Lied zu Ehren des heiligen Veit

Lobgesang zu Ehren des heiligen Veit in Ober St. Veit an der Wien. Verfasst von Pfarrer Anton Genstorfer und Herausgegeben von Anton Malina, Pfarrer und Weltpriester allda. Druck von Leopold Grund (Karl Gorischek), Wien 1861
1861

(Orthografisch unverändert übertragen)

Kommt fromme Christen, sammelt euch,
Vor unserm Schutzpatrone,
Dem Jesus Christ im Himmelreich
Verlieh die Siegerkrone.
Für Jesus, seinen Herrn und Gott,
Erlitt St. Veit den Martertod.
 
Obwohl die Aeltern Heiden sind,
Die falsche Götter ehren,
Hielt doch St. Veit schon als ein Kind
Sich fest an Jesu Lehren,
Der fromme Unterricht geschah
Durch Modest und Crescentia.
 
Sanct Veit, der noch so jung und klein
Verfolgung musste leiden,
Lehrt uns als Christen standhaft sein,
Den Unglaub’ zu vermeiden.
Sein Vater ließ wohl schlagen ihn.
Doch Veit behielt den Christen-Sinn.
 
Der Vater ließ nun wuthentbrannt
Ihn vor den Richter bringen,
Um da durch Marter allerhand
Zum Abfall ihn zu zwingen.
Durch Geiselstreich Valerian
Das fromme Kind nicht zwingen kann.
 
Modest, Crescentia, St. Veit,
Im Kerker tief verschlossen
Lobsangen Gott mit heil’ger Freud’
Im Leiden unverdrossen.
Ob auch der Leib gefesselt sei,
Schwingt doch das Herz zu Gott sich frei.
 
Hierauf der Kaiser selbst befahl,
Sie jenen wilden Thieren,
Die er bewahrt im Hungerstall,
Zum Fraße hinzuführen.
Der Löw’ vor Hunger brüllend kam,
Legt sich zu Veit doch wie ein Lamm.
 
Nun wirft man sie in siedend’ Blei,
Zu enden da ihr Leben,
Doch hört man lieblich alle drei
Ihr Lob zu Gott erheben.
Wie einst im Feuerofen dort,
So lobten Gott sie immerfort.
 
Die Heiden selbst erbarmten sich,
Das Volk fing an zu weinen,
Indeß der arge Wütherich
Nur sinnt auf neue Peinen.
Er läßt sie schlagen bis zum Tod,
Sie sterben im Gebet zu Gott.
 
Die Christen fürchten Jenen nicht,
der tödten kann auf Erden,
Nur fürchten sie beim Weltgericht
Von Gott verdammt zu werden.
Denn jeder wird vor Gottes Thron
Einst ernten Strafe oder Lohn.
 
Laßt Leib und Seel’ uns Jesu weih’n
Im Leben und im Sterben,
Damit wir mit St. Veit einst sei’n
Des Himmelreiches Erben.
D’rum rufen wir in Müh’ und Streit:
Schenk Deine Fürbitt uns St. Veit.

Übertragen von hojos
im Oktober 2012