Der Schönbrunner Vorplatz

Eine befleckte Zeitreise

Von den Wasserfluten zu den Autofluten

Kaum ein Bereich Wiens war von so tiefgreifenden Wandlungen und schwelenden Interessenskonflikten begleitet, wie der Vorplatz von Schönbrunn. Probleme gab es hier schon zur Zeit Maria Theresias und davor, doch damals waren es die eminente Hochwassergefahr und an manchen Tagen das Odeur der verschmutzen Wien. Die Regulierung des Wienflusses in den Jahren 1894–1902 beendete diese Probleme.

Der Khaiserliche Lust und Thiergarten Schenbrunn. Diese Ansicht Georg Matthaeus Vischers zeigt den späteren Vorplatz Schönbrunns im Jahr 1672. Das damalige Jagdschloss Kaiser Maximilians samt Zubauten war Richtung Wienfluss von einer Mauer mit Renaissanceportal umgeben. In den Nischen waren Stationen des Kreuzweges von Wien nach Mariae Hietzing aus dem Jahr 1667 eingefügt. 1773 verfügte Maria Theresia wegen seines Verfalles den Abbruch und veranlasste die Errichtung eines neuen Kreuzweges in der Hietzinger Kirche. © Archiv 1133.at

Doch schon mit der Regulierung kamen auch hochtrabende Verkehrspläne ins Spiel: Auf einer durchgehenden Einwölbung des Flusses sollte von der heutigen Kennedy-Brücke (damals Kaiser-Franz-Joseph-Brücke) bis ins Zentrum eine repräsentative Straße führen; natürlich hätte sie auch das Schloss Schönbrunn eingebunden. Verwirklicht wurde dieses Straßenprojekt bloß in einem innerstädtischen Teil, außerhalb blieb das neue Steinbett offen. Nur direkt vor dem Schloss wölbt sich mit der Schlossbrücke eine breite Betongewölbe-Brücke über den Fluss und die damalige Stadtbahn. Sie gibt dem Vorplatz bis heute einen großen Teil seiner Fläche.

Ausschnitt aus dem Franziszeischen Katasterplan 1820. In einer Bearbeitung aus dem Jahr 1971, die in roter Farbe auch die spätere Wienflussregulierung mit der breiten Schlossbrücke zeigt. Bis zur Regulierung floss die Wien in einem natürlichen (wenn auch damals schon eingetieften und begradigten) Flussbett, das ein einfacher Steg überquerte. Zwischen der Wien und dem Schloss gab es keinen durchgehenden Verkehrsweg. © Archiv 1133.at

Doch das sollte sich bald ändern. Aus einem Weg wurde eine Straße, die irgend wann Hietzinger Hauptstraße genannt worden sein soll, dann Schönbrunner Straße und ab 1885 eben Schönbrunner Schloßstraße (siehe geschichtewiki.wien.gv.at). Als Durchzugsstraße prosperieren konnte sie vor allem wegen des Platzes, den die Wienfluss-Regulierung den Straßen im Uferbereich gab. Der letzte wesentliche Schritt Richtung Verkehrshölle war im Jahr 1966 die Fertigstellung des Teilstückes der Westautobahn von Preßbaum nach Auhof, die den Verkehrsstrom in die dementsprechend ausgebauten Wientalstraßen leitete. Auch die B 1, der Nachfolger der jahrhundertelang bestehenden Reichsstraße als wichtigste Verbindung in den Westen, schickte den Hauptstrom ihres Verkehrs nicht mehr über die Kielmannseggbrücke in den Straßenzug, der zur Linzer Straße führte, sondern ebenfalls ins Wiental.

Zur Ideenfindung ab 1991

Zur entscheidenden Verbesserung der sich zunehmend verschlechternden Umwelt- und Verkehrsverhältnisse wurde im Jahr 1991 die Wiener Bundesstraßen AG mit einem generellen Straßenprojekt zwischen Kennedybrücke und Gaudenzdorfer Knoten beauftragt („Ideenfindung Bereich Schönbrunn“ gemeinsam mit der MA 19). Grundsätzlich war vorgesehen, die B 1 (Schönbrunner Schloßstraße und Schönbrunner Straße) in die Linke Wienzeile zu verlegen, doch mit Rücksicht auf die Sensibilität dieses Raumes sollte dieses Verkehrsprojekt in ein übergreifendes Gestaltungskonzept mit folgenden Rahmenbedingungen eingebunden werden:

  • Kein zusätzlicher Kfz-Verkehr
  • Errichtung einer Garage
  • Beachtung der denkmalpflegerischen Aspekte
  • Berücksichtigung der Bedürfnisse der Wohnbevölkerung und der Anforderungen des Fremdenverkehrs in der Nutzung und Gestaltung der Freiräume
  • Vorschlag von Ideen für ein umfassenderes Freizeit- und Kulturangebot.

Am 2. und 3. September 1991 hatte ein Beurteilungsgremium sieben Präsentationen zu beurteilen. Dem Gremium gehörten an: Planungsstadtrat Dr. Hannes Swoboda, die beiden Verkehrsexperten Dipl.-Ing. O. Friedreich, Dipl.-Ing. E. Lust, Arch. Prof. Mag. W. Holzbauer und Arch. Prof. Dipl.-Ing. Dr. M. Wehdorn, sowie Vertreter der Wiener Bundesstraßen AG, des BM für wirtschaftliche Angelegenheiten, der Schlosshauptmannschaft, des Bundesdenkmalamtes, der Baudirektion - Gruppe Planung, Gruppe Tiefbau und Verkehr, der Magistratsabteilungen 18, 19, 28, 42, 46 und der Wiener Stadtwerke -Verkehrsbetriebe. Die Bewertung der Jury mündete in folgenden Vorgaben:

  • Der Vorbereich des Schlosses soll nicht verbaut, sondern im Wesentlichen als Grünraum gestaltet werden.
  • Schlossvorplatz, Schlossbrücke, Brückenvorbereich und Schloßallee müssen als zusammenhängender Raum gesehen werden.
  • So könnten über eine Kulturachse das Schloss, das Technische Museum und zusätzliche kulturelle Einrichtungen miteinander verbunden werden.
  • Der Auer-Welsbach-Park soll als öffentliche Grünfläche erhalten bleiben.
  • Aufgrund der unmittelbaren Nähe der U-Bahn-Station Schönbrunn soll auf dem Gelände des Apcoa-Parkplatzes bzw. des Union- Sportgeländes eine zentrale Tiefgarage für Reisebusse und PKWs errichtet werden. Eine mögliche Verlagerung der B 1 aus der Schönbrunner Straße in die Wienzeile (eventuell in Tunnellage) muss dabei berücksichtigt werden.
  • Um die Erreichbarkeit des Schlosses und vor allem des Technischen Museums mit öffentlichen Verkehrsmittel zu verbessern, sollte ein zweiter U-Bahn-Zugang zur Station Schönbrunn geschaffen werden.
  • Um die verkehrsorganisatorischen Probleme vor dem Schloss Schönbrunn bewältigen zu können, ist eine Unterführung der B 1 in diesem Bereich stadteinwärts nicht unbedingt notwendig. Eine Unterfahrung des Schlossvorplatzes sollte aber als mögliche Lösung offen gehalten werden.
  • Die Situation im Bereich der Schlossbrücke soll relativ schnell durch geringe bauliche bzw. verkehrsorganisatorische Maßnahmen verbessert werden.
  • Umfassende Verbesserungen sind erst durch eine Neuorganisation der Nord-Süd und West-Ost Verkehrsverbindungen sowie durch eine Verlagerung der Abbieger auf der Schlossbrücke in die Winckelmannstraße möglich. Diese Maßnahmen können jedoch nur im Rahmen einer umweltgerechten Gesamtlösung für den Bereich Winckelmannstraße realisiert werden.
  • Die Probleme im Bereich Hadikgasse/Penzing könnten durch eine Tieflegung der B 1 stadtauswärts inklusive des Bereiches der Schlossbrücke bewältigt werden.

Zur Bearbeitung weiterer städtebaulicher Fragen empfahl das Beurteilungsgremium, das Team „Atelier Schönbrunner Straße“ heranzuziehen. Tatsächliche realistische Lösungen sollten mit Gutachterverfahren gefunden und stufenweise realisiert werden. Das betraf insbesondere eventuelle Untertunnelungen. Eine Gesamtuntertunnelung des Bereiches Schönbrunn wurde aber schon damals als nicht realistisch eingeschätzt, weil den Vorteilen für Schönbrunn, die bleibenden Verkehrsbelastungen in den Wohngebieten gegenüber stünden. Vorerst sollten die stark befahrenen Straßen in den Wohngebieten, wie Hadikgasse, Winckelmannstraße und Schönbrunner Schloßstraße stadteinwärts, untertunnelt werden. Eine Tiefgarage am Vorplatz in unmittelbarer Nähe der U 4-Station würde auch eine Park & Ride Funktion für Bustouristen in Richtung Innenstadt erhalten. Zur Weiterbearbeitung empfohlen wurde ein Projekt, das unter anderem ein „Besuchercenter“ als Teil der Kulturachse Schloss Schönbrunn-Technisches Museum beinhaltete.

Die Projekte zur „Ideenfindung Vorbereich Schönbrunn“ wurden von 2. bis 20. Dezember in der Wiener Planungswerkstatt (Ecke Friedrich-Schmidt-Platz / Rathaussstraße) gezeigt. Zur Eröffnung betonte Planungsstadtrat Dr. Hannes Swoboda, dass für die gesamte Westeinfahrt zwischen Gaudenzdorfer Knoten und Kennedybrücke neue Lösungen gefunden werden müsse, insbesondere aber für den sensiblen Schlossbereich. Dann versandete die „Ideenfindung“.

Von 1995 bis 1998 gab es einige fehlgeschlagene Versuche, eine Garage auf dem APCOA-Parkplatz und der Fläche des Union-Sportplatzes zu errichten. Seit 1996 ist Schönbrunn Weltkulturerbe.

Internationaler Wettbewerb im Frühjahr 2001

Im Frühjahr 2001 wurde durch die Stadtplanung Wien ein internationaler Wettbewerb über die Randzonen des Weltkulturerbes Schönbrunn vorbereitet. In diesem war auch das Vorfeld des Schlosses als detailliert zu behandelnder Teilbereich vorgesehen. Es sollten Vorschläge für eine weitergehende Nutzung des Bereiches (Empfangsbereich für Schlossbesucher, Medienzentrum, PKW Garage, Busstellplätze, Sporthalle und nicht zuletzt ein attraktiver Zugang zum Schloss) zu erarbeiten. Aus diesem Wettbewerb wurde nunmehr in der zweiten Stufe des Gutachterverfahrens das Projekt von Schindler & Szedenik (s & s architekten bzw. ss | plus Architektur ZT GmbH) und der Landschaftsplaner Auböck + Kárász als bestqualifiziertes ausgewählt und einstimmig zum Sieger gewählt.

Die Grundidee war die Verlegung der stadteinwärts führenden Bundesstraße B1 (Schönbrunner Schloßstraße) vom Schloss weg zur U-Bahn-Trasse hin. Die dadurch freiwerdenden Flächen ermöglichen eine weitläufige und teilweise begrünte Vorplatzgestaltung. Für Busse und PKWs wurden in einer dreigeschossigen Tiefgarage unter dem Vorfeld ausreichend Parkplätze bereitgestellt. Entlang einer unterirdischen Passage direkt zum Schloss waren Informationseinrichtungen, Shops, Gastronomie und ein neues Ticketzentrum geplant.

Für die Realisierung dieses Projekts waren allerdings noch zahlreiche offene Fragen wie z.B. die Absiedlung des Sportplatzes, dessen Eigentümer die Schloss Schönbrunn GmbH ist, zu klären. Bereits mit den Bezirken vorbesprochen und realisierbar wurde die Entflechtung der Verkehrsströme auf der Brücke vor dem Schlossportal beschrieben.

Von September bis November 2002 wurde das Siegerprojekt in Wanderausstellungen präsentiert. Ein Nebenprodukt dieses Wettbewerbes war übrigens die Verbauung der Fiat-Gründe.

Schönbrunn. Der Blick an der Gartenfassade des Schlosses Schönbrunn vorbei Richtung Osten zeigt anhand der Verbauung der ehemaligen Fiat-Gründe, wozu die Wiener Flächenwidmung selbst in unmittelbarer Nähe eines Weltkurturerbes imstande ist. © Archiv 1133.at

Die Rathauskorrespondenz vom 3. Dezember 2003 berichtete, dass „die Stadt Wien und die Schloss Schönbrunn Kultur- und Betriebsges.m.b.H (SKB) eine gut abgesprochene Kooperation eingegangen sind“, um dieses Projekt in drei Modulen (Neugestaltung Vorfeld, Entlastung des Vorplatzes vom Verkehr sowie Verlegung der B1 samt Tiefgaragen) bis ca. 2007/2008 schrittweise umzusetzen. „Momentan ist die Situation am Schloss-Vorfeld für Besucher eine Zumutung. Tosender Verkehr führt direkt am Schloss-Eingang vorbei, die Zugänge über stark befahrene Straßen sind nicht gesichert, andere Zugangswege sind in schlechtem Zustand“, war die Situationsbeschreibung von Geschäftsführer Franz Sattlecker. „Derzeit warten Reisebusse im Wohngebiet auf Abruf“, war die Ergänzung von Stadtrat Rudolf Schicker.

Siegerprojekt, Modul 1: realisiert

Das Teilprojekt Neugestaltung des Vorfeldes zwischen Schlossgebäude und Schönbrunner Schlossstraße wurde damals schon begonnen: ein attraktiverer Weg von der U4-Station bis zur Straße, Renovierung der Schlossfassade und Verlegung des Gehsteiges an der Schlossseite. Die Gesamtkosten von 2,5 Mio. Euro waren aus den Einnahmen in Schönbrunn zu decken. Nach Jahren wurde dieser Teil fertiggestellt.

Der neu gestaltete Gehsteig zwischen Schönbrunner Schloßstraße und Schlossanlage. Er soll den Weg von der U-Bahn zum Schloss attraktiver machen. Fotografiert am 16. August 2018. © Archiv 1133.at

Siegerprojekt, Modul 2: realisiert

Das Modul 2 (Entlastung des Vorplatzes vom Verkehr) wurde so beschrieben: Die Stadt Wien saniert 2004/2005 die Schönbrunner Schlossbrücke, als den großen Vorplatz am Haupteingang mit einem geschätzten Aufwand von 7,8 Mio. Euro. Das Tragwerk wird in technischer Hinsicht auf die geplante Straßenverlegung ausgerichtet und die Verkehrsströme werden bereits den späteren Anforderungen entsprechend umgelegt. Die Neuorganisation des Verkehrs bringt eine Verlagerung des Verkehrsknotens auf die andere Seite des Wienflusses. „Der direkte Vorplatz wird weniger befahren und damit massiv entlastet“, so Stadtrat Rudolf Schicker. Eine freie Ampelphase wird den sicheren und angenehmen Übergang zum Schloss ermöglichen.

Ab 20. Juni 2005 wurden tatsächlich Bauarbeiten zur Neugestaltung der Fläche über der Schönbrunner Schlossbrücke durchgeführt. Schwerpunkt war die Entfernung des ruhenden Verkehrs aus dem Mittelbereich, damit dieser zum Aufenthalt und zum Verweilen einlädt. Die Fläche wurde mit Natursteinplätzen, Gehwegen, Wiesen und Sträuchern ausgestattet. Die Sphingen und Löwen verblieben auf ihren Standorten, um die historische Kontinuität seit der Barockzeit darzustellen. Zum Schloss hin wurden drei breite Stufen gelegt und eine Ampelanlage für den gefahrlosen Zugang installiert. Der umfließende Autoverkehr blieb jedoch unverändert.

Die 2005 neu gestaltete Fläche über der Schlossbrücke. Fotografiert am 16. August 2018 © Archiv 1133.at

Siegerprojekt, Modul 3: nicht realisiert

Auch das Modul 3 (Verlagerung der B1, Bau von Tiefgarage und Besucherzentrum) als der aufwändigste Teil des Projektes soll bereits intensiv bearbeitet worden sein. Am neuen Flächenwidmungsplan soll schon mit Nachdruck gearbeitet worden sein. Der Haken war aber bereits an der geplanten Abwicklung des auf 40 Mio. Euro geschätzten Projektes abzulesen: im Rahmen eines Private Public Partnership-Projektes. Gesucht und offensichtlich nicht gefunden wurde ein Partner, der die unterirdischen Vorhaben im Zuge einer Dienstleistungskonzession auf eigenes Risiko errichtet, betreibt und bespielt. Dann trat jahrelange Stille ein.

Überarbeitung des Siegerprojektes 2008: Besser geht's nicht, trotzdem nicht realisiert

In dieser Ruhephase hat die ss | plus Architektur ZT GmbH zusammen mit der FCP-Verkehrsplanung (FCP Fritsch, Chiari & Partner ZT GmbH ) eine Überarbeitung des Siegerprojektes von 2002 vorgenommen, die zu einer Redimensionierung des ursprünglichen Entwurfs führte. Auch diese geänderte Version erhielt viel Zustimmung; der Text und die wichtigsten Pläne des Archtekturbüros wurden hier eingefügt und geringfügig ergänzt, um dem interessierten Leser einen Überblick zu ermöglichen.

Die primäre Idee des Siegerprojektes von 2002 blieb erhalten, sowohl der fließende als auch der ruhende Verkehr sollte neu geordnet werden. Bis dato wird das Schloss – bekanntermaßen – von der Bundesstraße B1 eingeschnürt und eine befriedigende Lösung für ankommende Busse zum Ein- und Aussteigen ist nicht vorhanden. Eine Verschwenkung der Bundesstraße und die Schaffung einer Tiefgarage unter dem Vorplatz sollte Abhilfe schaffen. Die Erfordernisse des Massen- und Erlebnistourismus im Vorfeld des Weltkulturerbes Schloss Schönbrunn sollten so realisiert werden, dass eine adäquate Freifläche entstehen kann. Dies wäre dadurch erreicht worden:

  • Die Bundestrasse B1 wird in Richtung Wienfluss verschwenkt
  • Der gesamte ruhende Verkehr wird unterirdisch angeordnet
  • Das Vorfeld von Schönbrunn wird als weitläufiges Vorland konzipiert 
Platzgestaltung und Tiefgarage Vorplatz Schönbrunn nach Überarbeitung des Wettbewerbs 2002 im Jahr 2008. © s & s architekten / FCP - Verkehrsplanung

Nach der Kreuzung bei der Schlossbrücke wäre – rechts abzweigend – die Einfahrt der Busgarage vorgesehen, hier verschwinden die Busse von der Oberfläche nach vorliegender Planung. Eine großzügige Mittelsteiggarage mit natürlicher Belichtung und Belüftung empfängt die Besucher des Schlosses. Der Weg zum Eingang des Schlosses wird so kurz wie möglich gehalten. In der geplanten Konzeption hätten 44 Busse Platz gefunden. Nach dem Besuch des Schlosses hätten sich die Besucher hier vor der Abfahrt – von eventuellen Wettereinflüssen geschützt – sammeln können.

Busgarage mit Mittelperron im ersten Untergeschoss mit Aufgangsbereich zum Schloss. Nach Überarbeitung des Wettbewerbs 2002 im Jahr 2008. © s & s architekten / FCP - Verkehrsplanung

Im Projekt sind unter der Busgarage in einer weiteren Ebene 232 PKW Abstellplätze vorgesehen. Die Reduzierung auf eine PKW-Ebene stellt eine Redimensionierung gegenüber dem Siegerprojekt von 2002 dar. Alle Stellplätze sind barrierefrei mit der Oberfläche verbunden. Die Einfahrt zu und die Ausfahrt von den PKW-Parkplätzen sind getrennt von der Einfahrt der Busse vorgesehen. Die Ausfahrt für die Busse umfasst die PKW- Ein- und Ausfahrt in kongenialer Weise, um die notwendigen Kurvenradien für die Busse zu ermöglichen.

Auch der Zugang von der U-Bahn Haltestelle wäre durch diese Neugestaltung wesentlich attraktiver geworden. Der Blick von der Station zum Schloss wäre freigelegt worden. Bemerkenswert erscheint auch die offenbar geplante gemeinsame Ampelregelung für die Ausfahrt der Busse und der PKWs zusammen mit der Ampelregelung für den Fußgängerübergang über die B1.

Querschnitt durch die Bus- und PKW- Tiefgarage. Der Sammel- und Aufgangsbereich für die Buspassagiere zum Schloss ist mit Licht durchflutet. Überarbeitung des Wettbewerbs 2000 im Jahr 2008. © s & s architekten / FCP - Verkehrsplanung

So weit der Stand der Planungen im Jahr 2008. Die beschriebenen Details sind auf http://ss-plus.at/app/#/werk/1058 nachzulesen. Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Überarbeitung des Projektes von 2008 im Vergleich zum Siegerprojekt von 2002 eine Kostenreduktion erzielen sollte, ohne die wesentlichen Grundzüge zu verletzen: Die PKW-Garage wurde auf ein Deck beschränkt, die Busgarage blieb als Tiefgarage für 44 Stellplätze im Wesentlichen wie ursprünglich geplant erhalten.

Am Rande beschäftigte sich eine von der MA 21a im Dezember 2009 in Auftrag gegebene Studie über das Zielgebiet Wiental auch mit dem Schönbrunner Vorplatz: Die Architekten Tillner & Willinger und die Landschaftsarchitekten Auböck + Kárász sahen das Hauptproblem für das Weltkulturerbe Schloss Schönbrunn unverändert im Individualverkehr und den höchst unattraktiven Fußwegen von den U4-Stationen zu den Parkeingängen. Sie pochten neuerlich auf die Notwendigkeit, das Wettbewerbsergebnis des Planerteams Schindler/Szedenik und Auböck/Kárász zur Gänze umzusetzen, und nicht nur im Teilbereich Schlossbrücke.

Darüber hinaus sollten die Grünflächen vor Schönbrunn zwischen Schlossbrücke und Kennedybrücke mit dem Hadikpark verbunden und aufgewertet werden. Die Ränder des Hadikparkes sollten entlang der Hadikgasse attraktiviert und beleuchtet werden, um den Park besser mit dem 14. Bezirk zu verbinden. Der versteckte Zugang am östlichen Ende sollte durch einen Aufgang zur Schlossbrücke ergänzt und der dort befindliche schöne Brunnen aktiviert werden. Eine Verbindung unterhalb der Schlossbrücke an dieser Stelle könnte zusammenhängende Grünflächen schaffen.

Vom Parkschutzgebiet zum Parkplatz: Schlechter geht's nicht

Das war‘s dann auch wieder. Nur die Beendigung des Pachtvertrages mit der Union als Betreiber des Sportareals konnte erreicht und damit die Auflassung des Sportzentrums trotz heftigen Gegenwindes am 31. August 2012 umgesetzt werden. Die Idee dahinter hatte sich bis dahin allerdings von dem Siegerprojekt aus dem Jahr 2001 weit entfernt und seit 2014 wurde nur mehr von oberirdischen Bus- und PKW-Stellplätzen gesprochen. Die Stadt Wien war bereit, das Projekt zu unterstützen und freundlicher Weise zu helfen, den Busparkplatz mit Touristenbussen Richtung Innenstadt auszulasten.

Es verwundert in diesem Zusammenhang nicht, dass sich das Architekturbüro des Siegerprojektes von 2002 nicht mehr an den weiteren Verwässerungen der ursprünglichen Planungen beteiligte; man hat offenbar unbeirrt an der Tiefgarage für PKWs und Busse festgehalten. Auch die Verlegung der Bundesstraße B1 zum Wienfluss ist damit Geschichte.

Ganz konkret wurde es im März 2016 mit dem Entwurf zur neuen Flächenwidmung für den Vorplatz von Schönbrunn. Der zu diesem Zeitpunkt aktuelle Entwurf des Architekten Gert Mayr-Keber sah Neben den 230 Pkw- und 72 Busparkplätzen einen 70 Meter langen Busterminal sowie einen kleinen Shop samt Ticketverkaufsstelle vor. Der Fußweg zum Schloss sollte zwischen U-Bahn-Trasse und Busparkplatz neu gestaltet, und 300 Bäume sollten gepflanzt werden. Der aktuelle Parkstreifen für Busse entlang des Schlosses sollte hingegen gestrichen werden. Aus dem bisherigen „Parkschutzgebiet“ würde also ein riesiger Parkplatz. „Der Sportplatz der Union wurde für ein Gesamtkonzept geopfert“, sagte Mag. Silke Kobald, Bezirksvorsteherin von Hietzing. Aber das gebe es mit dem nun vorliegenden Entwurf des Flächenwidmungsplans eben nicht. Das, was jetzt geplant ist, sei lediglich ein „sinnloser Betonstreifen“. Die Bezirksvertretung in Wien-Hietzing sprach sich einstimmig gegen den geplanten Großparkplatz aus und Experten bezeichneten das Projekt als Wiener Kulturschande. Als ein Grund, weshalb SPÖ und Grüne hinter dem Projekt stehen, wurde dieser genannt: Die Stadt will, dass Touristenbusse, die die Innenstadt ansteuern, künftig auch hier parken.

Eine Gruppe von Experten, darunter Erich Raith, Architekt und Professor auf der Technischen Universität, sprach sich gegen den Parkplatz vor Schönbrunn aus und eröffnete mit eigenen Planungen den Reigen an Varianten mit weniger Parkplätzen, mehr Grün und auch unterirdischen Strukturen.

Bezirksvorsteherin Silke Kobald und die renommierten Stadtplaner Architekt Manfred Wehdorn und Verkehrsplaner Werner Rosinak präsentierten am 21.6.2016 eine weitere Alternative inkl. Pkw-Parkplätze in einer Tiefgarage und oberirdisch Busplätzen („Eine Tiefgarage für Busse wäre zu teuer, da bin ich Realist“). Schließlich zeigte sich die SKB kompromissbereit und legte am Montag vor dem 5.9.2016 einen adaptierten Entwurf vor, der nun realisiert werden soll. Dabei sind neben mehr Grünflächen auch weniger Stellplätze – 52 statt 72 – auf dem geplanten Busparkplatz vorgesehen. Nach der Umsetzung sollen die Bustouristen nicht mehr auf dem Parkstreifen beim Schloss ein- und aussteigen, sondern auf einem dafür vorgesehenen Areal auf dem Busparkplatz. Auch die Touristenlinien wie die Hop-On Hop-Off-Busse müssen dann ihre Fahrgäste ebendort aussteigen lassen. Weiters ist auf dem westlichen Areal ein eingeschossiges Terminal mit einem Shop und einer Toilettenanlage vorgesehen. Mehr als 300 neue Bäume sollen auch als „Puffergrün“ zwischen Parkplatz und Schloss dienen. Mit der Konzeption ist das Ingenieurbüro FCP Fritsch, Chiari & Partner ZT GmbH beauftragt.

Aus politischer Sicht waren die Möglichkeiten bald ausgeschöpft: Die neue Flächenwidmung wurde nach Änderungen seitens des Schlosses vom 13. Bezirk abgesegnet. „Unser Wunsch nach einer Parkgarage ist theoretisch noch möglich und auch der Fußweg entlang der U-Bahn-Trasse ist eingeplant. Jetzt geht es um die Ausgestaltung, diese würde deutlich besser gehen“, so Bezirksvorsteherin Silke Kobald.

Die Ausschreibungen nach der Änderung des Flächenwidmungs- und Bebauungsplanes haben zu Angeboten und Projektvergaben geführt. Mitte 2018 erfolgte der Baustart: Die Kosten werden sich auf rund fünf Millionen Euro belaufen. Folgende Fragen, die schon 2016 von vielen gestellt wurden, bleiben allerdings bestehen; dies vor allem im Vergleich zu dem Siegerprojekt 2002:

  1. Wird der Vorplatz durch den Einsatz von rund 5 Mio. € tatsächlich zweckmäßiger genützt und schöner werden?
  2. Ist nun die Verlegung der Fahrbahn der B1 noch näher zum Schloss anstelle einer Verlegung zum Wienfluss – um eine Parkplatzoptimierung(!) vorzunehmen – tatsächlich der Weisheit letzter Schluss? Verhindert dies nicht eine eventuelle zukünftige Tiefgaragenlösung?
  3. Ist der ungehinderte Zugang von den Parkplatzflächen zum Schloss – ohne eine dicht befahrene Straße queren zu müssen – tatsächlich nichts wert?
  4. Sind nicht die – schon jetzt bestehenden – Zufahrten auf die Parkplätze für Busse und PKWs von der linken Spur der Fahrbahn der B1 eine Gefahrenquelle, die nun einbetoniert wird?
  5. Wäre nicht ein barrierefreier Übergang von den Bahnsteigen der U-Bahn  über die Westeinfahrt (oder besser unten durch) eine absolute Notwendigkeit?
  6. Stören nicht oberirdische Gebäude den Eindruck des Schlosses – eines Weltkulturerbes? Helfen hier 300 Bäume tatsächlich, diese hässlichen Gebäude zu verbergen?
  7. Sind Ladestationen für E-Bikes im Umfeld eines Weltkulturerbes notwendig? Ist der Baumbestand für die Lichteinstrahlung nicht hinderlich?

Man könnte die Liste beliebig fortsetzen. Wenn man sich schon keine Tiefgarage und/oder eine tiefgelegte Westeinfahrt leisten kann – oder will –, so lässt auf jeden Fall der Umstand ratlos zurück, dass nicht einmal der unabdingbare Zugang zum Schloss über eine tiefgelegte Passage mit Nebenräumen (Ticketcenter, WC usw.) finanziert werden konnte.

Visualisierung des in Bau befindlichen Projektes. Der Parkplatzstreifen fällt weg, die Westeinfahrt rück noch näher an die Schlossbauten. © Zoom VP / SKB

Die oben dargestellte Visualisierung zeigt die Verlegung der B1 zum Schloss und vermeidet jegliche Information, wie sich die Besuchermassen in einem oder mehreren Übergängen über die Westeinfahrt quälen müssen. Es bestätigt lediglich die bereits zitierten Fehlplanungen.

„Das Projekt insgesamt wird dem Weltkulturerbe Schönbrunn nach wie vor nicht gerecht. Umgesetzt wird leider eine bessere Autobahnraststätte. Der Bezirk hätte sich für eines der bedeutendsten Kulturgüter Österreichs eine adäquate und zukunftsorientierte Gestaltung gewünscht!“, so resigniert die Bezirksvorstehung im April 2018 (bz vom 09.04.2018).

hojos
2017–2018, ergänzt durch Karl Schiftner im August 2018