Banken in Ober St. Veit

Die Banken kommen und gehen, nur die Erste bleibt bestehen
03.05.2017

Ober St. Veit ist ein von der Finanzbranche relativ spät erschlossenes Gebiet. Bis in die 1970er- bzw. 1980er-Jahre wurde es von den weiter stadteinwärts gelegenen Bankniederlassungen betreut, z.B. von der Zentralsparkasse in Hietzing oder der Ersten Österreichischen Sparkasse in Unter St. Veit. Die erste Niederlassung in unserem Grätzl eröffnete die Raiffeisenbank im März 1969, und zwar an Stelle des Café Zinsler im Haus Hietzinger Hauptstraße 172. Im Oktober 1982 folgte die damalige Erste österreichische Spar-Casse mit ihrer dritten Filiale in der Hietzinger Hauptstraße, und zwar auf Nummer 160. Das Geschäftslokal maß knapp 80 m² und wurde gerne als „Wohnzimmer-Bank“ bezeichnet. Das Sparbuch war damals noch hoch im Kurs und der „Genussschein“ gerade modern. 1995 wurden die Räumlichkeiten umgebaut und auf die derzeitige Größe erweitert, von der Wohnzimmer-Bank zum Allfinanz-Dienstleister, sozusagen. Als letzte Bank zog 1986 die Zentralsparkasse ins Grätzl und eröffnete ihre Filiale anstelle der geschlossenen Wäscherei im Haus Auhofstraße 140. Etwas abseits vom Grätzl gab es noch die ursprüngliche Creditanstalt-Bankverein in der Hietzinger Hauptstraße 99.

Die Filiale der „Ersten“ am 13.2.1983, also wenige Monate nach deren Eröffnung. Damals verstärkten die Mitarbeiter den Ober St. Veiter Faschingsumzug als 3 Musketiere. © Archiv 1133.at

Diese grundsätzliche Konstellation blieb relativ lange unverändert, aber die Institute selbst unterlagen einem steten Wandel, der über die notwendigen Modernisierungen und Automatisierungen hinausging. Aus der Ersten Österreichischen Sparkasse wurde eine Vollbank mit dem Namen Erste Bank. Sie verstand es, ein umfangreiches Netz an Tochterbanken im Ausland aufzubauen und ihre inländische Identität und Eigenständigkeit zu bewahren. Die Manager der Zentralsparkasse – einem Institut, das sich in den Gewinnen gewälzt haben soll wie die Marillenknödel in den Bröseln – vereinten hingegen fast die halbe österreichische Bankenwelt (vor allem Länderbank und Creditanstalt-Bankverein) unter ihrem Dach und gerieten schließlich selbst unter das der Uni Credit in Mailand. Statt der Z-Kugel drehte sich irgendwann die Bank-Austria-Welle über dem Eck an der Auhofstraße zur Tuersgasse. Zum Unicredit-Logo sollte es nicht mehr kommen, denn dieser Bank-Austria-Standort war der erste in der Region, der dem strukturellen Wandel im Bankgeschäft zum Opfer fiel.

Die alten Kunden, die mit jedem Bankgeschäft in „ihre“ Filiale gingen, wurden immer weniger, und der Wettbewerb um die jungen Kunden benötigte neue Kompetenzen auf verschiedenen Schienen. Ein großer Teil des Massengeschäftes verlagerte sich ins Internet, günstig gelegene Standorte wurden zu Kompetenzzentren, die restlichen Filialen boten den Privat- und Geschäftskunden – je nach Bank unterschiedliche – Basisdienstleistungen oder fielen eben dem Rationalisierungsdruck zum Opfer.

Der erste Schockwelle traf also die Ober St. Veiter Kunden der Bank Austria. Diese schloss ihre Filiale in der Auhofstraße 140 per 29. Oktober 2009 und bat ihre Kunden, in die Bank Austria in der Hietzinger Hauptstraße 99 zu kommen (die ehemalige Filiale der Creditanstalt). Im Jahr 2015 wurde auch diese geschlossen, und jetzt stehen den Ober St. Veitern als nächste Filialen der Bank Austria die Niederlassungen in der Hietzinger Hauptstraße 19 und in der Speisinger Straße 42 zur Verfügung.

Und zum Zeitpunkt der Fertigstellung dieses Artikels war die Schließung der Raiffeisen-Filiale in der Hietzinger Hauptstraße 172 per 10. Mai 2017 geplant. Sie übersiedelt mit ihren Mitarbeitern und, wie sie hofft, auch mit ihren Kunden in die Lainzer Straße 129.

Somit ist die Erste Bank in der Hietzinger Hauptstraße 160 die letzte verbliebene Bankfiliale in Ober St. Veit, und sie will diesen Standort auf jeden Fall halten. Klarer Weise, wie auch schon bei den Schließungen der Bank Austria, will sie möglichst viele Kunden der Konkurrenz gewinnen und versucht, diesen den Wechsel möglichst leicht zu machen. Schon unmittelbar nach Bekanntwerden der Raiffeisen-Schließung gab es den ersten kleinen „Ansturm“ auf die Safes der Erste Bank, der die Vergrößerung des Tresorraums erforderlich machte. Mittlerweile stehen 180 neue Safeschließfächer zur Verfügung. Einer weiteren Vergrößerung sind räumliche Grenzen gesetzt, eine grundsätzliche Modernisierung des Standortes ist aber für das Jahr 2020 geplant. Der tatsächliche Zeitpunkt hängt vom Abschluss der Modernisierungen der „Flag-Ship-Standorte“ Hietzing und Meidling ab.

Frau Edith Baumgärtner und Sparefroh von der Erste Bank am Grätzlfest 2016 . © Archiv 1133.at

Frau Baumgärtner von der Filiale Ober St. Veit betont, dass alle Mitarbeiter ein breites Beratungsspektrum haben und für knifflige Fragen die passenden Experten zur Verfügung stehen. Mit „George“ wird natürlich auch ein modernes Online-Banking angeboten.

Nicht unerwähnt bleiben soll auch das neue „Statement of Purpose“ der Erste Bank: „Dieses Land braucht Menschen, die an sich glauben, und eine Bank, die an sie glaubt!“ Es ist eine Rückbesinnung auf den ursprünglichen Zweck der Sparkassen, Menschen zu unterstützen, und eine Ermunterung, trotz wachsender Skepsis an die Zukunft zu glauben. Das ändert auch nichts am bekannten Anspruch der Erste Bank: „Was zählt, sind die Menschen“. Jedenfalls gibt es viele Gründe, warum die Erste Bank an die Ober St. Veiter glauben darf ...

hojos
im Mai 2017

Spanisch Sprachschule