Leo Fall

Eine Hommage zum 90. Todestag des Operettenkomponisten von Dieter Bock und Beschreibungen zur Villa Dollarprinzessin
15.08.2015

Leo Fall zählt neben Franz Lehár, Emmerich Kálmán und Oscar Straus zu den bedeutendsten Komponisten der sogenannten „Silbernen Operette“. Er wohnte von 1910 bis 1925 in der Lainzer Straße 127 in Hietzing.

Biografie

Leo Fall wurde am 2. Februar 1873 als Sohn des jüdischen k. u. k. Militärkapellmeisters Moritz Fall in Olmütz (Mähren) geboren. Seine beiden jüngeren Brüder Siegfried und Richard waren ebenfalls Komponisten, von letzterem stammt der Schlager „Was machst du mit dem Knie lieber Hans“.

Bereits im Alter von fünf Jahren erlernte der hochbegabte Leo das Violinspiel. Als Jugendlicher kam Fall 1888 ans Wiener Konservatorium der Gesellschaft der Musikfreunde, wo er ein Kompositionsstudium u.a. bei Robert Fuchs und Johann Nepomuk Fuchs begann, das er aber 1892 aus finanziellen Gründen abbrechen musste.

Wertvolle Orchestererfahrung sammelte der sechzehnjährige Leo Fall als Geiger in der von Franz Lehárs Vater geleiteten Militärkapelle. Sein Pultnachbar war der nachmals berühmt gewordene Komponist Franz Lehár, mit dem er auch später noch ein engeres Verhältnis pflegen sollte.

In den darauffolgenden Jahren war er als Geiger, Kapellmeister und Arrangeur in Berlin und Hamburg tätig. Als Hauskomponist des Berliner Kabaretts „Böse Buben“ im Berliner Künstlerhaus schrieb er zahlreiche Couplets und hatte auch mit seinen Klavierstücken Erfolg.

Da seinen ersten Opern (Frau Denise / Paroli und Irrlicht) kein Erfolg beschieden war, wandte er sich ganz der Operette zu.

1904 heiratete er Bertha, eine Tochter des damals vielbeachteten deutschen Musiktheoretikers Salomon Jadassohn. Mit ihr kehrte Leo Fall 1906 nach Wien zurück, wo er sich ausschließlich der Komposition widmete. Mit seinen beiden Operetten „Der fidele Bauer“ (1907), Text von Victor Léon, und vor allem „Die Dollarprinzessin“ (1907), Text von Alfred Maria Willner und Fritz Grünbaum, gelang ihm der weltweite Durchbruch. Die Uraufführung letzterer fand am 2. November 1907 am Wiener Carl-Theater statt.

Falls vielseitiges musikalisches Spektrum spannte einen breiten Bogen vom Wiener Walzer bis hin zum modernen Schlager mit jazzigen Elementen. Seine beschwingten und eingängigen Melodien begeisterten das Publikum und bescherten ihm damit auch großen finanziellen Erfolg. Dank der Tantiemen seines Welterfolges „Die Dollarprinzessin“ konnte er sich eine zweigeschossige Biedermeiervilla in der Lainzerstraße 127 kaufen, die er vom Wiener Architekten Ludwig Ramler aufwendig zur „Villa Dollarprinzessin“ umbauen ließ. Dort lebte und wirkte er bis zu seinem Tod 1925.

Die bis heute bekanntesten Operetten Leo Falls sind außer dem „fidelen Bauer“ und der „Dollarprinzessin“ „Brüderlein fein“ (1909), „Der liebe Augustin“ (1912), „Die Rose von Stambul“ (1916) und „Madame Pompadour“ (1922). Eine Auflistung weiterer Werke sowie einige interessante CD-Veröffentlichungen mit Musik von Leo Fall und das Buch mit seiner Biographie finden Sie auf www.bocksmusicshop.at.

In finanziellen Belangen hatte Leo Fall leider keine glückliche Hand. Obwohl er mit seinen Bühnenwerken Riesensummen verdiente, häufte er dennoch gigantische Schuldenberge an, die seine Witwe dazu zwangen, die Hietzinger Villa verkaufen zu müssen. Leo Fall, der seit seiner Berliner Zeit auch ein leidenschaftlicher Skatspieler war, suchte immer nach geeigneten Spielpartnern. Der prominenteste unter ihnen war der Komponist und damalige Mitdirektor der Wiener Hofoper Richard Strauss, der Fall 1919 in seiner „Villa Dollarprinzessin“ besuchte.

Nach einer Südamerikatournee erkrankte Leo Fall im Sommer 1925 an Krebs. Er starb am 16. September 1925 in seiner Lainzer Villa. Der Meister ruht in einem Ehrengrab am Zentralfriedhof Wien.

Zum seinem 50. Todestag 1975 gab die Österreichische Post eine Sonderpostmarke heraus. Am 14. Juni 2000 wurde ein kleiner Weg zwischen Pacassistraße und Küniglberggasse in Lainz nach dem Komponisten benannt.

Baugeschichte

Ludwig Ramler baute für den Operettenkomponisten Leo Fall (1873-1925) und seine Frau Bertha eine bestehende, zweigeschoßige Villa um. Dieser alte Bau, ein von Stadtbaumeister Josef Zeller geplantes "Land- bzw. Gartenhaus", 1866/67 für Josef Lipansky errichtet, ist in den Ausmaßen und in den tragenden Mauern mit dem adaptierten Gebäude ident. Geändert wurden die Eingangssituation und der Dachbereich: Leo Fall ließ ein Mansardzimmer mit Podium und Balkon errichten. Diesen Raum, der im Einreichplan als Billardzimmer bezeichnet wird und von dem eine weite Aussicht gegen den Lainzer Tiergarten besteht, bevorzugte L. Fall nach mündlicher Überlieferung als Arbeitszimmer.

An der rechten Seite der Ostfassade kam es im Parterre zur Errichtung einer gedeckten Terrasse mit Rundbogenarkaden, die eine darüberliegende offene Terrasse trugen. Diese wurde 1923 zu einer geschlossenen Veranda umgebaut. Die Bezeichnung des Wohnhauses als "Villa Dollarprinzessin" stammt vom Komponisten selbst, der mit dieser am 2.7.1907 im Carltheater erstmals gespielten Operette einen Sensationserfolg feierte.

Die Villa ist kaum einsehbar, da sie im ansteigenden Gartengrund hinter dem ebenerdigen, ehemals bäuerlichen Trakt Lainzer Straße 127 liegt. Der Bauherr ließ anlässlich des Umbaues 1909/10 im Anschluss an den Hofflügel des Straßentraktes ein ebenerdiges Gästehaus (später Chauffeurwohnung) und als Pendant hiezu rechts eine Automobilremise mit angebauter Waschküche errichten. Die äußerlich einander entsprechenden Gebäude mit Schindelwalmdächern sind symmetrisch angelegt.

Auf die frühere Bestimmung des Straßentraktes als Weinhauerhaus verweist ein Keller am Hang, den man später durch einen Anbau in die Villa integrierte. Im Zuge der Adaptierung wurde eine damals auf dem letzten Stand der Technik stehende Warmwasserzentralheizung eingebaut. Diverse, später vorgenommene Umgestaltungen im Gebäudeinneren änderten die Grundstruktur nur unwesentlich.

Baubeschreibung

Die fünfachsige Hauptfassade erhält durch den ungewöhnlichen, überdachten und in Holzkonstruktion ausgeführten Aufgang, der auch zu den im Erdgeschoß links und rechts liegenden Terrassen führt, einen bestimmenden Akzent. Ein weiteres, nicht alltägliches Element an dieser Schauseite sind die beiden in Eck gesetzten, polygonalen Türme mit Pyramidendächern. Der dreiachsige Fassadenmittelteil ist an der Vorderfront gebändert ausgebildet, die Fenster in den Rundungen liegen in rau verputzten Wandflächen. Im Dachausbau sind die Fenster von Blattleisten flankiert. Der über die gesamte Breite des vorspringenden Mittelteiles reichende Balkon ruht auf Konsolen, die ebenfalls in Blattleisten auslaufen. Dieses florale Motiv fand auch bei der Gestaltung der infolge der Hanglage nur zweigeschoßigen Baurückseite Anwendung: Die zwischen die Fensterflächen gelegten gebänderten Pilaster sind im oberen Teil durch Rechteckformen, die in Blattleisten münden, dekoriert. Das Pyramidendach mit deutlich vorspringendem Gesims ist in der Art eines Walmdaches – jedoch ohne Winkeländerung – zweigeteilt.

Bei der Adaptierung der Villa wurde das symmetrische Grundkonzept des alten Baues, das auch in der Innenraumgestaltung Anwendung fand, beibehalten. Der ehemalige Aufgang in einer außen am Bau liegenden, mittig gesetzten Wendeltreppe wurde zu der senkrecht zum Gebäude liegenden, überdachten Treppe bzw. im Haus selbst zu einer Halle mit gerader, dreiläufiger Treppe verändert. Die ehemaligen Erschließungsgänge an der Wendeltreppe wurden in die aufwendig gestaltete Halle integriert. Dieser risalitartig vorspringende Hallenbereich mit abgerundeten Ecken wird links und rechts von den bereits erwähnten Türmen flankiert. Im linken Turm befand sich ursprünglich ein Dieneraufgang (1942 abgemauert), im rechten sind WC-Anlagen bzw. im Dachgeschoß ein Waschraum (ehemals Dunkelkammer) untergebracht.

Die alte, in der Mitte des Erdgeschoßes gelegene Küche wurde zu einem geräumigen, schwarzweiß verfliesten Bad mit vertiefter Wanne umgestaltet. Das rechts von diesem Raum liegende Zimmer wurde zur Küche und zu einem Bedienstetenraum.

Im ersten Stock behielt man die Zimmerflucht mit drei Räumen bei. Der in der Mitte liegende, querrechteckige Salon erhielt eine Ausgestaltung mit Kamin, Seidentapeten und Stuckdecke; eine solche war auch in den beiden benachbarten Räumen zu finden. Ein Speisenaufzug führte von der Küche in das rechts vom Salon liegende Esszimmer.

Im großzügig dimensionierten Garten führt eine zweiarmige Auffahrt zum Villeneingang.

Quellen:
Biografie von Dieter Bock;
Weissenbacher, Gerhard: In Hietzing gebaut: Architektur und Geschichte eines Wiener Bezirkes. Wien: Verlag Holzhausen, Band I 1996 ISBN 3-85493-004-6 und Band II 1998 ISBN 3-900518-93-9

hojos
15. August 2015