Romantische Motive im alten Ober St. Veit

Sie inspirierten so manchen Künstler

Der Malerwinkel

Bei dem sogenannten Malerwinkel handelt es sich um die heutige Vitusgasse. Die Vitusgasse (bis 1894 Bognergasse, davor „Im Winkel“) war in früheren Zeiten ein überaus malerisches Gässchen mit erheblicher Anziehungskraft auf kreative Menschen: Die romantische Reihe der geduckten Häuser ließen Maler und Grafiker zu ihren Werkzeugen greifen, von den darin lebenden Menschen berichtete vor allem den Ober St. Veiter Heimatdichter Vinzenz Jerabek. Eine auf einer Ansichtskarte abgedruckte Zeichnung von Hans Götzinger inspirierte ihn zu der Geschichte „Die Ansichtskarte“.

Die Ansichtskarte. Das Bild zeigt vermutlich die von Vinzenz beschriebene Zeichnung von Hans Götzinger. In der Bildmitte das ehemalige Haus Vitusgasse 7, wohl das von Vinzenz Jerabek als Welkerhaus beschriebene Gebäude. © Archiv 1133.at
<p><b>Die Ansichtskarte</b></p><p>Das Bild zeigt vermutlich die von Vinzenz beschriebene Zeichnung von Hans Götzinger. In der Bildmitte das ehemalige Haus Vitusgasse 7, wohl das von Vinzenz Jerabek als Welkerhaus beschriebene Gebäude.</p><p><i>&copy; Archiv 1133.at</i></p>

Manche Künstler sind sogar weit hergereist, um diese Dorfansicht festzuhalten, zum Beispiel ein Zeitgenosse von Vinzenz Jerabek mit Künstlernamen Ricard Ieronimovic Kitner.

Idyll aus Ober St. Veit. Stich von Ricard Ieronimovic Kitner, auch Richard Küttner. Der Architekt, Grafiker und Zeichner wurde am 6. Jänner 1879 in St. Petersburg geboren und starb am 6. Jänner 1961 vermutlich in Leningrad. Küttner reiste gleich dem Münchner Architekten Arthur Vögele durch die Lande, um Stadtansichten zeichnerisch festzuhalten. Beiden Künstlern verdanken wir interessante historischen Ansichten aus Ober St. Veit. Wann Küttner nach Ober St. kam, ist unbekannt, aber vielleicht traf er Vinzenz Jerabek, schließlich ist der nur um vier Jahre jüngere Küttner dessen Zeitgenosse. © Archiv Klötzl
<p><b>Idyll aus Ober St. Veit</b></p><p>Stich von Ricard Ieronimovic Kitner, auch Richard Küttner. Der Architekt, Grafiker und Zeichner wurde am 6. Jänner 1879 in St. Petersburg geboren und starb am 6. Jänner 1961 vermutlich in Leningrad. Küttner reiste gleich dem Münchner Architekten Arthur Vögele durch die Lande, um Stadtansichten zeichnerisch festzuhalten. Beiden Künstlern verdanken wir interessante historischen Ansichten aus Ober St. Veit. Wann Küttner nach Ober St. kam, ist unbekannt, aber vielleicht traf er Vinzenz Jerabek, schließlich ist der nur um vier Jahre jüngere Küttner dessen Zeitgenosse.</p><p><i>&copy; Archiv Klötzl</i></p>

Die folgenden Fotos zeigen die Authentizität der Grafiken.

Der "Malerwinkel" (höhe Vitusgasse 7) in einer Fotografie. Keines der hier sichtbaren Gebäude besteht noch. Rechts ist zur Hälfte das ehemalige Haus Vitusgasse 7 zu sehen. Es bestand bis in die 30er Jahre des 20. Jahrhunderts. © Bezirksmuseum Hietzing
<p>Der &quot;Malerwinkel&quot; (höhe Vitusgasse 7) in einer Fotografie. Keines der hier sichtbaren Gebäude besteht noch. Rechts ist zur Hälfte das ehemalige Haus Vitusgasse 7 zu sehen. Es bestand bis in die 30er Jahre des 20. Jahrhunderts.</p><p><i>&copy; Bezirksmuseum Hietzing</i></p>
Die Vitusgasse. Eine malerische Ansicht mit den Häusern Vitusgasse 2 bis 8 (links im Bild) und Vitusgasse 7 (rechts). Das Haus Vitusgasse 6 gibt es noch. © Karl Fischer
<p><b>Die Vitusgasse</b></p><p>Eine malerische Ansicht mit den Häusern Vitusgasse 2 bis 8 (links im Bild) und Vitusgasse 7 (rechts). Das Haus Vitusgasse 6 gibt es noch.</p><p><i>&copy; Karl Fischer</i></p>
Die Vitusgasse in einer alten Fotografie. Rechts das ehemalige, in den 1930er-Jahren abgerissene Haus Vitusgasse 7 und dahinter die Häuser Vitusgasse 10 bis 14, die ebenfalls nicht mehr existieren. © Bezirksmuseum Hietzing
<p><b>Die Vitusgasse in einer alten Fotografie</b></p><p>Rechts das ehemalige, in den 1930er-Jahren abgerissene Haus Vitusgasse 7 und dahinter die Häuser Vitusgasse 10 bis 14, die ebenfalls nicht mehr existieren.</p><p><i>&copy; Bezirksmuseum Hietzing</i></p>
Vitusgasse 7. Ein Haus "Im Winkel" mit vielen Geschichten. Foto unbekannten Datums © Karl Fischer
<p><b>Vitusgasse 7</b></p><p>Ein Haus "Im Winkel" mit vielen Geschichten. Foto unbekannten Datums</p><p><i>&copy; Karl Fischer</i></p>
Die Vitusgasse. Im Vordergrund das einstige Haus Vitusgasse 16. Das Haus Vitusgasse 6 ganz rechts unterhalb des Kirchenturmes steht heute noch. © Bezirksmuseum Hietzing
<p><b>Die Vitusgasse</b></p><p>Im Vordergrund das einstige Haus Vitusgasse 16. Das Haus Vitusgasse 6 ganz rechts unterhalb des Kirchenturmes steht heute noch.</p><p><i>&copy; Bezirksmuseum Hietzing</i></p>

Das Armenhaus

Das Armenhaus von Ober St. Veit war an verschiedenen Orten untergebracht: bis 1857 in der Vitusgasse 2, bis 1879 in der heutigen Glasauergasse 2 und bis 1891 (also der Eingemeindung Ober St. Veits nach Wien) in der Glasauergasse 4 (siehe dazu u.a. hier). Nach späteren Angaben wurde die Glasauergasse 4 – 6 als ehemaliges Armenhaus bezeichnet, an dessen Stelle 1989/90 der Turnsaaltrakt der Volksschule Ober St. Veit erbaut wurde.

Aquarell von Hans Götzinger, datiert 1927. Vor dem Hintergrund der Ober St. Veiter Pfarrkirche zeigt es die Gartenansicht eines der hinteren Anbauten der ehemaligen Häuser Glasauergasse 4–6. An deren Stelle wurde 1989/90 der Turnsaaltrakt der Volksschule Ober St. Veit erbaut. © Archiv Bernhard Salcher
<p><b>Aquarell von Hans Götzinger, datiert 1927</b></p><p>Vor dem Hintergrund der Ober St. Veiter Pfarrkirche zeigt es die Gartenansicht eines der hinteren Anbauten der ehemaligen Häuser Glasauergasse 4–6. An deren Stelle wurde 1989/90 der Turnsaaltrakt der Volksschule Ober St. Veit erbaut.</p><p><i>&copy; Archiv Bernhard Salcher</i></p>
Ausschnitt aus dem 1971 von Robert Messner bearbeiteten Franziszeischen Katasterplan 1819. Ein wesentlicher Anhaltspunkt zur Motivbestimmung des Aquarells von Hans Götzinger ist die Perspektive zum Kirchturm. Nach diesem Plan-Ausschnitt bietet sich als Perspektive nur die rote Linie an, und auf dieser liegt nur das Haus mit der seinerzeitigen Konskriptionsnummer 76 = heutige Glasauergasse 6. © Archiv 1133.at
<p><b>Ausschnitt aus dem 1971 von Robert Messner bearbeiteten Franziszeischen Katasterplan 1819</b></p><p>Ein wesentlicher Anhaltspunkt zur Motivbestimmung des Aquarells von Hans Götzinger ist die Perspektive zum Kirchturm. Nach diesem Plan-Ausschnitt bietet sich als Perspektive nur die rote Linie an, und auf dieser liegt nur das Haus mit der seinerzeitigen Konskriptionsnummer 76 = heutige Glasauergasse 6.</p><p><i>&copy; Archiv 1133.at</i></p>

Ob der gezeigte Trakt tatsächlich als Armenhaus diente, ist ungewiss. Der auf dieser Seite aufrufbare Überblick über das Haus Konskriptionsnummer 75 (= Glasauergasse 4) zeigt in der Häuserzählung 1880 in zwei Wohnungen untergebrachte 11 Armenhäusler. Der Überblick über das Haus Konskriptionsnummer 76 (Glasauergasse 6) zeigt für 1880 das Haus des Viktualienhändlers Karl Premreiner mit 7 von verschiedenen Familien bewohnten Wohnungen. Vielleicht wurden dort in der einen oder anderen Wohnung später auch arme Menschen untergebracht.

hojos
21. Juli 2022