Schöne Aussichten

Es ist herrlich, ins Land zu schauen – und noch dazu gratis.
15.02.2012

Wer in Ober St. Veit seine Runden dreht, dem öffnen sich immer wieder Plätze mit atemberaubender Aussicht. Man kann Blicke genießen, die vom Satzberg im Norden über ganz Wien reichen und bei gutem Wetter über Wien hinweg von den östlichen Grenzbergen über das Leithagebirge, das Rosaliengebirge und das Wiener Becken bis zum Anninger schweifen können. Einer der Schönsten Aussichtspunkte ist der Sattel zwischen Girzenberg und Rotem Berg.

Der Ober St. Veiter Grafiker, Fotograf und Buchautor Mag. Gerd W. Götzenbrucker zählt diesen Blick auf Wien zu den schönsten und spektakulärsten Panoramen der Stadt und stellt ihn in den Fokus eines neuen Kunstprojektes. Weil der Aussichtspunkt im 13. Wiener Gemeindebezirk liegt, macht er 13 Monate lang an jedem 13. Tag um genau 13 Uhr eine Aufnahme dieses Blickes. Diese unverfälschten und ungeschönten Momentaufnahmen werden dann im Rahmen einer Ausstellung präsentiert. 1133.at war beim ersten Foto-Termin dabei und hat Gerd Götzenbrucker vor seinem Lieblingspanorama fotografiert.

Gerd. W. Götzenbrucker auf dem Roten Berg. Fotografiert am 13. Jänner 2012 nach der ersten Aufnahme für sein neues Kunstprojekt. © Archiv 1133.at

Solche Projekte haben allerdings auch eine inspirierende Wirkung, und diesem Umstand ist die folgende Darstellung zu Ober St. Veit und seinen Aussichtspunkten zu verdanken.

Als Ober St. Veit noch eine beliebte Ausflugsdestination war, kamen die Gäste wegen der Schönheit des Ortes, wegen des vielen Grüns, wegen seiner zahlreichen Gaststätten und manchen netten Menschen, aber auch wegen der schönen Aussicht, die man hier genießen konnte. Aussicht hatte man von fast allen Erhebungen, denn damals waren der Wald und das Häusermeer noch nicht so verbreitet und dicht wie heute. Früher waren weite Flächen die Hänge der fünf Erhebungen hinaufreichend (Trazerberg, Girzenberg, Roter Berg, Gemeindeberg und Hagenberg mit Himmelhof) landwirtschaftlich genutzt. Die Äcker, Wiesen und Weingärten störten keinen ausschweifenden Blick. Nach dem Niedergang der Landwirtschaft blieben viele Wiesen erhalten. Doch dann wurden sie sukzessive Opfer der Verbauung und des Waldes. Wald ist einfacher zu pflegen als Wiesen und gibt – zumindest gefühlsmäßig – mehr Sicherheit vor Umwidmungen.

Die bekanntesten und gesuchtesten Plätze mit Aussicht waren natürlich in der Nähe einer Gaststätte. Was gibt es Schöneres, als einen reich gedeckten Tisch vor atemberaubenden Panorama. Andreas Seifert, Wirt in der Hietzinger Hauptstraße 149 (später wurde es zur Gastwirtschaft Bauer) war der erste, der in Ober St. Veit diese Marktlücke erkannte. 1823 erwarb er die Einsiedelei und erhielt 1830 das Recht, dort "auszuschenken und auszukochen". Der zweistufige Garten in einem herrlichen Park und die weite Fernsicht über ganz Wien garantierten die Beliebtheit bei den Wiener Ausflüglern, ein aufgestelltes Fernrohr war die zusätzliche Attraktion. Wer noch mehr Aussicht wollte, konnte den Gemeindeberg hinauf wandern. Natürlich ging damals nichts ohne Tanz und daher gab es auch einen geräumigen Tanzsaal.

Die Einsiedelei bei Ober St. Veit. Kolorierte Umrissradierung von Johann Vinzenz Reim (1796–1858, Architekt, Zeichner und Kupferstecher). Sie ist eine der 550 Ansichten aus der Österreichisch-ungarischen Monarchie, die J. V. Reim auf Basis von Reiseskizzen von 1834 bis 1858 schuf. Sie zeigt die Einsiedelei als Ausflugsziel mit vielversprechender Aussicht (siehe Terrassen und Aussichtswege). Das Gebäude in der Mitte ist das von Ignatz Leopold Strodl nach dem Abbruch der alten Klause um 1782 errichtete Wohngebäude, links die neuen vermutlich von Andreas Seifert errichteten Gasträume inkl. Tanzsaal und Weinkeller, und rechts die erweiterten Wirtschaftsgebäude inkl. Kuhstall, weiteren Stallungen und Wagenremisen. Einige dieser Bauteile sind im heutigen Gebäudekomplex der Einsiedelei integriert. © Archiv 1133.at
Aussicht von der Einsideley bey St. Veit. Nach dem Original im Historischen Museum der Stadt Wien © Wienmuseum
Die schattige Terrasse vor der Einsiedelei. Diese Aufnahme entstand ein Jahr nach dem Großbrand 1908, als der Besitz brereits an den III. Orden des hl. Franz von Assisi verkauft worden war. Die in der ferne schemenhaft erkennbaren beiden Türme der Versorgungsheimkirche geben noch einen Eindruck von der einst herrlichen Aussicht dieses Standorts. © Archiv 1133.at

Ein weiterer Betrieb führte seine Stärke sogar im Firmennamen: Das Gasthaus "Zur schönen Aussicht" in der Gemeindeberggase oberhalb des Friedhofs. Weitere später hinzugekommene Ausflugsdestinationen waren Johann Pueckers Winzerhaus in der Gemeindeberggase 61, der Lindwurm am oberen Ende der Ghelengasse (aber der konnte eher mit der Blütenpracht seiner noch auf Josef Weidman zurückgehenden Obstbäume punkten), das Café Hauer (heute: Zur Wildsau) in der Slatingasse 22, die Auerhütte in der Adolfstorgasse 26, die Jausenstation Stanzl in der Veitlissengasse 64 und das Café-Restaurant Himmelhof in der Himmelhofgasse 17–19.

Die Aussicht vom Gasthaus "Zur schönen Aussicht" Richtung Südosten. © Archiv 1133.at
Die Aussicht von der Auerhütte. © Bezirksmuseum Hietzing
Der Gastgarten des Restaurants Himmelhof. Aquarell von Rudolf Cankl © Bezirksmuseum Hietzing

Aber auch sonst war die schöne Aussicht ein ständiger Begleiter beim Wandern und Skifahren. Kaum ein Punkt oberhalb des Ortskerns, der nicht den Blick in die Umgebung freigab. Diese Zeiten sind längst vorbei, heute haben Wald und Häuser viele der Aussichtspunkte verstellt.

Skispass am Fuße des Gemeindeberges. Selbst der heute dich verbaute Hang vom Josef-Kraft-Weg hinunter zur Wlassakstraße war ein beliebter Skihang mit Aussicht auf Wien. Foto aus den 1930er-Jahren. © Archiv Winter Ilse
Skifreuden am Himmelhof. Damals gab es auch noch den Skilift hinauf bis zum obersten Punkt der Wiese. Links hinter den Bäumen ist der Turm der Ober St. Veiter Pfarrkirche zu sehen. © Bezirksmuseum Hietzing

Doch kann nach wie vor eine beachtliche Liste an attraktiven Aussichtspunkten genannt werden:


Der Rote Berg. Der Sattel zwischen Girzenberg und Rotem Berg und die Wiesen, die sich nach Norden und Süden und um den Roten Berg herum ausdehnen, bieten nach wie vor einen herrlichen Blick ins Umland.

Der Aussichtsturm im Gelände der Hochschule für Agrar- und Umweltpädagogik am Trazerberg.

Der Ober St. Veiter Friedhof. Von überall bietet er einen schönen Blick auf das südliche Wien, das Wiener Becken und die dahinter liegenden Berge vom den Hundsheimer Bergen bis zum Anninger.

Das obere Ende des Hanschweges. Dort, wo der 55B in der Sommerzeit seine Umkehrschleife hat, steht ein sonniges Bankerl, und darauf genießen vor allem ältere Leute die Sonne und den Blick nach Süden über den Eichkogel hinweg. Aber das gönnt man ihnen offensichtlich nicht, denn eine — bis dato gottseidank von mäßigem Erfolg begleitete – Baumpflanzung auf der kleinen Wiese davor soll das zunichte machen. Warum nur?

Die  Lindwurm-Wiese, wobei vor allem die nördlich gelegene "Nebenwiese" einen schönen Blick auf Wien gewährt.

Die Matraswiese. Noch wird sie vom gefräßigen Wald freigehalten und bietet ebenfalls einen schönen Blick auf Hietzing und Wien.

Der Himmelhof. Auch er verwaldet zunehmend, doch bietet er dank seiner Größe noch immer zahlreiche freie Flächen, die sensationelle Blicke nach Norden Richtung Baumgarten bis nach Süden Richtung Gemeindeberg öffnen. Von Ober St. Veit ist aber nicht mehr viel zu sehen, der Kirchturm kann nur an ausgesuchten Stellen gerade noch seinen Turm über das Geäst des Waldes heben.

Ein Ausblick vom Himmelhof. Der Himmelhofsender vor dem Kahlenbergsender, ganz rechts die Otto-Wagner-Kirche am Steinhof. Fotografiert am 25. August 2009 © Archiv 1133.at
Ein Ausblick vom Himmelhof. Der Bick über Ober St. Veit hinweg ins Stadtzentrum, ganz links ragt die Stephanskirche aus dem Häusermeer. Fotografiert am 25. August 2009 © Archiv 1133.at
Der Ausblick vom Himmelhof. Unten in der Mitte ist der Turm der Ober St. Veiter Pfarrkirche zu sehen, weiter oben das Schloss Schönbrunn. Fotografiert am 25. August 2009 © Archiv 1133.at
Ein Ausblick vom Himmelhof. Links dominiert der Wohnpark Alt-Erlaa, rechts sind die Doppeltürme der Versorgungsheimkirche zu sehen. Fotografiert am 25. August 2009 © Archiv 1133.at

Aber genug über unsere eigenen Aussichtsplätze. Was die Ober St. Veiter noch mehr interessieren mag, ist der Blick auf das Dorf mit seiner malerischen Kirche, wie man ihn von den umliegenden Hügeln genießen kann. Oder können sollte, denn auch das wird immer schwerer. Vor allem Hütteldorf, Baumgarten und der Küngiglberg wären dafür prädestiniert, aber beide sind mittlerweile derart von Wald und Häuserzeilen verstellt, dass Plätze mit Aussicht auf Ober St. Veit nur mehr schwer zu finden sind. Am ehesten könne man das von dem Park am Küniglberg am oberen Ende der Elisabethallee erwarten, aber selbst hier lässt sich die Kirche nur durch die Bäume hindurch erahnen.

Blick vom Küniglberg auf Ober St. Veiter. Früher stand fast an jedem Platz des westlichen Küniglsbergs Ober St.Veit vor Augen. Heute ist es von öffentlich zugänglichen Flächen fast nicht mehr zu sehen. Fotografiert am 15. Jänner 2012 © Archiv 1133.at

Auf der anderen Seite des Wienflußes sind die Wiese am Satzberg oder die Otto-Wagner-Kirche am Steinhof gute Tipps.

Blick vom Satzberg auf Ober St. Veit. Im Hintergrund dominiert der Eichkogel. Fotografiert am 25. Februar 2012 © Archiv 1133.at
Blick vom Satzberg auf Ober St. Veit. Fotografiert am 25. Februar 2012 © Archiv 1133.at

Ein Geheimtipp ersten Ranges ist aber der Blick auf die Ober St. Veiter Kirche, wie man ihn von der Gloriette in Schönbrunn genießen kann. Die nach Westen führende Allee zielt genau auf die Ober St. Veiter Pfarrkirche.

Blick von der Gloriette auf die Ober St. Veiter Pfarrkirche. Fotografiert am 15. Jänner 2012 © Archiv 1133.at
Blick von der Gloriette auf die Ober St. Veiter Pfarrkirche. Fotografiert am 25. Februar 2012 © Archiv 1133.at

hojos
Im Februar 2012