Gabriel Melchior de Messey

Verweigerte als Bischof von Valence den Treueeid auf die französische Republik und ging 1801 ins Exil, zunächst nach London, dann als Gast des Wiener Erzbischofs ins Schloss Ober St. Veit. Hier starb er 1806.
1748

Auf seiner Grabplatte am Ober St. Veiter Friedhof ist zunächst nicht sein Name zu lesen, sondern „Ant(on) Jos(ef) Card(dinal) Gruscha“ und dann eine etwas weniger verständlicher lateinischer Text. Das hat immer wieder zu dem irrtümlichen Glauben geführt, dass in diesem Grab der Kardinal Gruscha liegt. Der liegt aber in Wahrheit in der Bischofsgruft unter dem Stephansdom. Die Übersetzung des Textes lautet jedoch: „A.J. Gruscha, Fürsterzbischof von Wien ließ die Gebeine aus dem alten Friedhof bergen und an diesem Ort beisetzen. Anno Domini 1905“. Es ist nicht erwähnt, wessen Gebeine er bergen ließ, aber das kann man durch einen Blick in das alte Gräberbuch des seinerzeitigen Friedhofes am heutigen Streckerpark herausfinden: Es sind die Gebeine des Bischofs der südfranzösischen Stadt Valence, Gabriel Melchior de Messey.

De Messey war dem vatikanischen Bischöfeschematismus entsprechend 1788 zum Bischof von Valence ernannt worden. Dass er sein Amt in den napoleonischen Wirren zunächst nicht antreten konnte, hing mit der Gefangenschaft Papst Pius VI. in Valance (als Gefangener der französischen Republik) zusammen. Schließlich verlangte man von De Messey als Bedingung für seinen Amtsantritt, einen Treueeid auf die französiche Republik abzulegen. De Messey weigerte sich und ging 1801 mit einer Gruppe Bischöfe ins Exil, zunächst nach London, von dort verschlug es ihn als Gast des Wiener Erzbischofs ins Schloss Ober St. Veit. Hier starb er 1806 an „Nervenfieber“. Bestattet wurde er im Streckerpark, sogar mit einer kleinen Kapelle, 1904 wurde das Grab schließlich – wie in der oben genannten Inschrift bekundet - auf den neuen Friedhof übertragen.

hojos nach Vorträgen von Felix Steinwandtner und Gebhard Klötzl
im Oktober 2005