Der Gedenkstein Hans Gotter

Als einzige Erinnerung an den Hietzinger Jagdklub
10.11.2019

Ober St. Veit und Umgebung ist eine wunderschöne Gegend, auch zum Wandern. Die  „Umgebung“ kann in großzügiger Auslegung ohneweiteres über den heutigen 13. Wiener Gemeindebezirk Hietzing hinausreichen. Auch dort stößt man immer wieder auf Bezüge zu unserer Lokalgeschichte. Dies passierte dem Ober St. Veiter Dipl.-Ing Franz Dworzak, als er auf einem seiner Streifzüge in einem abgelegenen Waldstück südöstlich des Tulbinger Kogels einen recht ansehnlichen Gedenkstein fand. 

Gedenkstein Hans Gotter. Ausschnitt, fotografiert am 12. November 2019 © Archiv 1133.at
<p><b>Gedenkstein Hans Gotter</b></p><p>Ausschnitt, fotografiert am 12. November 2019</p><p><i>&copy; Archiv 1133.at</i></p>

Die etwas verwitterte Aufschrift ist leicht zu entziffern: 

„Unser Jagdleiter
Hans Gotter
fand an dieser Stelle
in Ausübung des
edlen Weidwerks den Tod
Mai 1934
Hietzinger Jagdklub Skt. Hubertus“

Auf der rechten Seite des Gedenksteins ist auch eine Medaille mit derselben Vereinsbezeichnung eingelassen.

Gedenkstein Hans Gotter. Von der an der rechten Seite eingelassene Medaille wurden offensichtlich mehrere Stück gemacht. Ein Exemplar wurde im November 2017 um € 25,50 auf eBay verkauft. © Archiv 1133.at
<p><b>Gedenkstein Hans Gotter</b></p><p>Von der an der rechten Seite eingelassene Medaille wurden offensichtlich mehrere Stück gemacht. Ein Exemplar wurde im November 2017 um € 25,50 auf eBay verkauft.</p><p><i>&copy; Archiv 1133.at</i></p>

Das weckte natürlich die Neugier des Wanderers. Wer war Hans Gotter? Gab es wirklich einen Jagdklub in Hietzing? Und was war da passiert, im Mai 1934?

Erste Anlaufstelle bei solchen Dingen sind natürlich die Bezirksmuseen, in diesem Falle das BM Hietzing und natürlich auch das BM Penzing: Schließlich war in früheren Zeiten der Wienfluss keine trennende Linie, sondern er lag inmitten des von 1891 bis 1938 auch die nördlich des Flusses gelegenen ehemaligen Dörfer umfassenden 13. Wiener Gemeindebezirks Hietzing.

Im Bezirksmuseum Hietzing gibt es keine Unterlagen über diesen Verein. Vom  Bezirksmuseum Penzing erhielt Herr DI Dworzak folgende Information: Der „Hietzinger Jagdklub St. Hubertus“ hatte seinen Sitz (in den 1920er-Jahren) in Hietzing, Am Platz 5. Sonst diesbezüglich keine Archivalien“. Am Platz 5 war die Adresse des sehr bekannten und 1898 neu errichteten Restaurants „Zum Weißen Engel“. Heute ist dort Brandauers Schlossbräu. Der Weiße Engel barg also auch den Stammtisch der Hietzinger Hubertus-Jäger.

Allgemeine Ausführungen sind auch dem Internet zu entnehmen. Mit adäquaten Suchworten ist rasch der „Bund Österreichischer Jagdvereinigungen“ auffindbar, und er gibt im geschichtlichen Teil folgende Erläuterungen: ... In den 1920er-Jahren gab es eine größere Anzahl von Jagdvereinen, und es entstand der Wunsch, durch einen Zusammenschluss besser auftreten zu können. 1925 erfolgte auf Einladung des Jagd- und Naturschutzvereines Wien-West und des Jagdklubs „St. Hubertus“ aus Hietzing eine Besprechung mit den Obmännern bzw. Delegierten mehrerer Wiener Jagdvereine zwecks Schaffung einer Dachorganisation ...

Somit lag es nahe, den Kontakt mit dem BÖJV aufzunehmen. Die Anfrage wurde folgendermaßen beantwortet: „Betreffend ihrer Anfrage wegen des Hietzinger Jagdklub St. Hubertus haben wir keinerlei Unterlagen. Dieser ist auch seit 2014 kein Mitglied mehr bei uns und nur vom seinerzeitigen Präsidenten Dkfm. Günther Hlosta habe ich noch die Anschrift. ... er soll aber verstorben sein. Auch von Herrn Hans Gotter habe ich keinerlei Aufzeichnungen. Mit den besten Grüßen und einem Weidmannsheil zeichnet der Präsident und Geschäftsführer des BÖJV ...“

Die weitere Forschung, etwa im Vereinsregister, in den historischen Tageszeitungen oder auch bei den Nachfahren des letzten Vereinsobmannes wird sicher noch weitere Details hervorbringen.

Gedenkstein Hans Gotter. Gesamtansicht, fotografiert am 12. November 2019. © Archiv 1133.at
<p><b>Gedenkstein Hans Gotter</b></p><p>Gesamtansicht, fotografiert am 12. November 2019.</p><p><i>&copy; Archiv 1133.at</i></p>
Gedenkstein Hans Gotter. Der Naturstein zeigt am linken oberen Eck einen klar erkennbaren Hundekopf. Fotografiert am 12. November 2019. © Archiv 1133.at
<p><b>Gedenkstein Hans Gotter</b></p><p>Der Naturstein zeigt am linken oberen Eck einen klar erkennbaren Hundekopf. Fotografiert am 12. November 2019.</p><p><i>&copy; Archiv 1133.at</i></p>
Die Lage des Denkmals ist auch auf der BEV-Karte ersichtlich. Die GPS-UTM-Koordinaten: E 33 0 585 935, N 5 347 795, Höhe 405,3 m © Archiv 1133.at
<p><b>Die Lage des Denkmals ist auch auf der BEV-Karte ersichtlich</b></p><p>Die GPS-UTM-Koordinaten: E 33 0 585 935, N 5 347 795, Höhe 405,3 m </p><p><i>&copy; Archiv 1133.at</i></p>

Quellen:
Dipl.-Ing. Franz Dworzak

hojos
im November 2019