Die historischen Eigentümer des Hauses Firmiangasse 45

Nach gegenwärtigem Wissensstand

Die Eigentumsgeschichte und das Schicksal des Hauses Konskriptionsnummer 105 (heute Firmiangasse 45) zeigt einen der typischen Verläufe des untergehenden Weinbauerndorfes: Die angestammten Weinbauern müssen verkaufen, die neuen Besitzer sind entweder Investoren, die vermieten oder Gewerbetreibende, die sich hier ansiedeln oder manchmal auch andere Bauern, die hier ihr Glück versuchen. Oft forcieren sie die Milchwirtschaft, betreiben aber vielleicht auch noch etwas Weinbau oder feldmäßigem Anbau diverser Gemüse oder Getreidearten etc. Aber das währt nicht lange, die Söhne werden in eine Lehre gegeben, Teile des Hauses vermietet, und die Landwirtschaft läuft aus. Im Zuge dieses Vorganges wird meist auch der alte landwirtschaftliche, teilweise aus Holz bestehende und holzschindelgedeckte Streckhof, der mit seiner Giebelseite zur Straße über Jahrhunderte das bäuerliche Ortsbild prägte, abgerissen, umgebaut oder überbaut und bekommt eine andere Gestalt, die einem Bürgerhaus gleicht oder wegen der geringen Grundstücksbreite die kleinhäuslerische Außenansicht eines winzigen Gassenfrontenhauses annehmen kann. Es ist auch typisch, dass das Haus sehr oft seinen Besitzer wechselt.

Eigentümer laut Grundbuch

1820

Laut Häuserprotokoll vom 20.4.1820 der Franziszeischen Landesaufnahme ist der Weinhauer Mohr Johann Besitzer dieses Hauses in der damaligen Breiten Zeil (heute Firmiangasse).

1828

Der Landwirt Gaubmann Stefan und Anna Maria kaufen das neuerbaute Haus samt dazugehörigem Garten um 400 fl.

1852

Gaubmann Stefan und Anna Maria verkaufen um 400 fl an Gaubmann Stefan und dessen Braut Johanna Jagendorfer. Auch er ist noch Landwirt, doch sein ältester Sohn wird Bäcker.

1875

Erasmus Adam und Theresia kaufen je ½. Die Familie selbst wohnt anderswo, hier leben der Wagner Dohnal Georg, vermutlich Werksführer in der Wagenfabrik Rohrbacher, und seine Familie, die andere Wohnung ist eine Sommerwohnung.

1882

Erasmus Adam erbt die Hälfte seiner verstorbenen Frau Erasmus Theresia.

1884

Reithofer Alois und Emilie kaufen je ½.

1886

Schenk Franz und Marie kaufen je ½.

1890

Protiwinsky Josef und Therese bekommen die Eigentumsrechte nach exekutiver Veräußerung einverleibt.

1898

Soukenik Josef und Josefa kaufen je ½.

1904

Soukenik Josef und Josefa verkaufen an Rafeiner Anton (1865–1945), Schuhmachermeister in Wien 13., Auhofstraße 144 und seine Frau Marie (geb. Renner, 1868–1930) um 26.600 Kronen. Gewerbe und Wohnort der Rafeiners werden hierher verlegt.

1932

Rafeiner Anton sen. (2/16), Rafeiner Anton jun. (3/16) und Limoser Marie (3/16) erben den Hälfteanteil ihrer am 15.4.1930 verstorbenen Mutter Rafeiner Marie, geb. Renner. Limoser Marie, geb. Rafeiner ist Lehrersgattin in der Firmiangasse 45, Rafener Anton ist Oberlehrer in Neuberg, Burgenland und Rafeiner Anton sen. ist Schuhmachermeister in der Firmiangasse 45.

1946

Rafeiner Anton jun. und Limoser Marie erben den Anteil ihres am 14.12.1945 in der Firmiangasse 45 verstorbenen Vaters Rafeiner Anton sen. Rafeiner Anton jun. ist zu dieser Zeit Hauptschullehrer und wohnt in Eisenstadt, St. Rochusgasse 25, Limoser Marie ist Hausfrau in Wien 13., Firmiangsse 45

1978

Rafeiner Elfriede, Hartl Ilse, Rafeiner DI Anton Friedrich, und Rafeiner DI Dr. Otmar erben zu je 1/4 den Hälfeanteil ihrer am 20.11.1976 verstorbenen Tante Limoser Maria, Pensionistin in der Firmiangasse 45/5. Rafeiner Elfriede ist Prokuristin und wohnt in Wien 14., Linzerstraße 279/1/3/13, Hartl Ilse ist Lehrerin und wohnt in Wien 13., Amalienstraße 46, Rafeiner DI Anton Friedrich ist Architekt und wohnt in Hamburg in der Stellinger Chaussee 15 und Rafeiner DI Dr. Otmar ist Bundesbeamter und wohnt in Wien 14., Linzerstraße 200.

Ein paar Angaben zur Familie Rafeiner

Der Schuhmachermeister Anton Rafeiner soll ca. 1880 aus der Gegend um den Riederberg nach Ober St. Veit gezogen sein. Seine Vorfahren sollen aus Südtirol stammen, doch kann es sich dabei um eine familieninterne Vermutung handeln, die nur auf der Herkunft des Namens beruht. Anton Rafeiner wird seine Frau Maria (oft auch Marie) Renner vermutlich hier kennengelernt haben, denn sie wurde 1868 oder 1869 als Tochter des in Hacking geborenen Zimmermann-Gesellen Josef Renner und seiner aus Wien stammenden Frau Theresia geboren. Zu dieser Zeit lebten Marias Eltern in einer Wohnung des Hauses Firmiangasse 13.

Anton und Maria Rafeiner lebten vielleicht schon im Haus Auhofstraße 144, als 1892 ihre Tochter Maria (ebenfalls oft auch Marie) und 1901 ihr Sohn Anton geboren wurden. 1904 zog die Familie in das Haus Firmiangasse 45 in dem Anton Rafeiner sen. von nun an auch sein Gewerbe ausübte. Er soll viele Gesellen und Lehrlinge beschäftigt haben. Das Verkaufsgeschäft war an der Staßenfront, die Werkstätte hinten.

Maria Rafeiner jun. heiratete den Lehrer Josef Limoser. Das Ehepaar, das immer in der Firmiangasse 45 lebte, blieb kinderlos. Anton Rafeiner jun., von Beruf ebenfalls Lehrer, zog nach Neuberg im Burgenland und heiratete die Lehrerin Anni Biricz. Das Ehepaar hatte vier Kinder: Ilse (geb. 1927), Elfriede (geb. 1932), Anton Friedrich (geb. 1935) und Othmar (geb. 1939).

Historische Fotos (zum Vergrößern bitte anklicken)

Quellen:
Grundbücher
Volkszählungen
Informationen von Elfriede Rafeiner

hojos
im September 2012