 Familien, 589 männliche, 628 weibliche Personen und 315 Schulkinder. Der Viehstand umfasst 56 Pferde und 143 Kühe. Die Einwohner, größtentheils Kleinhäusler, sind Hauersleute, welche wenig Ackerbau, dagegen mehr die Weinpflege und hauptsächlich einen Milchhandel nach Wien treiben. Sie besitzen Hausgärten, jedoch haben sie nur wenig Obst. In guten Jahren ist der St. Veiter Wein als ein wohlschmeckender Gebirgswein gesucht, in schlechten Jahrgängen aber sauer und nur gering im Werthe. Das hiesige Klima ist sehr gesund aber scharf, und die Gegend starken Winden ausgesetzt. – Das Trinkwasser ist gut.“ Auf Seite 64 wird nochmals auf die Landwirtschaft eingegangen: „Die meisten Erzeugnisse sind Wein und Milch, welch letztere die Einwohner täglich zum Verkaufe nach Wien führen, was ihnen den besten Erwerbszweig liefert. Vorzügliches Augenmerk wird auf die Wiesenkultur gerichtet. Nach diesem Zweige folgt die Rebenpflege; ganz gering aber ist der Ackerbau, der bloß Korn, Gerste und Hafer liefert. Obst gibt es wenig. ... Fischerei gibt es keine und die Jagdbarkeit besteht bloß aus einigen Hasen.“
Der Weinbau kämpfte somit schon damals mit Problemen und die bevorstehenden Katastrophen wie die anhaltende Trockenheit, die aus Amerika eingeschleppten Pilzkrankheiten und schließlich das Auftreten der Reblaus 1872 vernichteten die Altkulturen. Nur wenige Rieden wurden neu bepflanzt. Wurden 1819 noch 123 Joch Weingärten gemessen, so waren es 1891 nur mehr 20 Joch. Waren 1819 noch 92 von 101 landwirtschaftlich tätigen Hausbesitzern Weinbauern, so gab es 1880 nur mehr sechs Weinhauerfamilien: Kuster, Pohl, Purraner, Mohsbacher, Höflinger, Reigl und Riel. Die letzten Weingärten am südlichen Hang des Gemeindeberges und in der Adolfstorgasse verschwanden um 1925, ein ganz kleiner unterhalb der „Schönen Aussicht“ zur Wlassakstraße gelegener nach dem Zweiten Weltkrieg.
Einen Ersatz schaffte die steigende Milchnachfrage aus Wien und schon in Schweickhardts Bericht wird vom „Augenmerk auf die Wiesenkultur“ gesprochen, wohl anstelle ehemaliger Weingärten. Der Höhenflug der lokalen Milchwirtschaft lässt sich auch am Viehbestand ersehen: Im Jahr 1833 gab es 143 Kühe, im Jahr 1869 zähle man bereits 273 und im Jahr 1880 378 Kühe. Darüber hinaus hatte es Ober St. Veit 1869 118 Pferde, 101 Schweine, 62 Ziegen und 92 Bienenstöcke gegeben. 1851 wurde eine öffentliche Viehschwemme errichtet und bis 1859 besaß die Gemeinde stets zwei Stiere, dann wurden sie verkauft.
Das Geschäft mit der Milch verlangte auch den Frauen große Mühe ab: Sie fuhren um 4 Uhr früh in die Vorstädte und in die Stadt, um ihre Erzeugnisse zu verkaufen. So wurde z. B. die Milch der Meierei Eisenhuber in der Firmiangasse 5 an einem Stand bei der Mariahilfer Kirche angeboten (Weissenbacher: In Hietzing gebaut, Band I, Seite 33).
Aber auch die Milchwirtschaft und mit ihr die Reste des Ackerbaus mussten der Verstädterung Ober St. Veits weichen. Die letzten Meiereibesitzer in Ober St. Veit waren die Familien Glasauer (Glasauergasse 34, bis 1946) und Wimpissinger (Hietzinger Hauptstraße 143, bis 1962). Auch die Familie Ruckenthaler in der Vitusgasse 6 wird als eine der letzten Meiereien genannt. Nach 1945 und bis in die 1950er-Jahre soll man von hier aus die Kühe zur Weide auf die Himmelhofwiese getrieben und bis in die 1960er-Jahre im Stall gehalten haben. Die letzten Kühe haben Ober St. Veit am 27. Jänner 1978 verlassen, als auch das St.-Josefs-Heim am Stock im Weg die Kuhhaltung beendete. Die Milchwirtschaft hatte den Weinbau bloß ein Jahrhundert überlebt.
Die malerische Landschaft, die gute Luft und die nachziehende Gastronomie lockten mithilfe der im selben Jahrhundert verbesserten Verkehrsverbindungen zahlreiche Sommergäste und Ausflügler nach Ober St. Veit, und die freien Flächen wurden – wie Jahrzehnte zuvor in Hietzing – zunehmend mit Villen und Landhäusern verbaut. Trotzdem machen die verbliebenen Grünflächen, die teilweise auch verwaldeten, und der historische Dorfkern frühere Beschreibungen wie die folgende aus der Biedermeierzeit nachvollziehbar: „Ober St. Veit hat offenbar von allen Dörfern um Schönbrunn die schönste Lage und ist ein stattliches Dorf von 141 Häusern, 1600 Einwohnern, meistens Weinbauern und Milchmeier (der Ort hat bei 150 Kühe)“. (Adolf A. Schmidl: Umgebungen Wiens, 1835–1839).
Ganz anders entwickelten sich die Wienflussnahen Gegenden. Dort siedelten sich vorwiegend Handwerker und Industriebetriebe an. Sie zogen ein Heer von Zuwanderern an, die als arme, in kleinen Mietwohnungen lebende Arbeiterschicht einen deutlichen Kontrast zu den vornehmen Villengegenden schufen.
Die selbstständige Gemeinde
Als eine der Folgen der Revolution 1848 wurden die Grundherrschaften aufgehoben und an ihrer Stelle staatliche Verwaltungsbehörden und Gerichte installiert. Für die Ortsgemeinden wurde die Gemeindeselbstverwaltung eingerichtet, Ober- und Unter St. Veit wurden dabei allerdings zur Ortsgemeinde „St. Veit an der Wien“ zusammengefasst. Das Gemeindehaus befand sich auf dem Grundstück Hietzinger Hauptstraße 164. Der St. Veiter Gemeindekotter verblieb im ehemaligen Amtshaus der Grundherrschaft, dem späteren Mesnerhaus (CN 126, Firmiangasse 1). Die Eintragungen im Gewährbuch wurden nun statt „Vor dem Grundbuch der Herrschaft St. Veit“ mit „Vor dem Grundbuch der Amtsverwaltung St. Veit a. d. Wien“ unterschrieben. Die Aufhebung der Grundherrschaften hatte natürlich auch enorme wirtschaftliche Folgen sowohl für die Grundherren als Oberbesitzer von Grundstücken als auch für die Grundbesitzer als Unterbesitzer. Siehe dazu den Beitrag zur Gundentlastung.
Der Umstellungsprozess währte bis 1852. Letzter Ortsrichter von St. Veit war der Milchmeier Michael Premreiner und erster Bürgermeister wurde der Kaufmann Michael Schmid. Die letzte grundbücherliche Eintragung über Abgaben, die an die Herrschaft St. Veit zu entrichten waren, ist mit 16. Oktober 1848 datiert.
Die Gerichtsbarkeit und Grundbuchsangelegenheiten wurden den staatlichen Gerichten übertragen. Für St. Veit zuständig wurde das Grundbuchamt des k.u.k. Bezirksgerichtes Hietzing.
1867, wirksam erst ab 1870, kam es zur Trennung der beiden Ortsteile Ober- und Unter St. Veit, um schon 22 Jahre später mit der Gründung des 13. Wiener Gemeindebezirkes in diesem wieder zusammengeführt zu werden (Gesetz vom 19. Dezember 1890, in Kraft getreten mit 1. Jänner 1892).
Einen unübertroffenen Einblick in die „politische Kleinwelt“ der nun selbstständigen Gemeinde St. Veit an der Wien bzw. dann Ober- und Unter St. Veit bis zur Eingemeindung nach Wien gibt das Buch von Gebhard Klötzl „Von Bürgermeistern und Affären“
Die Enklave Neu Ober St. Veit
Aus der endgültigen Entscheidung der Grenzziehungsfrage war auch eine Kuriosität entstanden: die Enklave „Neu-Ober St. Veit“. Durch den neuen Ortsteil Unter St. Veit wurde das alte Territorium St. Veits in zwei Teile zerschnitten und insgesamt 16 Häuser der Lainzerstraße, die heutigen Nummern 57 – 83, waren zu einer winzigen, zwischen Unter St. Veit und Hietzing gelegenen aber zu Ober St. Veit gehörenden Enklave geworden. Fallweise wurde dafür auch die Bezeichnung „Neu-Hietzing“ verwendet.
Der Weg der Neu-Ober St. Veiter zu ihrem zuständigen Gemeindeamt war nun wesentlich weiter als zum nahegelegenen Zentrum Hietzings. Die Zugehörigkeit dieser Häuserzeile war für die Gemeindeverwaltung Ober St. Veits vielleicht auch eine Prestigefrage, sicher aber eine Finanzfrage, denn es handelte sich um eine sehr vornehme Häuserzeile mit durchwegs biedermeierlichem und teuer vermietbarem Landhausbestand. Der sogenannte Mietzinskreuzer, eine Steuer in Höhe von zwei bis fünf Kreuzern auf jeden bezahlten Mietzinsgulden, in Ober St. Veit erhob man seit 1866 stets drei Mietzinskreuzer, waren eine substanzielle Einnahmenquelle für die Gemeinde.
Die Bewohner von Neu-Ober St. Veit waren aber aus vielerlei Gründen mit dieser Lösung und den sich daraus ergebenden Kuriositäten unzufrieden und richteten mehrere, allerdings erfolglose Petitionen an verschiedene Stellen. Erst 1883 platzte dem Landesausschuss der Kragen, und zwar im Zusammenhang mit einem Kanalbauprojekt, vor allem aber wegen der kleingeistigen Einsprüche Ober St. Veits gegen die von der Dampftramwaygesellschaft Krauß & Co. seit 1881 projektierten Tramwaylinie von Hietzing über Rodaun nach Mödling. Noch im selben Jahr einigte sich Ober St. Veit mit Hietzing auf eine Pauschalentschädigung von 2500 fl. für den künftigen Steuerausfall und trat die Enklave ab. Das unnatürliche Kuriosum „Neu Ober St. Veit“ hatte sein Ende gefunden.
Das Veitinger Feld
Der einstige Riedname „Veitinger Feld“ benennt den sich über ca. drei Kilometer erstreckende Ebene zwischen den einstigen Dörfern St. Veit und Hietzing. Dieses Veitinger Feld war über die gesamte Zeit seines geschichtlich erfassbaren Bestandes frei von Wald und ganz gleichmäßig in lüssartige Streifen gegliedert. Hier hatten die St. Veiter Bauern ihre Hausäcker. Dieses bis zuletzt weitgehend unbesiedelte Land wurde zum ultimativen Bauerwartungsland der vergrößerten Gemeinde Wien.
Die Siedlungsentwicklung vor der Steuerung durch die Wiener Stadtplanung war ein in mehreren Wellen von Grundherrschaften, den einzelnen Ortsgemeinden, Privaten oder dem Gewerbe vorangetriebener Zuwanderungs- und Siedlungsprozess. Die dabei geschaffenen Strukturen prägen bis heute das Bild der ehemaligen Ortskerne.
Ganz anders verlief die zunehmend von der Wiener Stadtplanung beeinflusste Besiedelung des Veitinger Feldes. Dies veranschaulicht der umfangreiche Beitrag „Die Besiedelung der ehemaligen Riede Veitinger Feld“.
Die Gaststätten
Über das Gaststättenwesen im alten (grundherrlichen) St. Veit ist wenig überliefert. Aber genau so wie in vergleichbaren Dörfern werden auch bei uns alle Entwicklungsstufen von der privaten Gastfreundschaft über die kirchlich oder herrschaftlich organisierte bis zur gewerbsmäßig betriebenen Gaststätte durchlaufen worden sein.
Wesentliche Vorbedingungen für das Gaststättenwesen haben wohl auch in unserer Region die Erzeugung und der Ausschank von Wein und anderen alkoholischen Produkten geschaffen. Von der – durch herrschaftliche Bestimmungen und Begehrlichkeiten dominierten – Entwicklung des Schankrechtes, sei hier abgesehen und der Fokus auf St. Veiter Besonderheiten gelegt.
Auch hier bildete sich allmählich der berufsmäßig konzessionierte Gastwirt heraus, der auch Speisen und Unterkunft für Fremde anbot. Meist lag er in der Nähe der Kirche und war gleich ihr zum gesellschaftlichen Mittelpunkt der Gemeinde geworden.
Während im städtischen Bereich ab dem 18. Jahrhundert Kaffee, Tee und Kakao an die Stelle des Weins zu treten begannen, ging diese Entwicklung an Dörfern wie St. Veit an der Wien vorbeigegangen. Von der Zeit an, in der die Gastwirtschaften in der Regionalgeschichte St. Veits auftauchen, war der Wein das gastronomische Rückgrat und blieb es bis zuletzt. Einer Predigt im Jahr 1789 zufolge waren die Wirtshäuser die ganze Nacht über mit Säufern besetzt.
Die älteste Spur dieser Einrichtungen findet sich in den Grundbüchern spätestens ab dem 16. Jahrhundert, als von dem auf der Praittenzeil stehenden Zechstüberl CNr. 103 (Firmiangasse 8) die Rede ist. Es blieb lange in diesem Haus und wurde von den Familien Schöls und Linner bewirtschaftet.
Gegen Ende des 18. Jahrhunderts gab es auf der Miethstatt bereits zwei Gasthäuser. Ein anderer Gasthof, der sich im Zusammenhang mit St. Veit weit zurückverfolgen lässt, lag weit vor den „Toren“ St. Veits, am Hietzinger Rand des Veitinger Feldes, dort wo die St.-Veiter-Straße (heute die Auhofstraße) Hietzing erreichte. Er diente weniger den Einheimischen, sondern trotz aller Abgeschiedenheit des Dorfes den Fremden. Die Pfarrkirche in St. Veit hatte über lange Zeit den Status einer Wallfahrtskirche. Wie in anderen, dem heiligen Veit gewidmeten Kirchen war auch in ihr das Huhnopfer üblich. Am 15. Juni, dem Veitstag, wurden junge meist schwarze Hähne mit zusammengebunden Beinen auf den Altar gelegt. Von diesem Brauchtum hatte die Gaststätte wohl auch ihren Namen abgeleitet, sie hieß „Zum schwarzen Hahn“, und aus diesem Brauchtum bezog sie ihr Hauptgeschäft als Raststätte der Pilger auf dem Weg nach St. Veit.
Das Gasthaus lag zwar am Rande Hietzings, gehörte jedoch zur Grundherrschaft des Erzbistums Wien. Die Gemeinde St. Veit hatte im Jahre 1649 den damals „öden Grund“ vom Grundherrn erhalten und darauf das Schankhaus errichtet. Die Grundbücher führten seitdem „Richter und Gemeinde St. Veit“ als Besitzer und bestätigten Abgaben von einem „Schanckhaus bey Hietzing“, oder „Leutgebhaus (oder Leuthgebhäusl) und Garten auf der Wien“. Schön lässt sich daraus der Brauch des Leitgebens als Ursprung dieser Schank ablesen. Mit der Aufklärung Ende des 18. Jahrhunderts endete das Huhnopfer und damit auch der Pilgerstrom als Hauptgeschäft des „Schwarzen Hahns“. Das Gasthaus und der Garten wurden 1794 von Privaten ersteigert. Der „Schwarze Hahn“ bestand bis 1900, dann (1902) wurde von Moritz Edler von Kuffner an seiner Stelle das „Ottakringer Bräu“ errichtet. 1987 wurde es von Eva und Ewald Plachutta als „Hietzinger Bräu“ übernommen.
Ein weiteres in die Vergangenheit zurückverfolgbares Gasthaus war das im Haus Konskriptionsnummer 120 (heute Firmiangasse 13). Dieses Haus hatte die Gemeinde St. Veit im Jahre 1648 von der Kartause Mauerbach erworben und über lange Zeit als Gemeindehaus verwendet. Im Erdgeschoß war ein stets verpachtetes Gasthauslokal untergebracht. Das Haus besteht noch, wurde aber 1832 von der Gemeinde gegen andere Gebäude eingetauscht.
Die Zahl der Dorfbevölkerung St. Veits war bis ins 19. Jahrhundert überschaubar und für deren Bedarf genügten wenige Gasthäuser. Unter den Hausbesitzern gemäß Protokoll zum Franziszeischen Kataster aus dem Jahre 1820 gab es den Wirten Andreas Seifert im Haus Konskriptionsnummer 27 (heute Hietzinger Hauptstraße 149) und den Bestandwirt Michael Bergmann im Haus Konskriptionsnummer 43 (Einsiedeleigasse 5). Gemeinsam mit dem Wirten im Haus Konskriptionsnummer 120 (Gemeindehaus in der Firmiangasse 13) und dem Schwarzen Hahn werden das wohl alle Gasthäuser des Ortes zu dieser Zeit gewesen sein.
Aber das sollte sich jetzt rasch ändern. Waren die Menschen bisher nur auf Reisen, wenn sie aus beruflichen oder anderen Gründen mussten, so strömten sie jetzt aus purem Vergnügen scharenweise hinaus in die Natur. Ausflug und Wirtshausbesuch gingen natürlich Hand in Hand und die Gastronomie profitierte, der schönen Landschaft wegen auch jene in St. Veit.
Andreas Seifert aus der Hietzinger Hauptstraße Nummer 149 war einer der Ersten, der diesen neuen Trend nutzte. Er kaufte dem Handelsmann Ignatz Leopold Strodl im Jahre 1823 die Einsiedelei ab und errichtete dort eine Gaststätte mit Meierei. Es wurde ein gemütlicher Ausflugsort mit Tanzsaal, zweistufigem Garten, herrlichem Park und weiter Fernsicht über ganz Wien. Über Jahrzehnte strömten die Ausflügler dorthin. Ein anderes, viel späteres Beispiel ist das Weinhaus Doll am Stock im Weg.
Gemäß Franz Xaver Schweickhardt befanden sich im Ober St. Veit des Jahres 1833 „nebst einem hübschen Kaffeehaus auch mehrere Gasthäuser, wovon jenes an der Anhöhe gelegene, wo vordem die Einsiedelei stand, eine vorzügliche Erwähnung verdient“.
Sich wirklich durchsetzen und zum Vergnügen werden konnten diese Massenbewegungen aber erst mit der Verbesserung der Transportmittel. Die harten Reisewagen wie zum Beispiel der Zeiselwagen waren um die Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert durch gefederte, in Riemen hängende Kutschen ersetzt worden. Dazu gehörte vor allem der vor dem Gemeindegasthaus Magdlen (an der Ecke Hietzinger Hauptstraße/Glasauergasse) haltende Stellwagen. Er wickelte bis zum Einsatz der Dampftramway 1887 den größten Teil dieses Ausflugsverkehrs ab.
Aber nicht nur der Tourist brachte der Ober St. Veiter Gastronomie gewaltigen Aufschwung, sondern auch der gleichzeitig stattfindende tiefgreifende demografische Strukturwandel. Einwanderer aus vielen Teilen der Monarchie überfluteten den Ort förmlich, und deren Lebensweise und Geselligkeit brachte insbesondere dem Gastgewerbe einen wahren Höhenflug.
Schließlich stieg die Zahl der Gaststätten auf ca. 40 und alle kamen auf ihre Rechnung. Einige dienten vorwiegend den Ausflugsgästen, die meisten aber waren Treffpunkte der Einheimischen und Sitz der zahlreichen Vereine (siehe folgenden Abschnitt), wobei jede soziale Gruppe „ihre“ Wirtshäuser hatte. Die Fabrikarbeiter vom Winkler & Schindler und die Dienstnehmer der zahlreichen Werkstätten im Bereich der Amalienstraße hatten genauso ihre eigenen Lokale wie die alt eingesessenen Bürger von St. Veit oder die aus der Stadt neu hinzugezogenen Beamten und Pensionisten.
Die Wirtshäuser waren der Mittelpunkt des Privatlebens, andere Vergnügungen kannten die Menschen kaum. Auto, Fernsehen und alle anderen Verlockungen des Konsums gab es nicht. Nach Hause zog es niemand, denn die eigene Wohnung war meist notdürftig und klein. Man trank, aß, kommunizierte und sang herzhaft, die Burschen rauften regelmäßig. Niemand musste um den Führerschein bangen, der Vollrausch war die Normalität. Die Menschen trugen ihr ganzes Geld dorthin, solange es eben reichte. Die Wirten hatten ihre Freude. Der Wirtshausbesuch war keine reine Männersache mehr, zunehmend trafen sich auch die Familien oder wurden von den Familienoberhäuptern in bestimmte Lokale ausgeführt.
Sonntags gab es in den zahlreichen Wirtschaften Musik. Volkssänger, Schrammelmusikanten oder Militärmusikkapellen unterhielten das zahlreiche Publikum. Von den in Ober St. Veit aus der Taufe gehobenen Melodien hat wohl der „Deutschmeistermarsch“ von Wilhelm August Jurek (18. März 1893 im Ober St. Veiter Casino, Hauptstraße 141) weltweit den größten Bekanntheitsgrad; das verhältnismäßig junge Lied „I hab’ halt a Faible für Ober St. Veit“ wurde zur St. Veiter Hymne und kann heute noch feuchte Augen machen.
Selbst das mit der Industrialisierung einhergehende Elend tat dem regen Leben in den Lokalen keinen Abbruch. Viele Betriebe überdauerten die Kriege und die schlimme Zeit dazwischen und danach. In den ersten Jahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg florierte das Geschäft noch, dann ging es konsequent bergab.
Der wirtschaftliche Aufschwung brachte bessere Wohnungen und viele andere Möglichkeiten, sein Geld auszugeben. Die Jagd nach dem Geld stahl die Zeit und jeder musste eilen. Vor allem aber: Der Rausch wurde zur Ausnahme, die Konsumationen kontrollierter. Das starke Bevölkerungswachstum in der Region konnte die kargen Zeiten für die Wirte nicht lindern. Einer nach dem anderen schloss; heute gibt es in Ober St. Veit gerade noch eine Handvoll an bodenständigen Betrieben.
Das Vereinsleben
Zusammenhalt, gegenseitige Hilfe und das gemeinsame Leben von Traditionen waren immer schon der Wesenszug jeder Gemeinschaft – von der Familie bis zum Staat. Ausprägungen und erfasste Bereiche unterliegen natürlich ständiger Wandlung, bei uns stark geprägt vom christlichen Weltbild. Auch wurde die Abgrenzung dieses Bereiches von der Erwerbsarbeit früher weniger deutlich empfunden als heute. Erst die Schärfung des Arbeitsbegriffes im Rahmen der Industrialisierung verdeutlichte den Unterschied von Erwerbsarbeit und Freizeit und damit auch den Unterschied zwischen Erwerbsarbeit und geselligem Bereich.
Ein wesentlicher Teil des jüngeren gesellschaftlichen und kulturellen Lebens war (und ist) in Vereinen organisiert. Die Vereinsfreiheit war eine der gefeierten liberalen Verfassungserrungenschaften des Jahres 1867 gewesen. 1870 gab es in Ober St. Veit fünf von Bürgermeister Hentschel – nach seinen Angaben von ihm selbst – gegründete Vereine, nämlich einen Verschönerungs-, einen Kranken- und Leichenverein, einen Spar- und einen Leseverein, ferner einen „Anti-Herr-von-Verein“, in dem jedes Mitglied, das jemanden mit „von“ anspricht oder auf die Anrede „Herr“ vergisst, eine Strafe von drei Kronen in die Vereinskasse zahlen musste.
Von den Aktivitäten des schon 1856 gegründete Verschönerungsverein erfährt man erstmals durch den erhaltenen Jahresbericht von 1866: „Neu hergestellt wurde die Parkanlage am Achhammer und steuerte der Verein auch zur Errichtung des Hüterhauses am Hagenberg bedeutend bei, indem dieser Bau auf seine Kosten mit einer Terrasse versehen wurde, wodurch er zugleich als Aussicht und Ruhepunkt dient“, heißt es da. Aus dem Vereinsjahr 1868 wird berichtet: „Alle Wege wurden zweimal gereinigt, neue Bänke und Bäume gesetzt und durch die besondere Spende Sr. Eminenz des H. Kardinals ein neuer sehr angenehmer Promenadeweg am Girzenberg eröffnet“. Der Verschönerungsverein bestand noch lange über die Eingemeindung hinaus, bis in die heutige Zeit, weitergetragen wurde aber vor allem die von ihm veranlasste Einebnung der Reste der frühmittelalterlichen Hausberganlage auf dem Gipfel des Gemeindeberges.
Von den weiteren zahlreichen Vereinsgründungen unterschiedlicher Lebensdauer und Prominenz seien hier nur der Ober St. Veiter Männergesangverein, der Drahrer-Club, die vereinsmäßigen Träger der bis heute andauernden Theaterspiele und schließlich der – schon in den Bildungsbereich hineinragende – Verein zum Besten armer Kinder „Elisabethinum“.
Sehr bemerkenswert ist der Ober St. Veiter Männergesangverein: Damals nahm gerade das „deutsche Sängerwesen“ großen Aufschwung, das in Wien und Umgebung schon eine stattliche Reihe von Männergesangvereinen hervorgebracht hatte. Auf Initiative des damals erst 19-jährigen Volksschullehrers Franz Lauer entstand 1870 auch in Ober St. Veit ein solcher Männergesangverein mit gleich 40 Gründungsmitgliedern, deren Chormeister, später nur noch Ehrenchormeister, jener Franz Lauer über 60 Jahre lang blieb. Anders als die Mehrzahl der übrigen, zum Teil nur kurzlebigen Vereine spielte er im öffentlichen und kulturellen Leben des Ortes eine nachhaltige Rolle. Die Vereinsfahne spendete die Bürgermeistersgattin Maria Hentschel, womit sie zur „Fahnenmutter“ wurde, zusätzlich übernahm noch die angesehene Bürgersgattin Marie Weidlich die Rolle der „Fahnenpatin“. Am 27. Juni 1875 fand die feierliche Fahnenweihe statt. Über dieses Fest existieren noch chronikale Notizen, die einen Eindruck davon vermitteln, mit wieviel Pomp und Festesfreude man damals solche Ereignisse inszenierte:
Bei diesem bedeutsamen Fest war ganz Ober Sankt Veit auf den Beinen. Schon in aller Herrgottsfrühe des von einem prächtigen Frühlingswetter eingeleiteten Sonntages, kamen als allen Himmelsrichtungen die Brudervereine angerückt. Hochwürden Pfarrer Josef Wenzel weihte unter einmaliger Massenbeteiligung die Fahne und die Ober Sankt Veiter Sänger sangen die Deutsche Messe von Franz Schubert. Richtig los ging das Fest aber erst am Nachmittag. Nach dem Segen setzte sich ein von allen Seiten bejubelter Festzug in Bewegung. An der Spitze des Zuges marschierte die Jugend von Ober Sankt Veit in Festkleidern. An sie schlossen vierzig teilnehmende Vereine. Alles Sänger von auswärts und jeder Verein mit Fahne. Hinter den Sängern kamen die Ober Sankt Veiter Tell-Schützen. Dann folgte die freiwillige Feuerwehr. Jetzt erst kam die Fahnenmutter mit den Ehrendamen und dem Ober St. Veiter Männergesangverein, allen voran der Fahnenjunker mit der neuen Fahne. Seine stattliche Erscheinung, die durch die altdeutsche Tracht noch gehoben wurde, machte einen ungemein gefälligen Eindruck. Den Abschluss der Fahnenweihe bildete dann ein abendliches Festkonzert beim Frischholz im Ober Sankt Veiter Casino.
Der Männergesangverein bestand weit über Ende der alten Gemeinde Ober St. Veit hinaus und wurde – zum gemischten Gesangverein mutiert – erst 1999 aufgelöst.
Eine Drehscheibe des fröhlich-geselligen Lebens von Ober St. Veit war auch der 1886 gegründete Geselligkeits- und Humanitätsverein „Drahrer-Club“. Die treibende Kraft war der Gastwirt Franz Rainer: Jahrzehntelang organisierte dieser Verein am Faschingsdienstag den alljährlichen Ober St. Veiter Faschingszug, der stets um drei Uhr nachmittags vom Gasthaus Rainer, Auhofstraße 141, seinen Auszug hielt und tausende Neugierige bis Wien und Umgebung anlockte. Die älteste Nachricht von einem Faschingszug stammt aus 1864, damals suchte der 25-jährige Zimmerer Josef Geiger bei der Gemeinde an, unter seiner Garantie einen Faschingszug abhalten zu dürfen, was ihm mit dem Bemerken genehmigt wurde, dass bei diesem Zuge alle Unsittlichkeiten und das Publikum belästigenden Vorgänge zu vermeiden sind. Das Vereinsleben und der Faschingszug hielten sich bis 1936 und wurde von Emma Zorga als Narrenzentrum Ober St. Veit wiederbelebt.
Zu den Ober St. Veiter Theaterinstitutionen informiert der Bericht über das Theaterspiel in Ober St. Veit. Zum Ober St. Veiter Verein zum Besten armer Kinder „Elisabethinum“ bzw. dessen vorangehende Einrichtungen gibt es eine umfangreiche Chronik.
Der Verkehr
Die hier anzuführende Ober (auch Unter) St. Veiter Besonderheit, die über das allgemeine Hietzinger Verkehrsthema vom Zeiserlwagen und Stellwagen über die Verbindungsbahn bis zur Stadt- und U-Bahn hinausgehen, sind der lokale Hauptverkehrsweg Hietzinger Hauptstraße und ihre Nutzung als Schienenweg.
Ihre Anlage erfolgte zur Zeit der St. Veiter Grundherrschaft Maria Theresias, so lautete auch ihre erste Benennung: Maria-Theresien-Straße. Vom Bau dieser breit und direkt von Alt-Hietzing nach Ober St. Veit führenden Prachtstraße war vor allem der historische Ortskern St. Veits betroffen. Die neue Straße wurde mitten in das Dorf geschlagen und im Weg befindliche Häuser abgebrochen bzw. verkleinert. Die Keller wurden verschüttet.
Die abgerissenen Bauernhäuser wurden durch bürgerliche, teilweise bereits einstöckige, unterkellerte Häuser ersetzt und hatten immer weniger einen landwirtschaftlichem Hintergrund. Ein großer Teil der alten unterirdischen Gewölbe blieb durch diese Baumaßnahmen unversehrt und über Jahrhunderte hinweg bestehen, teilweise unter den neuen Gebäudezeilen, teilweise aber auch unterhalb des Verlaufes der oberen Hietzinger Hauptstraße. Sie gerieten zunehmend in Vergessenheit. Erst die schwere Belastung der Verkehrsfläche durch die neue Dampftramway ab 1887, die das Straßenniveau langsam einsinken ließ, machte wieder auf sie aufmerksam. Um die Straße zu stabilisieren, mussten alle Hohlräume darunter, also auch die Kelleranlagen, verfüllt werden. Nur die Gewölbe unter den Häuserzeilen blieben frei, aber auch sie wurden im Laufe der Zeit durch unterschiedliche Baumaßnahmen (z. B. Neubau des Buwog-Hauses Ecke Hietzinger Hauptstraße / Einsiedeleigasse oder Revitalisierung der Gebäude auf der anderen Seite der Einsiedeleigasse) mehrheitlich zerstört.
Diese Straße wurde zur wichtigsten Verkehrsverbindung zwischen den Ortsgemeinden (Ober) St. Veit und Hietzing, später auch Unter St. Veit, und gegen Ende des 19. Jahrhunderts mit Schienen ausgestattet. Darauf fuhren von 1887 bis 1908 die Dampftramway, betrieben von der Aktiengesellschaft Krauss & Comp., von 1908 bis 1914 die elektrische Straßenbahnlinie 58. 1908 war der Betreiber der Dampftramway von der Gemeinde Wien übernommen und die Linie noch im gleichen Jahr elektrifiziert worden. So wie die Dampftramway kreuzte auch die Linie 58 die Verbindungsbahn niveaugleich und wurde bis Ober St. Veit geführt. Schon damals kam es zu erheblichen Wartezeiten wegen des herabgelassen Schrankens.
Der sprunghafte Anstieg des Bahnverkehrs zu Beginn des Ersten Weltkrieges brachte den Straßenbahnbetrieb allerdings fast zum Erliegen (Sperrzeiten bis zu 13 Stunden täglich). Daher trennte man den durchgehenden Verkehr ab 1914 und führte die Linie 58 nur bis zum Bahnschranken in Unter St. Veit. Der Pendelverkehr nach Ober St. Veit wurde der neuen Linie 158 übertragen.
Doch half dies nur bedingt, denn es änderte nichts an den Staus bei geschlossenem Schranken. Anlässlich eines Fußball-Derbys Amateure gegen Rapid vom Februar 1925 fand dies auch einen Nachhall in den Zeitungen. Ein paar Jahre zuvor, am 12. Februar 1922 war das neue Ober St. Veiter Fußballstadion des Wiener Amateur-Sportvereins, kurz „Amateure“, zwischen Auhofstraße und der Premreinergasse eröffnet worden. Die Anlage hatte ein Fassungsvermögen von geschätzt 25.000 Menschen und wurde als die damals modernste Sportanlage ihrer Zeit bezeichnet. Doch ließ der damalige Fußballboom das Stadion gleich wieder zu klein werden und es gab wiederholte polizeiliche Sperrungen wegen Überfüllung.
Das „Sport-Tagblatt“ vom 3. März 1925 berichtete nun über die außer Kontrolle geratende Situation anlässlich des Derbys vom 1. März 1925: „Eine endlos erscheinende Reihe von Autos, wie sie noch nie ein Freudenauer Derby gesehen hat, zog sich von Schönbrunn bis zum Sportplatz in St. Veit dahin, und wenn auf der Verbindungsbahn ein Güterzug die Straße kreuzte, traten Stockungen ein, die den Verkehr schon auf dem Hietzinger Hauptplatze unterbanden. Dazu führte die Straßenbahn und die vorerwähnte Verbindungsbahn unaufhörlich Menschenmassen heran, und schließlich fand sich eine Menge zusammen, die eine Kleinstadt hätte bevölkern können. Das sonst so friedlich dahindämmernde St. Veit, das noch vor einigen Jahren als „Land“ galt, bekam ein völlig verändertes Aussehen. Die alten St. Veiter schüttelten über diese Narrischkeiten der Wiener die Köpfe. Die jungen allerdings nicht, denn sie waren selbst schon längst vom Fußballtaumel erfasst worden und schlugen auch diesmal ihr Lager auf dem Sportplatze auf, der eine Menge umfasste, die andre Städte des Kontinents aufbringen.“
Um die 50.000 Menschen waren mit dem Automobil, mit der Verbindungs- oder Stadtbahn, mit der „Elektrischen“ oder per pedes gekommen, um die Amateure gegen Rapid spielen zu sehen. Irgendwie fanden 30.000 Einlass, der Rest musste draußen bleiben, wie der Redakteur des „Sport-Tagblatt“ weiter notierte. Hoch zu Ross verkündete schon um drei Uhr die Wache den neu Hinzugekommenen: „Platz überfüllt, kein Einlass mehr möglich.“ Die Menschenmassen ergossen sich sogar auf das Spielfeld, standen direkt an den Outlinien und rund um die Tore geschart, sodass die „Neue Freie Presse“ monierte: „Die Zahl der anwesenden Wachleute war viel zu gering, als dass sie hätten Ordnung schaffen können. (...) Ähnliche Szenen, wie auf dem Sportplatz ereigneten sich dann bei der Endhaltestelle der Straßenbahn, deren Züge dort noch immer umgespannt werden mussten. Die dienstfreie Mannschaft der Straßenbahn war dort gezwungen, Ketten zu bilden und derartig die Garnituren während der Umspannung gegen den Ansturm von gut 20.000 Menschen zu schützen. Was sich dann bei den Kämpfen um die Plätze der jeweils in großen Intervallen heranfahrenden zwei Waggons abspielte, spottet buchstäblich der Beschreibung.“
Das Sicherheitsmanko blieb nicht unerkannt, hatte aber kaum Konsequenzen. In der Generalversammlung vom 18. November 1926 wurde die Änderung des unpassend gewordenen Vereinsnamens in „Fußball-Klub Austria” beschlossen und die Spiele wurden bald anderswo ausgetragen. 1930 wurde das Stadion wegen Baufälligkeit der Tribüne geschlossen.
Der Schranken und die Schienenstränge an beiden Seiten blieben und wurden bis 1958 befahren. Dann musste die niveaugleiche Kreuzung wegen der bevorstehenden Elektrifizierung der Verbindungsbahn aufgegeben werden. Die Straßenbahn wurde durch Autobusse ersetzt. Der Wiener Madrigalchor sang 1958 elegisch:
„Nur noch die beiden Schienen
zeug‘n von entschwundener Pracht,
auch diese werd‘n verrost‘n
und schließlich weggebracht...”
So geschah es dann auch, nur ein kleines Schienenstück oberhalb der Fahrschule Hietzing überlebte bis heute.
Der Altstadterhaltungskomplex Ober St. Veit
Die drei räumlich zusammengehörigen Barockhäuser an der Ecke Hietzinger Hauptstraße/Einsiedeleigasse mit den Adressen Einsiedeleigasse 1 und 3 sowie Hietzinger Haupstraße 145 waren dem Verfall preisgegeben und standen vor dem Abbruch. Gerettet wurden sie durch den Wiener Bauunternehmer Ing. Richard Lugner, der sie in den Jahren 1985/86 kaufte und anschließend revitalisierte.
„Altstadterhaltungskomplexes Ober St. Veit“, wurde zum Sammelbegriff für Bau- und Denkmalbehörden. Die abwechslungsreiche Geschichte der betroffenen drei Häuser, die bis in das 16. bzw. 17. Jahrhundert zurück verfolgt werden kann, wurde von Dr. Klötzl aus verschiedenen Quellen recherchiert und in seinem in den Wiener Geschichtsblättern veröffentlichten Betrag wiedergegeben.
Romantische Motive im alten Ober St. Veit
Dieser bildliche Abschluss stützt sich auf Fotos und auf Malereien, die auch ohne fotografische Genauigkeit so manches historisches und mittlerweile verschwundenes Detail veranschaulichen können. Ober St. Veit kann auf eine lange Liste an Künstlern zurückblicken, die von seiner malerischen Lage, dem Schloss und der barocken Pfarrkirche angezogen wurden. Der Beitrag „Romantische Motive in Ober St. Veit“ gibt einen kleinen Ausschnitt solcher von Malern und Fotografen festgehaltenen Motive.