Prähistorisches aus Ober St. Veit

Hietzing soll die ältesten Wiener beherbergt haben. Funde aus Lainz, dem Hörndlwald, dem Trazerberg, Girzenberg und Roten Berg sowie dem Küniglberg können die durchgehende Besiedelung von der Altsteinzeit an belegen.

Besonders viele Relikte fanden sich hier auf dem Gemeindeberg, wo in den Jahren von 1897 bis 1948 oft und erfolgreich gegraben wurde, auch vom Naturhistorischen Museum. Unter anderem wurden vier obereinanderliegende Pfahlbauten freigelegt und Scherben von Alltagsgeschirr, dünnwandigen Ziergefäßen sowie Reste anderer Gebrauchsgegenstände gefunden. Die jungsteinzeitlichen Niederlassungen in diesem Raum wurden durch das Vorhandensein von Lehm für den Bau von Wohnstätten und geeignetem Gestein für die Herstellung von Werkzeugen begünstigt. Die reiche Ausbeute an Steinfunden ließ sogar auf eine Steinschlägerwerkstatt schließen, in der Werkzeuge und Waffen für andere hergestellt worden waren. Der Hornstein vom Gemeindeberg, auch Feuerstein genannt, war hart, ließ sich aber gleichzeitig gut bearbeiten. Den Fundstätten nach war nur der steile Nordwesthang des Gemeindeberges besiedelt.
Die im Bezirksmuseum Hietzing ausgestellte, aus zwei Steinplatten bestehende „Getreidemühle“ aus der Jungsteinzeit.
Mit Beginn der Bronzezeit scheint die Region an Bedeutung verloren zu haben; spärlichere archäologische Funde lassen eine dünnere Besiedelung vermuten.

Eine strategische Bedeutung scheint der Gemeindeberg erst in der (geschichtlichen) Zeit des Mittelalters wieder erlangt zu haben. Markante Gräben auf der Anhöhe des Gemeindeberges und Fundobjekte ungarischer Herkunft lassen auf eine Wehranlage schließen. Damals (11.-12. Jahrhundert) wurden Holzburgen entlang des Ostrandes der Alpen möglichst in Sichtweite zueinander angelegt, um die Bevölkerung vor den Angriffen ungarischer Reiterabteilungen zu schützen. Auf dem Gemeindeberg könnte eine solche bestanden haben und möglicherweise auch ein Wirtschaftshof zur Versorgung der Burg.

hojos
1.4.2006