Von Bürgermeistern und Affären

Wiedergabe eines Raiffeisen-Spazierganges
01.04.2005

Im Rahmen der "Raiffeisen Spaziergänge" präsentierte Herr Dr. Gebhard Klötzl unter dem plakativen Titel "Von Bürgermeistern und Affären" einen Lichtbildervortrag über die Verwaltung und die Verwaltenden in unserer Region. Dr. Klötzl spannte den zeitlichen Bogen seines Vortrages von den Grundherrschaften des alten St. Veit bis zum letzen Bürgermeister vor der Eingemeindung Ober- und Unter St. Veits nach Wien im Jahre 1892. Reiches Wissen und Bildmaterial gestatteten auch zahlreiche Ausflüge in verwandte Themen.

Diese Wiedergabe der wesentlichen Inhalte des Vortrages hat folgende Gliederung:

1. Ein paar Eckdaten zu Ober- und Unter St. Veit
2. Die Verwaltung der Orte in diesen Perioden
3. In diesem Zusammenhang nennenswerte Gebäude
4. Ortsrichter und Bürgermeister dieser Zeit
5. Einige Begebenheiten aus dieser Zeit
6. Arme Leute und ihre Versorgung

1. Ein paar Eckdaten zu Ober- und Unter St. Veit

Die erste urkundliche Nennung Ober St. Veits erfolgte um 1195. Damals und bis ins 19. Jahrhundert hieß es nur St. Veit. In der Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert entstand in der Ebene darunter eine neue Ansiedlung, die sich zum heutigen Unter St. Veit entwickelte. Die Bewohner der alten und der neuen Ansiedlung waren höchst unterschiedlich. Das alte St. Veit war ein bäuerlicher Ort der vornehmlich von der Wein- und Milchwirtschaft lebte und in dem sich ab der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts Villenbesitzer ansiedelten. In dem neuen Ort rund um die alte Feldmühle siedelten sich vornehmlich Gewerbetreibende an. Unter Nutzung des Wassers und der Kraft des Wienflusses entwickelten sich auch industrielle Produktionsformen mit seinen verschärften sozialen Gegensätzen.

Die neue Ansiedelung war zunächst ein "Neudörfl" genannter Teil des alten St. Veit. Andauernde Gegensätzlichkeiten führten bald zu Separationsbestrebungen, die 1867 zur Trennung der Ortsgemeinde in Ober St. Veit und Unter St. Veit führten. Natürlich waren auch die Gebietsansprüche unvereinbar und erst eine Entscheidung des Ministeriums des Innern führte zu den endgültigen Gemeindegrenzen. Der begehrten Steuereinnahmen wegen verblieb noch eine Enklave im Bereich Gloriettegasse / Speisingerstraße eine Zeit lang bei Ober St. Veit.

Die Selbständigkeit der beiden Orte währte nicht lange, denn schon 1890 wurden gegen den Willen der betroffenen Bevölkerung Hietzing, Penzing, Breitensee, Baumgarten, Hütteldorf, Hacking, Lainz, Speising, Ober- und Unter St. Veit zum 13. Wiener Gemeindebezirk zusammengelegt. Wirksam wurde die Zusammenlegung 1892.

2. Die Verwaltung der Orte in diesen Perioden

Im wesentlichen waren die früheren Orte eine Gemeinschaft von bäuerlichen Eigenwirtschaften, deren Besitzer Abgaben an den Grundherren zu entrichten hatten und dessen Gerichtsbarkeit unterstanden. Zur Verwaltung der Grundherrschaft setzte der Grundherr meist einen Verwalter (Hofmeister, Meier) ein. Zur Ausübung der Verwaltung in den einzelnen Ortsgemeinden setzte der Grundherr sogenannte "Ortsrichter" ein (in der Aufgabe nicht mit dem heutigen Richteramt zu vergleichen) und gab ihm Geschworene zur Seite. St. Veit und der neue Ortsteil bei der Feldmühle hatten wegen der großen Entfernung jeweils eigene Ortsrichter. Grundherr St. Veits war (mit kurzer Unterbrechung von 1762 bis 1779, als Kaiserin Maria Theresia die Herrschaft vom Erzbistum Wien kaufte und wieder an dieses verkaufte) das Erzbistum Wien.

Die Revolution 1848 setzte der Grundherrschaft ein Ende. Zwar wurde die Revolution niedergeschlagen, doch sahen sich Kaiser Franz Josef und seine Berater gezwungen, zur Verhinderung neuer revolutionärer Ausbrüche das verkrustete Staatssystem einer grundlegenden Reform zu unterziehen. Eine der Maßnahmen war das Ende der Grundherrschaft. Nach einem Umstellungsprozess waren 1850 die neuen Strukturen etabliert und gewählte Bürgermeister und Gemeinderäte installiert.

Bis 1867 wurde ein Bürgermeister und ein Gemeinderat für das gesamte St. Veit gewählt, nach der Trennung hatten Ober- und Unter St. Veit eigene Verwaltungen und Bürgermeister. Obwohl die Gemeindeführung von den Bürgern gewählt und eigenständig war, unterstand sie in den ersten Jahren in noch relativ autoritärer Weise den Bezirksvorstehern. Nicht ganz zu unrecht, denn die einzelnen Gemeindefunktionäre mussten erst lernen, mit den Rechten und Pflichten dieser Aufgabe umzugehen. Mag so manches im Machtbereich der Grundherrschaften noch formlos und ungezwungen gewesen sein, hatten die neuen Verwaltungen ihre Aufgaben korrekt nach den Vorschriften zu erfüllen.

3. In diesem Zusammenhang nennenwerte Gebäude

Um 1850 nannte die Gemeinde 3 Gebäude ihr eigen:

Das "Gmainhauß" (Gemeindehaus), den Sitz des Ortsrichters und der Geschworenen in der Firmiangassse 13. Das Gebäude besteht heute noch, es ist dies eines der ältesten Ober St. Veits. Nur mehr der linke Teil ist original aus dem 17. Jh., der rechte Teil im klassizistischen Stil stammt aus einem Umbau des 19. Jh. (Foto). 1827 wurde dieses Gebäude gegen ein Grundstück an der Hietzinger Hauptstraße getauscht. Dort, wo heute der moderne Teil der Volksschule steht, wurde 1857 eine neue Schule errichtet, die ab 1874 als Gemeindeamt (Foto) bis zur Eingemeindung Ober St. Veits nach Wien im Jahre 1892 diente. Dann wurde es zum Sitz der freiwilligen Feuerwehr Ober St. Veits und später (1970) abgerissen.

Auch das Gasthaus "Zum schwarzen Hahn" an der Stelle des heutigen Restaurants "Plachutta" in Hietzing gehörte der Gemeinde St. Veit. Damals herrschte noch eine rege Wallfahrtstätigkeit, die erst durch die aufklärerischen Maßnahmen Josefs II, dem auch das traditionelle Huhnopfer zu St. Veit zum Opfer fiel, abflauten. Auf dem mühsamen Weg nach St. Veit – zu Fuß oder mit dem Stellwagen – waren Labestationen eine Notwendigkeit und ein gutes Geschäft für die Besitzer. In diesem Falle eben für St. Veit. Nach dem Abflauen der Wallfahrtstätigkeit erwies sich der Besitz immer weniger lukrativ und wurde schlussendlich verkauft. An seiner Stelle entstand das prachtvolle Ottakringer Bräu mit seinem Festsaal, der auch eine Zeit lang die Ober St. Veiter Pfarrbälle beherbergte. Heute ist der Festsaal ein Supermarkt, die prachtvollen Säulen sind aber noch sichtbar. Am Gebäude ließen die Plachuttas das alte Schild des "Schwarzen Hahns" wieder anbringen.

Mehrere Gebäude standen an der Stelle des heutigen Elisabethinums. Eines diente als Sitz des Ortsrichters und ein anderes wurde 1779 für die Schule errichtet. 1873 übersiedelte sie in das neue Gebäude in der Hietzinger Hauptstraße 166.

Weitere genannte Gebäude:

Das Wohnhaus Karl Hentschels in der Glasauergasse (Bürgermeister von Ober St. Veit).

Das Halterhaus Ecke Glasauergasse/Sylvinggasse, in dem der Kuhhirte St. Veits wohnte. Täglich holte er die Kühe oder auch Gänse und andere Tiere von den einzelnen Gehöften ab, brachte sie auf die Weiden am Wienfluss und abends wieder zurück. Zu manchen Begebenheiten wurden ihm auch andere Aufgaben übertragen, wie das Hüten der Gänse am Dorfanger entlang des Marienbaches oder im Herbst die Beaufsichtigung der Weingärten (Hüter).

Die Schlosserei Schönich, Kuppelwiesergasse 39 (an der Ecke zur St. Veitgasse) das Gebäude besteht heute noch. Schönich war der 3. und letzte Bürgermeister Unter St. Veits.

Das Haus Hietzinger Hauptstraße 80, in dem Gustav Ritter von Heine seinen Landsitz hatte , das Haus Auhofstraße 47, in dem der Bürgermeister von Unter St. Veit residierte, das Haus in der Trauttmannsdorfgasse, dem seinerzeitigen Sitz der Bezirkshauptmannschaft, dann des Bezirksgerichtes Hietzing (bis 1977) heute im Besitz der Gemeinde Wien und an Private vermietet.

4. Ortsrichter  und Bürgermeister dieser Zeit

Letzter Ortsrichter bis 1851:
Premreiner Michael, Milchmeier

Bürgermeister von St. Veit:
1. Schmid, Michael (Kaufmann), 1851 bis 1856
2. Michael Premreiner, 1865 bis 1861
3. Paul von Köhler, Privatier, 1861 bis 1864
4. Hauer Josef, Beamter, 1864 – 1868

Bürgermeister von Ober St. Veit:
1. Hentschel Karl, Hausbesitzer und Schuhmacher, 1869 – 1877
2. Strecker Alexander, Zivil-Ingenieur, 1877 – 1879
3. wieder Hentschel Karl, 1880 – 1891

Bürgermeister von Unter St. Veit:
1. Flesch Berthold, Fabriksbesitzer, 1868 – 1870
2. Anton Kremser, Gastwirt, 1870 - 1876
3. Stelzer Anton, Hausbesitzer, 1876 – 1888
4. Schönich Heinrich, Bau- und Kunstschlosser, 1889 – 1891

Lange Jahre – mit einer 3-jährigen Unterbrechung – war Karl Hentschel der Bürgermeister von Ober St. Veit. Er war tatenfreudig und durchsetzungsstark und verstand es, zahlreiche wertvolle Akzente zu setzen. Allerdings auch etliche "Ausrutscher", die seinem leichtlebigen Naturell zuzuschreiben waren. Sparsamkeit war jedenfalls nicht seine Stärke und deswegen war das 3-jährige Interregnum des aus Deutschland zugewanderten Alexander Strecker als Bürgermeister von Ober St. Veit ein Segen. Im Wesen völlig konträr zu Hentschel – penibel und sparsam – sanierte er die Gemeindefinanzen grundlegend. Aber schon in der nächsten Wahl unterlag Strecker wieder seinem Kontrahenten Hentschel. Immerhin setzte man ihm mit dem Streckerpark – dem ehemaligen Friedhof Hietzings – ein Denkmal. Karl Hentschel blieb bis zur Eingemeindung Ober St. Veits im Amt.

Erster Bürgermeister Unter St. Veits war der reiche Lederindustrielle Flesch. Er verstand sein Amt aber eher als Genehmigungsmaschinerie für seine persönlichen Anliegen und kam bald mit seinem Stellvertreter und schließlich dem Bezirkshauptmann in Konflikt. Nach Anton Kremser folgte für lange Jahre der korrekte Anton Stelzer. Letzter Bürgermeister Unter St. Veits war Heinrich Schönich.

5. Einige Begebenheiten aus dieser Zeit

Dr. Klötzl würzte seinen Vortrag immer wieder mit amüsanten Anekdoten aus dieser Zeit.

Er berichtete etwa von der beengten Raumsituation des ersten Bürgermeisters Schmid. Die Amtsräume hatten noch kein Gefängnis und so mussten die internierten Personen im Keller des Privatraumes eingesperrt werden. Verpflegt wurden sie vermutlich von der Frau des Bürgermeisters. Ein Trakt an der Seite des Gebäudekomplexes Vitusgasse 2 wurde schließlich zum Gemeindekotter.

Oder vom Gastwirten Franz Kastner der auch Obmann des Ortsschulrates wurde. Er stand damit in einem immensen Interessenskonflikt. Einerseits waren viele seiner Stammgäste Eltern, die es mit der Schulpflicht ihrer Kinder nicht so genau nahmen (Kinderarbeit war schließlich ein wirtschaftlicher Faktor) und andererseits sollte er als Ortsschulrat die Bekämpfung eben dieses Misstandes betreiben. Eine seine Ersatzaktivitäten an dem Sohn eines beliebten (und nicht in seinem Lokal verkehrenden) Lehrers führten zum Eklat und zur Auflösung des Schulrates. Es war nur dem aktiven Bürgermeister Strecker zu verdanken, dass in letzter Minute vor dem Schulschluss des Jahres 1878 ein neuer Schulrat gebildet werden konnte, vorwiegend aus den gebildeteren Kreisen nominiert.

Oder vom permanenten Konflikt des Unter St. Veiter Bürgermeisters Berthold Flesch mit dem Ritter von Heine. Der Konflikt gipfelte in einem „Streich“ des Bürgermeisters. Flesch stiftete Arbeiter seiner Fabrik eines Abends dazu an, vor dem Landsitz des ungeliebten Kontrahenten in der Hietzinger Hauptstraße Nr. 80 Radau zu schlagen. Die beiden Schutzmänner des Ortes hatte Flesch zu einer anderen Aufgabe abkommandiert. Als Ritter von Heine abends mit seiner Kutsche vorfuhr und des Tumultes vor seinem Haus gewahr wurde, kehrte er sofort um und alarmierte den Bezirksvorsteher. Als dieser mit seinen Schutzleuten nahte, machten sich die Randalierer gerade daran, mit Hilfe einer Leiter in das Haus einzudringen. Die Ordnungshüter machten dem schnell ein Ende und stellten die restliche Nacht Wachen vor das Haus. Die in das hinterste Zimmer geflüchteten Familienmitglieder des Ritters von Heine hatten Todesängste auszustehen. Mit diesem Vorfall wurde auch dem Bezirksvorsteher lebhaft vor Augen geführt, wie ungeeignet Flesch für sein Amt war.

Oder von dem neuen Wachmann Unter St. Veits. Dieser war offensichtlich besonders ehrgeizig und suchte Wege, seine Kompetenz unter Beweis zu stellen und sich Autorität zu erwerben. Er tat es schließlich, indem er Pferdefuhrwerke wegen Schnellfahrens auf der Hietzinger Hauptstraße anhielt und Strafe zahlen ließ. Die Kutscher nahmen dies unterschiedlich auf, zunächst verdutzt, dann rebellisch bis unterwürfig, aber zahlen mussten sie alle. Einer jedoch wendete sein Fuhrwerk schroff und flüchtete Richtung Hietzing. Der erboste Wachmann konfiszierte ein Fuhrwerk in der Nähe und nahm die Verfolgung auf. Im Galopp näherten sich die Gespanne Hietzing, vorne der Flüchtende und hintendrein der Wachmann, lärmend und laut rufend: „Haltet ihn auf, den Verbrecher“ etc. Ein zufällig auf der Straße anwesender Hietzinger Wachmann hörte dies und versperrte die Straße. Der Schnellfahrer wurde gefasst und eingesperrt. Dies sprach sich herum und der Unter St. Veiter Schutzmann hatte von nun an seine Autorität.

Die lustigste Geschichte war wohl die von der verunglückten Feuerwehrspritze. Die Ober St. Veiter freiwillige Feuerwehr war im Gemeindehaus untergebracht. Ein noch recht rüstiger ehemaliger Soldat hatte das Kommando übernommen. Die Mannschaft setzte sich bald vorwiegend aus seinen Freunden zusammen und degenerierte zu einem wilden, trunksüchtigen Haufen. Die Horde war undiszipliniert und nur mehr bedingt einsatzfähig. Eines Tages wurde ein Brand in Gablitz gemeldet. Dies war wegen der großen Entfernung außerhalb des Zuständigkeitsbereiches Ober St. Veits. Der Feuerwehrkommandant wollte aber seine außerordentlichen Fähigkeiten unter Beweis stellen und ließ gegen die Anweisung des Bürgermeisters einspannen und preschte los. Vor Purkersdorf fiel das Pferd mit einem Herzinfarkt um und die teure Feuerwehrspritze landete im Straßengraben. Der Totalschaden kostete die Gemeindekasse viel Geld. Damit war das Maß voll und Bürgermeister Hentschel griff durch. Die gesamte Mannschaft wurde degradiert und mit Herrn Alexander Mikloska ein neuer, verlässlicher Kommandant bestellt.

6. Arme Leute und ihre Versorgung

Bisher war nur die Rede von den Wohlhabenderen. Naturgemäß, denn nur sie waren imstande bzw. hatten die Zeit, ehrenamtlich als Bürgermeister, Gemeinderat, Schulrat etc. zu dienen. Die anderen waren mit dem Broterwerb voll ausgelastet, viele waren am Rande zur Armut und schafften es gerade, mit harter Arbeit notdürftig über die Runden zu kommen. Für andere Aufgaben blieb da weder Zeit noch Kraft. Damit standen sie natürlich niemals im Rampenlicht und wurden kaum Gegenstand von Erzählungen (von den Erzählungen Vinzenz‘ einmal abgesehen) oder gar von Fotografien. Viele hatten mangels ausreichenden Einkommens nicht einmal das Wahlrecht.

Aber versorgt werden mussten auch die Allerärmsten. Das waren erwerbsunfähige Personen ohne Kinder oder sonstige Familienangehörige, die für sie sorgen konnten. Es lag an der Gemeinde, sich um diese zu kümmern und wenn überhaupt, dann tat sie es nur in bescheidenster Weise. An der Stelle des neuen Volksschul-Turnsaales in der Glasauergasse stand das von der Gemeinde unterhaltene Armenhaus für 10 bis 12 Menschen. Nur nach genauester Prüfung vor allem der Arbeitsunfähigkeit konnte man hier einziehen und sein restliches Leben unter kümmerlichsten Umständen fristen.

Eines der wenigen Fotos von Außenseitern ist das des Perl Hatschi (richtig: Karl Perl). Er war eines von 6 Kindern des Taglöhners Michael Perl. Er galt als nicht ganz zurechnungsfähig und lebte vom Betteln und von kleineren Gaunerein. Eine davon war das Ansinnen an den in schwere Bedrängnis geratenen Gastwirt Karl Birner, ihn mit einer falschen Zeugenaussage aus der Patsche zu helfen.

Wie rasch man in diesen Zeiten nicht existenter Sozialversicherungen verarmen konnte, zeigte das Beispiel der Frau des Herrschaftsverwalters. Als solche war sie quasi die "First Lady" des Ortes und hoch angesehen. Mit dem Ende der Grundherrschaft verlor der Mann jedoch seinen tollen Arbeitsplatz und in der nächsten Anstellung konnte er nicht entsprechen. Ehe er in jungen Jahren starb war er Stationsvorstand bei der Kaiserin Elisabeth-Westbahn. Damit stand die Witwe mit ihren zwei kleinen Kinder verarmt und ohne jegliche Versorgung da, musste in eine Ottakringer Mietskaserne ziehen und war auf die Pfründe der Ober St. Veiter Armenkassa angewiesen.

Kein schöner Ausklang für diese Darstellung, aber jenseits des vorherrschenden Glamours vieler Geschichtsbücher, die meist von Großen und Mächtigen erzählen, war die Armut der vorherrschende Zustand in großen Teilen der Bevölkerung.

hojos
im April 2005