Andreas Altmann war in Hietzing

und las aus seinen Büchern
28.10.2017

Derzeit stehen die Bücher des prominenten (Reise)Schriftstellers Andreas Altmann ganz oben auf der Empfehlungsliste von Elisabeth Glaesers Bücher & Geschenkeladen. Er ist ein Lieblingsschriftsteller Elisabeth Glaesers, denn er hat viel von der Welt zu erzählen, und er gibt nützliche Tipps: In seinen beiden „Gebrauchsanweisungen“ steht er für „sein Hirn benutzen“, „mutig sein“, „freundlich zu seinen Mitmenschen sein“, „Respekt vor anderen Kulturen haben“.

Andreas Altmann hat aber auch seine kantigen Seiten. Er ist gnadenlos ehrlich mit sich und seinem Umfeld. Aber das ist mit ein Grund, warum Elisabeth Glaeser wollte, dass möglichst viele Ober St. Veiterinnen und Ober St. Veiter in den Genuss seiner Erfahrungen, seiner Weltklugheit und seiner schönen Sprache kommen.

Und dafür hatte sich die „umtriebige Frau Gläser“, wir Andreas Altmann sie liebevoll nannte, etwas ganz besonderes Ausgedacht: Sie organisierte eine Lesung mit ihm. Und was für eine! Es waren nicht genug Sessel da, um alle Interessenten im großen Festsaal des Amtshauses Hietzing adäquat unterzubringen. Viele mussten stehen.

Die einleitenden Worte sprach – anstelle von Frau BV Mag. Silke Kobald, die an diesem Tag ihren Geburtstag feierte – Mag. Klaus Daubeck. Und nach einem kurzen Statement von Elisabeth Glaeser war es soweit: Andreas Altmann erschien. Eine große, hagere Person, schwarz gewandet, die Haare ins Gesichtsfeld ragend und von der typischen Kappe bedeckt. Mit der ihm eigenen Gestik nahm er seinen Arbeitsplatz ein und begann mit der ihm eigenen Sprechweise seine rund eineinhalbstündige Lesung. Es war eine Tour durch vier seiner Bücher, von der Gebrauchsanweisung für die Welt bis zur Gebrauchsanweisung für das Leben, seinem neuesten Buch. Natürlich durfte auch „Das Scheißbuch“ (das Buch über seine schreckliche Jugend) nicht fehlen, inklusive der langen Liste an Liebenswürdigkeiten, die seine Eltern niemals zeigten. Den Pegel seiner Provokationen hatte er allerdings – möglicherweise dem Hietzinger Publikum zuliebe – etwas reduziert. Das heißt weniger Kritik am spießigen Otto Normalbürger und an den Religionen, mehr gut gemeinte Tipps fürs Leben und einige Anekdoten aus dem langen Reiseleben. Das Publikum war begeistert.

Der Büchertisch mit allen Werken Altmanns fand reichlich Zuspruch, der Wunsch nach Widmungen des Autors war zahlreich. Andreas Altmann erfüllte sie alle, lässig an eine Säule gelehnt, manchmal vier bis fünf Bücher pro Fan.

Alle hatten einen schönen Abend, und niemand war einsam. Einsamkeit ist schlimmer als die Hölle.

Hier eine Kurzbiografie von Andreas Altmann:

Andreas Altmann verließ nach einer letzten, körperlichen Auseinandersetzung mit dem Vater das Elternhaus. Im Eiltempo. Die zum Überleben notwendige Orientierung wurde zum Marathon und trieb ihn in die stillsten und lärmendsten Winkel des Planeten, finanziert mit Jobs – vom Anlageberater über Taxifahrer und Modell bis zum Straßenarbeiter. Die vielversprechend begonnene Schauspielerei entpuppte sich als Strohfeuer. Mit knapp 40 entdeckte er das Schreiben. Heute ist er mit 20 veröffentlichten Büchern (darunter sechs Bestseller) ein mehrfach ausgezeichneter Reporter und Autor. Seine Heimat ist die Welt, und Paris ist deren Hauptstadt.www.andreas-altmann.com

Interview mit Andreas Altmann:

Aus Anlass der bevorstehenden Lesung habe ich auch ein kurzes Interview mit dem Schriftsteller geführt. Die von mir gestellten Fragen sind in grüner kursiver Schrift dargestellt, die Antworten von Andreas Altmann in normaler Schriftart.

„Das Scheißleben meines Vaters, das Scheißleben meiner Mutter und meine eigene Scheißjugend“ erscheint nächstes Jahr auf Französisch. Haben sie Angst vor den Reaktionen in Ihrer Wahlheimat?

Ich denke gar nicht daran. Meine Ängste hebe ich mir für Schlimmeres auf. Ich freue mich wie jeder passabel vernunftbegabte Autor: Er wird wahrgenommen! Hurra!

Wie groß schätzen Sie Ihren „Ökologischen Fußabdruck“?

Klein, da ich weder Auto noch Waschmaschine noch Badewanne noch Kinder besitze. Und groß, wenn ich (oft) ein Flugzeug besteige. Wir haben alle Dreck am Stecken.

Glauben Sie, irgendwann einmal ohne Provokation auszukommen?

Hey, wir haben schon genug stinkfade Bücher.

Würden Sie sich als wütenden Menschen beschreiben?

Ich muss Sie enttäuschen, ich bin nicht 24 Stunden lang zornig, denn dazwischen mache ich Pause und grinse und streichle und kichere und bin schwer ins Leben verliebt.

Sie haben überschwängliche Kritiken, aber auch böse Kritik. Manche Stimmen sagen, dass Sie sich thematisch im Kreis drehen. Haben Sie Lust, einmal etwas anderes zu versuchen?

Sofort, aber als Gigolo bin ich zu alt.

Haben Sie mittlerweile neben dem Schreiben eine weitere Fähigkeit an sich entdeckt?

Ich suche noch immer und finde jeden Tag nichts.

Ihre letzte Reise führte Sie nach Mexiko, dort haben Sie auch eine Zeit lang gelebt. Was sind die größten Probleme in diesem Land, von dem wir hier nur wenig mitbekommen?

Das Land hat nur ein Problem: die Armut. Alle anderen Probleme erklären sich – nicht durch und durch, aber zum Großteil – aus diesem Zustand.

Wie lange werden Sie noch reisen?

Haha, was für eine Frage, also, wenn ich Pech habe, dann ist es in einer Stunde vorbei, wenn ich ganz viel Pech habe, muss ich noch dreißig Jahre lang den Ranzen schnüren.

Gibt es Länder, die Sie aus Sicherheitsgründen nicht bereisen?

Die ich einst bereiste, aber heute nicht mehr: ein paar afrikanische, ansonsten muss man an einigen Orten auf der Hut sein. In Mexiko übrigens auch.

Denken Sie, dass es Menschen gibt, die mit 40 Jahren im selben Job und mit derselben Frau an ihrer Seite glücklich werden können? Und respektieren Sie das?

Wieder eine herrlich lustige Frage. Was gehen mich Leute an, die mit demselben Beruf, mit derselben Gattin glücklich werden? Sollen sie! Jeder Glückliche hebt den Glücksquotienten der Welt. Jeder Glückliche schneidet keinem den Kopf runter. Jeder Glückliche strahlt Glück aus. Bei einem so hohen Anteil an frei herumlaufenden Tränensäcken gebührt jedem Glückstrahlenden ein Denkmal.

Der Bücher & Geschenkeladen

Frau Elisabeth Glaesers „Bücher & Geschenkeladen“ ist ein ganz wichtiger Bestandteil unserer Grundversorgung. Das Buchgeschäft versorgt uns mit allen Facetten geistiger Nahrung, und der darin beheimatete Postpartner erspart uns den gefürchteten postlosen Zustand. Beide Dienstleistungen werden rege in Anspruch genommen.

Der einst so bedrohlich wirkenden Konkurrenzierung durch den Online-Handel bietet der Bücher & Geschenkeladen bravourös Paroli:

Sie brauchen ganz schnell ein bestimmtes Buch? Rufen Sie an oder schreiben Sie eine E-Mail, und am nächsten Tag können Sie das gewünschte Buch am Nachhauseweg abholen. Und Sie müssen nicht zu irgendeinem Partnergeschäft eines der zahlreichen Zusteller pilgern, weil Sie trotz sehnsüchtigen Wartens denselben verpasst haben.

Sie brauchen das Buch sofort, als Geschenk? Frau Glaeser hält viele spannende Titel für Sie auf Lager. Als Geschenk für Menschen in der Region besonders gut geeignet sind die interessanten und reich bebilderten lokalhistorischen Standardwerke.

hojos
im August und Oktober 2017