Die Büchsen - Resl

Ein Ober St. Veiter Original
1999

Vor etwas mehr als hundert Jahren oblag die Fürsorge um die alten erwerbslosen Mitbürger den Gemeinden. Die Dorfgemeinschaft war verpflichtet, die betagten Männer und Frauen, meist waren es ehemalige Dienstboten und Handwerker, so gut es eben ging zu versorgen.

In den Armenhäusern hatten diese zumindest ein Dach über dem Kopf, das Brennholz kam aus dem Gemeindewald, und die Verpflegung wurde zumeist durch die Naturalabgaben der Wohlhabenden bestritten. Für die ärztliche Betreuung und den kleinen persönlichen Bedarf musste die Gemeindekasse herhalten. Die Sponsoren von seinerzeit, die Wohltäter, sorgten zumeist für die nötigste Bekleidung. Das Armenhaus von Ober St. Veit war in der Glasauergasse.

In einem nahegelegenen Haus wohnte in einer Kammer, so beschreibt es der Ober St. Veiter Heimatdichter J. Vinzenz, die Resl, ein stämmiges Frauenzimmer einfachen Gemütes, die zeitlebens bei einem Milchmeier tätig war und nun im Alter kleine Dienstleistungen verrichtete. Am liebsten aber war es ihr, wenn sie Kinder "erziehen" konnte; so verbot sie den Buben das „Kugelscheiben“ und auch das „Tempelhüpfen“ und gebot ihnen ein Buch zur Hand zu nehmen. Den Mädchen riet sie, Strümpfe zu stricken. Mit ihren Erziehungsversuchen war die Resl nicht erfolgreich. Sehr erfolgreich hingegen war sie mit dem Pfarrer und dem ihr zugewiesenen Amt. Jeden Freitag ging sie mit einer großen Blechbüchse bewaffnet durch das Dorf, um für die Armenhäusler zu sammeln.

Mit dem lauten Ruf: „Bitt’ für die Armen, bitt’ um an Armenkreuzer!“ zog sie von Haus zu Haus. Es war unmöglich der „Büchsen-Resl“, so wurde sie bald genannt, ohne Gabe einer Spende zu begegnen. Bisher war von der Büchsen Resl nur eine Zeichnung bekannt. Im Archiv des Bezirksmuseums fand sich nun ein Foto von ihr. Aufgenommen hat es 1894 der Fotograf Carl Mannheim, der sein Atelier im Hof des damaligen Hauses Maria-Theresienstraße 7, heute Hietzinger Hauptstraße 170, hatte. Das Atelier war ein einfaches Holzhaus, eine Wand und ein Teil des Daches verglast. Dieses „Sommeratelier“, als solches erhielt es die Bau- bzw. Benützungsbewilligung, hatte die Tischlerei Fellner aus der Glasauergasse errichtet.
Die Büchsen Resl, aufgenommen 1894 von Carl Mannheim. © Bezirksmuseum Hietzing

Felix Steinwandtner, Bezirksmuseum Hietzing
1999