Dr. Albert Stradal und Prof. Otto Stradal

01.08.2006

Suchen Sie den Stradalweg nicht im Straßenverzeichnis, Sie werden ihn dort nicht finden. Trotzdem gibt es den Stradalweg, und zwar in der Kleingartenanlage Trazerberg, Trazerberggasse 8. Diese Wegbenennung wurde vereinsintern zum Andenken an die prominenten "Schrebergartler" Ob. med. Rat Prim. Dr. Albert Stradal und seinen Bruder Prof. Otto Stradal am 13.4.1991 vorgenommen. Den Älteren ist der Name Stradal noch ein Begriff.

Albert Stradal wurde am 24.11.1904 in Stockerau geboren und Otto Stradal am 12. März 1911 wahrscheinlich bereits in Hietzing, denn die Familie übersiedelte in dieser Zeit nach Wien 13, Steckhovengasse 22. Der Vater Albert Stradal war K+K Ober-Baurat, die Mutter Emmy Stradal brachte 4 Kinder zur Welt und war von 1920 mit einer Unterbrechung bis zu ihrem Tod am 21.11.1925 eine der ersten Frauen im Österreichischen Nationalrat. Ihr zu Ehren wurde in Hollabrunn eine Straße benannt.

Albert maturierte 1922 in Hietzing, promovierte 1928 zum Dr. der gesamten Heilkunde und wurde 1937 Facharzt für Chirurgie. Er wirkte als Chirurg in verschiedenen Spitälern wie dem in St. Pölten und dem Rudolfsspital in Wien und war Leiter der Chirurgie im Elisabethspital.

Nach dem 2. Weltkrieg wurde er ärztlicher Gesamtleiter der Privatkrankenanstalt "Confraternität" im 8. Bezirk. Er war eine Kapazität für Kropfoperationen; an die 7500 sollen es gewesen sein. In den 50er Jahren wurde er als Sportarzt und Präsident der Wiener Austria und als Sportarzt der Fußball-Nationalmannschaft bekannt. Unter anderem operierte er Körner I, Ocwirk, Hof, Stojaspal, Turl Wagner und Hannapi. Nach 2 Herzinfarkten verbrachte er die Sommermonate in Ruhe und guter Luft bis zu seinem Tod im April 1977 am Trazerberg. Seine Frau Grete geb. Hornbostel war am 13.4.1991 bei der Enthüllung der Stradaltafel anwesend.

Prof. Otto Stradal besuchte die Volksschule in Hietzing Am Platz. Nach dem Realgymnasium und Internat war Stradal vom 15. Oktober 1933 bis März 1940 Lokal- und Umbruchredakteur bei den Wiener neuesten Nachrichten in Wien 8 und von 1937 - 1940 Auslandskorrespondent. Seit 1936 wirkte er als Mitarbeiter des Österreichischen Rundfunks. Nach Fronteinsatz und Gefangenschaft war Stradal 1946 Redakteur bei der Weltpresse.

Otto und Hulda Stradal in ihrem Schrebergartenhaus.
Von 1950 bis zu seinem Tode am 7.12.1982 war er für den Kurier tätig. In den Kolumnen "Mein Österreich" und "Bei uns am Grund" schrieb er über Kunst, Kultur, Architektur, Brauchtum usw. Von 1956 bis 1976 war er auch Leiter der Presseabteilung der Fremdenverkehrswerbung.

So nebenbei verfasste Prof. Stradal 32 Bücher, die Hälfte davon war Österreichthemen gewidmet. Viele Stunden klapperte die Schreibmaschine am Trazerberg, wenn er Titel wie "Wunderbares Schönbrunn", "Dreimal Maria Theresia", "Der andere Prinz Eugen", "Es steht manch Schloss in Österreich" verfasste. Aber auch dem Rundfunk blieb er treu: Er gestaltete 5500 Sendungen, darunter Serien über Österreichs historische Persönlichkeiten und Hörspiele. Dazu kommen noch 500 Vorträge im Rahmen der Volksbildung, Auftritte als Festredner bei diversen Veranstaltungen, auch als Reiseleiter bei Autobusfahrten war er begehrt. Seine Frau, Dr. Hulda Stradal, hat ihn mit Terminevidenz, Archivierung und Vorbereitung weitgehend unterstützt.
Professor Otto Stradal 1975 in seinem Büro.
Achtmal wurde Prof. Stradal geehrt. Zuletzt 1977 erhielt er das Goldene Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich. Zudem war er Ehrenritter der in Wien ansässigen ältesten Ritterschaft im deutschen Sprachraum "Zum güldenen Humpen" die Franz Grillparzer gegründet hat. Das Bezirksmuseum in der Josefstadt, seiner letzten Heimat, hatte ihn 1992 mit einer Sonder¬ausstellung geehrt.

Uns älteren Hietzingern sind Titel im Kurier, wie "Vom Wiental zum Hagenberg", "Vom Platzl zum Friedhof", "Ein Faible für Ober St. Veit", "Fürstbischof Firmians Dorf", "Am Platz meiner Kindheit" in frischer Erinnerung. Wer ihn persönlich kannte, wird auch gerne an die Gespräche denken, für die er sich immer Zeit genommen hat.

Rudolf Wawra
im August 2006