Posthorn

Die Siedlung und der Siedlerverein
15.10.2019

Die Posthorn-Siedlung und der daraus hervorgegangene Siedlerverein hat – verglichen mit den zahlreichen anderen Siedlungsinitiativen Hietzings – einige Besonderheiten, erfreuliche und weniger erfreuliche. Vielleicht ist letzteres der Grund, warum sie der lokalhistorischen Aufmerksamkeit bisher entgangen sind. Eine der Besonderheiten liegt schon in der Wurzel dieser Siedlung im Jahr 1944, als die WKII-Bombardements von Wien begannen. Mit der Posthorn-Siedlung hat auch die bis dahin relativ dünne Besiedelung des Tales (oder eben Grabens) zwischen Gemeindeberg und Hörndlwald eine Beschleunigung erhalten. Zum besseren Verständnis stelle ich eine kurze Regionalgeschichte des Wlassakgrabens voran.

Das Gebiet vor der Besiedelung

Der Wlassakgraben ist ein Teil der heutigen Katastralgemeinde Ober St. Veit. Schon das ist erstaunlich, schließlich weist dessen natürlicher Zugang über die Jagdschloßgasse eigentlich Richtung Lainz und kaum nach dem hinter den Klippenbergen versteckten St. Veit an der Wien. Die Ursache liegt allerdings schon weit zurück und hängt wohl mit den Gegebenheiten und Arrondierungen im Rahmen der Schenkungen des 14. Jahrhunderts zusammen, als die neu gegründete Probstei St. Stefan mit Schloss und Herrschaft St. Veit, aber auch mit Lainz und Speising begütert wurde. Für Lainz waren bald andere Lehensherren aktenkundig, doch das hier betrachtete Gebiet blieb bei der Probstei bzw. den späteren (Erz-)bischöfen von Wien.

Das Zugehörigkeitsgefühl vieler der heutigen Bewohner des Wlassakgrabens zu Lainz und nicht zu Ober St. Veit wird auch durch die Pfarreinteilungen verstärkt: Seit der Gründung der römisch-katholischen Pfarre Lainz-Speising im Jahr 1783 (sie wurde aus der Pfarre Penzing herausgelöst, siehe www.1133.at/document/view/id/795) ist sie für das hier betrachtete (damals freilich unbewohnte) Gebiet zuständig.

Die Grenzen der römisch-katholischen Pfarren in der Region. Ausschnitt. © Archiv Gerstbach
<p><b>Die Grenzen der römisch-katholischen Pfarren in der Region</b></p><p>Ausschnitt.</p><p><i>&copy; Archiv Gerstbach</i></p>

Die Nutzung des Grabens war, zumindest bis ins 19. Jahrhundert, eine rein landwirtschaftliche, wobei die heutige Wlassakstraße eine deutliche Trennlinie bildete: Nördlich der Wlassakstraße, also auf den Südhängen des Gemeindeberges, lagen die Weingärten, auf der anderen Seite lagen vorwiegend Äcker und Weiden. Der Franziszeische Katasterplan aus dem Jahr 1819 zeigt dies deutlich.

Der Wlassakgraben im Franziszeischen Katasterplan 1819. Zu dieser Zeit war er noch völlig unverbaut. Das nächstliegende Gebäude war die Einsiedelei am östlichen Rand des Gemeindeberges. © Archiv 1133.at
<p><b>Der Wlassakgraben im Franziszeischen Katasterplan 1819</b></p><p>Zu dieser Zeit war er noch völlig unverbaut. Das nächstliegende Gebäude war die Einsiedelei am östlichen Rand des Gemeindeberges. </p><p><i>&copy; Archiv 1133.at</i></p>

Die drei historischen Riedbezeichnungen dieser Gegend, Neukräften, Miss in Kögeln und Wolkersbergen sind in Straßennamen und dem Namen eines Kleingartenvereines erhalten geblieben. Die Wlassakstraße als der heutige Hauptverkehrsweg in diesem Bereich wurde erst relativ spät benannt, nämlich im Jahr 1931 nach Dr. Rudolf Wlassak (1865–1930), dem Gründer der Arbeiter-Abstinenzbewegung. Bis dahin folgte ein unbenannter Feldweg einer kaum Wasser führenden Rinne, die bei der Jagdschloßgasse in den aus dem Lainzer Tiergarten kommenden Lackenbach mündete, einem Zubringer des Lainzerbaches. Auch die anderen Verkehrswege in diesem Bereich sind – von der Gemeindeberggasse abgesehen – in dieser Zeit oder später benannt worden. In dieser Darstellung erlaube ich mir, den betrachteten Bereich, also das Tal zwischen Gemeindeberg und Hörndlwald, als Wlassak-Graben zu bezeichen, auch für die Zeit vor dieser Namensgebung.

Der Wlassakgraben um 1930 mit dem Faniteum. Zu diesem Zeitpunkt hatte die Verbauung wohl schon an Dynamik gewonnen, dennoch ist dieses Foto geeignet, die früheren Verhältnisse mit viel Wiesen und wenig Häusern zu veranschaulichen. Entlang des Talbodens, der zur Wlassakstraße wurde, führen Wagenspuren auf völlig unbefestigtem Gelände. © Bildarchiv der Österreichischen Nationalbibliothek
<p><b>Der Wlassakgraben um 1930 mit dem Faniteum</b></p><p>Zu diesem Zeitpunkt hatte die Verbauung wohl schon an Dynamik gewonnen, dennoch ist dieses Foto geeignet, die früheren Verhältnisse mit viel Wiesen und wenig Häusern zu veranschaulichen. Entlang des Talbodens, der zur Wlassakstraße wurde, führen Wagenspuren auf völlig unbefestigtem Gelände.</p><p><i>&copy; Bildarchiv der Österreichischen Nationalbibliothek</i></p>

Die beginnende Bebauung

Der Franzisko-Josephinische Plan aus dem Jahr 1869 zeigt gleich dem oben gezeigten Franziszeischen ein nach wie vor völlig unverbautes Gebiet. Die frühesten Bauwerke entstanden um den Gemeindeberg. Der neue Friedhof am Südhang des Gemeindeberges, angelegt auf Grundstücken des reichen Ober St. Veiter Bürgers Johann C. Kümmerle (siehe erste Fabriken Ober St. Veits), wurde 1876 eröffnet, das gemauerte Verwaltungsgebäude entstand allerdings erst nach der Eingemeindung Ober St. Veits nach Wien, also nach 1891. Dennoch dürfte es das erste Gebäude in diesem Bereich gewesen sein.

Der landschaftlichen Reiz des Gebietes mit dem nahen Lainzer Tiergarten, dem Grün der umliegenden Wälder, dem höckrigen Gelände des schroff ansteigenden Gemeindeberges und dessen Aussicht auf nahe und entfernte bewaldete Hügel über dem ausgedehnten Wiener Becken wurde erst später gewürdigt, zuerst wohl von Kaiserin Elisabeth, deren Spaziergänge von der Hermesvilla auch hierher führten. Auch die Spaziergänge von Graf Karl Lanckoronski und seiner Frau Franziska Gräfin Attems führten bevorzugt in diese Gegend. Der Graf sah die Kuppe neben dem Gemeindeberg als idealen Bauplatz und ließ dort 1894–96 das Faniteum erbauen. Den Grund hatte er von der Lainzer Bauernfamilie Wambacher. Deren Grundbesitz in der Region dürfte sehr umfangreich gewesen sein, auch die Kleingärten unterhalb des Faniteums entstanden auf 1946 parzellierten und verkauften Wambacher-Gründen. Die Familie Wambacher, die sich 1819 noch als Weinbauernfamilie sah, verhielt sich in den landwirtschaftlichen und sonstigen Umstürzen der Folgezeit sehr geschickt, und ihre Proponenten brachten es zum Ortsrichter, arbeiteten sich zu stadtbekannten Meiereibesitzern hoch, wo auch die Mitglieder des kaiserlichen Hofes verkehrten, und stellten nach der Abschaffung der Grundherrschaften und der Gültigkeit des provisorischen Gemeindegesetzes auch einen Bürgermeister. Das Faniteum war nach dem Friedhofsgebäude das zweite Bauwerk, das dem „Wlassak-Graben“ zurechenbar ist.

Eine andere Familie mit reichem Besitz in dieser Gegend war die Ober St. Veiter Milchmeierfamilie Wimpissinger, die Gründe für den Bau des 1904 eröffneten Versorgungsheimes beitrug. Allerdings waren weder die Kümmerles noch die Wimpissingers Nachfahren alteingesessener Bauern, sie sind erst im 19. Jahrhundert eingewandert, die Kümmerles etwa in der Mitte des Jahrhunderts, die Wimpissingers 1873.

Johann Pueckers Winzerhaus in der heutigen Gemeindeberggasse 61. Nach dem Faniteum war es das zweite größere Gebäude um den Wlassakgraben. Nach dem Brand in der Einsiedelei 1908 und deren Ende soll Herr Puecker versucht haben, deren Tradition hier fortzusetzen. In diesem Sinne nannte er sein Lokal „Zur schönen Aussicht“. Es wird auch von einem elektrischen Klavier berichtet, das Alt und Jung zum Tanz anlockte. Doch bald wurde der Betrieb durch das bergauf entstandene Gasthaus Leitl abgelöst, dass sich ebenfalls „Zur schönen Aussicht“ nannte. Das Winzerhaus war dann schon um 1930 zum Heim der „Nazarener“ geworden. Foto aus dem Jahr 1911 © Archiv 1133.at
<p><b>Johann Pueckers Winzerhaus in der heutigen Gemeindeberggasse 61</b></p><p>Nach dem Faniteum war es das zweite größere Gebäude um den Wlassakgraben. Nach dem Brand in der Einsiedelei 1908 und deren Ende soll Herr Puecker versucht haben, deren Tradition hier fortzusetzen. In diesem Sinne nannte er sein Lokal „Zur schönen Aussicht“. Es wird auch von einem elektrischen Klavier berichtet, das Alt und Jung zum Tanz anlockte. Doch bald wurde der Betrieb durch das bergauf entstandene Gasthaus Leitl abgelöst, dass sich ebenfalls „Zur schönen Aussicht“ nannte. Das Winzerhaus war dann schon um 1930 zum Heim der „Nazarener“ geworden. Foto aus dem Jahr 1911</p><p><i>&copy; Archiv 1133.at</i></p>
Die Wlassakstraße in einem historischen Foto aus den 1930er-Jahren, das ebenfalls einen Eindruck von den früheren Verhältnissen gibt. Der Weg entlang des Talbodens ist zwar schon recht ausgefahren, aber nach wie vor unbefestigt. Oben an der heutigen Gemeindeberggasse haben sich zum ehemaligen Winzerhaus bereits das Gasthaus zur schönen Aussicht und dahinter das Friedhofsgebäude gesellt. © Archiv 1133.at
<p><b>Die Wlassakstraße in einem historischen Foto aus den 1930er-Jahren, das ebenfalls einen Eindruck von den früheren Verhältnissen gibt</b></p><p>Der Weg entlang des Talbodens ist zwar schon recht ausgefahren, aber nach wie vor unbefestigt. Oben an der heutigen Gemeindeberggasse haben sich zum ehemaligen Winzerhaus bereits das Gasthaus zur schönen Aussicht und dahinter das Friedhofsgebäude gesellt.</p><p><i>&copy; Archiv 1133.at</i></p>
Das Faniteum mit den darunter liegenden Kleingärten. Die an der Gemeindeberggasse liegenden Gründe für die Kleingärten (sog. Wambacher-Gründe) wurden um 1946 parzelliert und verkauft. © Archiv 1133.at
<p><b>Das Faniteum mit den darunter liegenden Kleingärten</b></p><p>Die an der Gemeindeberggasse liegenden Gründe für die Kleingärten (sog. Wambacher-Gründe) wurden um 1946 parzelliert und verkauft.</p><p><i>&copy; Archiv 1133.at</i></p>
Blick auf das Faniteum. Dieses Foto unbekannten Datums zeigt den früheren Zustand der heutigen Gemeindeberggasse. © Archiv 1133.at
<p><b>Blick auf das Faniteum</b></p><p>Dieses Foto unbekannten Datums zeigt den früheren Zustand der heutigen Gemeindeberggasse.</p><p><i>&copy; Archiv 1133.at</i></p>

Die Transformation

Die bisher genannten Bauwerke sind markant, aber nicht typisch für die endgültige Besiedelung des Wlassak-Grabens. Diese ist eine Folge einer grundsätzlichen Transformation, die schon sehr früh eingesetzt hatte.

Die Jahrhunderte währende landwirtschaftliche Nutzung änderte sich während des 19. und 20. Jahrhunderts allmählich und mit erheblichen spekulativen Momenten in eine Nutzung zu Siedlungszwecken. Wesentliche Ursachen sind folgende Faktoren mit unterschiedlicher Dominaz im Zeitablauf:

  • Die Revolution 1848 mit dem darauffolgenden Ende der Grundherrschaft. Das provisorische Gemeindegesetz 1851 gab den Ortsgemeinden eine uneingeschränkte Verfügungsmacht über die in ihren Besitz fallenden Grundstücke, z.B. aus der Allmende.
  • Die notorische Geldnot der neuen Ortsgemeinden ergab einen entsprechenden Verkaufszwang.
  • Der Zusammenbruch des Weinbaus im 19. Jahrhundert und die folgende Konjunktur der Milchwirtschaft ließ Wiesen und Äcker zu den erfolgreicheren Milchbauern und in zunehmendem Maße zu vermögenden Bürgern ohne landwirtschaftlichen Hintergrund wandern.
  • Das enorme Wachstum Wiens erhöhte den Siedlungsdruck auch in den 1891 eingemeindeten ehemaligen Vororten.
  • Von der Gemeinde Wien ausgehende großräumige Projektierungen führten zu korrespondierenden Grundkäufen finanzstarker Investoren.

Es begann sich auch im Wlassakgraben ein Liegenschaftskarussell mit massenhaften Grundstückszusammenlegungen und -teilungen zu drehen, das zu hunderten Bauplätzen führte. Es würde den Rahmen dieses Beitrages sprengen, auf die Vorgänge und die daran Beteiligten genauer einzugehen. Die Durchsicht der neueren Grundbücher ab 1880 mit Angaben zu den Jahrzehnten davor zeigt neben der Gemeinde Ober St. Veit als offensichtliche größten und eifrig verkaufenden Besitzer von Wiesen und Äckern vor allem südlich der heutigen Wlassakstraße auch bekannte Ober St. Veiter Namen wie Glasauer, Melchart, Brunner, Nothart etc.

Im Zusammenhang mit der hier hauptsächlich betrachteten Posthorn-Siedlung sind die in der EZ 905 arrondierten Wiesen und Äcker von besonderem Interesse. Deren weiteres Schicksal wird im Jahr 1913 offenkundig, als sie mit einer Fläche von rd. 26.000 Quadratmetern von Johann und Maria Glasauer, Realitätenbesitzer in der Glasauergasse 34, an die „Hietzinger Terrain und Baugesellschaft m.b.H.“ verkauft wurden.

Ein Zusammenhang mit den schon sehr konkret gewordenen Projektierungen der Gemeinde Wien liegt nahe. Der vom Verlag der Universitätsbuchhandlung R. Lechner herausgegebene und unter Mitwirkung des Stadtbauamtes ca. 1914 erstellt Plan zeigt diese Projektierungen. Er zeigt auch ein mit Ausnahme des Friedhofsgebäudes, des Faniteums und des späteren Winzerhauses nach wie vor völlig unverbautes Gebiet.

Ausschnitt aus dem Lechner Plan 1914. Das Umfeld von Lainz und Ober St. Veit wird zunehmend besiedelt, doch der Bereich um die damals bereits projektierte Wlassakstraße ist weitgehend unbesiedelt. Es gab nur das Faniteum, das Winzerhaus und am Rande bereits das Versorgungsheim. © Archiv 1133.at
<p><b>Ausschnitt aus dem Lechner Plan 1914</b></p><p>Das Umfeld von Lainz und Ober St. Veit wird zunehmend besiedelt, doch der Bereich um die damals bereits projektierte Wlassakstraße ist weitgehend unbesiedelt. Es gab nur das Faniteum, das Winzerhaus und am Rande bereits das Versorgungsheim.</p><p><i>&copy; Archiv 1133.at</i></p>

Der Erste Weltkrieg führte zu einer erheblichen Verzögerung und wohl auch Veränderung der diversen Vorhaben. Eine umfangreiche Teilung im Jahr 1929 brachte (unter anderem) die Bauplätze der späteren Posthorn-Siedlung aus der EZ 905 vor allem in die neu eröffneten EZ 2047 und EZ 2051. Besitzer der EZ 2047 wurde Herr Moriz Altstadt, Industrieller in der Larochegasse 33, der EZ 2051 Herr Ernst Epstein, Hausbesitzer in Lainz. Aber dann passierte bis zum Beginn des Zweiten Weltkrieges auf diesen Gründen abermals relativ wenig.

Im restlichen Wlassakgraben beginnen aber schon in der Zwischenkriegszeig die verschiedensten Bauwerke aus den Wiesen zu wachsen:

  • Zuerst die aus der Not dieser Zeit geborenen Kleingartenanlagen, zuerst, ab 1913, ganz oben an der Tiergartenmauer die Ober St. Veiter Familiengärten, dann die Siedlungen Gemeindeberg I–III unterhalb der Gemeindeberggasse und Miss in Kögeln, um 1930 die Siedlung am Hörndlwald, die Gruppen Wildbach und Winzerhaus und die Anlage Wolkersbergen.
  • Fotos aus den 1930er-Jahren zeigen auch schon individuelle gemauerte Behausungen, manche gleich vier Stockwerke hoch.
  • Und natürlich auch Gasthäuser: Zum Winzerhaus gesellte sich an der Gemeindeberggase das Gasthaus zur schönen Aussicht und in den Kleingärten entstand das idyllische Gasthaus „Moos am Kogel“ oberhalb des heutigen Jennerplatzes (Wlassakstraße 100).
Café Familiengarten. „Miss in Kögeln“ oder „Moos am Kogel“ heißt diese Gegend der Gartenanlagen südwestlich vom Faniteum. In diesen Gartenanlagen ist es Frau Karoline Michalka 1928 gelungen, eine kleines Kaffeerestaurant zu eröffnen. Das Lokal wurde mehrmals weitergegeben und war bis ca. 1975 in Betrieb. Es wird gerne auch als Gasthaus Moos am Kogel bezeichnet. In Vordergrund ist die Wlassakstraße zu sehen. © Archiv 1133.at
<p><b>Café Familiengarten</b></p><p>„Miss in Kögeln“ oder „Moos am Kogel“ heißt diese Gegend der Gartenanlagen südwestlich vom Faniteum. In diesen Gartenanlagen ist es Frau Karoline Michalka 1928 gelungen, eine kleines Kaffeerestaurant zu eröffnen. Das Lokal wurde mehrmals weitergegeben und war bis ca. 1975 in Betrieb. Es wird gerne auch als Gasthaus Moos am Kogel bezeichnet. In Vordergrund ist die Wlassakstraße zu sehen.</p><p><i>&copy; Archiv 1133.at</i></p>

In den 1930er-Jahren gab auch schon eine Grundversorgung im Grätzl in Form von drei Lebensmittelhändlern. Sie sind Lehmans Wohnungsanzeiger aus dem Jahr 1936 zu entnehmen:

  • Marie Bergmayer in der Wlassakstraße 21 (Delikatessen, Käse und Salami)
  • Maria Hanig in den Ober St. Veiter Familiengärten (Gemischtwaren)
  • Katharina Varecka, in der Ober St. Veiter Interessengemeinschaft Hochwiese (Lebensmittel)
Skispass am Fuße des Gemeindeberges. Der heute dicht verbaute Hang vom Josef-Kraft-Weg hinunter zur Wlassakstraße war ein beliebter Skihang mit Aussicht auf Wien. Auch der Gegenhang ist noch wenig verbaut, doch an der unteren Wlassakstraße waren bereits hohe Gebäude entstanden. Foto aus den späten 1930er-Jahren. © Archiv Winter Ilse
<p><b>Skispass am Fuße des Gemeindeberges</b></p><p>Der heute dicht verbaute Hang vom Josef-Kraft-Weg hinunter zur Wlassakstraße war ein beliebter Skihang mit Aussicht auf Wien. Auch der Gegenhang ist noch wenig verbaut, doch an der unteren Wlassakstraße waren bereits hohe Gebäude entstanden. Foto aus den späten 1930er-Jahren.</p><p><i>&copy; Archiv Winter Ilse</i></p>

Die Anfänge der Posthorn-Siedlung

Die neuerlich bevorstehende dunkle Zeit warf ihren Schatten auch auf die EZ 2047 und EZ 2051. In den Jahren 1939 und 1940 wurden Pfandrechte zugunsten des Finanzamtes Innere Stadt für eine noch nicht entrichtete Judenvermögensabgabe von rd. 49.000 Reichsmark bzw. für eine Gebührenforderung des Deutschen Reichsschatzes in Höhe von rd. 274.000 Reichsmark eingetragen. 1942 bzw. 1944 erfolgte dann die Arifizierung. Die EZ 2051 war zuvor bereits auf dem Erbwege an die Nachfahren von Ernst Epstein gegangenen.

Der Grund wurde an die Deutsche Reichspost verpachtet, und diese erbaute darauf Holzhütten als Unterkunft für ausgebombte Postbedienstete. Die Bombenangriffe auf Wien und auch der Bau der Hütten begannen im Jahr 1944. Insgesamt wurden auf diesen Flächen 35 Hütten errichtet. Tatsächlich erbaut wurden sie von Mitarbeitern der Reichspost, unter ihnen auch Herr AR Othmar Schmid, Mitarbeiter in der Generaldirektion Laurenzerberg und Vater des späteren Obmannes des 1945 gegründeten Siedlungsvereines.

Der Bau der Hütten. Dieses Foto aus dem September 1944 zeigt jene Mannschaft, welche die Hütten an der Wlassakstraße zwischen den heutigen Nummer 45–77 in einer unteren und einer oberen Reihe aufstellte. In den Folgemonaten wurden weitere Hütten im Raum Lafitegasse/Löfflergasse montiert, sodass insgesamt ca. 35 Hütten entstanden. Zweiter von links ist Herr AR Othmar Schmid, späterer erster Obmann des SV Posthorn. © Archiv Ing. Hans Schmid
<p><b>Der Bau der Hütten</b></p><p>Dieses Foto aus dem September 1944 zeigt jene Mannschaft, welche die Hütten an der Wlassakstraße zwischen den heutigen Nummer 45–77 in einer unteren und einer oberen Reihe aufstellte. In den Folgemonaten wurden weitere Hütten im Raum Lafitegasse/Löfflergasse montiert, sodass insgesamt ca. 35 Hütten entstanden. Zweiter von links ist Herr AR Othmar Schmid, späterer erster Obmann des SV Posthorn. </p><p><i>&copy; Archiv Ing. Hans Schmid</i></p>
Blick über den Roten Berg. Dieses Foto aus dem Jahr 1944 zeigt eine seltene Perspektive von der Posthorn-Siedlung über den Graben der Jagdschloßgasse und der Veitingergasse mit der Werkbundsiedlung in der rechten Bildmitte. Auf dem Hügel im Hintergrund ist das Fabriksgebäude der ehemaligen Zeiss-Werke zu sehen. Die charakteristische Observatoriumskuppel ist hier aber nicht auszunehmen. Ist sie den Bomben zum Opfer gefallen? © Archiv Ing. Hans Schmid
<p><b>Blick über den Roten Berg</b></p><p>Dieses Foto aus dem Jahr 1944 zeigt eine seltene Perspektive von der Posthorn-Siedlung über den Graben der Jagdschloßgasse und der Veitingergasse mit der Werkbundsiedlung in der rechten Bildmitte. Auf dem Hügel im Hintergrund ist das Fabriksgebäude der ehemaligen Zeiss-Werke zu sehen. Die charakteristische Observatoriumskuppel ist hier aber nicht auszunehmen. Ist sie den Bomben zum Opfer gefallen?</p><p><i>&copy; Archiv Ing. Hans Schmid</i></p>
Die einzige Gesamtansicht der Posthorn-Siedlung aus dem Jahr 1954. Im Vordergrund die Nazarenerwiese, in der Mitte die Wlassakstraße. Links am Horizont sind die damals gerade fertiggestellten Häuser der Neusiedler-Siedlung (erbaut 1952-54) zu sehen. © Archiv Ing. Hans Schmid
<p><b>Die einzige Gesamtansicht der Posthorn-Siedlung aus dem Jahr 1954</b></p><p>Im Vordergrund die Nazarenerwiese, in der Mitte die Wlassakstraße. Links am Horizont sind die damals gerade fertiggestellten Häuser der Neusiedler-Siedlung (erbaut 1952-54) zu sehen.</p><p><i>&copy; Archiv Ing. Hans Schmid</i></p>

Die Holzhäuser hatten ca. 10 cm dicke Wände in Sandwichbauweise mit Glaswolle zwischen zwei Bretterschichten, dazwischen möglicherweise Dachpappe, um die Winddichtigkeit zu erhöhen. Die Hauptwände bestanden aus rechteckigen Fertigteilen, denen im Giebelbereich Dreiecke aufgesetzt waren. Das Ganze stand auf eingeschlagenen und mit Pfosten verbundenen Holzpflöcken (Piloten). Die Hütten hatten ein kleines Vorzimmer, ein Zimmer mit einem Herd für Holzfeuerung als Kochstelle und einem Rauchfang darüber, und sie hatten ein Kabinett als drittes Zimmer. Im Vorzimmer gab es eine Falltüre nach unten, sie diente zur Kühlung der Lebensmittel. WC gab es keines, dafür diente ein Kübel im Freien, die Exkremente wurden draußen vergraben.

Die letzte Posthorn-Huette. Wie gut und dauerhaft diese Holzhütten gebaut wurden, beweist diese Hütte, die erst 2005 nach 60 Dienstjahren abgetragen wurde. Siehe auch das Startfoto dieses Berichtes, das dieselbe Hütte zeigt. © Archiv Ing. Hans Schmid
<p><b>Die letzte Posthorn-Huette</b></p><p>Wie gut und dauerhaft diese Holzhütten gebaut wurden, beweist diese Hütte, die erst 2005 nach 60 Dienstjahren abgetragen wurde. Siehe auch das Startfoto dieses Berichtes, das dieselbe Hütte zeigt.</p><p><i>&copy; Archiv Ing. Hans Schmid</i></p>
Ein alter WC-Kübel. Ein Original aus dem Jahr 1950. Dank der angeschraubten Holzleisten konnte er ohne weitere Hilfsmittel verwendet werden. © Archiv 1133.at
<p><b>Ein alter WC-Kübel</b></p><p>Ein Original aus dem Jahr 1950. Dank der angeschraubten Holzleisten konnte er ohne weitere Hilfsmittel verwendet werden.</p><p><i>&copy; Archiv 1133.at</i></p>

Ca. ein bis zwei Jahre nach Fertigstellung im Jahr 1945 wurde Strom eingeleitet, dann auch Wasser. Die Anschlussböcke standen auf einem Platz an der westlichen Ecke zwischen der heutigen Wlassakstraße und der heutigen Lafitegasse. Alle Wege waren Naturwege, teilweise mit scharfkantiger Schlacke befestigt. Die Schlacke stammte aus den eigenen Herden oder wurde zugekauft.

Die praktische Vergabe der Hütten hatte sich allerdings nicht nur auf Bombenopfer beschränkt, es kamen auch teilausgebombte oder überhaupt von Bomben verschonte Mitarbeiter zum Zug.

Nach dem Krieg blieb der Pachtvertrag mit der nunmehr wieder Österreichischen Post- und Telegrafendirektion genannten Institution bestehen, auch nach der Restitution der Grundstücke 1947 bzw. 1949/50. Im Grundbuch ersichtlich ist dies jedoch nur für die EZ 2051.

Der Siedlerverein entsteht

1945 wurde der Siedlungs- und Eigenheimverein „Posthorn“ Wolkersbergen, Wien XIII, Wlassakstraße (in der Folge kurz „SV Posthorn“) innerhalb des Dachverbandes „Österreichischer Siedlerverband“ gegründet und angemeldet. Erster Obmann war AR Othmar Schmid. Hier das Katasterblatt eines der ersten Mitglieder aus dem Jahr 1945.

Katasterblatt des Siedlungs- und Eigenheimvereines „Posthorn“ Wolkersbergen. © Archiv Ing. Hans Schmid
<p><b>Katasterblatt des Siedlungs- und Eigenheimvereines „Posthorn“ Wolkersbergen</b></p><p><i>&copy; Archiv Ing. Hans Schmid</i></p>

Die erste Mammutaufgabe des jungen Vereines war die Bereinigung der Rechtsverhältnisse, schließlich standen die Hütten der Siedlung auf fremden Grund. Der Verein unternahm daher große Anstrengungen, den Familien Epstein und Altstadt den Siedlungsgrund abzukaufen. Diese zeigten sich durchaus verkaufsbereit, aber sie wollten die Liegenschaften auf einmal verkaufen. Es war sehr schwer, Käufer für diese Gegend, in der sich noch immer „der Fuchs gute Nacht sagte“, zu finden. Selbst die Besitzer von Hütten waren nur schwer zu bewegen, schließlich hatten die meisten kein Geld oder wollten die für damalige Verhältnisse hohen Preise (ca. 28 Schilling pro Quadratmeter) nicht zahlen.

Also rannte Herr AR Othmar Schmid von Tür zu Tür und von Interessenten zu Interessenten, um dieses Geschäft zustande zu bringen. Schließlich gelang es ihm.

Auf Basis der Teilungspläne des Geometers DI Dr. Erich Meixner wurden die Parzellen der EZ 2047, 2051 und in geringfügigem Ausmaß auch anderer EZ neu geordnet und alle zugleich in individuellen Verträgen in den Jahren 1953 bis 1955 an die neuen Eigentümer verkauft. Die Neugestaltung der Parzellen gestaltete sich nicht einfach, denn manche Hütten standen so ungünstig, dass sie auf einer neuen Grundgrenze zu stehen kamen, manchmal wurde sogar um einen Kirschbaum gestritten. Von den neuen Eigentümern hatten allerdings nur fünf die Posthorn-Siedlung als Wohnort angegeben.

Der Teilungsplan zu EZ 2051, datiert mit Oktober 1953. Er war die Basis für die Kaufverträge ebenfalls aus dem Jahr 1953 und betraf den östlichen an der Lafitegasse liegenden Teil des Gebietes der Posthorn-Siedlung. Die Parzellen an der Wlassakstraße oberhalb der Lafitegasse waren in der EZ 2047. Deren Teilung und Verkauf fand im Jahr 1955 statt. © Archiv 1133.at
<p><b>Der Teilungsplan zu EZ 2051, datiert mit Oktober 1953</b></p><p>Er war die Basis für die Kaufverträge ebenfalls aus dem Jahr 1953 und betraf den östlichen an der Lafitegasse liegenden Teil des Gebietes der Posthorn-Siedlung. Die Parzellen an der Wlassakstraße oberhalb der Lafitegasse waren in der EZ 2047. Deren Teilung und Verkauf fand im Jahr 1955 statt.</p><p><i>&copy; Archiv 1133.at</i></p>

Die Haupttätigkeit des Siedlervereines

Hauptzweck der Vereinsgründung war es, die Nachbarschaftshilfe in wahrsten Sinn des Wortes zu leben. Man half sich gegenseitig und arbeitete zusammen, wo es Sinn machte: bei der Gestaltung von Wegen, beim Ausbau von Wasserabläufen, bei Anlegen von Obst- und Gemüsegärten usw. Da es auch noch keine Baumärkte gab, war auch der gemeinsame und damit billigere Einkauf verschiedener Materialien (Gartenzäune, Pflastersteine, Saatgut etc.) wichtig. Zur Erleichterung der Nachbarschaftshilfe wurde schon bei der seinerzeitigen Besiedelung der Posthorn-Hütten darauf geachtet, möglichst viele Handwerker, aber auch Experten anderer Berufe wie Geometer oder Juristen unter den Siedlern zu haben, um diese möglichst autark zu machen. In gewisser Weise gelang dies auch, und die gegenseitige Hilfe funktionierte. Freilich nicht in gänzlich altruistischer Weise, die Leistungen wurden zu Freundschaftspreisen oder mit Gegenleistungen abgegolten.

Im Laufe der Zeit wurden die einfachen Holzhütten durch schmucke gemauerte Häuser ersetzt, auch die umliegenden Parzellen füllten sich unaufhaltsam. Der Hausbau erfolgte in der Regel mit der eigenen Kraft. In den 1950er-Jahren wurden auch noch die Keller händisch ausgehoben und die Erde mit dem Schubkarren hinunter zum Bach geführt. Dieser blieb noch lange offen, und wurde erst in den 1980er-Jahren eingewölbt.

Steine über Steine in der Lafitegasse 19. Am 17. Mai 1958 wurde die Kellersohle per Handarbeit erreicht. Hier sind Herr AR Othmar Schmid (rechts) und ein Helfer bei der Arbeit. Der Gesamtaushub betrug rund 400 Kubikmeter. © Archiv Ing. Hans Schmid
<p><b>Steine über Steine in der Lafitegasse 19</b></p><p>Am 17. Mai 1958 wurde die Kellersohle per Handarbeit erreicht. Hier sind Herr AR Othmar Schmid (rechts) und ein Helfer bei der Arbeit. Der Gesamtaushub betrug rund 400 Kubikmeter.</p><p><i>&copy; Archiv Ing. Hans Schmid</i></p>
Gemauerte Häuser ersetzen die Holzhütten. Das Foto aus dem Jahr 1959 mit Blick von der Nazarenerwiese zeigt den Wandel in der Posthorn-Siedlung: Nach dem Kauf der Grundstücke werden die Holzhütten Schritt für Schritt und mit viel Arbeit durch größere Häuser bzw. Villen ersetzt. Die Wlassakstraße ist noch in einem wüsten Zustand mit zahlreichen Erdhaufen und Anschüttungen. © Archiv Ing. Hans Schmid
<p><b>Gemauerte Häuser ersetzen die Holzhütten</b></p><p>Das Foto aus dem Jahr 1959 mit Blick von der Nazarenerwiese zeigt den Wandel in der Posthorn-Siedlung: Nach dem Kauf der Grundstücke werden die Holzhütten Schritt für Schritt und mit viel Arbeit durch größere Häuser bzw. Villen ersetzt. Die Wlassakstraße ist noch in einem wüsten Zustand mit zahlreichen Erdhaufen und Anschüttungen.</p><p><i>&copy; Archiv Ing. Hans Schmid</i></p>
Zustellung im Jahre 1960. In der chaotischen Lafitegasse (hier etwa vor dem heutigen Haus Nr. 17) wurde das anzuliefernde Baumaterial nicht immer bis zum Bestimmungsort gebracht. Manchmal wurde es dort abgeladen, wo der LKW stecken blieb, und die Leute mussten sich das Material mit der Scheibtruhe holen. © Archiv Ing. Hans Schmid
<p><b>Zustellung im Jahre 1960</b></p><p>In der chaotischen Lafitegasse (hier etwa vor dem heutigen Haus Nr. 17) wurde das anzuliefernde Baumaterial nicht immer bis zum Bestimmungsort gebracht. Manchmal wurde es dort abgeladen, wo der LKW stecken blieb, und die Leute mussten sich das Material mit der Scheibtruhe holen.</p><p><i>&copy; Archiv Ing. Hans Schmid</i></p>

Die Tätigkeit des Siedlervereines blieb keineswegs auf die Posthorn-Siedlung beschränkt, sondern begann auch die umliegenden Häuslbauer zu unterstützen. Später war es vor allem der Delikatessenhändler Georg Schröck im Haus Wlassakstraße Nr. 21, der das Wachstum des Vereines förderte. Er bot auch eine Hauszustellung von telefonisch bestellten Lebensmittel an, kannte alle Leute in der Gegend und konnte viele dazu bewegen, dem Verein beizutreten. Sein Delikatessengeschäft betrieb er von ca. 1955 bis 2000.

Wesentliche Dienstleistungen eines Siedlervereines stellt allerdings der Hauptverband bereit, wobei es sich über Einkaufsvergünstigungen hinaus um regelmäßige Schulungen und Beratungsleistungen von landwirtschaftlicher bis zu juristischer Art handelt. Geboten wird auch eine Rechtsschutz- und Haftpflichtversicherung. Ein verbindendes Element sind auch die regelmäßig erscheinenden Publikation des Verbandes.

Vom Mitgliedsbuch zur Mitgliedskarte. Früher mussten in die Mitgliedsbücher viertel- oder halbjährlich die Mitgliedsmarken geklebt werden. Seit 2003 stehen handliche Mitgliedskarten (ohne Markenkleberei) auf EDV-Basis in Scheckkartenkröße für jeweils zwei Jahre zur Verfügung. Rechts oben das in der Ära Schmid eingeführte Posthorn zur Verschönerung des Schriftverkehrs. © Archiv 1133.at
<p><b>Vom Mitgliedsbuch zur Mitgliedskarte</b></p><p>Früher mussten in die Mitgliedsbücher viertel- oder halbjährlich die Mitgliedsmarken geklebt werden. Seit 2003 stehen handliche Mitgliedskarten (ohne Markenkleberei) auf EDV-Basis in Scheckkartenkröße für jeweils zwei Jahre zur Verfügung. Rechts oben das in der Ära Schmid eingeführte Posthorn zur Verschönerung des Schriftverkehrs.</p><p><i>&copy; Archiv 1133.at</i></p>

Ein paar Blitzlichter aus dem Wlassakgraben

Im Laufe der kommenden Jahrzehnte erlebte das Gebiet eine heftige Siedlungstätigkeit. Bei weitem überwiegte der Bau von Einfamilienhäusern auf den teilweise schon in der Zwischenkriegszeit vorbereiteten Parzellen, wobei mit steigendem Wohlstand so mancher Bau die Vorgaben der Flächenwidmungs- und Bebauungsbestimmungen ausreizte. Einige Liegenschaften gingen an Wohnbaugenossenschaften und ähnlichen Institutionen, die großflächige Wohnhausanlagen errichteten. Auch die Gemeinde Wien errichtete einige Gemeindebau-Anlagen. Es ist dies natürlich keine Besonderheit mehr im Vergleich zu anderen Bezirksteilen Hietzings, ein paar Fotos sollen trotzdem einen kurzen Einblick geben.

Der Wlassakgraben ca. 1930. Diese frühe Gesamtansicht ist ein guter Einstieg in die lokalen „Blitzlichter“. Die Verbauung ist noch gering und beschränkt sich von Schrebergartenhütten und kleineren Häusern abgesehen auf das Faniteum, das Gasthaus zur schönen Aussicht, das Winzerhaus (zu diesem Zeitpunkt schon das Haus der Nazarener) und die Einsiedelei ganz rechts. Den Wlassakgraben entlang zieht sich ein dünnes, nur selten mit Wasser gefülltes Rinnsal, der Verkehrsweg an seiner Seite ist ein kaum erkennbarer Feldweg. Zur Lokalisierung des Standortes des Fotografen kann der markante Stein in der Bildmitte dienen. Ursprünglich stand er im Bereich des späteren Konsum-Bauplatzes im Zwickel zwischen heutiger Jagschloßgasse und Wlassakstraße. Erhard Dollinger kam dazu, als er bereits ausgegraben war und zum Abtransport bereit lag. Es gelang ihm, den Stein zu „retten“ und weiter oben im Grünstreifen der Wlassakstraße neu aufstellen zu lassen. Dort steht er heute noch. Der Konsum wurde im Lauf der Zeit zum Zielpunkt und ist jetzt ein neu gebauter Spar. Der Standpunkt des Fotografen liegt also an der Einmündung der heutigen Wlassakstraße in die Jagdschloßgasse bzw. unterhalb der ehemals offenen Einmündung des Rinnsals aus dem Wlassakgraben in den Lackenbach. © ÖNB Wien: L 32.252C
<p><b>Der Wlassakgraben ca. 1930</b></p><p>Diese frühe Gesamtansicht ist ein guter Einstieg in die lokalen „Blitzlichter“. Die Verbauung ist noch gering und beschränkt sich von Schrebergartenhütten und kleineren Häusern abgesehen auf das Faniteum, das Gasthaus zur schönen Aussicht, das Winzerhaus (zu diesem Zeitpunkt schon das Haus der Nazarener) und die Einsiedelei ganz rechts. Den Wlassakgraben entlang zieht sich ein dünnes, nur selten mit Wasser gefülltes Rinnsal, der Verkehrsweg an seiner Seite ist ein kaum erkennbarer Feldweg. Zur Lokalisierung des Standortes des Fotografen kann der markante Stein in der Bildmitte dienen. Ursprünglich stand er im Bereich des späteren Konsum-Bauplatzes im Zwickel zwischen heutiger Jagschloßgasse und Wlassakstraße. Erhard Dollinger kam dazu, als er bereits ausgegraben war und zum Abtransport bereit lag. Es gelang ihm, den Stein zu „retten“ und weiter oben im Grünstreifen der Wlassakstraße neu aufstellen zu lassen. Dort steht er heute noch. Der Konsum wurde im Lauf der Zeit zum Zielpunkt und ist jetzt ein neu gebauter Spar. Der Standpunkt des Fotografen liegt also an der Einmündung der heutigen Wlassakstraße in die Jagdschloßgasse bzw. unterhalb der ehemals offenen Einmündung des Rinnsals aus dem Wlassakgraben in den Lackenbach.</p><p><i>&copy; ÖNB Wien: L 32.252C</i></p>
Der heutige Blick in die Wlassakstraße. Die Perspektive entspricht etwa der des obigen Fotos aus der Zeit um das Jahr 1930. Das Grätzl macht weiterhin einen sehr grünen Eindruck, ist aber dennoch dicht verbaut, und einen weiten Blick kann man nur mehr von einigen höheren Stellen genießen. © Archiv 1133.at
<p><b>Der heutige Blick in die Wlassakstraße</b></p><p>Die Perspektive entspricht etwa der des obigen Fotos aus der Zeit um das Jahr 1930. Das Grätzl macht weiterhin einen sehr grünen Eindruck, ist aber dennoch dicht verbaut, und einen weiten Blick kann man nur mehr von einigen höheren Stellen genießen.</p><p><i>&copy; Archiv 1133.at</i></p>
Der „Kultstein“. Heute steht er auf der Höhe Wlassakstraße 27. Vom Faniteum und dem ehemaligen Versorgungsheim abgesehen ist er der einzige unter Denkmalschutz (nach § 2a, Objekt-ID 41568) stehende Gegenstand dieser Region. Der in der Denkmalliste lapidar als Kultstein bezeichnete Gegenstand wird unter Fachleuten als „Lochstein“ diskutiert, wobei der Rahmen von Denkmalen aus der Jungsteinzeit bis zu mittelalterlichen Grenzsteinen oder auch Gattersteinen reicht, wobei letzteres realistischer klingt. Interessant ist dennoch die Nähe des ursprünglichen Standortes zum „Flohberg“ in der Gobergasse, wo sich ein von Erhard Dollinger beschriebenes jungsteinzeitliches Bergwerk befunden haben soll. Siehe auch www.1133.at/document/view/id/1372. Foto vom 9. August 2019 © Archiv 1133.at
<p><b>Der „Kultstein“</b></p><p>Heute steht er auf der Höhe Wlassakstraße 27. Vom Faniteum und dem ehemaligen Versorgungsheim abgesehen ist er der einzige unter Denkmalschutz (nach § 2a, Objekt-ID 41568) stehende Gegenstand dieser Region. Der in der Denkmalliste lapidar als Kultstein bezeichnete Gegenstand wird unter Fachleuten als „Lochstein“ diskutiert, wobei der Rahmen von Denkmalen aus der Jungsteinzeit bis zu mittelalterlichen Grenzsteinen oder auch Gattersteinen reicht, wobei letzteres realistischer klingt. Interessant ist dennoch die Nähe des ursprünglichen Standortes zum „Flohberg“ in der Gobergasse, wo sich ein von Erhard Dollinger beschriebenes jungsteinzeitliches Bergwerk befunden haben soll. Siehe auch www.1133.at/document/view/id/1372. Foto vom 9. August 2019</p><p><i>&copy; Archiv 1133.at</i></p>
Ein Fossil (Ammonit), ca. 170 Millionen Jahre alt. Dieses Fundstück aus der Lafitegasse bestätigt, dass ein archäologisch interessantes Gebiet auch geologisch sehr interessant sein kann. © Archiv 1133.at
<p><b>Ein Fossil (Ammonit), ca. 170 Millionen Jahre alt</b></p><p>Dieses Fundstück aus der Lafitegasse bestätigt, dass ein archäologisch interessantes Gebiet auch geologisch sehr interessant sein kann.</p><p><i>&copy; Archiv 1133.at</i></p>
Bick auf Wien von der Gastterrasse des OTV am Jennerplatz. Vom Faniteum abgesehen hat man hier wohl einen der schönsten Blicke über den Wlassakgraben hinweg auf Wien. © Archiv 1133.at
<p><b>Bick auf Wien von der Gastterrasse des OTV am Jennerplatz</b></p><p>Vom Faniteum abgesehen hat man hier wohl einen der schönsten Blicke über den Wlassakgraben hinweg auf Wien.</p><p><i>&copy; Archiv 1133.at</i></p>
Die Ober St. Veiter Familiengärten. Sie sind der älteste noch bestehende Kleingartenverein des 13. Wiener Gemeindebezirks. Dieses alte Vereinshaus etwas oberhalb des OTV erinnert an die Gründung. © Archiv 1133.at
<p><b>Die Ober St. Veiter Familiengärten</b></p><p>Sie sind der älteste noch bestehende Kleingartenverein des 13. Wiener Gemeindebezirks. Dieses alte Vereinshaus etwas oberhalb des OTV erinnert an die Gründung.</p><p><i>&copy; Archiv 1133.at</i></p>
Josef-Lister-Gasse 32. Dieses Schild erinnert an die frühe Tätigkeit der gemeinnützigen Wohnbauunternehmen auch in dieser Gegend. © Archiv 1133.at
<p><b>Josef-Lister-Gasse 32</b></p><p>Dieses Schild erinnert an die frühe Tätigkeit der gemeinnützigen Wohnbauunternehmen auch in dieser Gegend.</p><p><i>&copy; Archiv 1133.at</i></p>
Die Siedlung zwischen Joseph-Lister-Gasse und Löfflergasse. © Archiv 1133.at
<p><b>Die Siedlung zwischen Joseph-Lister-Gasse und Löfflergasse</b></p><p><i>&copy; Archiv 1133.at</i></p>
Wlassakstraße 45. Dieses Haus an der Ecke zur Lafitegasse war eines der Häuser, die sukzessive die Posthorn-Hütten ersetzt hatten. Es wurde vor kurzem verkauft und abgerissen. Foto vom 20. September 2014. © Archiv Ing. Hans Schmid
<p><b>Wlassakstraße 45</b></p><p>Dieses Haus an der Ecke zur Lafitegasse war eines der Häuser, die sukzessive die Posthorn-Hütten ersetzt hatten. Es wurde vor kurzem verkauft und abgerissen. Foto vom 20. September 2014.</p><p><i>&copy; Archiv Ing. Hans Schmid</i></p>
Der Neubau Wlassakstraße 45 an der Ecke zur Lafitegasse. Fotografiert am 3. August 2019. © Archiv Ing. Hans Schmid
<p><b>Der Neubau Wlassakstraße 45 an der Ecke zur Lafitegasse</b></p><p>Fotografiert am 3. August 2019.</p><p><i>&copy; Archiv Ing. Hans Schmid</i></p>
Das Haus Wlassakstraße 49 im Jahr 2011. Es war das Haus des Geometers DI Dr. Meixner, der die Parzellierungen im Rahmen der Transaktionen 1953–55 durchführte. Es war ebenfalls eines der Häuser, die sukzessive die Posthorn-Holzhütten ersetzt hatten. © Archiv Ing. Hans Schmid
<p><b>Das Haus Wlassakstraße 49 im Jahr 2011</b></p><p>Es war das Haus des Geometers DI Dr. Meixner, der die Parzellierungen im Rahmen der Transaktionen 1953–55 durchführte. Es war ebenfalls eines der Häuser, die sukzessive die Posthorn-Holzhütten ersetzt hatten.</p><p><i>&copy; Archiv Ing. Hans Schmid</i></p>
Das Haus Wlassakstraße 49 im Jahr 2015. Die Verdichtung machte auch vor dieser Adresse nicht halt. © Archiv Ing. Hans Schmid
<p><b>Das Haus Wlassakstraße 49 im Jahr 2015</b></p><p>Die Verdichtung machte auch vor dieser Adresse nicht halt.</p><p><i>&copy; Archiv Ing. Hans Schmid</i></p>
Das Haus Wlassakstraße 30 im Jahr 2011. Es wurde nicht abgerissen, sondern es wurde mit einer Renovierung begonnen. © Archiv Ing. Hans Schmid
<p><b>Das Haus Wlassakstraße 30 im Jahr 2011</b></p><p>Es wurde nicht abgerissen, sondern es wurde mit einer Renovierung begonnen.</p><p><i>&copy; Archiv Ing. Hans Schmid</i></p>
Das Haus Wlassakstraße 30 im Jahr 2014. Renovierung statt Abriss und Verdichtung sind die Ausnahme in der Siedlungsentwicklung. © Archiv Ing. Hans Schmid
<p><b>Das Haus Wlassakstraße 30 im Jahr 2014</b></p><p>Renovierung statt Abriss und Verdichtung sind die Ausnahme in der Siedlungsentwicklung.</p><p><i>&copy; Archiv Ing. Hans Schmid</i></p>
Der Zielpunkt in der Wlassakstraße 1. Als Nachfolger des Konsum war er der Hauptversorger im Grätzl. Leider ging er in Konkurs. Foto vom 20. Februar 2016. © Archiv Ing. Hans Schmid
<p><b>Der Zielpunkt in der Wlassakstraße 1</b></p><p>Als Nachfolger des Konsum war er der Hauptversorger im Grätzl. Leider ging er in Konkurs. Foto vom 20. Februar 2016.</p><p><i>&copy; Archiv Ing. Hans Schmid</i></p>
Der neugebaute Spar in der Wlassakstraße 1. Er trat an die Stelle des ehemaligen Zielpunkt als hauptsächlicher Nahversorger. Foto vom 1. Februar 2019. © Archiv Ing. Hans Schmid
<p><b>Der neugebaute Spar in der Wlassakstraße 1</b></p><p>Er trat an die Stelle des ehemaligen Zielpunkt als hauptsächlicher Nahversorger. Foto vom 1. Februar 2019.</p><p><i>&copy; Archiv Ing. Hans Schmid</i></p>

Die Obmänner des SV Posthorn und deren Vereinsschwerpunkte

1945–1956: Herr AR Othmar Schmid

  • Er war Miterbauer der Siedlungshütten.
  • Er gründete den SV Posthorn.
  • Er veranlasste die Parzellierung der Grundstücke.
  • Er organisierte den Kauf der Grundstücke.

1957–1971: Herr Derkits

  • Er konsolidierte den Verein.
  • Er half bei der Umgestaltung der Hütten in Wohnhäuser.
  • Die Veredelung der Obstbäume begann in seiner Ära.

1972–1989: Herr Julius Birkmayer

  • Er initiierte die Unterschriftenaktion zur Erhaltung der Nazarenerwiese.
  • Zum Erfolg führten seine Verhandlungen mit dem Wiener Bürgermeister  Dr. Leopold Gratz.
  • Er war der Gründer der Grätzlfeste.

1990–1999: Herr Georg Schröck

  • Er verbesserte die Vereinskommunikation.
  • Er war der Initiator und Gründer der Tagesausflugsfahrten.
  • Seine besondere Stärke war die Gewinnung neuer Vereinsmitglieder.

2000–2015: Herr Ing. Hans Schmid

  • Er verhinderte die Vereinsauflösung.
  • Er ließ zeitgemäße Statuten erstellen.
  • Er forcierte die Ausflugsfahrten.
  • Er verfasste regelmäßig Beiträge für die Zeitung des Hauptverbandes.
  • Das Jubliäum im Jahr 2005 feierte er under anderem mit der Festschrift „60 Jahre SV Posthorn“.
  • Der Zusammenschluss der SV Posthorn mit dem SV Friedensstadt ist seine Initiative.

Die Obmänner des SV Posthorn. AR Othmar Schmid, Julius Birkmayer, Georg Schröck, Ing. Hans Schmid. Vom zweiten Obmann Herrn Derkits ist kein Foto vorhanden. © Archiv 1133.at
<p><b>Die Obmänner des SV Posthorn</b></p><p>AR Othmar Schmid, Julius Birkmayer, Georg Schröck, Ing. Hans Schmid. Vom zweiten Obmann Herrn Derkits ist kein Foto vorhanden.</p><p><i>&copy; Archiv 1133.at</i></p>

Der Kampf um die Wiesen und Parkplätze

Eines wiederholt sich in jedem Siedlungsgebiet: Die etablierten Siedler kämpfen um die noch bestehenden Grünräume und gegen weitere Umwidmungen in Bauland. Grundsätzlich ist der Wlassakgraben in überwiegend lockerer Art und Weise mit kleineren Häusern bebaut, die meist der Bauklasse I entsprechen. Auch die gärtnerische Ausgestaltung kommt dabei nicht zu kurz. Die Wlassakstraße mit ihrer breiten Grünfläche verstärkt den Eindruck eines sehr erholsamen Ambientes, das auch mit gutem Grund zu einer gesuchten Wohngegend geworden ist. Dementsprechend groß ist der Siedlungsdruck, und freie Grünflächen sind rar geworden: Zwischen der Joseph-Lister-Gasse und der Gemeindeberggasse gibt es nach der Verbauung des Grünraumes der Dermotagasse nur mehr drei öffentlich zugängliche Grünflächen. Die bekannteste davon ist die Nazarenerwiese, und der Kampf um sie ist ein eigenes Kapitel.

Die Nazarenerwiese im Jahr 1965. Sie war immer schon eine beliebte Rodelwiese. Früher war sie allerdings frei von jeglichem Bewuchs, der das Rodelvergnügen behindern könnte. © Archiv Ing. Hans Schmid
<p><b>Die Nazarenerwiese im Jahr 1965</b></p><p>Sie war immer schon eine beliebte Rodelwiese. Früher war sie allerdings frei von jeglichem Bewuchs, der das Rodelvergnügen behindern könnte.</p><p><i>&copy; Archiv Ing. Hans Schmid</i></p>

1982 wurde bekannt, dass auch sie umgewidmet und verbaut werden sollte. Um dies zu verhindern, startete der damalige Obmann, Herr J. Birkmayer, mit vielen Helfern eine Unterschriftenaktion, bei der ca. 1000 Unterschriften gesammelt werden konnten. Herr Birkmayer besprach die Thematik direkt mit Bürgermeister Dr. Gratz und nach einigen Wochen kam die Erfolgsmeldung: Die Wiese wird nicht umgewidmet und bleibt für die Erholung und den Wintersport erhalten. In den Folgejahren wurde auf dieser Wiese das Grätzlfest des Siedlervereines ins Leben gerufen.

Aus dem Umstand, dass um die letzten Wiesen eines Wohngebietes gekämpft werden muss, folgt zwangsläufig ein anderer: Das Gebiet ist bereits weitgehend bebaut und es werden viele Parkplätze benötigt. Das daraus folgende Konfliktpotential ist aus vielen Wohngebieten Wiens bekannt: Es bürgern sich Parkordungen ein, die der Straßenordnung widersprechen, von der Obrigkeit aber weitgehend toleriert werden. Das war bis ins Jahr 2000 auch in der Wlassakstraße der Fall, und zwar dort, wo sie eine Sackgasse mit Gegenverkehr bildet. Allerdings musste die Behörde auf Anzeigen reagieren, die auf den verparkten zweiten Fahrstreifen hinwiesen. Von den erzürnten Anrainern, unter denen sich auch Mitglieder des SV Posthorn befanden, wurde auch der Ombudsmann der Kronenzeitung, Dr. Zilk, bemüht. Der wünschte sich – natürlich erfolglos – eine „flexibler gestaltete Straßenverkehrsordnung“. Die salomonische Lösung durch die Gemeinde Wien war und ist ein Parkstreifen, der einen Teil des Grünstreifens einnimmt.

Die erzürnten Anrainer wollen keine „Gesetzesbrecher“ sein und stiegen im Jahr 2000 auf die Barrikaden. Zweiter von rechts in der vordersten Reihe ist der damalige Obmann des SV Posthorn Georg Schröck. © Foto Kronenzeitung / Klemens Groh
<p><b>Die erzürnten Anrainer wollen keine „Gesetzesbrecher“ sein und stiegen im Jahr 2000 auf die Barrikaden</b></p><p>Zweiter von rechts in der vordersten Reihe ist der damalige Obmann des SV Posthorn Georg Schröck.</p><p><i>&copy; Foto Kronenzeitung / Klemens Groh</i></p>
Parkende Autos im Jahr 2019. Ein Parkstreifen auf dem Grünbereich der Wlassakstraße legalisierte sie. © Archiv 1133.at
<p><b>Parkende Autos im Jahr 2019</b></p><p>Ein Parkstreifen auf dem Grünbereich der Wlassakstraße legalisierte sie.</p><p><i>&copy; Archiv 1133.at</i></p>

Die Grätzlfeste des Siedlervereins

Sie wurden auch Wiesenfeste genannt und fanden seit der gewonnenen Unterschriftenaktion 1982 auf der Nazarenerwiese statt. Der Initiator war vor allem der damalige Obmann Julius Birkmayer. Sehr von Nutzen waren auch Herr und Frau Schröck, die in ihrem Kundenkreis nicht nur für den Siedlerverein selbst, sondern auch für seine Aktionen warben. Geboten wurden bei den Festen natürlich die verschiedensten Attraktionen, von Musikgruppen wie der „Pole Position“ mit R. Seuhs am Schlagzeuzg und M. Woisteschläger am Piano im Jahr 1984.

3. Grätzlfest 1984. Die Band „Pole Position“ mit R. Seuhs am Schlagzeug und M. Woisetschläger am Piano sowie 2 Freunden (Bass und Saxophon) erwies sich als Publikumsmagnet. © Archiv Ing. Hans Schmid
<p><b>3. Grätzlfest 1984</b></p><p>Die Band „Pole Position“ mit R. Seuhs am Schlagzeug und M. Woisetschläger am Piano sowie 2 Freunden (Bass und Saxophon) erwies sich als Publikumsmagnet.</p><p><i>&copy; Archiv Ing. Hans Schmid</i></p>

Natürlich gab es auch gutes Essen und Trinken, das in der Regel von den Mitgliedern des Vereines gespendet wurde, und ein umfangreiches Angebot für Kinder: Zauberer, Clowns, Geschichten- und Märchenerzähler, Animationen wie Basteln, Masken gestalten etc. Abschluss des Festes war in der Regel eine Tombola. Gesponsert wurden die Feste vom club 13, unterschiedlichen Gewerbebetrieben und von Vereinsmitgliedern.

Das Grätzlfest am 23. Juni 2001. Bei schönstem Wetter faszinierte der Zauberer jung und alt. © Archiv Ing. Hans Schmid
<p><b>Das Grätzlfest am 23. Juni 2001</b></p><p>Bei schönstem Wetter faszinierte der Zauberer jung und alt.</p><p><i>&copy; Archiv Ing. Hans Schmid</i></p>
Das Grätzlfest am 14. Juni 2003. Den von mehrere Mitgliedern gespendeten Köstlichkeiten wurde reichlich zugesprochen. © Archiv Ing. Hans Schmid
<p><b>Das Grätzlfest am 14. Juni 2003</b></p><p>Den von mehrere Mitgliedern gespendeten Köstlichkeiten wurde reichlich zugesprochen.</p><p><i>&copy; Archiv Ing. Hans Schmid</i></p>
Das Grätzlfest am 19. Juni 2004. Die Arbeit beginnt bei jedem Fest nach mehr oder minder langem Studium der Anleitung mit der Montage des Festzeltes. Danach werden Tische, Bänke, Sonnenschirme, Standeln und Griller aufgestellt. Wenn dann auch Wasser, Strom und die Musikanlage installiert und alle sonstigen Vorbereitungen abgeschlossen sind, kann das Fest beginnen. © Archiv Ing. Hans Schmid
<p><b>Das Grätzlfest am 19. Juni 2004</b></p><p>Die Arbeit beginnt bei jedem Fest nach mehr oder minder langem Studium der Anleitung mit der Montage des Festzeltes. Danach werden Tische, Bänke, Sonnenschirme, Standeln und Griller aufgestellt. Wenn dann auch Wasser, Strom und die Musikanlage installiert und alle sonstigen Vorbereitungen abgeschlossen sind, kann das Fest beginnen.</p><p><i>&copy; Archiv Ing. Hans Schmid</i></p>
Das Grätzlfest am 19. Juni 2004. Jedes Jahr wurde die Beliebtheit des Grätzlfestes durch den zahlreichen Besuch bestätigt. © Archiv Ing. Hans Schmid
<p><b>Das Grätzlfest am 19. Juni 2004</b></p><p>Jedes Jahr wurde die Beliebtheit des Grätzlfestes durch den zahlreichen Besuch bestätigt.</p><p><i>&copy; Archiv Ing. Hans Schmid</i></p>
Das Grätzlfest am 19. Juni 2004. Zu den Grätzlfesten fand sich auch die Bezirksprominenz ein, hier der damalige Bezirksvorsteher DI Heinz Gerstbach (Bildmitte). © Archiv Ing. Hans Schmid
<p><b>Das Grätzlfest am 19. Juni 2004</b></p><p>Zu den Grätzlfesten fand sich auch die Bezirksprominenz ein, hier der damalige Bezirksvorsteher DI Heinz Gerstbach (Bildmitte).</p><p><i>&copy; Archiv Ing. Hans Schmid</i></p>
Das Grätzlfest am 18. Juni 2005. Zu Gast waren auch BV DI Heinz Gerstbach (Bildmitte) und BV-Stv. Dorothea Drilik (2. von links). In diesem Jahr wurde ihnen die Festschrift „60 Jahre SV Posthorn“ überreicht. © Archiv Ing. Hans Schmid
<p><b>Das Grätzlfest am 18. Juni 2005</b></p><p>Zu Gast waren auch BV DI Heinz Gerstbach (Bildmitte) und BV-Stv. Dorothea Drilik (2. von links). In diesem Jahr wurde ihnen die Festschrift „60 Jahre SV Posthorn“ überreicht.</p><p><i>&copy; Archiv Ing. Hans Schmid</i></p>
Das Grätzlfest am 14. Juni 2008. Bei diesen Festen gab es immer ein eigenes Programm für die Kinder. Die Animateurin Frau Kinast bastelte mit ihnen selbst gefertigten Kopfschmuck. © Archiv Ing. Hans Schmid
<p><b>Das Grätzlfest am 14. Juni 2008</b></p><p>Bei diesen Festen gab es immer ein eigenes Programm für die Kinder. Die Animateurin Frau Kinast bastelte mit ihnen selbst gefertigten Kopfschmuck.</p><p><i>&copy; Archiv Ing. Hans Schmid</i></p>
Das Grätzlfest am 15. Juni 2013. Ing. Hans Schmid mit Mag. Silke Kobald (damals designierte BV von Hietzing) und noch-BV DI Heinz Gerstbach. © Hietzing.at
<p><b>Das Grätzlfest am 15. Juni 2013</b></p><p>Ing. Hans Schmid mit Mag. Silke Kobald (damals designierte BV von Hietzing) und noch-BV DI Heinz Gerstbach.</p><p><i>&copy; Hietzing.at</i></p>
Das Grätzlfest am 15. Juni 2013. Für gute Stimmung sorgt natürlich auch die Tombola, bei der jedes der ca. 180 Lose gewinnt. Dementsprechend groß ist der Ansturm beim Tombola-Stand. Die Lose wurden von den Vereinsmitgliedern gespendet. Leider war es das vorletzte Grätzlfest auf der Nazarenerwiese. © Archiv Ing. Hans Schmid
<p><b>Das Grätzlfest am 15. Juni 2013</b></p><p>Für gute Stimmung sorgt natürlich auch die Tombola, bei der jedes der ca. 180 Lose gewinnt. Dementsprechend groß ist der Ansturm beim Tombola-Stand. Die Lose wurden von den Vereinsmitgliedern gespendet. Leider war es das vorletzte Grätzlfest auf der Nazarenerwiese.</p><p><i>&copy; Archiv Ing. Hans Schmid</i></p>

Das Ende der Grätzlfeste kündigte sich bereits in der Jahreshauptversammlung 2014 am 17. März 2014 im Gasthaus zum lustigen Radfahrer an: Die behördlichen Auflagen stiegen ins unermessliche: Die MA 36 (Tech. Gewerbeangelegenheiten) forderte Baumgutachten, einen Wetterwarndienst, ein mobiles WC, Festordner, Feuerlöscher, keine Gläser etc. Die MA 42 (Wiener Stadtgärten) forderte ein Benützungsübereinkommen für die Wiese. Trotz der zusätzlichen Arbeit und Kosten fand das Fest 2014 noch statt, und zwar am 14. Juni, aber es war das letzte. Für das Fest 2015 konnten nicht genug Helfer gefunden werden, auch nicht aus dem viel größeren SV Friedensstadt.

Die Ausflugsfahrten

Die Grätzlfeste hatten zweifelsohne eine die Bewohner des Wlassakgrabens verbindende Wirkung. Das Zusammengehörigkeitsgefühl im Siedlungsgebiet weiter vertiefen können darüber hinausgehende gemeinsame Aktivitäten, und in diesem Sinne waren die seit 1995 veranstalteten Bus-Tagesfahrten eine einzige Erfolgsstory. Initiator bzw. Gründer dieser Ausflüge war Herr Georg Schröck.

Der 4. Bus-Tagesausflug 1998. Er führte ins Waldviertel bzw. zum schönsten Weinfest-Umzug in Retz. Dort konnten die besten Weine verkostet werden. © Archiv Ing. Hans Schmid
<p><b>Der 4. Bus-Tagesausflug 1998</b></p><p>Er führte ins Waldviertel bzw. zum schönsten Weinfest-Umzug in Retz. Dort konnten die besten Weine verkostet werden.</p><p><i>&copy; Archiv Ing. Hans Schmid</i></p>
Der 10. Bus-Tagesausflug 2004. Mit einer Rekordteilnehmerzahl ging es bei herrlichem Wetter nach Schloß Hof. Die roten Schutzhelme wurden wegen der damaligen Restaurierungsarbeiten verordnet. © Archiv Ing. Hans Schmid
<p><b>Der 10. Bus-Tagesausflug 2004</b></p><p>Mit einer Rekordteilnehmerzahl ging es bei herrlichem Wetter nach Schloß Hof. Die roten Schutzhelme wurden wegen der damaligen Restaurierungsarbeiten verordnet.</p><p><i>&copy; Archiv Ing. Hans Schmid</i></p>

Die Ära Ing. Hans Schmid uns seines Teams

Viele der Schwerpunkte, die Herr Ing. Hans Schmid als letzter Obmann des SV Posthorn setzte, waren schon von seinen Vorgängern begonnen worden. Wichtig war ihm vor allem ein aktives Vereinsleben und die Förderung des Zusammenhaltes. Vier Aktivitäten sollten dies ermöglichen: 

  • Die Hauptversammlung zu Jahresbeginn. Sie wurde konsequenter und in ausführlicherer Weise vorbereitet und in einem naheliegenden Gasthaus veranstaltet. Es gab eine vorbereitende Sitzung der Vereinsleitung und ein ausführliches Protokoll an jedes Mitglied.
  • Auch das ab 1982 veranstaltete Wiesenfest auf der Nazarenerwiese in der Mitte des Jahres wurde ausgebaut. So etwas bedeutet sehr viel Arbeit. Es halfen 8 bis 10 Leute, und die Tätigkeitsliste umfasste fünf Schreibmaschinenseiten. Besucht wurden die Feste von ca. 130 bis 180 Menschen, auch von der Bezirksvorstehung und von Bezirksräten.
  • Ein sehr verbindende Wirkung hatten die jährlichen Ausflugsfahrten. Auch sie wurden vom vorhergehenden Obmann Schröck eingeführt, Ing. Schmid steigerte das Interesse und den Zuspruch und ließ die Fahrten in keinem Jahr ausfallen.
  • Regelmäßige Artikel in der Zeitung des Hauptverbandes.

Auf diese Art und Weise konnte die gewohnte Mitgliederzahl um die 60 trotz der Scheidungen, Todesfälle und Übersiedlungen mit anschließendem Verkauf des Hauses gehalten werden. Der Mitgliedsbeitrag betrug zuletzt 22 Euro, von denen mit 13 Euro der Großteil an den Verband weitergereicht wurde. 

Die Fusion mit dem SV Friedensstadt

Im Jahr 2005 wurde es Ing. Schmid aus gesundheitlichen Gründen zuviel, und er begann einen Nachfolger zu suchen. Doch niemand fand sich, selbst das persönliche Gespräch mit ca. 20 geeigneten Leuten blieb erfolglos. Letzter Ausweg, um den Verein am Leben erhalten zu können, war eine Kooperation mit einem anderen Verein. Unterstützt durch den Hauptverband der Siedlervereine wurde der Siedlerverein Friedensstadt als nächstliegender und bereitwilliger Verein ausfindig gemacht.

Die Gespräche mit dem Hauptverband begannen in der zweiten Hälfte des Jahres 2014, und am 12. November 2014 erfolgte im Beisein des Landesobmannes Wien des ÖSV ein Erstgespräch mit dem Vorstand des SV Friedensstadt. Bald gab es beiderseitiges Einvernehmen und am 12. Februar 2015 fand im Restaurant Thurn die letzte Hauptversammlung des eigenständigen SV Posthorn unter Obmann Ing. Hans Schmid statt. Bei dieser wurde die Fusion mit dem SV Friedensstadt einstimmig angenommen.

Im Rahmen dieser Hauptversammlung wurde Herrn Ing. Schmid auch das Ehrenzeichen in Gold des Österreichichen Siedlerverbandes samt Urkunde überreicht.

Die letzte Hauptversammlung des selbstständigen SV Posthorn am 12. Februar 2015. Sie fand mit rund 30 Teilnehmern im Restaurant Thurn statt. © Archiv Ing. Hans Schmid
<p><b>Die letzte Hauptversammlung des selbstständigen SV Posthorn am 12. Februar 2015</b></p><p>Sie fand mit rund 30 Teilnehmern im Restaurant Thurn statt.</p><p><i>&copy; Archiv Ing. Hans Schmid</i></p>
Ehrung Ing. Hans Schmid. Überreichung des Goldenen Ehrenzeichens und des Diploms durch den Vizepräsidenten und Landesobmann von Wien Walter Engelscharmüller am 12. Februar 2015. © Archiv Ing. Hans Schmid
<p><b>Ehrung Ing. Hans Schmid</b></p><p>Überreichung des Goldenen Ehrenzeichens und des Diploms durch den Vizepräsidenten und Landesobmann von Wien Walter Engelscharmüller am 12. Februar 2015.</p><p><i>&copy; Archiv Ing. Hans Schmid</i></p>
Die Urkunde vom 12. Februar 2015. © Archiv Ing. Hans Schmid
<p><b>Die Urkunde vom 12. Februar 2015</b></p><p><i>&copy; Archiv Ing. Hans Schmid</i></p>

Am 19. Juli 2015 fand die erste Hauptversammlung des fusionierten SV Friedensstadt /SV Posthorn unter Obmann Dr. Klemenjak statt. Der Unterschied in der Mitgliederzahl ist groß:  Der SV Friedensstadt hat rd. 220 Mitglieder, von den 60 Mitgliedern des SV Posthorn folgten rd. 40 in den fusionieren Verein.

Die Dienstleistungen des Hauptverbandes bleiben natürlich dieselben, die im SV Posthorn gewohnten Aktivitäten konnten aber nicht aufrechterhalten werden: Sie haben sich für deren Mitglieder auf eine Hauptversammlung samt Protokoll reduziert. Der letzte Ausflug fand am 10. September 2017 statt, das letzte Wiesenfest am 14. Juni 2014.

Erster von bisher zwei gemeinsamen Busausflügen des SV Friedensstadt / Posthorn am 11. September 2016. Er führte in die Schallaburg. Leider war außer Herrn Klemenjak (ganz links) niemand aus der Friedensstadt dabei. © Archiv Ing. Hans Schmid
<p><b>Erster von bisher zwei gemeinsamen Busausflügen des SV Friedensstadt / Posthorn am 11. September 2016</b></p><p>Er führte in die Schallaburg. Leider war außer Herrn Klemenjak (ganz links) niemand aus der Friedensstadt dabei.</p><p><i>&copy; Archiv Ing. Hans Schmid</i></p>

Im kommenden Jahr 2020 wäre der SV Posthorn 75 Jahre alt geworden.

Quellen:
Hinweise von Irene Zöllner und Ing. Hans Popp;
Auskünfte von Ing. Hans Schmid;
Auskünfte von DI Heinz Gerstbach;
Unterlagen aus dem Archiv Ing. Hans Schmid wie Verträge, Pläne, Schriftstücke, Aktenvermerke, Protokolle, Zeitungsartikel und Fotos;
Lokalaugenscheine vor Ort;
Grundbücher;
Holzapfel, Josef: Historisches Ober St. Veit. Handwerks-, Gewerbe- und Vereinsgeschichte. Wien, Interessensgemeinschaft Kaufleute Ober St. Veit, 2009;
Internetseite www.1133.at

hojos
im August, September und Oktober 2019